Villiger Kaspar, Bundesrat:
Die Finanzpolitik hat im Wesentlichen drei Funktionen: Sie muss erstens die Staatsausgaben finanzieren, sie muss zweitens konjunkturverträglich sein, d. h., das Wachstum begünstigen, und sie muss drittens nachhaltig sein. Alle drei Funktionen sind gefährdet, wenn wir nichts unternehmen.
Nach dem schlimmsten Jahr, dem Jahr 1993, mit einem Defizit von über 9 Milliarden Franken, gelang es, mit dem Haushaltziel und dem Stabilisierungsprogramm die Defizite Schritt für Schritt abzubauen und die Zunahme der Verschuldung - abgesehen von der Bilanzierung von früher versteckten Schulden - zu bremsen und die Situation bis zum Überschussjahr 2000 kontinuierlich zu verbessern. Zwei Dinge sind seither geschehen, die eine neue Trendwende eingeläutet haben. Das erste ist der - vor allem in dieser Dimension völlig unerwartete - Einbruch bei den Steuereinnahmen. Das hat mit dem Platzen der Börsenblase zu tun. Das zweite war, was man die "Illusion 2000" nennen könnte: die Reaktion der Politik auf das Überschussjahr, als ein ganzer Strauss neuer und milliardenschwerer Begehrlichkeiten wieder aufgetaucht ist. Die Lücke, die wir heute in der Planung haben und die noch nicht alles enthält, was sich im Moment in der politischen Pipeline tummelt, beläuft sich auf 5 bis 6 Milliarden Franken in den nächsten Jahren. Das ist mit unserer Bundesverfassung und der Schuldenbremse,
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AB 2003 N 1587 / BO 2003 N 1587
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die mit dem überwältigenden Volksmehr von 80 Prozent bei der Abstimmung angenommen wurde, schlicht nicht vereinbar.
Was passiert, wenn wir nichts tun und den Dingen einfach ihren Lauf lassen? Dann können wir die Ausgaben über Verschuldung finanzieren. Wenn wir diesen Weg wählen, kommen wir erneut in die Schulden-Zinsen-Spirale hinein, und das wird dazu führen, dass wir in kürzester Zeit den politischen Handlungsspielraum, den Sie ja alle wollen, verlieren. Es wurde hier gesagt: Wenn die Zinsen noch etwas zunehmen, wird die Zinslast höher sein - wenn sie es nicht jetzt schon ist -, als es die Ausgaben für die Landesverteidigung sind. Wenn wir dieser Entwicklung also nicht Einhalt gebieten, werden mehr und mehr Steuergelder nur für Zinsen verwendet werden müssen.
Das Zweite ist aber - und das ist wahrscheinlich längerfristig wichtiger -, dass das Vertrauen der Märkte in das Land und das Vertrauen der Investoren in den Finanzplatz schwinden werden. Wir kennen die Länder, in denen das geschehen ist. Das werden wir mit sinkendem Wohlstand teuer bezahlen.
Wenn wir nicht die Kraft haben, dem Ausgabenwachstum Einhalt zu gebieten, ist die eine weitere Möglichkeit die, dass wir eine Lösung über die Steuern suchen. Das ist ein Rezept, das hier mindestens partiell vorgeschlagen wurde. Dann wird Folgendes passieren: Unsere Standortqualität wird, wenn wir nicht aufpassen, rasch abnehmen; es wird nicht mehr so interessant sein, in der Schweiz zu investieren. Das würden wir langfristig mit mangelnder Konkurrenzfähigkeit bezahlen. Auch das würde sich sehr rasch auf unseren Wohlstand und auf die Arbeitsplätze auswirken.
Wir wissen schon jetzt, dass die nächste Generation, auch wenn wir unsere Hausaufgaben bei der Konsolidierung der Sozialwerke machen, zur Aufrechterhaltung der sozialen Leistungen mehr bezahlen muss. Wenn wir dieser Generation noch einen zu teuren Staat aufoktroyieren, wird das nötige Wachstum dieser Generation zwangsläufig durch Abgaben und Steuern "erdrückt". Die Schweiz - das ist meine tiefste Überzeugung - wird diesen Spitzenwohlstand nicht aufrechterhalten können. Das ist, Frau Maury Pasquier, keine Frage des "esprit comptable", sondern es ist eine staatspolitische Frage. Es ist die Frage, ob die nächste Generation in der ersten oder in der zweiten Liga spielen kann und spielen wird.
