Schmid Samuel, Bundespräsident:
Ich weiss nicht, wie viel Engagement ich noch aufbringen soll, um die Ablehnung dieser Motion zu verteidigen, aber immerhin, ein paar Dinge muss ich schon sagen. Ich hatte verschiedene Eindrücke beim Zuhören. |
AB 2005 N 666 / BO 2005 N 666
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Zum Ersten: Es wurden reihenweise Argumente für ein Sicherheitsdepartement gebracht. All diese Probleme hätten Sie nicht, wenn Sie den Mut hätten, der Wahrheit einmal in die Augen zu sehen. Zudem weckt jeder Nachrichtendienst enorm Fantasien. Was hier gesagt wurde, stimmt zum Teil der Spur nach, hat etwas für sich, zum Teil aber, muss ich sagen, stimmt es nicht einmal für den Nachrichtendienst. Die Geschichte mit Echelon, Herr Günter, die wurde längst geklärt; sie stimmt nicht. Herr Schlüer erwähnt den Fall Jagmetti; ja, einverstanden, aber bitte, das ist ein Beispiel aus der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre, und seither hat der Bundesrat einiges vorgekehrt in dieser Sache - einiges!
Zum Zweiten: Sie sprechen da über diese 300 000 Demonstranten beim G8-Gipfel. Es gab Leute, es gab politische Gruppierungen, die davon sprachen. Genau der Nachrichtendienst hat diese Zahl auf ein vernünftiges Minimum heruntergebracht, das war genau dank dem Nachrichtendienst.
Zum Dritten: Es wird gesagt, es würden keine Aufträge erteilt. Der Nachrichtendienst in der Schweiz wird seit einigen Jahren so geführt wie kaum je zuvor, und zwar von den politischen Behörden.
Und schliesslich, Herr Schlüer: Wir haben auch ausländische Verteidigungsattachés in der Schweiz, und wir haben aus den gleichen Ländern auch Residenten. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie unser System da organisiert ist, denn meine Möglichkeit, hier Auskunft zu erteilen, entspricht etwa der einer 750er-Maschine, die auf 125 Kubik plombiert ist. Deshalb ist es schon schwierig, diese Diskussion zu führen.
Ich hätte es immer vorgezogen - aber bitte, das ist keine Kritik -, wenn die parlamentarische Initiative Lalive d'Epinay seinerzeit an die GPDel zur Behandlung überwiesen worden wäre, denn dort hätte man effektiv problemlos und offen kommunizieren können. Das ist uns in einer anderen Kommission nicht erlaubt. Aber das ist jetzt keine Kritik an der Arbeit dieser Kommission. Aber immerhin, Sie sehen, wir sind hier in einem speziellen Gebiet, und wenn der Bundesrat hier zur Vorsicht mahnt, ist das nicht, weil er nicht bereit wäre, sich von entsprechenden parlamentarischen Kommissionen kontrollieren zu lassen. Ich darf behaupten, dass ich ein problemloses Verhältnis zur GPDel habe; sonst wäre es neu, wenn dem nicht so wäre. Dass es gelegentlich auch Fragen gibt und dass es auch Rückfragen gibt, das liegt in der Natur der Sache.
Aber ich sage, dass wir hier in einem Umfeld sind, in dem ein Geschäft nicht genau gleich behandelt werden kann wie andere parlamentarische Aufträge. Immerhin - und auch das sei vorweggenommen - habe ich mit Beruhigung zur Kenntnis genommen, dass hier niemand gesagt hat, es brauche keinen Nachrichtendienst. Das ist neu. Ich höre immer wieder, man könne darauf verzichten. Das wäre selbstverständlich absolut selbstmörderisch. Immerhin hat hier niemand gesagt, es brauche keinen.
Gestatten Sie mir, dass ich es zurückweise, wenn man sagt, der Bundesrat sei nicht tätig geworden. Das stimmt so nicht.
Zur Sache: Verändern sich die Verhältnisse, so verändern sich auch die Anforderungen, hat Frau Haering gesagt. Da stimme ich mit ihr absolut überein. Ich bin auch der Auffassung, dass dieses nachrichtendienstliche System, das wir brauchen, durchaus noch besser werden kann. Aber es ist weit besser, als gemeinhin kolportiert wird. Wir dürfen uns mit verschiedensten Leistungen durchaus sehen lassen, aber das Bemühen ist selbstverständlich, dass wir hier noch mögliche Synergien nutzen und dass wir hier auch noch besser werden.
In Bezug auf die Massnahmen, die der Bundesrat seither eingeleitet hat - und zwar unabhängig von dieser Initiative, denn die Wurzeln dieser Aktivitäten gehen weit vor diese parlamentarische Initiative zurück -, ist zu sagen, dass man zur Optimierung des ganzen Verbunds der nationalen Sicherheitskooperation vom Bundesrat einen entsprechenden Vorschlag erwartet. Dieser Vorschlag ist bereit. Der Bundesrat wird in den nächsten Wochen darüber entscheiden. Es ist ein Antrag, der infolge eines Auftrages, der im September des letzten Jahres an das VBS erteilt wurde, die sicherheitspolitische Gesamtführung in ein neues Konzept stellt. Gleichzeitig wurde das EJPD beauftragt, gemeinsam mit dem VBS und dem EDA Vorschläge zur Verbesserung der Funktion und Koordination zwischen den Diensten zu unterbreiten. Auch in diesem Punkt wird der Bundesrat in den nächsten Wochen entsprechend Beschluss fassen. Es stimmt, dass es hier eine Verzögerung gegeben hat, wie das vom Vertreter der GPDel gesagt wurde. Aber es wäre falsch, daraus zu schliessen, dass man sich hier nicht effektiv zu besserer Koordination zusammenfinden würde.
