Nationalrat - Sommersession 2008 - Vierzehnte Sitzung - 12.06.08-08h00
Conseil national - Session d'été 2008 - Quatorzième séance - 12.06.08-08h00

08.3243
Dringliche Interpellation
grüne Fraktion.
Ernährungskrise
und Lebensmittelsicherheit
Interpellation urgente
groupe des Verts.
Crise
et sécurité alimentaires
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Nationalrat/Conseil national 29.05.08
Nationalrat/Conseil national 12.06.08
08.3252
Dringliche Interpellation Fraktion
der Schweizerischen Volkspartei.
Massnahmen zur Entlastung
von Bürgern und Wirtschaft
von steigenden Rohstoffpreisen
Interpellation urgente groupe
de l'Union démocratique du Centre.
Atténuer les conséquences de la hausse
des cours des matières premières
pour les citoyens et l'économie
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Nationalrat/Conseil national 12.06.08
08.3253
Dringliche Interpellation
sozialdemokratische Fraktion.
Globale Preissteigerungen
bei Nahrungsmitteln
Interpellation urgente
groupe socialiste.
Hausse généralisée des prix
des denrées alimentaires
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Nationalrat/Conseil national 12.06.08

Lang Josef (G, ZG): Die dramatische Hungerkrise, die globale Klimaerwärmung, die weltweite Rekordaufrüstung für die laufenden und zukünftigen Rohstoffkriege - das sind die drei schlimmsten Geisseln der Gegenwart. Sie bedrohen kurzfristig das Überleben von Abermillionen von Menschen und längerfristig das von Mutter Erde. Sie sind die Frucht eines Wirtschaftssystems und einer Marktideologie im Dienste der Banken und Multis, auch der Agromultis. Ihr Konkurrenzdogma und ihre Freihandels- und Exportmythen wurden durch den epochalen Uno-Agrarbericht widerlegt. Dieser bestätigt, was wir Grünen seit Jahren postulieren: eine naturnahe, ressourcensparende Landwirtschaft, die möglichst vielen Bauernfamilien die Existenz garantiert und primär für die lokalen und regionalen Märkte produziert. Ernährungssouveränität, Qualitätsstrategie und Energieeffizienz: Das ist die Alternative der globalen Sozialbewegungen und unsere Antwort auf die Agrarkrise. Aber Souveränität heisst nicht Autarkie, Selbstbestimmung heisst nicht zwingend Selbstversorgung. Ernährungssouveränität heisst demokratische Autonomie gegenüber einem Weltmarkt, der sozial und ökologisch blind ist, heisst Emanzipation von Organisationen, die die Multis über die Menschen stellen, heisst Loslösung der Agrarfrage aus der WTO, heisst Befreiung der Lebensmittel von der Börsenspekulation, dem heute wohl grössten Übel bei der Frage der Ernährung.

Maurer Ueli (V, ZH): Die Fragen, die wir mit unserer Interpellation eigentlich in den Mittelpunkt stellen, sind Fragen des Wirtschaftswachstums. Wirtschaftswachstum brauchen wir alle, um die erhöhten Lebenskosten zu decken. Wirtschaftswachstum braucht unser Staat, um die Ausgaben zu decken; wir rechnen hier im Finanzplan mit einem guten Wirtschaftswachstum. Wirtschaftswachstum brauchen die Sozialversicherungen, um ihre künftigen Aufgaben zu lösen. Und hohe Energiepreise, das wissen wir aus der Erfahrung, gefährden dieses Wirtschaftswachstum. Diese Erfahrung haben wir hier schon mehrmals gemacht.
Im Zusammenhang mit den stark gestiegenen Erdöl- und Treibstoffpreisen stellt sich damit auch wieder die Frage, ob diese mittelfristig nicht eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land sein können. Der Bundesrat hätte die Möglichkeit, jetzt, wo sich erste Anzeichen einer abflauenden Konjunktur zeigen, ein Signal in Bezug auf die Entwicklung dieser Energiepreise zu setzen. Der Bundesrat lehnt das ab. Wir bedauern das ausserordentlich, weil wir meinen, es wäre jetzt eine Möglichkeit da, hier in diese Richtung zu zeigen. Er verwickelt sich unserer Meinung nach auch in Widersprüche mit seiner Energiepolitik, die er dem entgegenhält, weil sich seine Energiepolitik vor allem darauf konzentriert, sehr hohe Subventionen in alternative Energien zu stecken, die noch nicht in der Lage sind, tatsächlich Ersatz oder Alternative zu sein. Gleichzeitig stellen wir fest, dass er bei der Kernenergie nach wie vor zaudert. Dort schieben wir das Ganze auf die lange Bank; dort, wo wir wirklich Alternativen hätten, passiert nichts. Auch mit Blick auf eine bessere Nutzung der Wasserkraft hat der

AB 2008 N 925 / BO 2008 N 925
Bundesrat bis jetzt nicht das Tempo aufgenommen, das eigentlich angezeigt wäre.
Den gleichen Widerspruch - Herr Lang hat darauf hingewiesen - sehen wir bei der Agrarpolitik: Man setzt unsere umweltfreundliche Agrarpolitik aufs Spiel, man ist bereit, vermehrt Nahrungsmittel zu importieren, einerseits mit dem Agrarfreihandel mit der EU, andererseits mit der WTO. Das bedeutet immer auch eine negative Energiebilanz: Wir karren Nahrungsmittel aus anderen Ländern hierher, mit hohen Transportkosten und hoher Umweltbelastung, und setzen unsere umweltfreundliche Agrarpolitik aufs Spiel. Das ist ein Widerspruch, den der Bundesrat auszuräumen hätte.
Wir sind der Meinung, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Wir werden daher versuchen, mit entsprechenden Vorstössen eine Diskussion in diese Richtung zu eröffnen. Wir sind der Meinung, dass eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Treibstoffen notwendig ist. Treibstoffe gehören zu unserem Alltag, sie sind wichtig für unser tägliches Brot, für unsere Wirtschaft, für unsere Mobilität. Es wäre angezeigt, eine Senkung zu prüfen. Insbesondere meinen wir auch, dass auf eine Erhöhung der CO2-Steuer verzichtet werden muss. Es macht keinen Sinn, das Programm fortzusetzen. Wir sind der Meinung, dass auf den Klimarappen verzichtet werden soll, damit auch hier ein entsprechendes Signal gesetzt wird, immer im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum. Wir sind der Meinung, dass die Treibstoffsteuern mit der Höhe des effektiven Preises begrenzt oder zumindest gekoppelt werden sollen. Das sind die Vorstösse, die wir einreichen werden, um diese heute für uns ungenügende Diskussion weiterzuführen.

Wyss Ursula (S, BE): Der Liter Benzin wird in Bälde über zwei Euro kosten, so die Prognose der EU-Kommission. Dabei sind 40 Prozent dieser Preissteigerungen spekulationsbedingt. Diese Zahl müssen wir uns im Rahmen der Debatte immer wieder vor Augen führen: 40 Prozent der Preissteigerungen sind spekulationsbedingt. Wer also die Benzin- und Heizölpreise senken will, muss die Spekulation auf den Rohstoffmärkten verbieten.
Angesichts dieser Preissteigerungen und angesichts der Gründe dieser Preissteigerungen erscheinen die Vorschläge, wie sie jetzt von Herrn Maurer vorgetragen worden sind, denn auch reichlich hilflos. Mit einer Senkung der Treibstoffsteuer senken Sie den Benzinpreis um wenige Rappen. Das Portemonnaie der Schweizerinnen und Schweizer, meine Herren der SVP, haben Sie damit in keiner Weise entlastet. Dafür müssen Sie sich schon einiges mehr einfallen lassen. Wenn Sie die Lebenshaltungskosten in der Schweiz wirklich senken wollen, müssen Sie erstens dafür sorgen, dass auf den Rohstoffmärkten spekulative Termingeschäfte verboten werden. Zweitens müssen Sie dafür sorgen, dass auch leistungsstarke Autos nicht mehr als drei Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Dann müssen Sie dafür sorgen, dass endlich die Gebäudesanierungen an die Hand genommen werden, dass endlich die Mieterinnen und Mieter nicht immer höhere Nebenkosten zu bezahlen haben. Dann müssen Sie Hand bieten zu einem Gebäudesanierungsprogramm. Und warum Sie gegen die Parallelimporte waren, müssen Sie dann Ihren Wählerinnen und Wählern auch noch erklären. Bieten Sie hierzu Hand, dann entlasten Sie wirklich die privaten Haushaltbudgets der Bürgerinnen und Bürger. Alles andere ist pure Augenwischerei.
Das Gleiche gilt für die globalen Sorgen um die steigenden Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Auch hier haben wir es mit einer Spekulationsblase zu tun. Während die eine Hälfte der Erdkugel hungert, explodieren an den hiesigen Getreide- und Rohstoffbörsen die Kurse. Das Geschäft mit dem Hunger boomt. Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten fordern den Bundesrat darum auf, sich international für die notwendigen Regulierungen einzusetzen. Gleichzeitig muss den Hungerleidenden aber jetzt geholfen werden; darum verlangen wir einen sofortigen Entscheid der Schweiz, sich am internationalen Nothilfeprogramm der FAO zu beteiligen. Das bedeutet für die Schweiz 30 Millionen Franken sofort; wer Hunger hat, kann nicht warten.

Bourgeois Jacques (RL, FR): La récente flambée des prix des denrées alimentaires sur le plan mondial prend des dimensions inquiétantes pour les plus démunis de cette planète, qui consacrent près de 80 pour cent de leur budget à leur alimentation. Si ce problème ne trouve pas de solution, il pourrait déclencher une réaction en chaîne affectant le commerce international, la croissance économique, le progrès social et même la sécurité politique dans le monde entier.
Il y a presque un milliard de personnes qui n'ont pas un accès adéquat à la nourriture. L'actuelle augmentation des prix des denrées alimentaires résulte de différentes causes: spéculations sur les marchés financiers, changements des modes de consommation dans les pays émergents, changements climatiques, flambées des prix du pétrole et boom des énergies renouvelables que l'on substitue aux énergies fossiles.
Une cause qui n'a pas suscité autant d'attention que les autres, car ses effets ne se voient pas à court terme, est l'investissement dans la recherche et le développement agricole. Celui-ci a diminué constamment au cours de ces vingt dernières années. Or, cet investissement est d'une importance fondamentale. La Banque mondiale note dans son rapport qu'un tel investissement a un taux interne de rendement de 43 pour cent en moyenne. Face à cette situation, quelles sont les mesures à prendre?
La souveraineté alimentaire et la possibilité pour un pays d'être maître de ses priorités en termes de politique agricole et d'approvisionnement alimentaire doivent être reconnues, notamment au sein de l'Organisation mondiale du commerce. Il est regrettable que les dirigeants de cette planète, réunis la semaine dernière à Rome dans le cadre de la FAO, n'aient pas reconnu ces principes fondamentaux. Les dernières pénuries alimentaires ont démontré qu'une ouverture pure et simple des marchés ne fonctionnait pas. Les subventions à l'exportation, nuisibles pour ces pays, doivent être supprimées le plus rapidement possible. Le ciblage précis des aides octroyées devrait être réévalué. Les aides au développement doivent être réorientées vers les cultures vivrières. En ce qui concerne les pays industrialisés, il est impératif que le rôle multifonctionnel de l'agriculture soit reconnu.
Pour résoudre en profondeur la question de la faim dans le monde, il est essentiel que chaque pays optimise l'utilisation de ses ressources potentielles et améliore ses rendements. Il faudra en effet doubler la production alimentaire pour nourrir une population mondiale qui, de 6 milliards d'habitants actuellement, atteindra 9 milliards d'êtres humains à l'horizon 2050. Mais le secteur agricole ne se réformera pas du jour au lendemain. Pour cette raison, la Suisse doit continuer de façon déterminée d'axer sa politique agricole sur la durabilité. Elle doit veiller à optimiser, voire à renforcer son degré d'autoapprovisionnement en positionnant ses produits aussi bien sur le marché intérieur qu'extérieur, notamment au sein de l'Union européenne. Pour rappel, la production indigène ne couvre que 55 à 60 pour cent de nos besoins alimentaires. Dans ce contexte, maintenir une surface exploitée et productive suffisante relève de la plus haute priorité. Ce sera un des enjeux de la révision de la loi sur l'aménagement du territoire, que nous aurons à traiter au cours de cette législature.
Répondant aux attentes et aux exigences des consommateurs, les matières premières indigènes devront être rémunérées de façon à ce que les familles paysannes puissent en dégager un revenu décent. Nous disposons dans notre pays d'un fort pouvoir d'achat. Je donne un exemple pour illustrer mes propos: alors que seulement 7 minutes de travail suffisent à Genève pour s'acheter 1 kilo de pain, il faut travailler 2,5 fois plus longtemps à Paris, soit 17 minutes, pour acquérir le même produit.
Sur le plan politique, il faudra également veiller, en vertu du principe du "Cassis de Dijon" et des accords bilatéraux conclus avec l'Union européenne, à préserver une déclaration sans faille de l'origine des matières premières agricoles: les consommateurs doivent pouvoir faire leur choix en toute

AB 2008 N 926 / BO 2008 N 926
connaissance de cause. Je suis convaincu que nous devrons donner une réponse forte à ce défi gigantesque, tant sur le plan international que dans notre pays.
Veillons au cours de cette législature à prendre les bonnes décisions qui permettront de maintenir en Suisse une agriculture de proximité forte, productive et diversifiée.