Wir haben also keine Wahl, wir müssen den Haushalt wieder in den Griff bekommen. Es ist noch früh genug, wir sind nicht in einer katastrophalen Situation. Wir können vermeiden, dass es zu einer katastrophalen Situation kommt, wir haben immer noch ein Triple-A. Aber wir müssen dafür sorgen, dass wir es behalten können. Wir haben keine Wahl. Wir müssen rasch reagieren, weil sich sonst immer wieder neue Nutzniesser an die Ausgaben gewöhnen und protestieren werden, wenn wir sie eindämmen wollen. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie das Entlastungsprogramm 2003 - und ich bin dankbar dafür, dass Sie sich so entschieden haben - rasch verabschieden, dass wir rasch handeln können.
Was sind die Ziele und die Leitplanken dieses Programmes? Ich darf sie kurz aufzählen, weil sie wichtig sind. Die Ziele lauten: Wir wollen einen nachhaltigen und dauerhaften Ausgleich; wir wollen die staatliche Aufgabenerfüllung aber im Kern sichern, und wir wollen auf die schwierige konjunkturelle Situation Rücksicht nehmen. Die Leitplanken: Wir wollen vor allem auf der Ausgabenseite entlasten - ich komme noch dazu, warum -; wir wollen nach Möglichkeit keine Lasten auf die Kantone abwälzen; wir wollen auf komplexe Systemkorrekturen verzichten, weil das in einem solchen Programm zu aufwendig wäre, und wir wollen eine gewisse Symmetrie und Ausgewogenheit.
Wenn hier aber gesagt wird, der Bundesrat habe keine politischen Prioritäten gesetzt, man mache das nur linear, muss ich das klar bestreiten. Wir gingen ja von den Planungen aus. Wenn Sie sehen, wo was noch wächst, und wenn Sie sehen, wo wir was reduzieren, stellen Sie fest, dass in diesem Paket ganz klare politische Prioritäten existieren. Wir sind in vielen Bereichen sehr stark über der Teuerung; z. B. wachsen die Ausgaben für soziale Wohlfahrt und Bildung munter weiter, es wachsen die Ausgaben für Justiz und Polizei - hier vor allem EffVor -, es wachsen die Ausgaben für Beziehungen zum Ausland. Auf der anderen Seite haben folgende Bereiche reale Abnahmen zu erleiden: Landesverteidigung, Kultur/Freizeit, Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt/Raumordnung. Es ist also eine klare Prioritätensetzung erkenntlich, wenn Sie die einzelnen Bereiche anschauen.
Ich möchte kurz auf die Würdigung und auf die verschiedenen Anforderungen an die Finanzpolitik eingehen: Zuerst stellt sich bezüglich der Nachhaltigkeit die Frage: Ist dieses Paket gross genug, um eine nachhaltige Finanzpolitik sicherzustellen? Ich kann die Frage so beantworten: Sie wissen, dass die Planung noch eine Lücke von 1,5 bis 2 Milliarden Franken in den Jahren 2005 bis 2007, vor allen in den Jahren 2006 und 2007, aufweist. Auf der anderen Seite wird dieses Paket, wenn es bei dieser Grösse bleibt, klar eine Trendwende signalisieren und einleiten. Das Wachstum wird von planerisch rund 4 Prozent auf 2,1 Prozent zurückgenommen; das ist immer noch über der Teuerung, aber nicht über dem Wirtschaftswachstum. Wenn Sie hier zudem die 0,8 Mehrwertsteuerprozente zur Sanierung der IV wegnehmen, die ja ein reiner Durchlauferhitzer sind, von denen der Bund nichts hat, dann entspricht das Wachstum gerade noch der Teuerung. Wir haben also mit diesem Paket eine reale Stabilisierung, ohne die Invalidenversicherung, und das ist eine bessere Leistung, als sie die meisten europäischen Länder hinkriegen.
