Günter Paul (S, BE):
Unzweifelhaft ist unsere Armee zurzeit überaus gut mit Waffen versehen. Herr Wasserfallen, da müssen Sie keine Angst haben; auch für die kommenden Jahrgänge reicht es allemal. Zwar sind einige dieser Waffen etwas älteren Datums, aber immer noch in einem Zustand, dass andere Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Pakistan oder Marokko offenbar sogar bereit sind, dafür noch Geld zu bezahlen. Man könnte mit den Vorräten, die wir heute haben, immer noch fast zwei Armeen ausrüsten.
Auf der anderen Seite ist der Reformprozess nicht abgeschlossen. Es ist offensichtlich, dass die Armee ihre künftige Form noch nicht gefunden hat. Die Mehrheit der Bevölkerung favorisiert heute auch eine stärkere Professionalisierung. Umfragen zeigen, dass die Wehrpflicht erstmals weniger Zustimmung findet als die Dienstpflicht für Männer. Die Rolle, welche die Armee für unsere innere Sicherheit spielt, ist zunehmend kontrovers; wir haben die Debatte dazu vorhin gehört.
Im Rahmen der Spar- und Entlastungsprogramme sind schmerzhafte Einschnitte vorgenommen worden. Programme und Tätigkeiten des Bundes sind in Bereichen gestrichen worden, die unsere Zukunft tangieren. Der SP-Fraktion erscheint es unter diesen Umständen tragbar, bei der Rüstung mit neuen Beschaffungen vorerst zuzuwarten. Wir gehen allerdings - das ist ein wichtiger Unterschied - nicht so weit wie die Grünen mit ihrer parlamentarischen Initiative. Es gilt zu beachten, dass die Kommissionsminderheit zwischen der Rüstung in einer Zeit, in der wir von Freunden "umzingelt" sind, und den Entlastungsprogrammen einen Konnex macht. Der Antrag der Minderheit geht dahin, dass die Rüstungsprogramme wieder anlaufen können, wenn die Sparprogramme auslaufen. Damit trägt die Armee dazu bei, die Härten der Entlastungsprogramme abzufedern. Wir denken, dass das in der heutigen Finanzsituation durchaus willkommen wäre.
In der heutigen Sicherheitssituation können wir uns auf der anderen Seite dieses Moratorium, es sind etwa drei Jahre, ohne Sicherheitsprobleme leisten. Zudem werden wir in drei Jahren sicher etwas klarer sehen, wohin sich unsere Armee sinnvollerweise bewegen muss und was ihr Zweck und ihre Bestimmung sein werden. Zweck und Bestimmung der Armee wären mehr Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger.
Wir bitten Sie in diesem Sinne, der Initiative Folge zu geben.
Eine Schlussbemerkung: Wie merkwürdig das Sicherheitsgefühl und wie merkwürdig die offizielle Prioritätensetzung ist, zeigt sich für mich daran, dass es dem Bundesamt für Gesundheit bis heute nicht gelungen ist, 12 Millionen Franken für die Sicherung der Impfindustrie in der Schweiz zu finden, einer Industrie, welche im Falle einer Pandemie wahrscheinlich Tausenden von Schweizerinnen und Schweizern das Leben retten würde. Man müsste auch berücksichtigen - wenn man schon "war on terror" machen will -, dass die Auslösung einer Pockenepidemie wahrscheinlich der schlimmste Terroranschlag wäre, den es überhaupt gibt; man könnte sich nur mit einer Impfung dagegen schützen. Auch das wird sträflich vernachlässigt. Dafür kaufen wir überteure Helikopter.
Ich denke, dieses Parlament hat heute Morgen einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Schweiz geleistet, indem es die Privatisierung der Swisscom abgelehnt hat; es hat damit einen Beitrag zur Sicherung des geheimen Bereiches unseres Staates geleistet.