Zemp Markus (CEg, AG): Ich spreche hier als Vertreter der CVP/EVP/glp-Fraktion für die CVP; die Vertreter der glp und der EVP werden sich separat äussern.
Die heutige Situation verdeutlicht uns eben eigentlich eines: Die Ressourcen und Rohstoffe auf dieser Welt sind begrenzt. Neben vielen Nachteilen der aktuellen Entwicklung ist dies aber auch eine Chance für nachhaltige Energieerzeugung und für eine produzierende Landwirtschaft. Die hohen Preise werden auch zur Folge haben, dass die weltweite Produktion der Grundnahrungsmittel zunimmt. Apropos hohe Preise: Wir haben im Nahrungsmittelbereich bei den Rohstoffen heute die Preise, die wir vor dreissig Jahren hatten - das muss man auch einmal zur Kenntnis nehmen.
Wir warnen davor, dass wir nun im Parlament unnötigen Aktivismus entfalten. Die aktuelle Nahrungsmittelkrise zeigt, welche Bedeutung die Versorgungssicherheit hat. Die reiche Schweiz wird immer genügend Nahrungsmittel haben. Aber ist es ethisch zu verantworten, dass wir uns auf den Zukauf von Nahrungsmitteln aus der ganzen Welt verlassen? Diese Frage beantworten wir ganz klar mit Nein. Für uns steht die produzierende Landwirtschaft im Fokus. Wir werden Änderungen der Agrarpolitik nur mittragen, wenn der Selbstversorgungsgrad damit nicht reduziert wird. Die CVP setzt sich dafür ein, dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft ihren verfassungsmässigen Auftrag wahrnehmen kann. Insbesondere setzen wir uns ein für eine Weiterentwicklung der Agrarpolitik, welche die Multifunktionalität der Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit gewährleistet, eine hohe Produktequalität der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft sichert, die produzierende Landwirtschaft stärkt und die wirtschaftliche Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft steigert.
Investitionen in Lehre und Forschung im Bereich Landwirtschaft sind Voraussetzungen dafür, dass die Landwirtschaft konkurrenzfähig bleibt. Mit Sorge stellen wir fest, dass beispielsweise die Zukunft der Agronomie an der ETH infrage gestellt wird. Ein Berufsstand ohne Ausbildung von Eliten und ohne Grundlagenforschung hat keine erfolgreiche Zukunft. Und - das dürfte nun allen klar sein - wir brauchen die Landwirtschaft mehr denn je.
Gestatten Sie mir noch einige Bemerkungen zu den Faktoren, die die stark steigenden Preise beeinflussen. Ein Grund für die stark gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe könnten tatsächlich Finanzspekulationen sein. Man kann sich wirklich fragen, ob es ethisch zu verantworten ist, mit Nahrungsmitteln zu spekulieren und damit die Nahrung für ärmere Leute unerschwinglich zu machen. Der Bundesrat ist gefordert, dieses Problem auf internationaler Ebene zu thematisieren.
Biotreibstoffe dürfen nicht einfach schlechtgeredet werden. Schliesslich sind sie nachwachsend. Man soll sich aber in erster Priorität auf Abfälle und Biotreibstoffe der zweiten und dritten Generation konzentrieren.
In der laufenden Doha-Runde der WTO sollen die Agrarmärkte sehr stark liberalisiert werden. Sind wir sicher, dass die Liberalisierung der Lebensmittelmärkte wirklich die Armen vor dem Hunger schützt? Oder fördert sie eine Produktion für die Weltmärkte, ohne die Grundversorgung der einheimischen Bevölkerung sicherzustellen? Diese Frage muss vertieft analysiert werden. Sicher ist aber, dass die weltweite Streichung aller Exportsubventionen der Landwirtschaft in Entwicklungsländern hilft.
Noch einige Bemerkungen zu den Ölpreisen: Wir warnen davor, nun staatliche Interventionen anzusetzen, wie das die SVP verlangt. Es kann nicht angehen, dass wir nun die Mineralölsteuer oder den Mehrwertsteuersatz für Brenn- und Treibstoffe senken und die beschlossene CO2-Abgabe oder den Klimarappen infrage stellen. Der Schutz des Klimas und der Umwelt ist ein Auftrag, damit unsere Kinder saubere Luft und eine intakte Umwelt haben.
Die hohen Preise haben am Markt auch positive Auswirkungen, und sie haben Änderungen im Verhalten der Konsumenten zur Folge, beispielsweise im Gebäudebereich oder bei den Autos. Was viele Vorschriften in der Vergangenheit nicht hingekriegt haben, wird nun der Markt richten: Es wird mit effizienteren Autos gefahren - General Motors beispielsweise hat die Offroader-Produktion eingestellt -, die Häuser werden besser isoliert, und nur noch 10 Prozent der Heizungen neuer Häuser werden mit Öl betrieben.
Unsere Energiepolitik muss auch den künftigen Generationen eine Energieversorgung garantieren, die ausreichend und sicher, wirtschaftlich und umweltverträglich ist. Der Kernkraft kommt deshalb eine wichtige Rolle zu, durch sie bleibt die Schweiz von der Abhängigkeit von anderen Produktionsländern verschont, durch sie kann sie verantwortungsvoll mit ihrer Umwelt umgehen und Strom zu einem moderaten Preis erzeugen.

Scherer Marcel (V, ZG): Ja, Herr Kollege Zemp: Sie haben ausgeführt, dass wir Lebensmittelpreise wie vor dreissig Jahren haben. Sind Sie also auch der Meinung, dass die Schweiz keine Hochpreisinsel mehr ist?

Zemp Markus (CEg, AG): Bei Lebensmitteln nicht überall, an anderen Orten schon.

Giezendanner Ulrich (V, AG): Herr Zemp, ich frage Sie: Wenn Betriebe, Klein- und Mittelbetriebe, in den Konkurs getrieben werden - und das werden sie im Transportgewerbe -, ist es dann in einem Parlament unnötiger Aktivismus, wenn man deshalb hier interveniert und für diese Unternehmen schaut?

Zemp Markus (CEg, AG): Nein, das ist nicht unnötiger Aktivismus. Man muss einfach die Relationen wahren. Sie wissen, dass wir im internationalen Vergleich verhältnismässig günstige Treibstoffe haben; wir haben eine tiefere Mehrwertsteuer usw.

Aebi Andreas (V, BE): Unsere Landwirtschaft und die Landwirtschaft dieser Welt haben sich in den letzten zwanzig Jahren gewaltig verändert. Während die Entwicklungsländer immer mehr von Agrarmultis dominiert werden und die kleinbäuerliche Landwirtschaft an den Rand gedrängt wird, kauft z. B. die Volksrepublik China neuerdings in Afrika und auch in Südamerika fruchtbares Land im grossen Stil, um die eigene Bevölkerung in China ernähren zu können. Die schweizerische Landwirtschaft ist in dieser Zeit, und das darf ich als Landwirt mit grosser Überzeugung behaupten, ökologischer geworden, ich denke hier an die Ausgleichsflächen. Sie ist auch tiergerechter geworden; ich denke an den Tierschutz, an das Tierschutzgesetz, und auch an die damit zusammenhängende Kontrolle, die nötig ist und nicht immer nur Schönes an den Tag bringt. Aber mit all den Auflagen ist unsere Landwirtschaft auch teurer geworden.
Unserem Land ist es bis heute gelungen, eine multifunktionale und vielseitige Landwirtschaft zu erhalten und zu unterstützen, welche unsere schöne Landschaft pflegt und gesunde Lebensmittel produziert, wenn auch, vom Selbstversorgungsgrad her, auf tieferem Niveau. Hierfür gebührt auch mein grosser Dank an Sie alle für Ihre Unterstützung unserer selbstständigen Landwirtschaft. Es geht um die Ernährungssicherheit und Ernährungssouveränität, ja die Sicherheit bei gestörten Zufuhren, die heute nicht mehr auf kriegerische Auseinandersetzungen zurückzuführen sind, sondern auf die schwache Weltproduktion wegen besserer Ernährung z. B. in China und Pakistan. Ich bin dankbar, dass wir das alles aufrechterhalten können.
Mir sind hierzu drei Gründe wichtig: Wie bereits Kollega Zemp gesagt hat, darf unsere Landwirtschaft in der landwirtschaftlichen Hochschulbildung nicht noch mehr ins Hintertreffen geraten. In den letzten Jahren wurden

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landwirtschaftliche Professuren an der ETH Zürich stetig abgebaut. Es ist zum Beispiel für uns Viehzüchter kaum mehr möglich, junge Forscher für Zuchtwertberechnungen zu erhalten, weil es offensichtlich nicht mehr aktuell und nötig ist, Nutztierwissenschaften zu unterrichten. Ich frage mich auch, wo wir all die Forscher und Berater hernehmen wollen, welche der FAO in Rom versprochen wurden. Was Gatt und WTO anbelangt, wurde immer gesagt: Die Landwirtschaft, die Landwirtschaft - wir brauchen die WTO! Aber heute sind wir so weit, dass wir uns anscheinend mit der Landwirtschaft einig wären; aber was macht die Industrie? Muss die Landwirtschaft auf die Industrie warten? Können wir beides miteinander verbinden oder nicht? Ich glaube, eher nicht.
Ein letzter Punkt: Ernährung geht uns alle etwas an. Ernährungssouveränität ist mehr als Links-rechts-Politik. Eine eigene landwirtschaftliche Versorgung zu haben ist kein wirtschaftlicher, sondern immer ein politischer Entscheid. Mir ist auch klar, dass wir bei der Banken- und der Pharmaindustrie mehr Wertschöpfung hätten als bei der Lebensmittelproduktion. Die Einberufung dieser Sonderdebatte zeigt, dass wir alle gewillt sind, eine eigene Landwirtschaft zu haben und gemeinsam etwas gegen den Hunger auf dieser Welt zu tun. Dazu wünsche ich uns allen viel Weitsicht und Durchblick, denn die nächsten Jahre werden uns in dieser Hinsicht sehr fordern.

Carobbio Guscetti Marina (S, TI): Hungerkrise, Nahrungsmittelkrise, Welternährungskrise - wie auch immer wir diese Krise bezeichnen mögen, wir müssen uns diesen Problemen stellen und Verantwortung übernehmen. Es ist eine Verantwortung, die von den Staats- und Regierungschefs am Welternährungsgipfel in Rom nicht übernommen worden ist.
Über 58 Millionen Menschen hungern weltweit - ein permanenter, struktureller Hunger, gekoppelt mit einer Ernährungskrise, von der vor allem Frauen und Familien mit kleinen Kindern betroffen sind. Weltweit sind 180 Millionen Kinder mangelernährt. Jedes Jahr sterben bis zu 5 Millionen Kinder unter fünf Jahren an Mangelernährung. Die aktuellen Strategien der Nahrungsmittelhilfe greifen zu kurz. Es ist unabdingbar, dass die Nahrungsmittelhilfe umgestaltet wird. Die Lebensmittelhilfe muss verstärkt an Familien verteilt werden. Nach Schätzungen der Organisation Médecins Sans Frontières erhalten nur 3 Prozent der schwer mangelernährten Kinder die Behandlung, die sie brauchen.
Der Bundesrat muss jetzt die schweizerische Nahrungsmittelhilfe so gestalten, dass ein Bogen von der Sofortnothilfe zur langfristigen Entwicklungsförderung geschlagen wird. Nur dies gewährleistet eine nachhaltige Ernährungssicherheit. Die Schweiz muss bei der Überwindung dieser Krise eine führende Rolle übernehmen.
Ciò significa dunque che gli aiuti urgenti - il partito socialista chiede immediatamente 30 milioni di franchi - non possono andare a scapito degli aiuti ordinari alla cooperazione allo sviluppo. La Svizzera deve impegnarsi per combattere e proibire la speculazione alimentare, intervenendo a livello internazionale. Deve tagliare le sovvenzioni agricole e all'esportazione. La Svizzera deve sostenere prioritariamente quei progetti che investono nell'agricoltura sostenibile favorendo la sicurezza alimentare. Questo vuol dire anzitutto il diritto di un Paese a stabilire la propria produzione e il proprio consumo di prodotti alimentari. Il diritto all'alimentazione deve essere realizzato favorendo il commercio equo e i prodotti locali. Nella lotta alla malnutrizione il nostro Paese può concretamente impegnarsi a portare avanti per esempio la campagna dell'organizzazione Médecins sans frontières di cui parlavo prima.
Il problema della sicurezza alimentare non si declina distribuendo qua e là qualche aiuto con una logica assistenziale, che non arriva ai nodi del problema e soprattutto non ne fa uscire le responsabilità.

