Gutzwiller Felix (RL, ZH):
Ich glaube, ehrlich gesagt, Frau Graf Maya hat nicht ganz verstanden, worum es hier geht. Sie stellt ja die Frage: Was steht dahinter? Ich versuche gerne noch einmal zu erklären, was dahinter steht, wie das Kollege Dunant schon getan hat.
Es geht keinesfalls darum, die Ethikkommissionen zu umschiffen, wie das vorher hier gesagt wurde. Worum geht es? Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Heute hat ja jeder Kanton in der Schweiz eine Ethikkommission. Zur Normalität in der medizinischen Forschung gehört heute aber auch, dass es sogenannte Multizenterstudien gibt. Das sind Studien, die in verschiedenen Spitälern gemacht werden - also beispielsweise im Uni-Spital Zürich, im Kantonsspital Baden, im Centre Hospitalier Universitaire Vaudois usw. -, weil eine entsprechende Anzahl von Patienten rekrutiert werden muss.
Was heisst das nun? Das heisst, dass die gleiche Studie im Kanton Aargau, im Kanton Zürich, im Kanton Waadt und in weiteren Kantonen durch jeweils unterschiedliche Ethikkommissionen, die als Milizgremien funktionieren, begutachtet wird. Wohin führt das? Das führt dazu, dass es grosse zeitliche Verschiebungen gibt, weil diese Kommissionen als Milizgremien teilweise zwei, drei, vier Monate brauchen. Es führt dazu, dass es in belanglosen Fragen teilweise unterschiedlichste Meinungen gibt: Die Kommission des Kantons Waadt sagt etwas anderes als die Kommission des Kantons Aargau. Das ist manchmal ziemlich grotesk. Da wird beispielsweise gesagt, dass eine Frage im Fragebogen zusätzlich anders formuliert werden müsse. Dann gibt es zwischen Ethikkommissionen aus sieben verschiedenen Kantonen ein Hin und Her, bis die Fragebogen für die Patienten im Trockenen sind.
Es gibt also sehr viele technische Probleme im heutigen Verfahren wegen der Kantonalisierung der Ethikkommissionen. Herr Dunant - wenn ich das richtig verstehe - will diese nicht abschaffen, sondern durch ein einheitliches, schlankes Verfahren ersetzen, das der Realität Rechnung trägt.
Aber es sind nicht nur die administrativen Probleme, die hier stören - man könnte ja sagen: Ja gut, damit müsst ihr euch halt abfinden -, sondern es sind viel schwerwiegendere Probleme dahinter, die den Standort Schweiz für die medizinische Forschung gefährden. Ich will Ihnen ein weiteres Beispiel geben: Da gibt es internationale Studien. Stellen Sie sich vor, es wird ein neues Medikament zur Senkung des Blutdrucks getestet. Das braucht heute vielleicht 10 000 Patienten. Die Schweiz war noch vor zehn Jahren eines der führenden Länder, welches solche Studien im eigenen Land machen konnte. Sie ist seit kurzer Zeit nicht mehr eines dieser führenden Länder, und zwar einfach deshalb, weil diese internationalen Studienprotokolle wieder an die Ethikkommission des Kantons Aargau, die Ethikkommission des Kantons Zürich, die Ethikkommission des Kantons Waadt, die Ethikkommission des Kantons Appenzell usw. gehen. Die sagen dann, sie hätten gerne dieses und jenes anders gemacht, und dies in einem internationalen Protokoll, an dem elf Länder und vielleicht 30 Studienzentren beteiligt sind!
Ich sage Ihnen, da verwerfen die Leute weltweit nur noch die Hände und verstehen nicht, wie man auf diese Art und Weise moderne Forschung betreiben kann. Die Schweiz hat im internationalen Geschäft der grossen medizinischen, klinischen Studien innert Kürze extrem an Wettbewerbsfähigkeit verloren.
Diese Motion will nichts anderes, als hier Abhilfe zu schaffen. Ich sage noch einmal: Es geht nicht darum, die einzelnen Ethikkommissionen zu umschiffen. Es geht darum, eine ganz klare ethische Begutachtung zu haben, diese aber schlank zu gestalten, zügig zu machen und nicht nach 17 Kantonen zu unterscheiden. Damit sorgen wir dafür, dass die schweizerische medizinische Forschung weiterhin auch international mitmachen kann.
Deshalb bitte ich Sie, wie der Bundesrat dies tut, die Motion anzunehmen.