Nationalrat - Sommersession 2006 - Neunte Sitzung - 15.06.06-08h00
Conseil national - Session d'été 2006 - Neuvième séance - 15.06.06-08h00

04.3292
Motion Günter Paul.
Kein Kriegsmaterial
nach Saudi-Arabien
Motion Günter Paul.
Pas d'exportation de matériel
de guerre vers l'Arabie saoudite
Einreichungsdatum 10.06.04
Date de dépôt 10.06.04
Nationalrat/Conseil national 15.06.06

Günter Paul (S, BE): Die Kriegsmaterialgesetzgebung ist in den letzten dreissig Jahren systematisch ausgehöhlt worden. In den Siebzigerjahren gab es eine Volksinitiative gegen die Kriegsmaterialausfuhr, die sehr populär war. Sie erzeugte Druck. Unter diesem Druck machte man als Gegenvorschlag ein Kriegsmaterialgesetz, das Biss hatte. Nachdem die Initiative vom Tisch war, machte man dann zum Gesetz eine Verordnung. Die Verordnung ging bereits wesentlich weniger weit, sie gestattete viel mehr Exporte. Mit der letzten Gesetzesrevision haben wir nun nochmals die Vorschriften gelockert.
Im Fall Saudi-Arabien kumuliert sich jetzt die ganze Geschichte. Jahrelang hat man trotz Bedenken Saudi-Arabien Waffen geliefert, aber nur sogenannt defensive Waffen, also
AB 2006 N 959 / BO 2006 N 959
vor allem Flab-Geschütze, weil man gesagt hat, das Land müsse sich verteidigen können. Man hat wegen der bekannten Menschenrechtsverletzungen expressis verbis keine Waffen für die Repression im Innern geliefert. Ausgerechnet in einer Zeit, in der vermehrt Missbräuche festgestellt werden, in der die Spannungen in diesem Land steigen, in der es immer mehr Attentate gibt, fällt beim Bundesrat jetzt offenbar diese Hürde. Die Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien sind seit langem in allen Bereichen systematisch und gravierend, namentlich die exzessive Anwendung der Todesstrafe, der Folter und der Körperstrafe wie Amputationen und Auspeitschungen. Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terrorismus hat sich die Menschenrechtslage in diesem Land nochmals verschlechtert. Es sei auch darauf hingewiesen, dass es eine Ausgrenzung der Schiiten gibt, welche zu bedauern ist.
Saudi-Arabien liegt bekanntlich in einem Spannungsgebiet. Seit der Besetzung Iraks durch die Koalitionstruppen ist die Instabilität noch massiv gestiegen. Unruhen wegen anhaltendem Blutvergiessen in Irak und aufgrund des ungelösten Konflikts in Israel und den besetzten Gebieten nehmen in der gesamten islamisch-arabischen Welt zu.
Unter welchem Aspekt man es auch betrachtet: Bei der korrekten Anwendung der Idee, die hinter unserem Kriegsmaterialgesetz und der dazugehörenden Verordnung steht, darf in der heutigen Situation kein Kriegsmaterial nach Saudi-Arabien geliefert werden. Denken wir daran, dass ein Grossteil der Attentäter von 9/11 Saudis waren; Bin Laden ist bekanntlich ein Saudi, viele Aufständische in Irak kommen aus diesem Land. Ein positiver Entscheid ist unter diesen Umständen einfach nicht zu begreifen. Ich habe mir überlegt, in welches Land der Welt wir dann nicht exportieren dürften, wenn wir dorthin exportieren würden, und es ist mir eigentlich ausser Nordkorea kein Land in den Sinn gekommen, das dann noch "off limits" wäre.
Der Bundesrat hat mit dem zustimmenden Entscheid von Ende März letzten Jahres einen gefährlichen Präzedenzfall zur Aufweichung des Kriegsmaterialgesetzes geschaffen, vor allem mit Artikel 5 KMV, der Verordnung. Gemäss Kriegsmaterialgesetz werden die Herstellung, Vermittlung, Aus- und Durchfuhr von Kriegsmaterial für Empfänger im Ausland nur bewilligt, wenn dies den völkerrechtlichen Verpflichtungen und den Grundsätzen der schweizerischen Aussenpolitik nicht widerspricht. Es ist evident, dass das EDA hier in dieser Sache opponiert hat und dann einfach im Bundesrat überstimmt worden ist. Eine Korrektur dieses Fehlentscheides, der nicht im Interesse unseres Landes ist, der nicht im Interesse der Sicherheit unseres Landes ist und der auch nicht im Interesse der Einhaltung der Menschenrechte ist, ist unumgänglich.
Ich möchte Sie ersuchen, die Motion anzunehmen.