Aeschbacher Ruedi (CEg, ZH): Ich spreche für die EVP-Gruppe unserer Fraktion. Zuerst ein grosses Kompliment an den Bundesrat und an die Verwaltung für die sehr kompetente Beantwortung der gestellten Fragen. Ich habe mich ausserordentlich gefreut, dass Sie die Antworten sachlich, klar und aufgrund einer langfristigen Strategie erteilt haben. Wir können uns mit diesen Antworten weitestgehend identifizieren. Sie sind sachlich begründet, enthalten eine kohärente Strategie und eine langfristige Sicht; kurzfristige Vorfälle werden darin nicht überbewertet.
Die Fragen vonseiten der Grünen und der SP sind berechtigt. Ich möchte mich dazu nicht weiter äussern; der Bundesrat hat ja verschiedene dieser Fragen zu Recht aufgenommen und ist darauf eingegangen. Er will auch gewisse Massnahmen ins Auge fassen.
Ich spreche jetzt zur Interpellation der SVP-Fraktion. Diese möchte die Preissteigerungen mit Entlastungen beim Treibstoff und bei den Brennstoffen kompensieren oder lindern; Steuern und Abgaben sollen reduziert werden. Eine ähnlich lautende Motion ist auch im Ständerat eingereicht worden. Das überrascht uns sehr, sind doch gerade die Parteien auf der rechten Seite jene, die immer von den Marktkräften sprechen und nichts damit am Hut haben, dass der Staat bei solchen Marktgeschehnissen intervenieren sollte.
Ich beschäftige mich noch etwas weiter mit diesem Vorstoss. Wir dürfen zur Kenntnis nehmen - das hat der Bundesrat sehr deutlich gesagt -, dass die Schweiz im europäischen Vergleich eine eher tiefe Steuerbelastung der Brenn- und Treibstoffe hat. Für den Bundesrat ist es daher klar - das sagt er deutlich -, dass staatliche Markteingriffe kein geeignetes Mittel sind. Das ist ja Ihre Philosophie auf der rechten Seite. Ich staune darüber, dass Sie gerade in diesem Zusammenhang die Treibstoffzuschläge, die wir aus anderen Gründen haben, jetzt weghaben möchten. Eine Senkung zum gegebenen Zeitpunkt ist absolut nicht angebracht. Wir haben auch bei der Mehrwertsteuer tiefe Sätze; wenn Sie sie mit jenen im EU-Raum vergleichen, sehen Sie, dass sie sehr viel tiefer sind. Auch wenn das nicht von allen Leuten geglaubt wird, es ist so.
Unsere Treibstoffpreise gehören nach wie vor zu den tiefsten im europäischen Raum. Nicht umsonst haben wir diesen Tanktourismus bei uns. Wichtig finde ich zu sagen, dass auch aus umweltpolitischer Sicht eine Reduktion der Treibstoffpreise ohnehin nicht angezeigt ist, denn wir sind froh, wenn etwas weniger Treibstoff verbraucht und weniger CO2 produziert wird.
Abschliessend möchte ich doch noch meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Die EVP hat vor drei Jahren darauf hingewiesen, dass die Ölvorräte zu Ende gingen und der Verbrauch dennoch zunehme, sodass sich eine Schere zwischen Angebot und Nachfrage öffne. Der Bundesrat hat vor drei Jahren in seiner Antwort auf eine entsprechende Interpellation abgewiegelt und uns gesagt, man habe alles im Griff. Das ist nicht der Fall! Das war eine falsche Auskunft! Wir haben frühzeitig für die Bevölkerung und für die Wirtschaft entsprechende Massnahmen gefordert. Jetzt müssen wir Feuerwehrübungen machen; das ist schade.

Walter Hansjörg (V, TG): Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht; es ist auch in der Deklaration der Menschenrechte von 1948 aufgeführt. Trotzdem gibt es in der Welt 850 Millionen Hungernde, und vor allem sind die Kinder betroffen. Die Weltbevölkerung wächst stärker als das Produktionspotenzial von Nahrungsmitteln auf dieser Erde. Die Gründe für die heutige Versorgungskrise wurden schon vielfach erwähnt. An erster Stelle stehen - das ist das Bedenkliche - Ernteausfälle durch Dürre und Überschwemmungen. Ursache ist also der Klimawandel. Andere Gründe sind die grössere Nachfrage durch bessere Kaufkraft und Produktion von Agroenergie, und damit steigt natürlich auch die ganze Spekulation, weil die Nahrungsmittel aufgrund von Termingeschäften knapp sind.
Die Nahrungsmittelproduktion unterscheidet sich von der übrigen Produktion in der Landwirtschaft, weil es ohne Nahrung kein Überleben der Menschen gibt. Deshalb müssen für diesen Wirtschaftszweig andere Prioritäten gesetzt werden, und auch in der WTO muss diesem Umstand wieder vermehrt Rechnung getragen werden. Die Auswirkungen der Uruguay-Runde haben gezeigt, dass durch die

AB 2008 N 928 / BO 2008 N 928
Liberalisierung die Probleme der Lebensmittelversorgung nicht gelöst werden konnten. Die Liberalisierung führt zur Ausweitung des Agrarhandels; die Nahrungsmittel fliessen dorthin, wo die Kaufkraft am grössten ist, und nicht dorthin, wo Hunger zu stillen ist. Die Grundversorgung der Bevölkerung kann nur durch lokal produzierende Bauern sichergestellt werden.
Es ist sehr wichtig, dass die Investitionen in der Landwirtschaft weltweit auf bäuerliche Familienbetriebe ausgerichtet werden, welche lokale Nahrungsmittel produzieren. Damit kann die Landflucht gemildert werden. Schon heute lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Agglomerationen, vielfach ohne Perspektive, ohne produktive Arbeit und ohne regelmässige Versorgung. Diese globalen Herausforderungen wurden kürzlich in der FAO in Rom diskutiert; die Schweiz war auch vertreten. Die Lösungsansätze liegen zum Teil in absolut vollem Widerspruch zu den gleichzeitigen Verhandlungen der WTO in Genf.
Die Landwirtschaft muss einen höheren Stellenwert bekommen. Es wurde erwähnt, dass es wichtig ist, in Bildung und Forschung zu investieren, namentlich in die ETH. Ich bin zuversichtlich, dass dort mit der neuen Führung diesem Umstand Rechnung getragen wird. Ich meine, dass die multifunktionale Landwirtschaft, wie wir sie nun in der Schweiz eingeführt haben, weltweit ein Beispiel dafür sein kann, wie die Versorgung durch umweltgerechte Produktion besser sichergestellt werden kann.

Le président (Bugnon André, président): Je profite du fait qu'ils sont dans la salle pour souhaiter un bon anniversaire à Madame Carobbio Guscetti et à Monsieur Freysinger. (Applaudissements)

Müller Philipp (RL, AG): Während der kurzen Zeit, die ich hier zu Ihnen spreche, werden 48 Kinder an Hunger sterben. Das sind mehr als 6 Millionen im Jahr. Mehr als 800 Millionen Menschen hungern Tag für Tag, einer noch viel grösseren Anzahl fehlen in der Nahrung wichtige Vitamine oder Mineralstoffe. Diese Situation wird noch verschärft, weil die Lebensmittel teurer werden. Gemäss einer Studie der Weltbank wurden die Lebensmittel in den vergangenen drei Jahren weltweit um 83 Prozent teurer, Weizen sogar um 181 Prozent.
Das alles geht auch uns etwas an. In letzter Zeit bin ich denn auch sehr oft darauf angesprochen worden. Unsere Unternehmer machen sich Gedanken darüber. Sie wissen, dass sie nur in eine intakte Welt exportieren können, sie wissen, dass wir kein Hort der Glückseligen sein können, wenn auf der Welt gehungert wird. Sie stellen sich die Frage, was wir zur Lösung dieser immensen Herausforderung beitragen können.
Um diese Frage zu beantworten, muss man die Ursachen dieser Misere kennen. Diese sind verschieden und komplex. Ich will hier nur einige nennen. Die Weltbevölkerung wächst um über 70 Millionen Menschen pro Jahr. Nach mittleren Prognosen wird die Weltbevölkerungszahl im Jahr 2050 bei etwa 9 Milliarden Menschen liegen. Gemäss Fachleuten muss daher die Nahrungsmittelproduktion bis dahin verdoppelt werden. Die Nachfrage nach Milch und Fleisch steigt auch in den Schwellenländern. 1966 bestand die Nahrung eines Chinesen aus höchstens 4 Prozent Fleisch. Heute ist dieser Wert viermal höher. Weltweit hat sich der Fleischkonsum in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Das steigert die Nachfrage nach Getreide. Für ein Kilo Schweinefleisch werden drei Kilo Futtergetreide benötigt. Auf dessen Anbauflächen könnte auch Weizen für Brot wachsen. Die weltweiten Lagerbestände befinden sich auf dem niedrigsten Stand seit dreissig Jahren. Die steigenden Ölpreise führen zu höheren Produktions- und Transportkosten.
Auch die weltweit erhöhte Nachfrage nach Agrotreibstoffen ist preistreibend. Die globale Produktion von Ethanolbenzin wird sich nach Schätzung der OECD und der Uno-Welternährungsorganisation bis 2017 verdoppeln. Allein die USA wollen die Bioethanol-Produktion in den nächsten drei Jahren um 50 Prozent erhöhen, staatlich gefördert durch Beimischungsvorgaben und Subventionen. Die Spekulationen an den Agrarmärkten nehmen rasch zu. An der weltweit führenden Rohstoffbörse in Chicago ist die Zahl der gehandelten Kontrakte seit Jahresbeginn um 20 Prozent auf rund eine Million täglich angestiegen. Der kürzlich in Rom durchgeführte Ernährungsgipfel ist enttäuschend verlaufen. In Johannesburg ringen Wissenschaftler und Uno-Organisationen um einen globalen Konsens im Kampf gegen den Hunger; eine Lösung ist nicht in Sicht.
Fazit: Das Problem ist global, die schweizerischen Möglichkeiten sind begrenzt. Der Abbau von Exportsubventionen und von Exportbeschränkungen ist ein Mittel, wie sich die Schweiz einbringen kann. In den Hungergebieten braucht es neben professioneller Nahrungsmittelproduktion auch eine kleinbäuerliche Landwirtschaft, die für den lokalen Markt produziert und die Selbstversorgung gewährleistet. Wir müssen uns vom herkömmlichen Denken verabschieden, Tabus müssen angesprochen werden.

Glauser-Zufferey Alice (V, VD): Devant les événements survenus récemment, et qui en fait ne cessent de se répéter sur le plan mondial: spéculations, hausses des prix des produits alimentaires, rareté et prix élevés des énergies, il est urgent de se positionner et de corriger la ligne politique en matière agricole que veut prendre le Conseil fédéral. Elle risque de nous faire connaître - non seulement aux paysans, mais aussi aux consommateurs que nous sommes tous - de graves et difficiles moments en matière énergétique et alimentaire.
Par l'accord de libre-échange, que bien sûr je combats avec l'UDC, notre agriculture sera ouverte au marché européen et en même temps l'OFAG lui demandera de produire en appliquant des normes plus draconiennes que partout ailleurs, notamment en matière de protection de la nature, des animaux, sans parler du fait que les conditions climatiques sont souvent plus difficiles chez nous, ce qui augmente les charges d'exploitation.
D'après nos autorités, il sera toujours possible de livrer des produits de niche aux consommateurs européens et suisses plus aisés. Ce sera donc, selon elles, un avantage. Mais n'est-il pas plus judicieux de penser en priorité à nos concitoyens, du plus défavorisé au plus aisé, que nous sommes, comme le prévoit la Constitution, chargés de nourrir?
Actuellement, la production indigène permet de nourrir la population suisse un jour sur deux et, d'après l'Office fédéral pour l'approvisionnement économique du pays, nous avons des réserves pour six mois. Et après? Lorsque les vivres manqueront en Suisse, ils manqueront aussi ailleurs, et certainement plus dramatiquement encore. Je ne peux imaginer que notre argent puisse aggraver la situation des plus pauvres dans le monde en les privant de leurs denrées alimentaires.
Les producteurs suisses, déjà peu nombreux actuellement, le seront encore moins car, confrontés au marché européen et trop peu concurrentiels - non pas sur le plan de la qualité mais sur celui des prix -, ils n'existeront peut-être plus. Les mesures de soutien prévues n'étant en fait que des mesures pour atténuer le démantèlement, elles ne contribueront qu'à faire diminuer la population agricole.
Je demande au Conseil fédéral de ne pas négocier l'accord précité et, au contraire, de prévoir d'augmenter la production agricole en Suisse.

Fässler-Osterwalder Hildegard (S, SG): Ich habe die Antwort des Bundesrates auf unsere Interpellation mit wachsender Ernüchterung gelesen. Der Bundesrat entpuppt sich als Zauderer, Zögerer - knappe eineinhalb Seiten Konjunktive und Standardsätze. Zur Spekulation mit Nahrungsmitteln an der Börse lese ich: "Der Bundesrat wäre bereit, internationale Anstrengungen zu unterstützen, welche darauf abzielen, die Mechanismen der Spekulation mit Rohstoffen und ihre Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise zu analysieren." In diesem Tempo werden wir auch in zwanzig Jahren keinen Schritt vorwärtsgekommen sein.

AB 2008 N 929 / BO 2008 N 929

Dabei könnte die Schweiz sehr viel zur Entspannung der Situation beitragen. Denn wir haben ja spätestens seit 1995 in der Landwirtschaftspolitik den Weg eingeschlagen, den jetzt auch der IAASTD-Bericht fordert: ökologischer Landbau, Zusammenspiel von Markt und Ressourcenschutz, Abgeltung multifunktionaler Aufgaben der Landwirtschaft. Ganz konkret muss ein Handlungskatalog so aussehen: Die 12 Millionen Franken an Beiträgen für internationale Agrarforschungszentren werden auf Projekte zum biologischen Landbau konzentriert - kein Franken mehr für industrielle exportorientierte Agrartechnologie! Im Patentgesetz muss dafür gesorgt werden, dass indigenes Wissen nicht mehr von Agromultis schamlos ausgenutzt werden kann. Unser Wissen und Können im biologischen Landbau, erarbeitet im Fibl und in einigen Abteilungen der Agroscope, muss den Landwirten in den von Hunger bedrohten Ländern unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.
Die Frage nach den Massnahmen des Bundesrates, um die Situation der Frauen zu verbessern, die ja in vielen Ländern die Ernährerinnen ihrer Familien sind, wird dermassen pauschal beantwortet, dass ich damit also gar nichts anfangen kann. Frau Bundesrätin, Herr Bundesrat, ich habe nicht danach gefragt, ob es darum geht, die Gleichberechtigung oder die Rechte der Frauen zu verbessern. Ich möchte konkret wissen, was Sie planen, damit vor Ort diese Frauen unterstützt werden können. Es geht z. B. darum, diesen Familien Brunnen zur Verfügung zu stellen, Nähmaschinen, selbstverständlich ohne Strom, und solche Dinge. Meine Frage ist: Wie wollen Sie vor Ort direkt Frauen unterstützen, die die Ernährerinnen ihrer Familien sind? Es geht diesen Frauen nicht um Gleichberechtigung oder um mehr Rechte, sondern um konkrete Hilfe, um Unterstützung vor Ort. Deshalb bin ich absolut enttäuscht von der Antwort auf die Interpellation, insbesondere zu Frage 6.