Die Frage stellt sich natürlich, ob wir in einem zweiten Paket Ähnliches tun müssen; ich komme dann noch kurz auf das Paket 2 zurück. Ich kann nur sagen: Mit Kürzungen, wie wir sie jetzt vornehmen, indem wir in allen Bereichen mit einer gewissen Symmetrie zu kürzen suchen, sind die Möglichkeiten ausgereizt. Wir kommen in einen Bereich, wo wir wahrscheinlich keine weiteren Massnahmen treffen können, ohne gewisse staatliche Aufgaben im Kern zu treffen. Wir sind aber davon überzeugt, dass mit dem vorliegenden Programm die staatlichen Kernfunktionen nicht gefährdet sind. Sie dürfen sich durch den Aufschrei der verschiedenen Interessengruppen nicht beirren lassen, jeder kündet natürlich den Untergang der Eidgenossenschaft an. Aber ich kann Ihnen sagen, die Bundeskernaufgaben werden noch nicht tangiert, auch wenn viele Massnahmen schmerzhaft sind - und wir wissen, dass sie schmerzhaft sind.
Wir wollten aber auch nicht weiter gehen und noch eine oder anderthalb Milliarden sparen, ganz einfach deshalb, weil es erstens an die Kernfunktionen des Staates gegangen wäre und weil wir zweitens auch nicht übersteuern wollten. Denn Planung ist Planung, und man wird in den nächsten Jahren mit der Wirtschaft, mit der Entwicklung der Steuern usw., wieder sehen, wie genau die Planung in Wirklichkeit eigentlich ist.
Es ist hier behauptet worden, die Kantone und die Gemeinden würden über Gebühr belastet, es würden Lasten nur nach unten abgewälzt. Es war eines unserer Ziele - wir haben es in enger Absprache mit den Kantonen einzuhalten versucht -, eben möglichst wenig auf die Kantone zu überwälzen, ganz im Gegensatz zu dem, was wir vor einigen Jahren beim Stabilisierungsprogramm gemacht haben. Ich glaube, das ist weitgehend gelungen. Den Vorwurf, die Kantone würden zu sehr belastet, weise ich ganz klar zurück. Eigentlich müssten wir den Kantonen 30 Prozent dieses Paketes aufbürden, denn 30 Prozent unserer Ausgaben sind Transferausgaben, die an die Kantone gehen. Wenn man sagt, man dürfe im Sozialbereich nichts machen, man müsse bei der Bildung ausbauen, und man dürfe die Kantone nicht treffen, wird es enorm schwierig, trotzdem noch ein solches Sparprogramm zu schnüren. Es ist schlicht nicht möglich. 13 Milliarden Franken beträgt die Transfersumme an die Kantone. Die direkten und indirekten Lastenabwälzungen aus dem Entlastungsprogramm betragen maximal 2 Prozent dieser Summe. Ich meine, das sei im Verhältnis sehr wenig.
Wir sind auch der Meinung, dass die Höhe der Belastungen, die die Kantone berechnet haben, übersetzt ist - wir schätzen sie tiefer -, aber ich will hier darüber nicht streiten. Das
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AB 2003 N 1588 / BO 2003 N 1588
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wird die Erfahrung zeigen. Es lohnt sich gar nicht, darüber zu streiten. Ich sage nur - sogar wenn es wahr wäre, wenn die Kantone mit ihren grosszügigen Ausfallberechnungen, 2 Prozent, Recht hätten -: Eigentlich müssten wir die Kantone mit mindestens 900 Millionen bis 1 Milliarde Franken belasten. Darauf haben wir verzichtet.
Vergessen wir nicht, dass die Kantone von der Erhöhung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe 150 Millionen Franken bekommen werden und dass sie in den nächsten Jahren, bis Sie anders entscheiden, auch die Erträge aus dem Überschussgold der Nationalbank erhalten werden. Ich komme noch auf die von Ihnen beschlossene 11. AHV-Revision zurück, die das zumindest für den Bund relativiert.
