Schmid Samuel, Bundesrat:
Ich beantrage Ihnen, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen, d. h., den Antrag der Mehrheit Ihrer Kommission gutzuheissen.
Vorweg erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, dass die Initiative - das anerkenne ich - ein Phänomen aufnimmt und behandelt, das uns in vielen Lebensbereichen beschäftigt; das ist bei allen Lärmproblemen so. Daher haben mein Departement und auch der Bundesrat die Problematik insgesamt immer ernst genommen. Ich bitte Sie, daran zu denken, was wir in den letzten Jahren mit verschiedenen Schutzvorschriften für den Lärmschutz, das heisst gegen den Lärm, getan haben; gegen den Lärm an der Quelle, dann aber auch gegen die Auswirkungen gegenüber Direktbetroffenen, gegenüber unserer Umwelt und den Regionen. Es gibt, um das auch gleich vorweg zu sagen, keine spezielle Lärmschutzvorschrift für die Armee. Wir unterliegen den gleichen Bestimmungen wie die zivilen Institutionen. Von daher gibt es keinen Unterschied. Ich weiss nicht, woher die verschiedenen Voten kommen, die davon ausgehen, dass wir da irgendeinen Bonus hätten. - Das zum Grundsätzlichen.
Ein Zweites - das kam zu kurz, ich danke Herrn Schlüer, der darauf hingewiesen hat -: Letztlich geht es auch darum zu entscheiden, wieweit wir noch eine einsatzfähige Luftwaffe haben wollen. Dass zu unserer Neutralität eine spezielle Befähigung gehört, den Luftpolizeidienst mit Jets wahrzunehmen, dürfte hier kaum noch lange zu erörtern sein. Wer aber die Trainingsmöglichkeiten im eigenen Land - das immerhin eine Topografie aufweist, wie sie nicht sehr viele andere Länder haben - auf eine Weise beschränken will, die Echteinsätze und echte Übungen kaum mehr ermöglicht, der sägt am Ast, an dem das Prinzip der Kampfkraft der Luftwaffe hängt. Deshalb haben wir zwar eine Lärmkomponente, aber auch eine Schutzkomponente zu diskutieren.
Zum Dritten: Ich habe es etwas vermisst, dass Sie bemerken, dass Sie all das, was Sie jetzt fokussiert auf Meiringen einsparen wollten, gleichzeitig anderen Regionen der Schweiz mehr zumuten. Es ist ja nicht so, dass dann, wenn hüben und drüben gesagt wird: "Wir sind nicht für die Abschaffung der Luftwaffe", davon ausgegangen wird, dass sie üben können muss. Aber wenn Sie sich jetzt auf einen Ort festlegen, dann dulden Sie mit anderen Worten, ohne den entsprechenden Gedanken auch für andere gelten zu lassen, eine Mehrbelastung in Sion, Payerne oder - worauf von Herrn Binder hingewiesen wurde - in Dübendorf.
Der Bundesrat hat hier eine etwas grössere Distanz zum Dossier zu wahren. Wir haben uns nicht nur allein auf den eigentlichen Entstehungsort der Initiative zu konzentrieren. Deshalb bitte ich Sie, sich Ihr Urteil mit einiger Distanz zu sehr vielem, was jetzt da aufgetischt und gesagt wurde, zu bilden. Dieser Verdrängungseffekt löst das Problem nicht.
Zum Vorgehen: Ich weise es zurück, wenn behauptet wird, das VBS habe bisher arrogant und ohne Verständnis für die Bevölkerung reagiert. Ich habe seinerzeit den Initianten sogar einen Brief geschrieben und gesagt, sie sollten mir sagen, was sie unter einem Gegenvorschlag verstehen würden. Was dann kam, bildete allerdings nicht die Grundlage, die ich brauche, um überhaupt über einen Gegenvorschlag sprechen zu können.
Das eine war eine Eingabe des Hoteliervereins Brienz, und das andere war eine Eingabe aus Sion, in welcher unter anderem zu lesen ist: "L'aérodrome de guerre de Sion est une aberration que l'armée n'a que trop tardé à corriger." Wer sich derart gegen die Basis für einen Gegenvorschlag stellt, dem halte ich meine feinere Klinge entgegen. Deshalb habe ich die Politik weiterverfolgt, die wir schon vorher eingeschlagen hatten, nämlich gestützt auf das Standortkonzept, das eine Folge der neuen Armee ist und nicht ein Versäumnis aus einem vergangenen Jahrzehnt, jetzt einen Sachplan aufzulegen, der auf entsprechenden Lärmmessungen basiert. Diese Lärmmessungen finden übrigens in der gesamten Schweiz Verwendung und werden von entsprechenden Spezialisten ausgeführt. Ich habe zusätzlich zugesagt, in zweifelsfreien Fällen Bauschutzmassnahmen vor einer allfälligen Beendigung all dieser Verfahren zu verfügen und die entsprechenden Investitionen zu veranlassen. Mit anderen Worten: Ich lege mich nicht auf den Rechtsstandpunkt fest, wonach alle diese Verfahren bis zum Ende, also bis zum Eintritt der Rechtskraft, durchzuziehen wären und ich erst danach tätig würde, um beispielsweise bei klaren Fällen auch entsprechende Schutzmassnahmen zu treffen, sondern ich werde das vorher tun.
Wer angesichts dieser Politik von Arroganz und Missachtung der Bevölkerung spricht, hat sich zumindest nicht mit den gewählten Behördenvertreterinnen und -vertretern dieser Region getroffen, mit denen ich zusammengekommen bin und mit denen wir ein sehr gutes und selbstverständlich durchaus kritisches Einvernehmen hatten und mit denen wir diese weiteren Schritte auch besprochen haben. Das ist nicht unter Druck der Initiative passiert, sondern dieses Verfahren läuft seit einiger Zeit. Ende 2006 wurden rund um Meiringen Lärmstationen aufgestellt; die Bevölkerung und die Behörden werden entsprechend informiert.