Weibel Thomas (CEg, ZH): Wir Grünliberalen sind erstaunt über die operative Hektik in den bürgerlichen Reihen. Verantwortungsbewusste Firmen, Haus- und Autobesitzer wissen seit Langem vom Risiko steigender Energiepreise. Deshalb haben sie die Produktionsprozesse energietechnisch überprüft und bereits verbessert, die Gebäude isoliert und auf sparsamere Fahrzeuge gesetzt. Nur wer das nicht getan hat, muss in Anbetracht der weltweit massiv gestiegenen Energiepreise nach kostendämpfenden Massnahmen durch Senkung von Steuern und Abgaben rufen.
Für uns Grünliberale sind permanent hohe Energiepreise keine Tragödie, im Gegenteil. Aus der Sicht des Klimaschutzes ist ein dadurch provozierter tieferer Energieverbrauch zwingend notwendig. Hohe Preise schaffen einen zusätzlichen Anreiz zu sorgsamem Umgang mit Energie. Noch sind offenbar die Treibstoffpreise in der Schweiz zu wenig hoch, um eine Trendwende beim Verbrauch zu bewirken, im Gegenteil: Die Absatzzahlen für die Monate Januar bis April sind für Diesel um 15 Prozent höher und für Benzin gleich hoch wie im Vorjahr. Für Benzin ist damit sogar der über Jahre anhaltende Abwärtstrend gestoppt. Die CO2-Abgabe als Lenkungsinstrument ist deshalb noch lange nicht vom Tisch.
Aus der Sicht von Industrie und Gewerbe sehen wir ein enormes Potenzial für die Entwicklung von energieeffizienter Technologie. Dieser Innovationsanreiz ermöglicht es - zusammen mit den Investitionsanreizen auf der Nachfrageseite -, in neuen Märkten Fuss zu fassen. Ökologie und Ökonomie werden von dieser Situation profitieren.
Bei Bio- und Agrotreibstoffen haben wir Grünliberalen immer auf die Bedeutung der nachhaltigen Produktion hingewiesen. Nachhaltig heisst: ökologisch, ökonomisch und sozialverträglich. Dies wurde im Gesetz auch so verankert. Gemäss Empa-Studie trifft dies nur für Biotreibstoff aus Abfall- und Restprodukten zu. Die Verarbeitung von Nahrungsmitteln zu Treibstoff kann in der Schweiz in Einzelfällen nachhaltig sein; in Entwicklungsländern wird dies - auch wegen der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion - kaum jemals der Fall sein.
Der Bundesrat legt dar, dass die Entstehung der Preisbildung für Nahrungsmittel weitgehend unbekannt ist. Sicher spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, so auch die bereits angesprochenen hohen Energiepreise als Teil der Produktionskosten. Treibstoff für die Maschinen und Düngemittel sind teurer geworden. Wenn diese sorgfältig eingesetzt werden, ist das auch eine Chance und zu begrüssen.
Die Biodiversität wird überall und direkt von einer differenzierten Nutzungsintensität profitieren. Dies steht langfristig auch nicht in Widerspruch zur angestrebten Selbstversorgung und Versorgungssicherheit. Wir sehen deshalb keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.

Pfister Theophil (V, SG): In unserer Debatte geht es um Nahrungsmittel-, Energie- und Versorgungssicherheit. Dabei werden wir um eine zentrale Frage nicht herumkommen: War der Einbezug der Nahrungsmittel in den freien Welthandel - Stichwort WTO-Agrarabkommen - im Jahre 1995 rückblickend ein Erfolg oder ein Fehler? Liegt da die Ursache für die heutige Mangelsituation? Die SVP-Fraktion verlangt vom Bundesrat eine vollständige Analyse und klare Antworten.
Fakt ist: Der freie Welthandel sichert uns den Wohlstand, aber er sichert niemals die Ernährung. Im Gegenteil: Je nach Boden, Klima und Lage ist die Produktion von Nahrungsmitteln unterschiedlich aufwendig. Entsprechend verschieden sind die weltweiten Preisniveaus. Eine erzwungene Grenzöffnung verlagert die Produktion zu den günstigsten Standorten. Das Schlimmste ist aber: Die von der WTO erzwungene Grenzöffnung entzieht den Regierungen vieler Länder faktisch die Hoheit über die eigene Nahrungsmittelversorgung und damit eine direkte Einflussmöglichkeit. Das erleben wir heute. Ich frage Sie: Können die WTO, die Uno oder die FAO die Verantwortung für eine weltweite Nahrungsmittelversorgung übernehmen? Wenn sie das nicht können - davon gehe ich aus -, dann dürfen weder die Uno noch die WTO die Grenzöffnung verlangen. Keine grosse Stadt in Asien oder Afrika soll sich via Billigstimporte versorgen, während im Land gleichzeitig die nationalen Versorgungsstrukturen ruiniert werden. Es braucht den Grenzschutz, weil für die Nahrungssicherheit die Regierungen verantwortlich sind und nicht der Grosshandel.
Die Schweiz produziert heute nur noch etwa 60 Prozent der benötigten Nahrungsmittel. Weitere Grenzöffnungen gegenüber EU und gemäss WTO sind nicht mehr zu verantworten. Offene Grenzen und Versorgungssicherheit sind nach Meinung der SVP nicht gleichzeitig zu haben. Es geht auch nicht um Exportsubventionen, wie dies kürzlich Frau Bundesrätin Leuthard ausführte. Es geht in dieser Frage primär um die von aussen erzwungenen Importe und teilweise auch Exporte. Hier liegt die Kernursache. Wir müssen aus dieser neuen Erkenntnis eine verantwortungsvollere Politik gestalten. Der grenzenlose Handel mit Nahrung ist heute gescheitert; das ist meine Erfahrung.

Brunschwig Graf Martine (RL, GE): Certains groupes ont souhaité qu'on débatte aujourd'hui en urgence de crise et de sécurité alimentaires et, vous l'avez entendu, chacun apporte ici ses propositions et exprime ses interrogations. Le groupe radical-libéral tient à en faire autant, même si cela ne va pas nécessairement dans le sens du politiquement correct.
Ainsi nous sommes-nous intéressés au fait de savoir quels moyens devraient être mis en oeuvre pour résoudre la crise. Vous avez apporté vos réponses et nous en avons encore trouvé d'autres. Une des réponses tient dans le rapport de la Banque mondiale, "Les organismes génétiquement modifiés pourraient aider les populations pauvres", qui date de mars 2008. Je cite ici le rapport de la Banque mondiale, par exemple: "Les OGM peuvent largement contribuer à améliorer les apports nutritifs des aliments et ainsi sauver des vies ou aider les agriculteurs pauvres à s'adapter aux changements climatiques, grâce à une intégration plus rapide des gènes, assurant une tolérance aux inondations et à la sécheresse." La Banque mondiale relève aussi que "la communauté internationale de développement doit être prête à

AB 2008 N 930 / BO 2008 N 930
répondre aux pays qui souhaiteront avoir accès à ces technologies en toute sécurité. De manière plus spécifique, elle doit se préparer à répondre aux demandes de financement en vue du développement des OGM ayant des propriétés favorables aux populations pauvres, et à supporter les coûts initiaux élevés liés à leurs essais et à leur diffusion".
Cette position de la Banque mondiale, qui date de mars 2008, survient à peu près en même temps que l'annonce faite par le Conseil fédéral de prolonger le moratoire concernant les OGM dans l'agriculture suisse jusqu'en 2013. Le groupe radical-libéral a d'ores et déjà déposé une interpellation à ce sujet. Nous attendons donc du Conseil fédéral qu'il nous réponde et qu'il nous dise ce qu'il pense du rôle que les OGM pourraient jouer afin de remédier à la crise alimentaire. Nous demandons en particulier au Conseil fédéral quelle est sa position par rapport aux déclarations de la Banque mondiale.

van Singer Christian (G, VD): Vous affirmez que les OGM vont aider à résoudre le problème de la faim dans le monde, mais êtes-vous au courant que la plupart des OGM utilisés sont simplement produits afin d'être compatibles avec l'utilisation d'herbicides? Savez-vous qu'ils servent uniquement à augmenter les profits des grandes industries chimiques et ne profitent surtout pas aux paysans du tiers monde?

Brunschwig Graf Martine (RL, GE): Ce que je vous ai lu n'était pas des affirmations de ma part, mais ce qui était contenu dans le rapport de la Banque mondiale. Je vais ajouter une phrase parce que la Banque mondiale évoque des aspects critiques ainsi que les soucis et les préoccupations que vous avez. Dans son rapport, elle dit aussi une chose qui me paraît importante pour "sortir" des dogmes: "L'évaluation des risques" - et elle dit qu'il faut faire une évaluation des risques - "doit aussi tenir compte des conséquences et des risques du non-recours aux OGM." Je pense qu'il faudrait prendre en compte cela.

Graf Maya (G, BL): Frau Brunschwig Graf, haben Sie über den Weltagrarbericht, der im April dieses Jahres erschienen ist, gelesen? Dieser Bericht umfasst im Ganzen 2000 Seiten, ich habe sie auch nicht alle gelesen. Auf die Gentechnologie wird nur auf ein paar Seiten eingegangen. Das Fazit ist klar: Wenn es darum geht, die Menschen zu ernähren und dabei die Ressourcen zu schonen, ist die Agro-Gentechnologie (Zwischenruf des Präsidenten: Une question!) keine Lösung. Ich sage: Sie ist ein Teil des Problems.

Brunschwig Graf Martine (RL, GE): Je vais répondre ceci à Madame Graf: je n'ai pas lu ce rapport et j'ai donc l'honnêteté de ne pas le commenter. J'aimerais simplement dire ici que j'ai fait mon intervention en étant parfaitement consciente des réactions qu'elle pouvait provoquer, y compris des réactions profondes que cela peut provoquer chez vous. Ce que j'ai voulu dire ici, c'est ce que dit la Banque mondiale: on ne peut pas, de façon totalement unilatérale, tout rejeter. Et la problématique d'une attitude qui consiste à demander un moratoire, à espérer sa prolongation et à souhaiter qu'il devienne éternel, c'est aussi une façon de fermer les yeux et de ne pas répondre à toutes les questions.

Graf Maya (G, BL): Landwirtschaft ist keine Industrie, sondern eine ganzheitliche Wirtschaftsweise, die an fruchtbaren Boden, an die Natur und an uns - die Gesellschaft, die Menschen - gebunden ist. Diese Erkenntnis kommt reichlich spät - leider. Sie kommt aber nicht zu spät, um dem weltweiten Hunger zu begegnen. Wir müssen uns endlich weltweit für eine multifunktionale, ressourcenschonende, bäuerliche Landwirtschaft vor Ort einsetzen. Genau zu dieser Schlussfolgerung ist auch der kürzlich erschienene Weltagrarbericht der Uno und der Weltbank gekommen. Die dramatische Situation ruft nach einer politischen Wende im Sinne einer ökologisch und sozial ausgestalteten Ernährungssouveränität.
Die Senkung der Treibstoffzölle ist daher völlig fehl am Platz. Wir müssen den Ausstieg aus der fossilen Energie heute beginnen. Diese Senkung ist reine Symptombekämpfung. Klima und Landwirtschaft müssen endlich zusammen gedacht und es muss auch so gehandelt werden. Hauptverantwortlich für die verheerende Explosion der Nahrungsmittelpreise sind aus unserer Sicht neben dem Boom der Agrotreibstoffe der forcierte Agrarfreihandel, die industrialisierte Landwirtschaft, Spekulation mit Nahrungsmitteln und der Klimawandel.
Wir möchten den Bundesrat auffordern, zu folgenden Forderungen der Grünen Stellung zu nehmen; gleichzeitig bedanken wir uns bereits für die ausführlichen Antworten. Die Schweiz muss sofort einen substanziellen Beitrag zur Aufstockung des Welternährungsfonds leisten. Statt dem Agrobusiness muss die sozial- und umweltgerechte Produktion auf lokaler und regionaler Ebene gestärkt werden. Der Bundesrat muss daher in der WTO ein Verhandlungsmoratorium im Landwirtschaftsbereich verlangen. Längerfristig fordern wir Grünen, dass die Agrarfrage der WTO entzogen und der Uno übertragen wird. Es darf weiter nicht sein, dass die Äcker für die lukrativere Produktion von Agrotreibstoffen anstatt für die Produktion von Lebensmitteln kultiviert werden. Auf weltweit immer mehr Land wird anstelle von Nahrung für die Menschen Nahrung für die Autos der Reichen des Westens angebaut. Das ist fatal und zynisch. Wir Grünen fordern daher ein Moratorium für die Einfuhr von Agrotreibstoffen und für die entsprechenden Energiepflanzen. Die Agroindustrie - und ich möchte dazu auch gerne eine Stellungnahme von Ihnen - hat mit ihrer sogenannten grünen Revolution versagt. Setzen wir dem endlich eine echte grüne, eine nachhaltige Revolution von unten in allen Politikfeldern entgegen!

