Haller Ursula (BD, BE):
Auch die Fraktion der BDP wird diese parlamentarische Initiative unterstützen, die nichts anderes will als eine Fristverlängerung. Erlauben Sie mir, mein Manuskript auf die Seite zu legen und mir vor allem einige Gedanken zu den Äusserungen von Frau Roth-Bernasconi und von Herrn Tschümperlin zu machen.
Ich bin selbst Mutter eines in diesem Jahr 30 Jahre alt werdenden Sohnes aus Indien. Ich habe 29 Jahre mit einem dunkelhäutigen Sohn unter einem Dach gelebt. Ich habe hautnah und persönlich erlebt, was dies bedeutet. Wurde dieser Sohn am Anfang, vor knapp 30 Jahren, überall mit offenen Armen empfangen - alle wollten ihn streicheln, ihm über die Haare fahren, uns wurde gratuliert, was wir doch für grosszügige Menschen seien, ein dunkelhäutiges Adoptivkind zu uns zu nehmen -, hat sich dies nachher radikal geändert.
Es kamen die Boat People, es kamen die Tamilen, es kamen später andere Menschen, und ich bitte Sie zu bedenken, was wir mit einer solchen Massnahme bewirken. Es geht eben hier nicht um liberal oder unliberal, wie es vorhin Herr Fluri gesagt hat, und es geht nicht darum, allenfalls nicht fremdenfreundlich oder fremdenfeindlich zu sein, wenn wir dieser Massnahme zustimmen. Ich bin überzeugt, dass eine solche Massnahme wirkt, indem sie eben jene Bevölkerungskreise beruhigt, die a priori Mühe haben mit dem Zusammenleben mit Menschen, die nicht in der Schweiz geboren wurden, oder mit Menschen, die allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt eingebürgert wurden. Mit einer solchen Massnahme kann es uns gelingen, auf tendenziell fremdenfeindliche Personen einzuwirken, und ich bitte Sie: Gehen Sie einmal in Schulen, in Berufsschulen oder in irgendwelche Gewerbeschulen, und hören Sie sich die Argumente von jungen Menschen an!
Ich betone: Ich will es nicht verallgemeinern, aber es gibt eine grosse, latente Fremdenfeindlichkeit auch bei jungen Menschen. Wenn wir mit einer solchen Massnahme aufzeigen können, dass wir dort, wo allenfalls Missbräuche vorhanden sein könnten, diese ernst nehmen, dass wir sie untersuchen wollen, dann machen wir einen grossen Schritt, damit auch jene, die eben tendenziell fremdenfeindlich eingestellt sind, sagen: Jawohl, jedermann, der hier ist, der eingebürgert wurde, hat das Recht, hier anständig und menschenfreundlich behandelt zu werden. Wir werden vor allem auch den eingebürgerten Menschen, die dieses Bürgerrecht auf eine absolut seriöse Art erreicht haben, einen grossen Gefallen tun.
Ich bitte Sie also: Wenn wir wirklich einen Schritt hin zu einem guten Zusammenleben zwischen Fremden und Schweizern machen wollen, stimmen wir dieser Fristverlängerung zu! Wir haben nichts zu verbergen, aber wir können dort, wo Missbräuche tatsächlich gemacht wurden, einen Riegel vorschieben. Damit werden wir diejenigen beruhigen, die überall das Gefühl haben, es werde viel zu grosszügig eingebürgert. Ich sage dies übrigens auch als Vizestadtpräsidentin, die zusammen mit einer Kommission für Einbürgerungen zuständig ist, und ich kann betonen, dass wir diese Einbürgerungen jeweils sehr seriös untersuchen.
Ich bitte Sie, dieser Fristverlängerung zuzustimmen. Wir machen damit einen richtigen Schritt in die richtige Richtung für ein gutes Zusammenleben zwischen Schweizern und Ausländern oder allenfalls "Neuschweizern", wie das vorhin gesagt wurde.