In den ersten Jahren nach der Einführung der Proporzwahlen war kein wirklicher „Turnus“ erkennbar, insbesondere weil 1919/20 der fraktionslose Eduard Blumer und 1925/26 Emil Hofmann von der Sozialpolitischen Fraktion zum Präsidenten gewählt wurden und der offizielle SP-Kandidat Robert Grimm im Jahre 1926 eine Niederlage hinnehmen musste, während die Freisinnigen innerhalb kürzester Zeit zum zweiten Mal den Präsidenten stellten (1926/27 Paul Maillefer). Emil Klöti wurde 1921 als erster Sozialdemokrat zum Nationalratspräsidenten gewählt und Johann Jenny war 1922/23 der erste Präsident aus den Reihen der BGB, dies obwohl ihre beiden Parteien damals noch nicht im Bundesrat vertreten waren. Bereits ab 1927, als Minger (V), Walther (C), Graber (S) und Sträuli (R) nacheinander zum Präsidenten gewählt wurden, begann sich die Formel „V-C-S-R“ abzuzeichnen.
Seit der Einführung der vierjährigen Legislaturperiode im Jahr 1931 hat die Konservative-christlichsoziale und spätere Christlichdemokratische Fraktion immer den zweiten, die Sozialdemokratische Fraktion den dritten und die Freisinnig-demokratische Fraktion den vierten Präsidenten einer Legislaturperiode gestellt. Der erste Präsident kam von 1931 bis 1943 aus den Reihen der BGB (SVP). Gemäss einer einvernehmlichen Regelung durften zwischen 1947 und 1995 die Liberalen oder die Unabhängigen den ersten Präsidenten jeder dritten Legislaturperiode vorschlagen, die SVP stellte zwischen 1947 und 1999 also jeweils nur zwei der drei ersten Präsidenten innerhalb von zwölf Jahren.
Die Grüne Fraktion, die in den letzten zwei Wahlen Sitze dazu gewonnen hat (1995 und 1999 10 Sitze, 2003 15 und 2007 22 Sitze), scheiterte mehrmals mit ihrem Antrag an das Büro, den Turnus der vier Bundesratsparteien ungefähr alle zehn Jahre einmal zu unterbrechen. Im August 2008 beschloss das Büro, dass zu Beginn der Wintersession 2010 ein Ratsmitglied der Grünen Fraktion ins 2. Vizepräsidium und damit voraussichtlich in der Wintersession 2012 zum Präsidenten oder zur Präsidentin des Nationalrates gewählt werden soll.