Schibli Ernst (V, ZH): Frau Graf, warum unterstützen die Grünen in der Schweiz immer noch eine weniger starke Produktion eigener Nahrungsmittel, obwohl Sie jetzt selber wieder betont haben, dass wir weltweit nicht genügend Nahrungsmittel haben, um die Menschen, die da sind, zu ernähren?

Graf Maya (G, BL): Herr Schibli, man muss Klima und Landwirtschaft zusammen denken. Wir müssen bei der Produktion die natürlichen Ressourcen schonen. Das heisst, wir können nicht eine Überproduktion auf Kosten unserer natürlichen Ressourcen machen. Sie müssen ein Gleichgewicht finden zwischen der Bodenfruchtbarkeit, die wir erhalten müssen, und den Ressourcen, z. B. Wasser oder Boden! Sie können nicht einfach die Produktion steigern, sonst werden wir eines Tages weder genügend fruchtbaren Boden noch genügend Wasser haben. Genau das aber ist passiert. Es ist auch so, dass wir immer noch zu viel Dünger verwenden - das ist erdölabhängig - und dass wir auch mit Pestiziden erdölabhängig sind. Wenn wir langfristig alle genügend ernährt werden wollen, bleibt uns gar nichts anderes übrig, als mit den natürlichen Ressourcen, die wir haben, eine ökologische Landwirtschaft zu betreiben.

Giezendanner Ulrich (V, AG): Herr Bundesrat Merz hat mir vorhin gesagt, wir sollten hier im Saal bei den Fakten bleiben. Jawohl, Herr Bundesrat Merz, ich kenne sie. Fakt ist, dass das Schweizer Transportgewerbe nicht mehr kostendeckend arbeitet. Fakt ist, dass jedes Produkt in diesem Land mindestens einmal auf einem Lastwagen transportiert wird. Fakt, Herr Zemp, ist auch, dass die Schweiz längst nicht die tiefsten Dieselpreise hat. In Luxemburg sind sie 20 Rappen tiefer als bei uns. Herr Aeschbacher, die SVP bekämpft bei den staatlichen Eingriffen die hohen Steuern. Das sind staatliche Eingriffe, die unsere Wirtschaft behindern.
Die EU hat es erkannt, sie hat im Gegensatz zur Schweiz den Diesel- und den Benzinpreis zur Chefsache gemacht. Der EU-Gipfel wird am Wochenende über diese Preise diskutieren. Bei uns sagt man: Ja, es ist alles in Butter, es ist alles in Ordnung. Ich warne, Herr Bundesrat Merz, Sie spielen mit dem Feuer! In Spanien wird blockiert, wir wollen nicht

AB 2008 N 931 / BO 2008 N 931
blockieren. Aber ob bei uns nicht auch ein Streik kommt? Die Eisenbahner haben in Bellinzona gestreikt, die Bauern haben gestreikt - erfolgreich! Wir bezahlen mehr LSVA, wir haben genug! Heute Morgen wird in Schottland, in Polen gestreikt, es wird in Portugal gestreikt, die Flughäfen haben kein Benzin mehr. Sie treiben uns dazu.
Wir hätten es so einfach mit 2,4 Prozent wie bei den Lebensmitteln - mit der Mehrwertsteuer könnte man beim Treibstoff sage und schreibe 10,4 Rappen einsparen; wenn das nur für drei Monate wäre, wäre es ein Zeichen. Man hätte mit der Abklassierung der Euro-3-Fahrzeuge seitens des Bundesrates problemlos einschreiten und sagen können: Wir helfen euch, ihr könnt zwei Jahre mehr haben. Man wollte es nicht, man will uns abzocken, das wichtigste Gewerbe in diesem Land. Es gibt auch kein Argument, wenn man sagt: An dieser Tankstelle ist der Benzinpreis 10 Rappen tiefer als an jener. Logisch ist er tiefer. Wenn die Transportpreise nach Zweisimmen die gleichen wären wie jene von Basel nach Pratteln, dann wäre das ja himmeltraurig. Aber mit solchen Dingen wird heute argumentiert; das geht nicht.
Herr Bundesrat Merz hat mir gesagt, man müsse die Preisüberwälzung halt vollziehen. Versuchen Sie einmal, bei einem Kehrichtwagen einer Gemeinde die Preise zu überwälzen. Da bestehen Jahresverträge; wenn eine Preiserhöhung kommt, können Sie sie nicht überwälzen. Bei Jahresverträgen muss die Gemeinde den Vertrag neu ausschreiben. Wir können gar nicht aufschlagen. Das sind Fakten, Herr Bundesrat.
Ich sage Ihnen, laut der "Aargauer Zeitung" werden die Mieten um 40 Prozent steigen. Dann kommt die Linke wieder, jammert die Hutte voll und klagt, das sei unmöglich. Sie sind schuld! Sie wollten immer mehr Steuern: Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer, Treibstoffabgabe - 90 Rappen bezahlen wir heute pro Liter Treibstoff. Das hat nichts mehr mit der Schweiz, das hat nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun. Wenn wir streiken, zahlen Sie den Preis. Wenn wir streiken, haben Sie in diesem Land in drei Tagen das Chaos, und niemand hat mehr etwas zu essen, das sage ich Ihnen. Überlegen Sie sich deshalb gut, was Sie tun.

Sommaruga Carlo (S, GE): "Les spéculateurs mondiaux jouent avec la vie des populations. Il faut tout faire pour casser ce phénomène et fluidifier les échanges." Cette phrase n'a pas été prononcée par un altermondialiste, mais par Joseph Daul, le président du groupe du Parti populaire européen (démocrates-chrétiens) et des démocrates européens au sein du Parlement européen, la première formation de droite de l'Assemblée parlementaire européenne, et cela après les émeutes qui ont secoué 35 pays suite à l'explosion des prix des denrées alimentaires. Il n'est pas le seul à dénoncer le rôle des spéculateurs dans la crise alimentaire mondiale.
Certes, l'augmentation de la demande mondiale de céréales, l'augmentation de la consommation de viande, le détournement croissant de terres pour la production d'agrocarburants participent au scandale de la crise alimentaire, mais le rôle des spéculateurs est incontesté. Le 10 juin dernier, la Commodity Futures Trading Commission, l'organe américain de régulation des marchés dérivés de matières premières, a créé un groupe de travail (task force) ayant pour tâche d'examiner le comportement des investisseurs et des négociants (traders) dans les marchés des matières premières (commodities). Cette décision fait écho aux préoccupations du Sénat américain, mais surtout au rapport présenté par Michael B. Mukasey, ministre américain de la justice, qui a dénoncé le crime organisé ou, plutôt, ses agents financiers qui sont venus se loger dans les fonds spéculatifs (hedge funds) et qui, compte tenu des milliards de dollars qui circulent, y blanchissent de l'argent.
Selon les estimations conservatrices du président de la Banque mondiale, Robert B. Zoellick, la part spéculative des prix des denrées alimentaires - comme le riz, le blé ou le maïs - est de 37 pour cent. Lors de la Conférence internationale sur la sécurité alimentaire tenue à Rome du 3 au 5 juin derniers, diverses propositions ont été formulées pour combattre la spéculation qui affame des centaines de millions de personnes. Ainsi, le ministre italien des Affaires étrangères, Monsieur Frattini, a concrètement proposé la constitution d'un mécanisme international pour créer des stocks stratégiques à utiliser en cas d'urgence. Il s'agirait d'une sorte de banque ayant un rôle régulateur sur les prix et qui réduirait les risques de spéculation.
Or le Conseil fédéral, en réponse aux interpellations urgentes, ne s'engage pour aucune proposition concrète et se contente d'affirmer qu'il serait prêt - je souligne l'emploi du conditionnel - à soutenir les efforts internationaux d'analyse des mécanismes spéculatifs. C'est plus qu'insuffisant au moment où de manière incompréhensible un ministre cantonal des finances, en accord avec le Département fédéral des finances, veut dérouler le tapis rouge, sur le plan fiscal, à ces "hedge fonds" dont la responsabilité dans la crise actuelle est dénoncée de toutes parts.
La Confédération doit examiner bien plus attentivement les activités et le rôle des "traders" de la place de Genève. Rappelons que celle-ci est la première place mondiale dans le négoce des céréales, du riz et est leader européen pour le coton. Le Conseil fédéral abdiquerait-il à toute intervention dans ce champ pour ne pas déplaire aux 300 sociétés de négoce (trading) implantées en Suisse romande et au bout du lac Léman, parmi lesquelles Cargill, Glencore, Addax, Gunvor - et j'en passe - et qui réalisent un chiffre d'affaires annuel de 300 milliards de dollars.
Pour le groupe socialiste, il faut certes des enquêtes, mais aussi des mesures concrètes et rapides pour combattre la spéculation qui confisque les avantages financiers générés par la tendance du marché, aux dépens des petits producteurs - qui sont le maillon essentiel de la relance de la production agricole - et aux dépens des investissements d'infrastructure indispensables - dont les pays les plus pauvres ont grand besoin pour permettre l'accès au marché de leurs petits producteurs. Dans ce sens, le Conseil fédéral doit s'engager activement et obtenir une révision effective des politiques financières des institutions de Bretton Woods.
La magie de la main invisible et les recettes fondées sur les dogmes néolibéraux du Consensus de Washington ont fait long feu, comme le souligne le rapport que vient de publier le 28 mai dernier la commission internationale "Croissance et développement", présidée par le Prix Nobel d'économie Michael Spence. Par ses relais au sein des institutions de Bretton Woods, la Suisse doit contribuer à ce que l'on tourne la page des programmes d'adaptation structurels favorisant essentiellement les industries exportatrices au détriment des petits producteurs et des marchés locaux. Dans une perspective pragmatique, la Suisse doit favoriser le renforcement du rôle de l'Etat dans le cadre non seulement des politiques de contrôle financier, mais aussi des politiques agricole et sociale des pays du Sud tournés vers les besoins des populations locales. Il ne faut plus se fonder sur le seul indicateur macroéconomique de la croissance.
Le groupe socialiste s'attend à ce que le Conseil fédéral mène une politique plus courageuse et incisive, une politique qui fasse passer le droit à l'alimentation avant les bénéfices spéculatifs, sinon dans dix ans nous en serons toujours au même point.

Thorens Goumaz Adèle (G, VD): Dans sa réponse à notre interpellation, le Conseil fédéral affirme son soutien à une agriculture durable et multifonctionnelle, à un ordre du commerce mondial équitable et au concept de souveraineté alimentaire. Les Verts ne pourront cependant pas s'en réjouir avant que les quatre points suivants soient éclaircis.
1. Les effets pervers de l'ouverture brutale des marchés agricoles ne figurent pas parmi les causes de la crise alimentaire énoncées par le Conseil fédéral. Ne pense-t-il pas qu'il s'agit-là d'un facteur à prendre en considération?
2. Dans sa réponse à la question 4 sur l'opportunité d'études d'impact sur l'approvisionnement en denrées alimentaires, le Conseil fédéral ne répond qu'à la question des agrocarburants. Que pense-t-il de l'opportunité de telles études d'impact dans le cadre des accords de libre-échange?

AB 2008 N 932 / BO 2008 N 932

3. Est-il crédible de prétendre promouvoir la souveraineté alimentaire tout en affirmant derechef qu'elle ne peut en aucun cas déboucher sur des restrictions au commerce? En d'autres termes, les lois du libéralisme sont-elles au-dessus du droit international - dont les droits de l'homme, pourtant cités par le Conseil fédéral?
4. Le Conseil fédéral est-il sûr que l'OMC soit l'instance adéquate pour gérer la sortie de la crise alimentaire, alors que l'OMC a joué un rôle non négligeable dans l'avènement de cette crise en contribuant à l'affaiblissement des agricultures vivrières locales dans les pays en voie de développement?
Le Conseil fédéral se dit d'autre part prêt à participer à l'analyse de l'impact des spéculations sur le prix des denrées alimentaires. C'est un premier pas dont les Verts se félicitent. Cependant les Verts souhaitent que cette analyse soit suivie de propositions concrètes en vue d'une régulation de ce secteur. Les institutions financières helvétiques refusent d'ores et déjà l'argent de la drogue et de la corruption, ne devraient-elles pas en faire autant de l'argent de la faim?

