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Curia Vista - Geschäftsdatenbank

06.3497 – Postulat

Zukunft des Historischen Lexikons der Schweiz und Verbreitung von schweizergeschichtlichem Wissen in der Bevölkerung

Eingereicht von
Einreichungsdatum
04.10.2006
Eingereicht im
Ständerat
Stand der Beratungen
Angenommen
 

Eingereichter Text

Der Bundesrat wird beauftragt, zusammen mit der Trägerschaft des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS) einen Bericht auszuarbeiten, in dem er darlegt, wie er sich die Zukunft des HLS vorstellt und wie er dessen Rolle bei der künftigen Aufbereitung, Vermittlung und Verbreitung der Geschichtskenntnisse über unser Land sieht. Insbesondere soll der Bericht aufzeigen, welche Rolle das HLS oder eine Nachfolgeorganisation im Rahmen der auszubauenden geisteswissenschaftlichen Infrastruktur im Allgemeinen und der schweizergeschichtlichen im Speziellen spielen soll.

Begründung

Wegen der hohen staats-, kultur- und sprachpolitischen Bedeutung unterstützt der Bund seit Jahren die Erarbeitung und Publikation des viersprachigen HLS. Dabei liessen und lassen sich Bundesrat und Parlament von der hohen Wichtigkeit der Geschichte für die nationale Identität leiten: "Unser Land, die Eidgenossenschaft, hat sich seit jeher über die Geschichte definiert, über die gemeinsam erlittene und gestaltete Vergangenheit" (Bundespräsident Kaspar Villiger im Vorwort zum 1. Band). Seit 1998 steht das elektronische HLS als erstes mehrsprachiges Nachschlagewerk der Welt online dem Publikum unentgeltlich zur Verfügung, und seit 2002 erscheinen die gedruckten Bände in einer deutschen, französischen und italienischen Ausgabe im Jahresrhythmus (bisher 4 von 13 geplanten Bänden, total 12 Bücher, der 5. Band erscheint im Herbst 2006). Das HLS, insbesondere das e-HLS, hat sich bereits jetzt zu einem schweizergeschichtlichen Referenzwerk entwickelt, das sowohl national und international eifrig konsultiert wird, nicht zuletzt von jüngeren Menschen.

Die gedruckte Publikation wird in einigen Jahren abgeschlossen sein. Offen ist aber die Zukunft der grossen schweizergeschichtlichen Datenbank mit ihren rund 115 000 Artikeln in allen vier Landessprachen und mit dem zusätzlichen, nicht gedruckten Material. Es geht darum, die mit öffentlichen Mitteln geleisteten Investitionen sowie das zwischenzeitlich erarbeitete Know-how in diesem grossen, vom Bund finanzierten geisteswissenschaftlichen Unternehmen nachhaltig zu sichern und dem Schweizervolk weiterhin zuverlässige, allgemein-verständliche und aktualisierte Informationen zu seiner eigenen Geschichte anzubieten. Der Bund ist hier besonders herausgefordert, da niemand - weder Private noch andere Institutionen der öffentlichen Hand - in der Lage sind, dieses nationale Grossunternehmen langfristig zu sichern. Die Zukunft des HLS ist meines Erachtens zusammen mit der Stärkung der Geisteswissenschaften in der Schweiz anzugehen. Verschiedentlich haben Fachkommissionen, so die "Arbeitsgruppe zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften", die sogenannte Kommission Schuwey (2002) und die Arbeitsgruppe des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates in ihrem Bericht "Perspektiven für die Geistes- und Sozialwissenschaften in der Schweiz" (2006), schwere Defizite bei den Geisteswissenschaften, insbesondere im Bereich der Infrastruktur (Dokumentationszentren, Datenbanken usw.) festgestellt. Im politisch sensiblen Bereich der Schweizergeschichte könnte mit einer langfristigen Sicherung bzw. Umbau des HLS in eine schweizergeschichtliche Dokumentations- und Informationsstelle auf einer bereits bestehenden und gut funktionierenden Basis mit relativ wenig Kosten ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Geisteswissenschaften unternommen werden.

Stellungnahme des Bundesrates vom 29.11.2006

Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS) sowohl für die schweizerische Geschichtsforschung als auch in Bezug auf seine staatspolitische Dimension.

Die seit ihrer Gründung 1988 vom Bund unterstützte Stiftung "Historisches Lexikon der Schweiz" bezeichnet als Stiftungszweck die Herausgabe des historischen Lexikons der Schweiz sowie dessen Weiterführung in Form einer Datenbank.

Mit der nunmehr jährlich erfolgenden Publikation eines Bandes in drei Landessprachen rückt die Erfüllung des ersten Zwecks der Stiftung näher; die notwendigen redaktionellen Arbeiten sollen Ende 2012, die Publikation des letzten, dreizehnten Bandes 2014 abgeschlossen sein.

Aktuell steht für den Bundesrat das planmässige Erreichen des Editionsabschlusses (ersten Stiftungszweck), was auch die elektronische Publikation auf dem Internet mit einschliesst, im Vordergrund. Ein entsprechender Antrag wird den eidgenössischen Räten im Rahmen der Botschaft Bildung, Forschung und Innovation 2008-2011 unterbreitet werden.

Das weitere Vorgehen in Bezug auf die Unterstützung der Datenbank des Lexikons (zweiten Stiftungszweck) wird, auch unter Berücksichtigung des sehr dynamischen Umfeldes im Bereich der elektronischen Publikationen, im Verlauf der nächsten Legislaturperiode geprüft und in einem Bericht dargelegt. Nach Konsultation des HLS werden die zuständigen Bundesstellen diesen Bericht allerdings unabhängig vom Subventionsnehmer HLS erarbeiten, und der Bundesrat wird dem Parlament im Rahmen der BFI-Botschaft 2012-2015 einen Antrag über das weitere Vorgehen unterbreiten.

Antrag des Bundesrates vom 29.11.2006

Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.

 
 

Chronologie / Wortprotokolle

Datum Rat  
05.12.2006SRAnnahme.
 
 
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