Ich komme zum Vorwurf bezüglich der Konjunktur. Tatsächlich wäre es konjunkturpolitisch falsch, die 3 Milliarden Franken auf einen Schlag wegzusparen, wie wir das von der Schuldenbremse her eigentlich tun müssten. Das würde einen eigentlichen Schock erzeugen, der die Konjunktur wirklich negativ beeinflussen würde. Wir haben uns daher dafür entschieden, das strukturelle Defizit schrittweise abzubauen, und zwar in der Zeit, in der die Konjunktur wieder anziehen wird, wie alle Auguren bis jetzt sagen, nächstes Jahr ein wenig, 2005 bis 2006 dann mehr. Im Moment ist der Bundeshaushalt ausserordentlich expansiv. Wenn Sie die Defizite des FinöV-Fonds und der Arbeitslosenversicherung dazurechnen, werden wir dieses Jahr mit 5,7 Milliarden Franken ein enormes Gesamtdefizit haben. Wir werden nächstes Jahr mit 6,5 Milliarden Franken ein zusätzliches Defizit haben. Der Bundeshaushalt ist im Moment also absolut konjunkturkonform. Es ist richtig: Die BAK in Basel hat errechnet, dass dieses Sparprogramm das Wachstum natürlich leicht dämpft, wenn es einmal wirkt, aber das wird im Aufschwung geschehen. Sie hat berechnet, dass bei unseren angenommenen Wachstumsszenarien in der Schweiz in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich etwa 100 000 Arbeitsplätze geschaffen werden dürften. Dieses Programm hat zur Folge, dass es etwa 8000 weniger sind, also nur 92 000 Arbeitsplätze. Das ist im Gesamtzusammenhang nicht sehr viel. Interessant ist aber, dass die BAK mit ihren Überlegungen zu folgendem Schluss gekommen ist: Wenn wir nicht sparen und den Bundeshaushalt über eine Mehrwertsteuererhöhung sanieren, werden 50 Prozent mehr Arbeitsplätze gekillt, als wenn wir es über Sparmassnahmen machen. Ich bitte vor allem jene, die immer meinen, man sollte eher mit Steuern sanieren, einmal auch diese Tatsache zur Kenntnis zu nehmen.
Ich komme zur Frage der Investitionen - ich will das sehr kurz machen -: Sie wurde hier nicht sehr eingehend behandelt. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass man nicht einfach sagen kann: Investitionen sind gut, weil sie das System Schweiz verbessern, weil sie Arbeitsplätze der Zukunft bringen, weil sie mit der Zeit Ertrag bringen; und alles, was Konsum ist, ist schlecht. Wir sind heute an einem Punkt, wo wir vor allem beim öffentlichen Verkehr Gefahr laufen, Projekte zu finanzieren, von denen wir heute schon wissen, dass die Folgekosten höher als der ökologische und ökonomische Nutzen sein werden, und von denen wir heute schon wissen, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler der Zukunft das auf Dauer werden finanzieren müssen. Das ist nicht vertretbar, und das ist ein Wachstumskiller.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, bei den Investitionen die Frage zu stellen, ob sie wirklich das System Schweiz stärken oder nicht. Auch der Erwerb eines Verwaltungsgebäudes ist eine Investition, aber für die Zukunft des Landes wahrscheinlich weniger entscheidend als z. B. Investitionen in Forschung und Bildung. Die Förderung von Forschung und Bildung läuft ökonomisch eben nicht unter "Investitionen", sie ist aber eine. Wenn wir unsere Investitionen über die nächste Zeit nehmen und Forschung und Bildung dazurechnen, dann stellen wir fest, dass wir keine Abnahme haben, sondern dass die Investitionen eher noch zunehmen. Man kann also nicht sagen, dieses Paket sei unter dem Aspekt der Investitionen ein schlechtes Paket. Wir müssen natürlich auch bei den Investitionen etwas bremsen, weil wir eben Konsumbereiche haben, die einfach weiter wachsen, vor allem im Bereich des Sozialen. Wenn wir dort nicht abbauen können - wir wollen ja einen soliden Sozialstaat erhalten -, dann müssen wir halt an anderen Orten eingreifen, wo es ebenfalls wehtut.