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Dem Bundesrat bereiten die Preise im Ölbereich grosse Sorgen, weil sie sich in den letzten Monaten verschärft haben und weil die Wirtschaft und die Konsumenten nicht mit einer solchen Entwicklung rechnen mussten. Es ist gewissermassen ein überraschender Effekt, obwohl wir eigentlich alle immer, schon seit vielen Jahren, wussten, dass die Verknappung der Ressourcen im Ölbereich eines Tages zu höheren Preisen und zur Suche nach alternativen Energien führen musste. Und nun ist eine solche Phase erreicht.
Die Gründe liegen im weltweiten Wachstum, besonders auch darin, dass sich gewisse Schwellenländer in Bezug auf die Mobilität den Gewohnheiten der Industrienationen anschliessen wollen und dass grosse Länder wie Indien und China als zusätzliche Nachfrager auf den Märkten erscheinen. In vielen Ländern, die Erdöl fördern, herrschen politisch unstabile Verhältnisse. Es gibt 23 Länder auf dieser Welt, bei denen mehr als 60 Prozent der Exporterlöse vom Öl- und Gasverkauf stammen, und keines dieser Länder ist eine Demokratie im klassischen Sinn. Daher sind immer auch gewisse politische Unwägbarkeiten damit verbunden. Dann gibt es Kartellstrukturen: Auch die Opec ist natürlich ein Kartell, das auf dem Zusammenschluss von Förderländern beruht. Auf diesem globalen Markt, auf der strategischen Ebene sind die Einflussmöglichkeiten einer Landesregierung ausserordentlich gering. Wir sind diesen Kräften ausgesetzt.
Der Markt mit der Preisbildung beginnt erst eine Stufe tiefer, dort nämlich, wo dann die Rohstoffe in die Märkte eingeführt werden, in die regionalen Märkte und in die Landesmärkte. Dort - das wissen Sie - haben wir in unserem Land einen Kartellschutz, der sicherstellt, dass der Wettbewerb eingehalten wird. Die Preiserwartungen sind ungewiss. Öl ist zwar auch für längere Zeit genug vorhanden, aber die Preisentwicklung ist unberechenbar. Es kann sein, dass die Preise in den nächsten Wochen wieder sinken, es kann aber auch sein, dass sie auf 200 Dollar pro Fass steigen; alles ist spekulativ. Auf der einen Seite wird der Bedarf nur langsam sinken, weil es Zeit braucht für neue Technologien bei den Fahrzeugen, weil es Zeit braucht für die Energieeffizienz im Gebäudebereich, weil es Investitionen bedingt. Auf der anderen Seite steigt der Bedarf der Schwellenländer. Daher wird die Preisbildung ungewiss bleiben.
Es ist auch wahr, was gesagt wurde, dass die Spekulation einen vielleicht etwas höheren Stellenwert hat, als wir das ursprünglich erwarten mussten. Weil diese Preise am Steigen sind, ist der Markt für Investoren interessant geworden; sie setzen darauf. Das sind Hedge Funds, das sind zum Teil auch Rohstoff-Fonds, und sie interessieren sich natürlich durch Future-Kontrakte für diese Entwicklung, insbesondere, solange sie nach oben geht. Und es ist auch wahr, dass private Konzerne in den letzten Jahren gute bis sehr gute Gewinne gemacht haben und dass es Länder gibt, die zunehmend eine Art Rohstoffnationalismus betreiben.
Die Hauptgewinner dieser Situation sind die Exportländer und die Energiebranche. Beides trifft für unser Land nicht zu. Wir haben jedoch auch indirekte Gewinner, und von diesen ist hier zu wenig gesprochen worden. Wir haben in unserem Land Energiehandelsagenturen, wir haben Unternehmen, die sich zunehmend mit Alternativtechnologien beschäftigen, wir haben Unternehmen im Bereich der Elektrogeräte des Maschinenbaus, und wir haben insbesondere auch die Tatsache, dass in gewissen Erdölförderländern mehr verfügbare Mittel für den Import von Produkten aus der Schweiz, beispielsweise von Pharmaprodukten und Uhren, zur Verfügung stehen; solche indirekten Gewinner haben wir.
Dann haben wir die Verlierer - und dort, Herr Nationalrat Giezendanner, gehören Sie dazu. Es ist in der Tat so, dass es gewisse Branchen gibt, die zu den direkten Verlierern gehören. Die Transportbranche mag im Vordergrund stehen, es sind aber auch die Zementindustrie, die Ziegelindustrie, die Papierindustrie, die Kunststoffindustrie zu erwähnen - es ist eine ganze Reihe, die sich hier mit ähnlicher Stimme melden könnte, wie es nun das Transportgewerbe tut. Ich verstehe die Ungewissheit, und ich verstehe bis zu einem gewissen Grad auch den Unmut dieser Branche. Aber Sie befinden sich - und damit komme ich zu den Massnahmen - im Wettbewerb. Dieser Wettbewerb basiert unter anderem auch auf der Vertragsfreiheit. Sie haben bis jetzt immer die Möglichkeit gehabt, Ihre Preise zu überwälzen, und der Markt hat Ihnen diese Preise auch immer abgenommen. Wenn Sie Verpflichtungen haben, die das jetzt kurzfristig nicht zulassen, dann verweise ich Sie auf die Vertragsfreiheit: Dann müssen Sie eben Ihre Verträge so machen, wie das andere Branchen auch tun, wo die Teuerung zum Beispiel ein Element der Preisbildung ist, das man vorsieht.
Jetzt zu den Massnahmen: Der Bundesrat setzt in erster Linie auf die Marktkräfte. Die Marktkräfte sind da, um Angebot und Nachfrage in der Zeit zu regeln. Oder anders gesagt: Der Bundesrat möchte nicht mit Steuervergünstigungen oder mit Subventionen einfahren. Denn Steuervergünstigungen und Subventionen müssten kräftig genug sein, um den Markt effektiv zu korrigieren. Das braucht dann zum Teil sehr massive Eingriffe. Nur ein bisschen Kosmetik mit ein paar Rappen auf und ab löst das Problem nicht. Denn wie ich gesagt habe, ist der Preis unberechenbar, und schon in wenigen Wochen kann er sinken - und dann? Und in wenigen Wochen kann er steigen - und dann?
Aus klimapolitischer Sicht ist ein Nachfragerückgang notwendig. Der Bundesrat hat ein entsprechendes Programm der Energiestrategie Schweiz in diesem Frühjahr verabschiedet; und ich möchte in diesem Zusammenhang Herrn Nationalrat Maurer daran erinnern, dass der Bundesrat ausdrücklich auch gesagt hat, er wolle Rahmenbedingungen schaffen, die günstig seien, unter anderem für die Entwicklung der Kernenergie. Es ist nicht so, dass der Bundesrat sich dem widersetzt hat.
Jetzt zu den Steuern und damit zum eigentlichen Thema der Interpellation der SVP-Fraktion: Ich äussere mich zunächst zur Mineralölsteuer und zum Mineralölsteuerzuschlag. Es gibt ein Gesetz, und dieses Gesetz enthält im Anhang eine ganze Reihe von Tarifen. Es ist wahrscheinlich eines der technomorphsten Gesetze, wie Sie sehen, wenn Sie diesen Anhang anschauen. Ich glaube, wer diesen Anhang interpretiert, muss noch ziemlich gute Chemiekenntnisse mitbringen, er muss sich in den verschiedenen Treibstoffen auskennen. Dieses Gesetz besagt aber, dass es Steuerbefreiungen gibt, und zwar für die konzessionierten Transportunternehmen. Dieses Gesetz besagt auch, dass es Steuerrückerstattungen gibt, und darüber entscheidet jeweils das Parlament. Es gibt solche für die Landwirtschaft, das wissen wir. Es gibt solche für die Fischerei, für die Berufsfischerei. Es gibt sie seit Neuestem für die Natursteine, nicht wahr? Und es gibt sie auch für die Forstwirtschaft. Die Kompetenznormen sind klar, und ich mache Sie darauf aufmerksam, dass, als dieses Mineralölsteuergesetz gemacht wurde, der Bundesrat für sich eine Kompetenz zur unmittelbaren Tarifanpassung in Krisenfällen vorsah. Aber das Parlament hat das abgelehnt. Ich muss einfach sagen: Wir haben keine Möglichkeit, Herr Nationalrat Giezendanner, irgendwie ex cathedra eine

AB 2008 N 933 / BO 2008 N 933
Anpassung der Tarife zu beschliessen. Das ist Sache des Parlamentes.
In diesem Gesetz ist auch die Besteuerung von Diesel und Benzin geregelt. Es gibt eine Differenz zwischen den beiden Besteuerungen, zulasten der Besteuerung von Benzin. Nun haben wir vor etwa einem Jahr eine Anpassung der Mineralölsteuer-Gesetzgebung beschlossen, dergestalt, dass biogene Treibstoffe teilweise befreit werden. Diese Befreiung wird durch den Aufschlag beim Benzin kompensiert, sodass der Unterschied ab dem 1. Juli 2008, also in drei Wochen, noch etwa 1,4 Rappen pro Liter beträgt. Nachdem der Energiewert von Diesel höher ist als der von Benzin, ist Diesel letztlich eben günstiger besteuert.
Der Bundesrat hätte keine Kompetenz, hier etwas zu ändern. Ich muss aber noch einmal sagen, dass der Tanktourismus ja beweist, dass der Preis bei uns immer noch günstig ist. Wir haben im Jahr Einnahmen von etwa 600 Millionen Franken allein aus dem Tanktourismus. Die Ausländer würden nicht in die Schweiz kommen, um Benzin und Diesel zu tanken, wenn es hier nicht billiger wäre. Das ist also nach wie vor der Fall.
Ich komme zur Mehrwertsteuer. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer auf Brenn- und Treibstoffen betrugen im letzten Jahr 780 Millionen Franken. Wenn die Preisentwicklung sich weiterhin so gestalten würde wie bis im April dieses Jahres, hätten wir per Ende Jahr etwa 100 Millionen Franken zusätzlich in der Kasse der Mehrwertsteuer, eventuell etwas mehr. Jetzt ist aber die Mehrwertsteuer dadurch gekennzeichnet, dass ein Teil davon für die Prämienverbilligung in der Krankenversicherung vorgesehen ist; ein zweiter Teil ist für die Finanzierung der AHV vorgesehen; ein dritter Teil, Herr Nationalrat Giezendanner, geht in den FinöV-Fonds, der ja letztlich eben auch Investitionen in die Strasse und in die Bahn zum Gegenstand hat. Die Mehrwertsteuer ist eine Endverbrauchssteuer, weshalb sie am Ende, wenn die ganze Kalkulationskette gemacht ist, draufgeschlagen werden muss. Jetzt sagen Sie, dass Erdöl und Benzin wie Güter des Grundbedarfs betrachtet werden sollten; auch Herr Maurer hat, glaube ich, darauf hingewiesen. Ich muss Ihnen sagen, dass lange nicht alle Grundbedarfsgüter mit der tieferen Mehrwertsteuer belegt und so begünstigt werden. Kleider, Schuhe, Möbel, Waschmittel usw. sind alles Güter des Grundbedarfs, die auch nicht bevorzugt, sondern normal, mit 7,6 Prozent, besteuert werden.
Wenn wir hier gemäss Ihrer Vorstellung die Mehrwertsteuer von 7,6 auf 2,4 Prozent absenken würden, dann ergäbe das beim Bund eine Mindereinnahme von 600 Millionen Franken pro Jahr. Aber der Effekt auf Ihre Preise wäre letztlich nicht allzu gross. Es wäre ein Absinken um etwa 10 Rappen pro Liter. Wenn Sie aber davon ausgehen, dass heute die Differenzen der Preise in der Schweiz an der Säule vom tiefsten zum höchsten auch etwa 10 Rappen betragen und dass sich die Preise manchmal innert weniger Wochen um 10 oder noch mehr Rappen nach oben und nach unten bewegen, dann muss ich Ihnen sagen: Mit dieser Mehrwertsteuersenkung bewirken Sie nichts, das löst Ihr Problem nicht! Das ist ein bisschen Korrektur, aber es fehlen dann 600 Millionen Franken in der Bundeskasse. Unter Umständen fehlen sie dann an Orten, für die Sie sich auch einsetzen. Deshalb habe ich gesagt: Bleiben Sie bei den Fakten. Bleiben Sie nüchtern. Sehen Sie sich die Zahlen an. Sehen Sie die Relationen.
Ich sage, was ich auch im Ständerat gesagt habe: Nutzen wir doch diese Situation auch als eine Chance! Alle reden von Energieeffizienz. Alle sagen, man solle auf günstige Energien umsteigen. Okay, nutzen wir doch jetzt diese Gelegenheit, und machen wir es!

Binder Max (V, ZH): Herr Bundesrat, ich gehe davon aus, dass heute Morgen alle nüchtern sind, aber dennoch die Frage: Sie haben gesagt, das Transportgewerbe könne ja die höheren Kosten später auf die Produkte überwälzen. Jetzt haben wir immer von den hohen Preisen gehört, von der Hochpreisinsel Schweiz, von hohen Lebensmittelkosten usw. Damit würden Sie ja der Steigerung der Preise das Wort reden. Ist das Ihr Ziel?

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Das ist überhaupt nicht mein Ziel. Ich sage noch einmal: Die Strukturen, welche zu diesen Erdölpreisen führen, werden nicht in der Schweiz gemacht. Die Vermarktung von Erdöl erfolgt nach einer internationalen Strategie, und wir sind an diese Strategie angehängt. Wenn Sie mit unseren Nachbarländern und mit dem gesamten europäischen Umfeld vergleichen, sehen Sie, dass unsere Benzinpreise immer noch billiger sind, das ist einfach eine Realität. Sonst hätten wir nicht diesen Tanktourismus, der uns viel Geld in die Kasse bringt. Hunderte von Millionen Franken kämen sonst eben nicht in unsere Kasse.

Föhn Peter (V, SZ): Herr Bundesrat, Sie haben sehr viel von Markt, von Wettbewerb gesprochen. Aber ich muss sagen, Sie verniedlichen das, wenn Sie sagen, dass es um 10 Rappen geht. Gerade wir in den Berg- und Randregionen, die wir auf diese Transporte angewiesen sind, wir sind auch dem internationalen Markt ausgesetzt.
Sie sagen jetzt, der Bundesrat habe keine Kompetenz. Wenn Sie Kompetenzen hätten, wo würden Sie ansetzen? Da habe ich überhaupt nichts gehört - nicht einen Ansatz. Wo würden Sie ansetzen, wenn Sie die Kompetenz in der Mineralölsteuer-Gesetzgebung oder bei der Mehrwertsteuer hätten?

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Aufgrund dessen, was ich heute Morgen von Herrn Nationalrat Giezendanner gehört habe, würde ich bei der Analyse ansetzen und die Frage stellen: Wie gestalten sich die Preisbildungen des Transportgewerbes gegenüber den verschiedenen Kunden? Er sprach z. B. von Kunden der öffentlichen Hand und sagte, da gebe es gewisse Ausschreibungen. Das sind die Punkte, die man zuerst analysieren müsste, bevor man einfach in vorauseilendem Gehorsam bei den Preisen beginnt.