Die Analyse hat auch ergeben, dass es unterschiedliche Geschwindigkeiten respektive unterschiedliche Prioritäten gibt. Sollte Ihre Motion dazu führen, dass jetzt das Rad neu erfunden wird und das Ganze über eine neue Gesetzgebung auf eine andere Basis gestellt wird, dann befürchtet der Bundesrat, dass wir in der Umsetzung der rascheren Massnahmen, die man ohne Gesetzesänderungen machen kann, behindert sind. Es könnte alles wieder hinterfragt werden, denn das geht in dieser Verwaltung effektiv nicht widerstandslos; da ist Ihre Analyse richtig. Das ist eigentlich der Grund, weshalb wir hier - nach altem Modus - ein Postulat vorgezogen hätten, weil wir dann die Marschrichtung des Parlamentes definiert, aber doch einen grösseren Handlungsspielraum hätten, als wir ihn dann haben, wenn wir das als Motion entgegennehmen müssen.
Wenn der Rat dazu kommt, die Motion abzulehnen, dann ist überhaupt nichts im negativen Sinne präjudiziert - in der Richtung, dass die GPDel die Fortschritte nicht immer wieder und schrittweise wird verfolgen können.
Es wird bei diesen Massnahmen um eine verstärkte direkte und auch institutionalisierte Koordination zwischen verschiedenen Diensten gehen. Es wird darum gehen, dass die Auslandkontakte koordiniert werden und dass der Kontakt mit Partnerdiensten klar geregelt wird, dass also einige mögliche Doppelspurigkeiten abgebaut werden können. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass nach einem ersten Schritt noch ein weiterer Schritt folgen muss. Wenn also die Motion von beiden Räten angenommen wird, dann müssten Sie uns mindestens zugestehen, dass diese Sofortmassnahmen realisiert werden können, um das andere dann später, zusammen mit dem Parlament, erledigen zu können.
Noch etwas zum "return on investment": Auch da wird viel philosophiert, indem man sich der Vorstellung hingibt, das Produkt des Nachrichtendienstes sei in jedem Fall eine direkte geldwerte oder bilanzierbare Leistung. Wenn der Nachrichtendienst etwas verhindert, dann hat er seine Arbeit vorzüglich erfüllt, aber es ist eben kein Schaden ersichtlich, respektive es wäre müssig, den Umfang des Schadens zu schätzen. Aber man hat eine kriminelle oder eine negative Leistung verhindert. Wenn der Nachrichtendienst etwas verifiziert, dann gewinnen wir rascher an Sicherheit.
Ich bin immer wieder erstaunt: Wenn wir hier über die Medienberichte sprechen, dann sind sie zweifellos ebenfalls zu gewichten und auszuwerten. Aber für eine Regierung kann es ja kaum darum gehen, dass man sich seine Meinung ausschliesslich - ausschliesslich! - aufgrund der Zeitungen macht. Es gibt Fälle oder Bereiche, wo das möglich ist, aber es gibt zahlreiche Fälle, wo das nicht möglich ist. Dies gilt umso mehr, als auch andere Mächte und Staaten mit den offenen Informationen spielen. Denn gelegentlich werden solche Irrtümer auch gesetzt, und dann sind sie zu demaskieren. Wo ist dann die unmittelbare geldwerte Leistung oder der Mehrwert?
Wenn der Nachrichtendienst vorwarnt - es ist dann an den politischen Behörden, zu entscheiden, was sie damit machen; das kann man aber nicht dem Dienst anlasten -, dann ist auch das nicht ein unmittelbarer finanzieller Mehrwert. Wenn der Dienst aufklärt - und ich kann die Reihe fortsetzen -, dann ist das nicht ein derartiger direkter "return on investment", und deshalb ist diese Rechnung von vornherein etwas fragwürdig.
Der Bundesrat ist selber daran, diese Leistungsverbesserung Schritt für Schritt herbeizuführen, in Anerkennung der guten Dienste, die da bereits jetzt erbracht werden, in Anerkennung auch des Umstandes, dass das Gesamtgebilde der Dienste, auch die Zusammenarbeit, nicht ganz so einfach |
AB 2005 N 667 / BO 2005 N 667
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ist, wie es hier geschildert wird. Vor diesem Hintergrund muss ich Ihnen sagen: Darauf gründet die Auffassung des Bundesrates, dass man besser daran täte, der Exekutive hier allenfalls ein Postulat entgegenzuhalten, auch um sie hier nicht unnötig zu beschränken. Das sind die Gründe für die Ablehnung: Sie sehen, es ist also nicht eine andere Konzeption, es ist auch nicht die Negation von gewissen Kritikpunkten, die geäussert worden sind, sondern es ist die Analyse des heutigen Zustandes, und es ist auch der Vergleich mit den Möglichkeiten, die wir haben, diesen Zustand zu verbessern.
Aus diesem Grund beantrage ich Ihnen, die Motion abzulehnen.