Es wurde noch die Frage eines zweiten Sparpaketes aufgeworfen; ich möchte sie nur kurz streifen. Ich habe Ihnen schon gesagt: Dieses Paket hier ist vom Volumen her ein Minimum, und ich kann Sie nur bitten, es nicht auseinander brechen zu lassen. Aber wir sind auch zum Schluss gekommen, dass solche Kürzungen, wie wir sie hier vornehmen - ich habe es auch schon erwähnt -, ausgereizt sind. Wenn wir ein zweites Paket wollen, das einen nachhaltigen Effekt erzielt, dann müssen wir in verschiedenen Bereichen an die Strukturen gehen, dann braucht es strukturelle Massnahmen.
Dazu muss ich Ihnen aber sagen: Die wichtigste strukturelle Massnahme ist die schwierigste, das ist die Konsolidierung der Sozialwerke. Aber es ist klar: Wenn Sie die Konsolidierung der AHV, der IV und der Krankenversicherung nicht fertig bringen, dann werden Sie den Bundeshaushalt nie in Ordnung bringen können. Alle anderen Bereiche sind weniger einschneidend. Sie haben ja bei den Reformen selber gesehen, wie schwierig das ist.
Zwei weitere Bereiche, die dann angepackt werden müssen, will ich Ihnen hier auch ganz klar nennen: Wir werden die Strukturen des öffentlichen Verkehrs anschauen müssen und eben auch die Frage, die ich angedeutet habe: Können wir uns alle Investitionen im Bahnbereich leisten, und sind sie sinnvoll, auch diejenigen, die vielleicht jetzt irgendwo noch auf dem Wunschkalender der Kantone und vieler in diesem Lande stehen?
Den zweiten Bereich, den wir werden anpacken müssen, sind die Bildungsstrukturen. Ich bin der Meinung, Sie müssen ganz grundsätzlich auch die schweizerischen Universitätsstrukturen anschauen, wenn Sie aus dem Bildungsfranken mehr herausholen wollen. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass es gar nichts schadet, wenn Sie hier im Bildungsbereich bei den Zuwachsraten eine gewisse Zurückhaltung üben. Der Bundesrat will ja an einem Zuwachs festhalten, aber ich glaube, auch hier können die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es ist nicht jeder ein Banause, der den Bildungsfranken von der Effizienz her, nicht von der Notwendigkeit her, infrage stellt! Wir werden vielleicht auch die Verwaltung in gewissen Bereichen etwas grundsätzlicher überprüfen müssen.
Der Bundesrat wird nicht in der Lage sein, hierzu bis zum Dezember irgendein greifbares, quantifizierbares Paket zu formen, weil solche Massnahmen in den einzelnen Bereichen gesondert vorbereitet werden müssen. Sie brauchen einen langen Atem, und sie sind schwierig zu beziffern. Aber Sie haben ein Recht darauf, vom Bundesrat spätestens im Rahmen der nächsten Legislaturplanung etwas präzisere Angaben dazu zu bekommen. Mein Departement wird sich jedenfalls bemühen, solche Elemente in die Legislaturplanung mit einzubringen, denn Sie müssen sich jetzt schon bewusst sein: Die Legislaturplanung wird wesentlich weniger Möglichkeiten zur Realisierung politischer Höhenflüge vorsehen können, als das vielleicht früher der Fall war.
Wir leben über unsere Verhältnisse; wir müssen dafür sorgen, dass sich dies ändert. Deshalb wird die nächste Legislaturplanung wahrscheinlich sehr viel nüchterner sein, als man das bei Legislaturplanungen gerne hätte.