Giezendanner Ulrich (V, AG): Eine konkrete, kurze Frage, Herr Bundesrat Merz: Sie sagen immer, wir seien die Günstigsten in Europa. Stimmt es, wenn ich sage, dass Luxemburg beim Diesel 18 Rappen billiger als wir ist, oder stimmt es nicht? Lüge ich?

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Könnten Sie die Frage nochmals in aller Ruhe wiederholen? Ich habe sie nicht verstanden.

Giezendanner Ulrich (V, AG): Ja, wissen Sie, so ruhig kann man nicht bleiben, wenn man das alles hört. Herr Bundesrat, stimmt es, wenn ich sage, dass Luxemburg um 18 Rappen billigeren Dieseltreibstoff hat als die Schweiz? Sie sagen immer, in der Schweiz sei man günstig. Lüge ich, oder lüge ich nicht?

Merz Hans-Rudolf, Bundesrat: Sie lügen sicher nicht, das glaube ich nicht. Ich habe auch nicht von Luxemburg gesprochen, sondern von unseren Nachbarländern. In allen vier grossen Nachbarländern sind die Dieselpreise höher als in der Schweiz. Ob Sie ein Konkurrent für Luxemburg sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. (Teilweise Heiterkeit)

Leuthard Doris, Bundesrätin: Ich möchte dort ansetzen, wo Bundesrat Merz aufgehört hat, nämlich bei der Feststellung, dass uns die Situation mit den hohen Rohstoffpreisen, dass uns die ganze Verknappung ja auch dazu dienen kann, gescheiter zu werden. Wir können darüber nachdenken, wie wir unsere Erdölabhängigkeit reduzieren können, wie wir mit Forschung, Entwicklung und neuartigen Produkten aus dieser Rohstoffverknappung, die anhalten wird, Profit schlagen können. Die gescheite Schweiz sollte doch in der Lage sein, diese Situation zu nutzen, um innovative Produkte zu entwickeln, die auf dieses anhaltende Problem eine Antwort geben. Wenn Sie sich an den Erdölschock der Siebzigerjahre erinnern, sehen Sie, dass auch danach ein eigentlicher

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Technologieschub stattgefunden hat. Von einem solchen erhofft sich der Bundesrat mittel- und langfristig die richtigen Effekte.
Ich möchte mich aber im Folgenden vor allem zu den hohen Preisen bei den Lebensmitteln äussern, zur Ernährungskrise. Diese macht dem Bundesrat natürlich grosse Sorgen, nicht weil die Schweiz davon betroffen ist - wir sind in einer günstigen Situation -, sondern weil aufgrund dieser Situation die Zahl der an Hunger leidenden Menschen weltweit, es sind rund 850 Millionen, ansteigen dürfte und weil vor diesem Hintergrund auch die von der Uno verfolgten und von der Schweiz akzeptierten Millennium Development Goals nicht erreicht werden dürften. Das ist eine Situation, die ethisch, aber auch aus Sicht unserer Entwicklungshilfe zu denken geben muss.
Wenn ich die ganze Situation anschaue, so möchte ich bei den Ursachen beginnen. Die Ursachen dieser Situation sind vielfältig, einige von Ihnen haben auch dazu Stellung genommen. Wir haben - und das sind keine News, sondern das ist etwas, was wir schon seit Langem feststellen - durch das Bevölkerungswachstum eine steigende Nachfrage. Es sind jedes Jahr rund 75 Millionen Menschen mehr auf dieser Welt zu ernähren. Diese Entwicklung wird anhalten. Das ist eine Chance für die Ernährungswirtschaft, für die Landwirtschaft, aber es bringt auch gewaltige Herausforderungen bezüglich der Erhöhung der Produktivität. Wir haben das Wirtschaftswachstum, wir haben andere Essgewohnheiten. Mit dem Wohlstand ist es so, dass sich die Menschen dann anders ernähren. Es wird insbesondere mehr Fleisch gegessen, und man geht leider auch sorgloser mit den Lebensmitteln um - auch bei uns in der Schweiz. Wenn wir etwa den Konsum von Poulets anschauen, so sehen wir, dass vor zwanzig Jahren noch 95 Prozent eines Poulets verwertet wurden; heute sind es gerade noch 34 Prozent. Das ist eine Wohlstandserscheinung, die weltweit mit dieser Ernährungskrise zusammenhängt. Wir haben wetterbedingte Ernteausfälle; auch das wurde von Ihnen gesagt. Die hohen Erdölpreise wirken sich natürlich auch auf die Lebensmittel aus. Wir haben tiefe Lagerbestände, auch das seit geraumer Zeit. Wir haben eine wachsende Biotreibstoffproduktion, die auch ihren Anteil an der Ernährungskrise hat. Nach unserer Analyse trifft das selbstverständlich auch auf die Spekulationen zu, die gerade in diesem Jahr auf den Agrarmärkten ganz klar eine Rolle spielen.
Diese Vielfältigkeit der Ursachen macht die ganze Angelegenheit äusserst komplex. Die Schweiz hat es daher auch sehr begrüsst, dass man diese Sache jetzt an mehreren Konferenzen diskutiert hat - einerseits bei der FAO, andererseits aber auch bei der OECD, bei der Weltbank usw. Es braucht eine Koordination der verschiedenen Politiken, eine Koordination der verschiedenen Instrumente, sonst kann man dieser Situation nicht nachhaltig und effizient begegnen.
Für uns steht aber auch die Frage im Zentrum: Wie geht es jetzt weiter? Die neuesten Studien der OECD belegen, dass die Nahrungsmittelpreise hoch bleiben dürften; sie werden jedoch gegenüber dem jetzigen Niveau sinken. Wir werden aber auf dieser Welt eine bleibende Erhöhung der Preise im Rahmen von 10 bis 15 Prozent gegenüber den Preisen von Anfang Jahr feststellen. Das ist für viele auch eine gute Nachricht, nämlich für alle diejenigen, die produzieren, die exportieren können. Auch für unsere Schweizer Landwirtschaft ist ein höheres Preisniveau eine gute Nachricht; es macht wettbewerbsfähiger. Für diejenigen, die Agrarimporteure sind, für die Entwicklungsstaaten, die auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen sind, ist das eine grosse Herausforderung.
Wir müssen uns deshalb bewusst werden, dass die steigenden Nahrungsmittelpreise nicht nur eine Belastung sind, sondern, gerade auch für von Armut betroffene Länder, auch eine Chance. Indien ist - ich habe mit meinem indischen Kollegen darüber sprechen können - ein nach wie vor sehr von Armut betroffenes Land mit über 300 Millionen Menschen, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben. Für diese Bauern ist die Preisentwicklung beim Reis eine Wohltat, denn endlich erhalten sie attraktivere Preise, endlich können sie zu besseren Preisen exportieren. Aber ganz in der Nachbarschaft ist Indonesien, ein Importeur, der unter dieser Situation leidet. Deshalb müssen wir die Politiken sehr gezielt anschauen und nicht generell nur die benachteiligten Staaten als Argument ins Feld führen.
In der Schweiz, das habe ich schon gesagt, haben wir Gott sei Dank nach wie vor eine produzierende Landwirtschaft, eine multifunktionale Landwirtschaft. Wir fühlen uns gerade auch durch den Uno-Bericht sehr darin bestärkt, dass unsere Landwirtschaftspolitik, die wir jetzt seit fünfzehn Jahren entwickeln, die richtige ist: Sie ist nachhaltig, sie setzt auf ökologische Kriterien, sie nimmt Rücksicht auf den Boden und fördert den Familienbetrieb. Wir haben uns bei der FAO deshalb auch entsprechend starkgemacht, indem wir in unserem Statement betont haben, dass wir nebst der guten Koordination der internationalen Aktivitäten eine multifunktionale Landwirtschaft mit einer lokalen und nachhaltigen Produktion, basierend auf Familienbetrieben, fördern, dass wir aber gleichzeitig eben auch eine Öffnung der Agrarmärkte mit fairen Bedingungen für Entwicklungsländer sowie die Förderung der Forschung und Innovation als strategische Pfeiler der künftigen weltweiten Nahrungsmittelsicherheit erachten.
Wir haben der Schlussresolution der FAO-Konferenz deshalb auch zustimmen können. In der Schlusserklärung wurde einerseits als kurzfristige Massnahme die Soforthilfe verstärkt, andererseits aber vor allem als langfristige Massnahme die Steigerung der Nahrungsmittelproduktion bzw. der Produktivität mit einem nachhaltigen Ansatz beschlossen. Man hat beschlossen, dass gleichzeitig die Agrarmärkte weiter zu liberalisieren sind, und man hat auch verlangt, dass nun vertiefte Analysen an die Hand zu nehmen sind, um die Nachhaltigkeit von Biotreibstoffen zu prüfen. Die Schweiz unterstützt das. Bis auf drei Staaten haben sämtliche Teilnehmer dieser Schlusserklärung der FAO-Konferenz zugestimmt. Die Schweiz selber hat selbstverständlich auch kurzfristige Massnahmen getroffen und Budgeterhöhungen für diverse Organisationen gesprochen; sie finden das in der Antwort. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass auch die Weltbank die Fonds umschichtet und man der Landwirtschaft bei der Entwicklungszusammenarbeit wieder einen höheren Stellenwert einräumt.
Viel wichtiger sind aber die langfristigen, strategischen und nachhaltigen Lösungen. Hier wird es effektiv darum gehen, eine Produktionssteigerung ohne Schädigung der natürlichen Ressourcen zu erreichen. Das ist zentral. Es ist aber nicht sehr einfach; es braucht langfristige Strategien, und natürlich sind die Staaten in der Ausgestaltung ihrer Landwirtschaftspolitik autonom. Bei der Weltbank und anderen Fonds können an die Unterstützung von Projekten jedoch Bedingungen geknüpft werden. So erreichen wir, dass in vielen Staaten Landreformen an die Hand genommen werden, dass die Biodiversität mehr geachtet wird, dass der Wasserproblematik, die in den nächsten zwanzig Jahren entscheidend sein wird, verstärkt Rechnung getragen wird und dass somit eben auch eine ressourcenorientierte Landwirtschaft gefördert wird.
Von den Herren Zemp und Aebi wurde die Forschung und Entwicklung ins Feld geführt. Wir erachten auch das als absolut richtig und entscheidend - in der Schweiz wie auch weltweit. Wir müssen mit einer besseren Unterstützung der Forschung auch wieder vermehrt junge Leute für dieses Metier begeistern, denn dass wir da Fortschritte machen, ist entscheidend.
Ich möchte, Frau Graf, auch die Gentechnologie nicht gänzlich verteufeln. Im Uno-Bericht finden Sie eine offene Haltung dazu. In vielen Staaten weiss man, dass Gentechnik für die Resistenz gewisser Pflanzensorten tatsächlich viel gebracht hat und dass sie zur Produktivitätssteigerung eingesetzt werden kann. Die EU-Kommissarin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Mariann Fischer Boel, erachtet das durchaus auch für die EU als möglichen weiteren Schritt. Entscheidend ist für uns am Schluss die Frage, was wir in der Schweiz machen. Wir sind da auf einem
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restriktiven Kurs, aber wir dürfen dieser Technologie nicht einfach weltweit den Wind aus den Segeln nehmen.
Wichtig ist uns aber auch, und das zeigt die ganze Diskussion, die eigene nationale Produktion von Landwirtschaftsprodukten. Die Ernährungssouveränität, die von einigen von Ihnen ins Feld geführt worden ist, ist entscheidend, damit man eine gewisse Unabhängigkeit wahren kann. Ich muss allerdings korrigieren, wenn einige von Ihnen sagen, wir seien in der Schweiz in einer bedrohlichen Situation. Wir haben die Inlandproduktion in der Schweiz von 1955 bis ins Jahr 2005 massiv erhöht, und das mit der gleichen Fläche, die der Landwirtschaft zur Verfügung steht. Wir haben die Inlandproduktion, die 1955 auf 13 000 Terajoule kam, auf heute rund 24 000 Terajoule gesteigert; dies bei einer Zunahme der Bevölkerungszahl und bei einem zunehmenden Kalorienverbrauch. Wenn wir wieder so viele Kalorien konsumieren würden wie nach dem Zweiten Weltkrieg, wären wir heute in unserer Versorgung praktisch autonom. Mein "Plan Wahlen" bzw. mein "Plan Leuthard" in einer Krise wäre, dass wir Ihnen sagen würden, wir nähmen jetzt wieder 2500 Kalorien pro Tag zu uns; damit wären wir praktisch autonom, wir hätten kein Problem. Das ist eine Krisensituation, die ich aber niemandem zumuten möchte.
Malen Sie jetzt nicht die Schreckgespenster an die Wand, dass wir völlig unautonom seien und unsere eigene Inlandproduktion gefährdet sei. Das sind Schauermärchen, die mit den Zahlen nicht übereinstimmen. Entscheidend ist am Schluss Folgendes: Die Schweiz muss sich engagieren, indem hier unsere Selbstversorgung aufrechterhalten wird und indem wir uns auf multilateraler Ebene weiterhin für die Bedeutung einer nachhaltigen, multifunktionalen Landwirtschaft einsetzen.
Einige Bemerkungen noch zu den Äusserungen zur WTO, da muss ich schon korrigierend eingreifen: Bisher war die Landwirtschaft bei der WTO praktisch ausgeschlossen. In der Uruguay-Runde kamen erstmals überhaupt Verhandlungen über die Landwirtschaft auf die Traktandenliste; den Industriestaaten ist es gelungen, diesen Bereich nach wie vor zu schützen. Jetzt, zum ersten Mal bei einer laufenden Runde, verlangen insbesondere Entwicklungsländer - und das an die Adresse der Grünen, lesen Sie einmal die Stellungnahmen von Entwicklungsländern - eine Reduktion der Zölle, einen besseren Marktzutritt für ihre Produkte und die Abschaffung der Exportsubventionen und der Inlandstützungen. Denn sie haben mit dem heutigen Subventionssystem keine Chance. Die Uno verhandelt nicht über Zölle und Subventionen. Dazu hat sie gar keine Instrumente. Die FAO ist eng mit der WTO koordiniert, und gerade die Resolution der FAO-Konferenz zeigt, dass es im Interesse der Entwicklungsstaaten ist, die Agrarmärkte eben weiter zu liberalisieren. Wenn ein Land wie Burundi, das Baumwolle produziert, gegenüber den USA nicht konkurrenzfähig ist, weil die amerikanische Baumwolle massiv subventioniert wird, stimmt am Welthandelssystem doch etwas nicht. Das wird jetzt mit der Doha-Runde angepackt. Die Schweiz ist hier vorbildlich, indem sie dank Ihnen die Exportsubventionen im nächsten Jahr abschaffen wird. Das ist ein grosser Beitrag zu fairerem Handel, der gerade die Kleinbauern stärkt.
Die Schweiz unterstützt im Rahmen der Doha-Runde auch die Philosophie, dass die ärmsten Länder eben überall Ausnahmen erhalten, nicht betroffen sind, aber Zugang zu allen anderen Märkten erhalten. Das ist entscheidend, damit der Stellenwert der landwirtschaftlichen Produkte erhöht wird und die Marktchancen für diese Staaten verbessert werden. Dies ist einschneidend für die Schweiz, aber eben im Sinne von Entwicklungspolitik und mit Blick auf die Nahrungsmittelpreise ein wichtiger Beitrag! Deshalb hat diese Situation - das hat der Bundesrat klar beschlossen - keinen Einfluss auf unsere Haltung in der Doha-Runde. Viele Entwicklungsländer fordern jetzt erst recht einen Abschluss dieser Runde.