Wenn ich, um auf weitere Einzelfragen einzugehen, von diesen Kriegsflugplätzen spreche, muss ich doch festhalten, |
AB 2007 N 18 / BO 2007 N 18
|
dass Payerne rund dreimal mehr Bewegungen hat als Meiringen und dass der am wenigsten belegte Flughafen Sion ist. Wenn wir die Bewegungen bis ins Jahr 2010 hochrechnen, zeigt sich, dass sich in Meiringen die Zahl der Bewegungen von rund 4600 im Jahre 2006 auf etwa 5000 erhöhen wird, dass sich in Payerne die Zahl der Bewegungen von Kampfjets von etwa 11 000 auf etwa 14 000 erhöhen dürfte und dass die Zahl der Bewegungen in Sion von etwa 5000 auf etwa 4400 sinken dürfte. Mit anderen Worten: Es ist ein leichtes Ansteigen zu erwarten respektive eine Stabilisierung dessen, was wir heute haben.
Wenn Sie von der Belastung insgesamt sprechen, erinnere ich daran, dass wir vor etwa zwanzig Jahren noch gegen 400 Kampfflugzeuge hatten, und im Moment sind es noch 88. Es ist so, dass der F/A-18 lärmintensiver ist als ein anderer Jet. Allerdings ist die Lösung, wie sie teilweise vorgeschlagen wird, nämlich nicht mehr mit Nachbrennern zu starten, eben nicht die Lösung, die man sich vorstellt. Herr Lang hat an sich die richtige Definition gegeben, aber er hat den Schluss daraus nicht gezogen: Wenn Sie sagen, dank Nachbrennern seien diese Maschinen früher in der Luft, heisst das auch, dass die Lärmbelastung früher sinkt. Wenn sie den Nachbrenner nicht einschalten, dann heisst das, dass sie einen kleineren Steigungswinkel haben, aber dass eine grössere Fläche beschallt wird. Mit anderen Worten: Die Zahl der Betroffenen ist wesentlich grösser, als wenn Sie das sicherere Verfahren wählen. Deshalb ist es für mich auch ausser Zweifel, dass sich dort - ich spreche jetzt von Meiringen, aber das gilt auch für andere Orte - unmittelbar um den Flugplatz bei einer Reihe von Liegenschaften spezielle Massnahmen aufdrängen werden.
Ich bitte Sie also aus diesen sachlichen Gründen, auch in Respekt vor dem, was geplant ist, was nicht nur angedacht ist, sondern was an Massnahmen läuft, hier der Mehrheit Ihrer Kommission zuzustimmen.
Ich komme noch zum Gegenvorschlag: Der Gegenvorschlag - Herr Vollmer, ich habe Ihnen gut zugehört und Ihre Bemerkung durchaus als mögliche Brücke verstanden - hat von vornherein das Problem, dass an diesen drei Orten nicht identische Probleme anzugehen sind. Deshalb ist meine Philosophie eine andere: Ich habe mich punktuell auf die Gegend bezogen; ich werde gleiche Gespräche auch in anderen Regionen führen. Bezogen auf die Gegend habe ich dort das vorzukehren, was den Leuten dient, und nicht irgendeinen gemeinsamen Nenner zu suchen, der dann eine mittlere Unzufriedenheit zurücklässt. Die Gesetzgebung respektive die Verordnung, die gemacht werden müsste, bringt Ihnen hier die Qualität und den Feinschliff nicht, hingegen sollen das die spezifischen Massnahmen bringen. Es soll auch - so habe ich das zumindest in Meiringen vorgeschlagen - eine kleine Gruppe von Verantwortlichen aus Behörden sowie Vertretern von Betroffenen und des VBS diesen Betrieb verfolgen und begleiten können. Denn nicht jedes Jahr ist die Zeit, in der die Piste zu reparieren ist, genau der September oder der Oktober. Auch da sind allenfalls Verschiebungen sinnvoll. Nicht jedes Jahr kann von vornherein fixiert werden, wie diese Belegungen stattfinden sollen. Es kann durchaus von Interesse sein, dass man hier differenzierter vorgeht. Das wollen wir durch einen Modus Vivendi erreichen, wie wir ihn eigentlich während Jahrzehnten gepflegt haben. Auch das gute Einvernehmen - das muss ich jetzt zugunsten der Betroffenen beim Flugplatz Meiringen sagen, wenn schon immer von diesem gesprochen wird - zwischen Gemeinden, Flugplatz und Betreiber ist mir von sämtlichen Vertretern, inklusive der Regierungsstatthalterin, bestätigt worden. Es ist also nicht so, dass man hier im Streit läge oder nicht miteinander sprechen könnte.
Aus diesen Gründen halte ich auch einen indirekten Gegenvorschlag, der dann Flugverbote für einzelne Monate oder einen einzelnen Verzicht auf den Einsatz von Nachbrennern enthält, für untauglich, weil das eine viel zu grobe Massnahme ist, um eigentlich der Situation gerecht zu werden. Ich möchte noch wissen, was das Gebiet Meiringen oder überhaupt das Gebiet Brienzersee sagen würde, wenn wir in Meiringen generell nicht mehr mit Nachbrennern starten würden: Die Lärmzunahme in diesem Gebiet wäre mehr als nur deutlich. Deshalb kann nicht die Regel von hier auch eine Regel von anderen sein; deshalb scheint mir auch diese Massnahme untauglich und ist abzulehnen.
Ich bitte Sie aus all diesen Gründen, der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen und Volk und Ständen die Ablehnung der Initiative zu beantragen.