Damit komme ich zum Fazit: Das Volumen des Entlastungsprogrammes ist ein Minimum. Dennoch wird es da und dort wehtun; wir wissen das. Wir werden Dinge einsparen müssen, von denen wir wissen, dass sie eigentlich wünschenswert wären, dass es eigentlich gar nicht so schlecht investiertes Geld wäre. Ich bitte Sie auch inständig, ein gewisses Gleichgewicht zu bewahren. Wenn nämlich dieses Paket irgendwo auseinander zu fallen beginnt, werden andere Opferträger mit Fug sagen: Ja, wenn die nicht müssen, wollen wir auch nicht. Das ist höchst gefährlich. Sie sollten auch den verschiedenen Lobbys widerstehen, die sich sehr lautstark, sehr gekonnt und mit hochprofessioneller Kommunikation gemeldet haben.
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AB 2003 N 1589 / BO 2003 N 1589
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Für mich ist neben der Frage, ob es gelingt, sogar im Wahljahr ein solches Paket zu schnüren, auch die Frage wichtig, ob es diesem Land überhaupt noch gelingt, schmerzhafte Reformen, die langfristig nötig sind, durchzuziehen, oder nicht. Ich will jetzt keine Namen nennen; aber wenn Sie es sich überlegen, welche Länder es in den letzten Jahren unterlassen haben, schmerzhafte Reformen vorzunehmen, und wenn Sie heute deren wirtschaftliche Situation anschauen, dann müsste Sie das eigentlich ermutigen, die Hausaufgaben wirklich und grundsätzlich zu machen. Ich glaube, wir haben gerade auch bei diesem Paket alle zusammen eine ganz grosse Verantwortung.
Ich möchte Sie deshalb bitten, die Nichteintretens- und Rückweisungsanträge abzulehnen und auf dieses Paket einzutreten.
Noch eine letzte Bemerkung zum Steuerpaket und zur Erbschaftssteuer, vor allem zur Erbschaftssteuer, weil die Frage hier aufgeworfen worden ist: Der Bundesrat hat die Erbschaftssteuer zur Diskussion gestellt, ausgehend von folgendem Denkmodell: Man könnte Sie, oder vielleicht sogar das Volk, zwischen zwei Strategien wählen lassen: zwischen einer Strategie "grosses Sparpaket" - das ist das, was wir jetzt machen - und einer Strategie "kleineres Sparpaket", wie es die Sozialdemokraten vorsehen; das wäre ein Paket von vielleicht nur 2 Milliarden Franken, die Differenz zu den 3 Milliarden Franken würde über Steuern hereingenommen. Der Bundesrat hat sich weiter überlegt: Welche Steuer ist wachstumspolitisch weniger schlimm - alle Steuern sind wachstumspolitisch schlecht -, ist es die Mehrwertsteuer, oder ist es gegebenenfalls eine andere Steuer? Es ist völlig klar, dass aus der Sicht liberaler Philosophen die Erbschaftssteuer keine schlechte Steuer ist - Stichwort Chancengleichheit. Es ist allen Ökonomen klar: Wenn Sie zwischen verschiedenen Steuern wählen müssen, vor allem zwischen einer Mehrwertsteuer und einer Erbschaftssteuer, ist die Erbschaftssteuer wachstumspolitisch bei weitem vorzuziehen.
Wir haben sie deshalb mit in die Konsultation gegeben, in der Meinung, man könne sich auch vorstellen, etwas weniger zu sparen und dafür etwas mehr Steuern zu bezahlen, wenn das Volk das wolle. Ich selber bin immer der Meinung gewesen, eine ausgabenseitige Entlastung sei wachstumspolitisch und für unsere Zukunft wichtiger und richtiger. Die Vernehmlassung hat aber ergeben, dass eine Erbschaftssteuer des Bundes chancenlos ist. Die Vernehmlassung hat auch ergeben, dass vielleicht eine politische Mehrheit für ein sparseitiges Paket gefunden werden könnte. Das ist der Grund dafür, dass wir Ihnen dieses Paket vorlegen und Ihnen empfehlen möchten, es ungeschoren über die Runden zu bringen und auf Steuern in irgendeiner Form jetzt zu verzichten. Denn wir glauben, dass dem Land damit längerfristig am besten gedient sei.
Deshalb bitten wir Sie, auch diese Zusatzsteuern abzulehnen.