Le président (Bugnon André, président): Madame la conseillère fédérale, huit membres du conseil voudraient vous poser une question. Vous êtes en droit d'accepter ou de refuser de répondre à ces questions.

Leuthard Doris, Bundesrätin: Ich bin mir ja bewusst, dass bei Landwirtschaftsthemen immer zwei Stunden lang Fragen gestellt werden. Angesichts Ihrer Agenda bin ich gerne bereit, während einer Viertelstunde Fragen zu beantworten. Das, denke ich, sollte Sie in Bezug auf die Länge Ihrer Fragen und mich in Bezug auf die Länge meiner Antworten disziplinieren.

Le président (Bugnon André, président): Nous aurons donc un quart d'heure supplémentaire de débat pour ces huit questions. Cela signifie que les questions doivent être très brèves et les réponses également brèves.
J'insiste: les questions doivent vraiment être très brèves. Le micro sera coupé si l'orateur se lance dans un développement.

Grin Jean-Pierre (V, VD): Madame la conseillère fédérale, l'un des buts avoués de l'accord de libre-échange que vous défendez est de faire baisser les prix des denrées alimentaires transformées dans notre pays. Dans le contexte actuel de pénurie de matières premières, le maintien du volume de production suisse est un solide garant de la stabilité des prix. De ce fait, l'accord de libre-échange des produits agricoles ne constitue-t-il pas un faux combat, puisqu'il va faire diminuer nos volumes de production?

Le président (Bugnon André, président): Le débat dure déjà depuis deux heures. Pour la présente partie, les limites ont été précisées: les questions et les réponses doivent être brèves!

Thorens Goumaz Adèle (G, VD): J'aimerais revenir sur la question du prix du pétrole. Votre position est de dire que la hausse du prix est une chance, que cela donne la possibilité de développer les autres énergies. J'aimerais alors comprendre pourquoi vous avez proposé de rejeter la motion Müller Geri 08.3092, "Création d'une commission pour la sortie de l'âge des énergies fossiles", déposée en mars 2008 et dont le but est de rendre l'économie suisse indépendante du pétrole. Il me semble que c'est en accord avec ce que vous avez dit.

Leuthard Doris, Bundesrätin: Die Chance besteht, das habe ich schon gesagt, nicht in staatlichen Interventionen, sondern in Technologie und Innovation; das macht der Privatsektor. Der Staat unterstützt das, und das macht auch der Bundesrat; wir haben die KTI, wir haben Forschungsbudgets. Wir können einen Schwerpunkt auf die ganzen Energie- und Umwelttechnologien legen. Das unterstützt der Bundesrat. Aber effektiv sehen wir hier die Förderung durch den Privatsektor. Das müssen Initiativen sein, die der Staat mit Forschungsgeldern unterstützt, aber nicht mit weiteren staatlichen Interventionen.

Rime Jean-François (V, FR): Madame la conseillère fédérale, vous avez plusieurs fois parlé de produits innovants. J'aimerais que vous m'expliquiez comment les industries traditionnelles - le ciment, le bois, les charpentes métalliques ou encore le génie civil - peuvent rapidement, par des produits innovants, compenser la hausse du prix de l'énergie.

Leuthard Doris, Bundesrätin: Ich habe die Frage nicht richtig verstanden. Es ist so laut hier.

Rime Jean-François (V, FR): Sie haben von innovativen Produkten gesprochen. Ich möchte wissen, wie die traditionelle Industrie, die Stahl-, Beton- oder Holzindustrie oder der Tiefbau, diese Energiepreiserhöhung mit Innovationen kurzfristig kompensieren kann.

Leuthard Doris, Bundesrätin: Ich habe auch nicht von kurzfristigen Massnahmen gesprochen. Wir wissen alle, dass Innovationen Zeit brauchen. Aber gerade die Maschinenindustrie hat schon zur Genüge bewiesen, wie innovativ sie ist. Sie hat es immer wieder geschafft, sich anzupassen. Sie

AB 2008 N 936 / BO 2008 N 936
gehört heute zu den Vorzeigesektoren der schweizerischen Volkswirtschaft. Ich bin überzeugt, dass auch die Forstwirtschaft, auch die Stahlindustrie es schaffen werden; es braucht aber Zeit - da bin ich mit Ihnen einverstanden.

Walter Hansjörg (V, TG): Frau Bundesrätin, über vierzig Staaten haben Exportrestriktionen erlassen, um die Ernährung im eigenen Land zu sichern. Die Schweiz hat bei der WTO gegen dieses Vorgehen interveniert. Können Sie mir sagen, warum?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Herr Walter, ja, es ist richtig: Wir haben zusammen mit Japan einen Vorschlag unterzeichnet, mit dem Ziel, mittels einer Notifikationspflicht wie für Subventionen und Einfuhrzölle Transparenz im Bereich der Exportrestriktionen und Zölle zu schaffen. Damit hätte man Klarheit darüber, erstens wer solche Restriktionen erlassen hat und zweitens was die Gründe dafür sind. Solche Massnahmen sollten auch nur befristet möglich sein, weil sie natürlich massive Eingriffe in den Welthandel und das Funktionieren der Märkte sind.

Girod Bastien (G, ZH): Frau Bundesrätin, Sie haben gesagt, Sie möchten die Erdölabhängigkeit der Schweiz reduzieren. Wie verträgt sich das mit der Klimastrategie Ihres Departementes? Es möchte die CO2-Emissionen im Ausland reduzieren und damit darauf verzichten, Effizienz und erneuerbare Energien in der Schweiz zu fördern und in der Schweiz die Erdölabhängigkeit, welche ja direkt mit dem CO2-Ausstoss gekoppelt ist, zu reduzieren.

Leuthard Doris, Bundesrätin: Das ist absolut kongruent, Herr Girod, weil die Philosophie ist: so viel Reduktion von Emissionen wie möglich auf nationaler Ebene - bis zu 20 Prozent des CO2-Ausstosses - und alles andere auf internationaler Ebene. Damit sind wir am effizientesten, weil die nationalen Emissionen Gott sei Dank nach wie vor sehr gering sind. Wir könnten dort mehr tun; aber wir können weit mehr zur Verbesserung des Weltklimas beitragen, wenn wir uns in anderen Staaten engagieren, von denen wir wissen, dass dort die CO2-Emissionen massiv zunehmen, wenn wir also unser Geld dort für die modernsten, saubersten Technologien einsetzen.

Lang Josef (G, ZG): Eine Frage zur Exportstrategie: Leben die indischen Armen von Exportdevisen, die ohnehin nicht in ihre Taschen kommen, oder leben sie vom Reis, der in Indien preisgünstig hergestellt wird?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Die indischen wie unsere und andere Bauern leben immer mehr davon, dass sie ihre Waren exportieren können. Sie erhalten dafür mehr Geld, als wenn ihre Waren nur im Inland konsumiert werden. Das ist Handel. Handel ist eines der Instrumente gegen die Bekämpfung von Armut, das ist mittlerweile, so glaube ich, sogar in Ihren Kreisen unbestritten. Der Handel muss aber nachhaltig sein, und wir müssen dafür schauen, dass der Gewinn beim Bauern ankommt. Deshalb unterstützen wir diese Bauern und sagen auch, dass der bäuerliche Familienbetrieb auch weltweit ein Modell ist, das wir absolut unterstützen.

Pfister Theophil (V, SG): Frau Bundesrätin, verschiedene Votanten von links bis rechts haben sich über den Abbau des Grenzschutzes und dessen Auswirkungen ausgesprochen; sie haben gesagt, dass sogar Regierungen die Kontrolle über die Versorgung im eigenen Land verlieren. (Zwischenruf des Präsidenten: Votre question!) Sie haben eigentlich auf dieses Faktum keine Antwort gegeben; Sie haben im Gegenteil eben der geplanten weiteren Öffnung dieser Märkte mit der Zerstörung der Strukturen das Wort geredet. (Zwischenruf des Präsidenten: La question!) Sehen Sie dieses Problem der Abwanderung der Produktion, der Zerstörung der Strukturen, vorab in den Entwicklungsländern, nicht?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Im Gegenteil: Ich habe darauf hingewiesen, dass an der FAO-Konferenz bis auf drei Staaten alle einer Resolution zugestimmt haben, wonach ein Grund für die bessere Nahrungsmittelkontrolle und auch die Erhöhung der Produktion die Liberalisierung der Märkte sei. Denn wie ich gesagt habe, haben gerade Entwicklungsländer wegen der hohen Zölle, wegen der Exportsubventionen fast keine Chance, ihre Produkte zu verkaufen. Das ist ein Faktum.

Kunz Josef (V, LU): Frau Bundesrätin, Sie haben erklärt, dass sich in den letzten fünfzig Jahren der Selbstversorgungsgrad nicht wesentlich verändert habe. Können Sie mir sagen, für wie viele Milliarden Franken wir letztes Jahr Nahrungsmittel importiert haben?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Die Schweiz importiert jedes Jahr für rund 10 Milliarden Franken Nahrungsmittel und exportiert für rund 5 bis 6 Milliarden Nahrungsmittel, das heisst, wir haben schon heute ganz klar einen Importüberschuss. Das wird so anhalten. Deshalb empfehlen wir Ihnen ja die weitere Marktöffnung gegenüber der EU, weil wir heute schon, mit Lebensmittelimporten und -exporten von 70 bis 80 Prozent, mit ihr verbunden sind.

Schibli Ernst (V, ZH): Wie soll die Nahrungsmittelknappheit eine Chance für den Export von Schweizer Produkten für die Landwirte sein, wenn die Produktion aufgrund der Agrarpolitik in der Schweiz befohlenermassen weiter gedrosselt werden muss, und das bei einem sehr tiefen Selbstversorgungsgrad, dem tiefsten aller Staaten in Westeuropa?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Herr Schibli, ich habe eigentlich versucht, zu erklären, dass die Landwirtschaft mit der gleichen Fläche viel produktiver geworden ist, und ihr damit ein Kompliment zu machen. Wenn wir die Zölle herunterfahren, dann wird doch nicht weniger produziert! Der Bundesrat will, dass die Landwirtschaft weiterhin produziert und wenn möglich noch mit mehr Mengen als heute. Die Forschung liefert weiterhin ein Potenzial, unsere Produkte noch zu verbessern. Der Markt Schweiz ist für unsere Produkte schlichtweg zu klein, und mit einem Markt Europa können wir unsere eigene Produktion stärken und den Absatz erhöhen. Das ist sinnvoll und ermöglicht auf lange Dauer den Erhalt einer multifunktionalen Landwirtschaft, die hochwertige Güter produziert.

Scherer Marcel (V, ZG): Frau Bundesrätin, Sie haben selbst erwähnt, dass wir weniger Nahrungsmittel produzieren, als wir verbrauchen. Weshalb drücken Sie dermassen auf den Abschluss eines Freihandelsvertrages mit der EU, wenn wir gar nichts zu exportieren haben?

Leuthard Doris, Bundesrätin: Ja, Herr Scherer, jetzt enttäuschen Sie mich aber, wenn Sie die Exportzahlen der Käseindustrie nicht kennen! Sie wissen genau: Im Bereich des Käses haben wir offene Märkte, Freihandel. Und was ist passiert, entgegen Ihren Befürchtungen? Alleine dieses Jahr gab es eine Umsatzsteigerung von 16 Prozent! Das sind Fakten, Herr Scherer, nicht Ihre Schauermärchen.

Le président (Bugnon André, président): Le débat urgent s'achève. Il a ainsi été répondu aux interpellations et à une série de brèves questions. Nous avons eu une bonne discussion.
Je remercie Madame la conseillère fédérale Leuthard et Monsieur le conseiller fédéral Merz de leur participation.

AB 2008 N 937 / BO 2008 N 937

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