Deiss Joseph, conseiller fédéral: La motion comprend deux éléments: elle demande au Conseil fédéral premièrement de revenir sur une décision qu'il a prise au mois de mars 2004, et deuxièmement d'interdire l'exportation de matériel de guerre vers l'Arabie saoudite dans le futur. Le Conseil fédéral vous propose de rejeter la motion.
Le premier point de la motion est irrecevable, puisque la loi sur le Parlement du 13 décembre 2002 dispose qu'"une motion visant à influer sur une décision administrative à prendre dans le cadre d'une procédure ordonnée par la loi .... est irrecevable" (art. 120 al. 3). Par conséquent, le Parlement lui-même a considéré cet élément comme étant irrecevable. Plus encore, c'est le fait qu'il ne s'agit pas en l'occurrence de prendre la décision, mais qu'elle est déjà prise, et une modification a posteriori aurait pour effet de mettre en péril la sécurité du droit.
Pour ce qui est de la demande d'interdire à l'avenir l'exportation de matériel de guerre vers l'Arabie saoudite: la motion ne visant pas, sur ce point, une décision administrative à prendre, elle est recevable. Mais le Conseil fédéral vous propose de la rejeter aussi en tenant compte notamment du fait que les autres pays affiliés aux régimes internationaux de contrôle des exportations ont une attitude similaire à celle adoptée par le Conseil fédéral.
En effet, l'auteur de la motion intervient surtout avec l'argument selon lequel nous créons un précédent et vidons la loi de sa substance en ne tenant pas compte de la question des droits de l'homme. Or il faut rappeler, si ce n'est le fait que le Conseil fédéral, bien sûr, prend en considération ce principe, que la loi prévoit plusieurs principes qui doivent être pris en considération simultanément. Parmi les cinq principes en question, il y a aussi l'attitude des pays affiliés aux régimes internationaux de contrôle des exportations. Or, à notre connaissance, aucun de ces pays n'a pris de mesure allant dans le sens de ce que demande l'auteur de la motion, bien au contraire. Par exemple, l'Union européenne a autorisé des exportations en 2004 pour 1,7 milliard d'euros. Je vous rappelle que, durant les dix dernières années, nos exportations d'armes vers l'Arabie saoudite oscillent entre 300 000 francs et 2 à 3, peut-être au maximum 4 millions de francs.
Cela dit, le Conseil fédéral vous invite à rejeter la motion, puisqu'il est convaincu que sa pratique est conforme à la loi et que cette motion reviendrait à créer l'incertitude quant à la façon d'appliquer notre loi fédérale sur le matériel de guerre.

Widmer Hans (S, LU): Herr Bundesrat, vor Ihrem Abschied eine Frage, die Sie sehr offen beantworten können: Gibt es eigentlich nie tiefere Grundsatzdebatten im Bundesrat zum Konflikt zwischen Wirtschaft und Ethik bzw. Menschenrechtssituation, die tiefgreifend und nicht nur tagespolitisch geführt würden?

Deiss Joseph, Bundesrat: Ich antworte offen - ich habe das Gefühl, auch offen geantwortet zu haben, als ich noch nicht im Begriff war, Abschied zu nehmen. Ich werde auch dieses Mal offen antworten, soweit es das Kollegialitätsprinzip erlaubt.
Der Bundesrat muss bei diesen Geschäften immer sein Ermessen ausloten, indem er, wie ich es gesagt habe, Kriterien gemäss dem Gesetz zu beachten hat, welche verschiedene Aspekte einbringen: die Menschenrechte, aber auch die Interessen der Landesverteidigung, wirtschaftliche Aspekte oder eben, wie ich gesagt habe, die Verhandlungen der Partner bei den Abkommen über die Kontrolle der Proliferation von Waffen. Diese verschiedenen Kriterien, die verschiedenen Interessen sind oft konkurrierend, gehen nicht in die gleiche Richtung. Das ist eine Ermessensfrage, die in den Händen des Bundesrates liegt. Das Gesetz gibt ihm diese Kompetenz, und die Bundesräte handeln - was mich und auch meine sechs Kollegen betrifft; davon bin ich überzeugt - nach bestem Wissen und Gewissen.

Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion .... 66 Stimmen
Dagegen .... 90 Stimmen

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