Maurer Ueli (V, ZH):
Die Zeiten mögen sich zwar ändern, aber das Problem, das wir bei der Swissair orten, scheint uns nach wie vor das gleiche zu sein, und es ist nach wie vor aktuell. Das Grounding der Swissair ist für die schweizerische Wirtschaftsgeschichte einmalig, und ich hoffe, dass es auch einmalig bleiben wird.
Die Interessenlage unseres Parlamentes als Oberaufsichtsorgan ist vielfältig, hat doch der Bund zahlreiche Verflechtungen. Ich erinnere daran, dass er einmal Aktionär der Swissair war; er war also als Aktionär mitbeteiligt. Diese Dinge werden durch das Finanzdepartement vertreten. Dann hat das UVEK - über das Bazl - die Aufsicht. Das Bazl erteilt einerseits die Konzessionen, es hat zu überprüfen, ob die Voraussetzungen für die Erteilung der Konzession in Bezug auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit noch stimmen. Es beaufsichtigt andererseits den Flugbetrieb. Weiter ist der Bund Haupteigner der Skyguide, der Flugüberwachung. Schliesslich ist auch das Büro für Flugunfalluntersuchungen dort angesiedelt.
Die Interpellation ist jetzt eineinhalbjährig. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Ich erinnere daran, dass wir mit einer Interpellation im Jahr 2002 noch darauf hingewiesen haben, dass es im Bazl möglicherweise zu wenig Leute habe, um den Flugbetrieb aufrechterhalten und kontrollieren zu können. Der Bundesrat hat in seiner Antwort darauf hingewiesen, dass der Personalbestand des Bazl im Vergleich mit jenem der Luftfahrtbehörden anderer Länder normal sei. Sie wissen, dass wir den Personalbestand inzwischen um einen Viertel aufgestockt haben; wir haben das so beschlossen. Hier haben sich das UVEK und der Bundesrat selbst widersprochen. Der Personalbestand war genügend; ein halbes Jahr später hat man festgestellt, dass es doch nicht ganz so ist.
Zwar hat auch der Berichterstatter diesbezüglich auf die Kommission des Ständerates hingewiesen. Die Kommission des Ständerates hat sich aber ausschliesslich mit dem Grounding der Swissair auseinander gesetzt; sie hat also untersucht, wer die Schuld dafür trägt, dass an diesem fraglichen Tag damals keine Mittel zur Verfügung gestanden haben. Die Interessen des Parlamentes als Oberaufsicht |
AB 2004 N 1350 / BO 2004 N 1350
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gehen aber wesentlich weiter. Man hat zwar versucht, das Grundproblem in Ansätzen zu lösen, mit diesen Sicherheitsbeauftragten, mit der Aufstockung im Bazl. Aber es ist nicht ein Geschäft wie jedes andere. Wir hatten in der Zwischenzeit Unfälle. Es gab viele Todesopfer. Auch darüber existieren grundsätzlich Berichte. Trotzdem können wir meiner Meinung nach nicht zur Tagesordnung übergehen, weil die Probleme letztlich noch die gleichen sind. Die Verantwortung liegt letztlich beim Parlament. Das Parlament hat sich punktuell immer wieder mit einzelnen Bereichen befasst. Es fehlt eigentlich eine Gesamtbeurteilung.
Wir sind der Ansicht, dass daraus für die Zukunft Lehren gezogen werden müssen. Dazu ist es jetzt noch nicht zu spät. Es ist vielleicht im Gegenteil sogar günstiger, das aus einer gewissen Distanz anzugehen und uns darüber Rechenschaft zu geben, ob tatsächlich die richtigen Massnahmen getroffen und die richtigen Folgerungen gezogen worden sind, ob wir jetzt über eine Organisation verfügen, die in Zukunft die Aufsicht rechtfertigt oder eben nicht. Die Probleme sind immer noch die gleichen. Der Bund ist Haupteigner der Swiss. Er hat also als Eigner noch eine andere Interessenlage als vorher bei der Swissair. Das Bazl hat nach wie vor abzuklären, ob der Bund - wenn Sie so wollen - berechtigt ist zu fliegen, ob die Voraussetzungen für die Konzessionserteilung stimmen. Diese Verflechtung - Konzessionserteilung, Überwachung, Kontrolle über allfällige Unfälle - ist nach wie vor gegeben. Dann ist auch Skyguide in den Händen des Bundes, das ist nach wie vor ein Problem. Man hat jetzt organisatorisch umgestellt, aber die Frage, ob wir wirklich die richtigen Massnahmen getroffen haben, müsste uns eigentlich interessieren. Auch wenn der Fall Swissair etwas zurückliegt, wäre es jetzt eigentlich die Aufgabe des Parlamentes, sich Rechenschaft darüber zu geben, was zusammenhängend passiert ist, wie es dazu kommen konnte und insbesondere auch zu prüfen, ob wir jetzt die richtigen Massnahmen getroffen haben.
Die PUK bietet uns die Gelegenheit, jetzt aus der Distanz, ohne politische Abrechnung, uns Rechenschaft darüber zu geben. Es ist kein gewöhnliches Geschäft, es ist ein wichtiges Geschäft. Es geht dabei letztlich auch um Menschenleben, und dieser Verantwortung sollte sich das Parlament nicht entziehen im Glauben, dass es jetzt in Ordnung sei. Darüber müssten wir uns gründlich Rechenschaft geben.