Gross Andreas (S, ZH), für die Kommission:
Es kommt relativ selten vor, dass in der Staatspolitischen Kommission alle gleicher Meinung sind und, wie man nach der letzten Diskussion auch noch sagen muss, gleicher Meinung bleiben. Bei der Motion Burkhalter in Bezug auf die Regierungsreform war dies der Fall. Mit 21 zu 0 Stimmen bei nur 2 Enthaltungen möchten wir Ihnen empfehlen, die Motion anzunehmen.
Wir waren in der Lage, relativ schnell einig zu werden, weil wir das Geschäft unter verschiedenen Vorzeichen schon zuvor intensiv diskutiert hatten. Vielleicht erinnern Sie sich: Im Januar 2004 diskutierten wir dies, als sich der Bundesrat neu zusammengesetzt hatte; wir waren eigentlich alle der Überzeugung, man könne nicht gegen den Bundesrat, gegen die Regierung reformieren, man müsse das gemeinsam angehen. Deswegen wiesen wir im Januar 2004 einen Vorschlag des Bundesrates, den dieser noch in der alten Zusammensetzung verabschiedet hatte, zurück mit dem Auftrag, einen Vorschlag zu machen, hinter dem der Bundesrat in der damals neuen Zusammensetzung stehen könne. Diese Rückweisung wurde zum Teil falsch ausgelegt, indem man behauptete, wir seien überhaupt gegen eine Regierungsreform. Dies ist aber nicht der Fall. Wir sind deshalb froh, dass der Bundesrat in seiner heutigen Zusammensetzung den Rückweisungsantrag damals richtig interpretierte und nun bereit ist, nicht nur die Regierung zu reformieren, sondern dies in einem grösseren Zusammenhang zu tun, wie wir dies im Parlament schon vor zwanzig Jahren vorgeschlagen hatten, nämlich im Zusammenhang mit der Staatsleitungsreform.
Wir diskutierten im Mai 2009 mit Bundesrätin Widmer-Schlumpf darüber. Wir schrieben damals die Idee der Staatsleitungsreform nicht ab und fällten einen entsprechenden Mehrheitsentscheid; die SVP opponierte damals. Wir taten dies, weil Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf schon damals etwas zum Ausdruck brachte, was für uns relativ neu und eine positive Überraschung war: Auch der Bundesrat selber sei nicht in allen Teilen von seiner eigenen Arbeit während der vergangenen zwölf Monate überzeugt, auch der Bundesrat sei sich also des Problems bewusst. Aus dieser selbstkritischen Selbsterkenntnis heraus ist der Bundesrat heute, im Unterschied zu praktisch immer in den letzten drei Jahrzehnten, bereit, eine Regierungs- und Staatsleitungsreform nicht auf eine Verwaltungsreform zu reduzieren. Das haben wir positiv und zustimmend zur Kenntnis genommen und haben deshalb dann der Motion Burkhalter auch einstimmig zugestimmt. Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf versprach uns, bis im August dieses Jahres eine entsprechende Absichtserklärung des ganzen Bundesrates vorzulegen, und der Bundesrat hat ja tatsächlich Ende August eine Absichtserklärung vorgelegt.
Wenn Sie den Vorschlag des Bundesrates sehen, dann stellen Sie fest, dass es Sinn macht, die Motion Burkhalter zu unterstützen: Der Bundesrat möchte einerseits das Anliegen des Mitglieds des Ständerates und neuen Mitglieds des Bundesrates Burkhalter aufnehmen, nämlich im engeren Sinne die Departementszusammenstellung zu diskutieren, und der Bundesrat möchte andererseits auch grundsätzlicher darüber nachdenken, wie er seine Arbeit effizienter und zeitgemässer organisieren kann. Wie weit das gehen muss, wie weit das gehen soll, ob damit auch eine grössere Anzahl Bundesräte verknüpft ist, darüber gibt es unter uns verschiedene Meinungen. Soll man das Präsidium stärken? Dafür sind alle, wobei sie sich in ihrer Zustimmung Unterschiedliches vorstellen. Soll es auch weitere Reformmassnahmen, zum Beispiel im Verhältnis zum Parlament, geben? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Aber das erste Mal seit dreissig Jahren kann man heute sagen, dass der Bundesrat und die ganz grosse Mehrheit des Parlamentes der Meinung sind, dass wir auch das Organ unseres Bundesstaates, das seit 1848 nie verändert worden ist, angehen und ein bisschen den Zeiten anpassen müssen.
Erlauben Sie mir, nach dieser generellen Einleitung auf ein Votum von Ständerat Leuenberger zurückzukommen. Es war eines seiner letzten Voten im Ständerat; ganz wenige Tage nach diesem Votum ist er verstorben. In seinem Votum zur Motion Burkhalter kam etwas von seiner dreissigjährigen Erfahrung im Bundeshaus, auch als Nationalratspräsident, zum Ausdruck. Er hat drei Dinge gesagt, die hier bedacht werden sollten. Erstens hat er gesagt, und das war prophetisch: "Mir fällt bei dieser Diskussion über eine Regierungsreform Folgendes auf: Für eine Regierungsreform begeistern sich immer jene, die noch nicht im Bundesrat sind; all jene, die Bundesrat werden, verlieren sozusagen über Nacht den ganzen Enthusiasmus." (AB 2009 S 698) Das heisst, Herr Leuenberger hat vorausgesehen, dass Herr Burkhalter Bundesrat wird, hat aber die Hoffnung damit verknüpft, dass Herr Burkhalter nicht das Gleiche macht wie alle seine Vorgänger, nämlich vor der Wahl in den Bundesrat für die Reform sein und nach der Wahl diese Bereitschaft vergessen. Zum Parlament hat Herr Leuenberger gesagt, es habe die Tendenz, immer nach Führung zu rufen, und wenn dann der Bundesrat einmal wirklich die Führung realisiere, sei "Heulen und Zähneklappern auf allen Bänken, landauf, landab", weil man den Bundesräten Machtgelüste unterschiebe und deshalb die Reformvorlage wieder ablehne. Herr Leuenberger wünscht uns, dass dies diesmal nicht so passieren wird.
Wir hoffen also mit Herrn Leuenberger, dass Herr Burkhalter auch als Bundesrat seine Motion ernst nimmt und zusammen mit Frau Widmer-Schlumpf Vorschläge macht, die dann auch wir, anders als früher, im Sinne von Herrn Leuenberger ernst nehmen; wir hoffen weiter, dass wir auch dann noch für die Vorlage einstehen, wenn sie vielleicht etwas verändert wird. Wenn wir sozusagen die Güte unseres Systems
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AB 2009 N 1632 / BO 2009 N 1632
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erhalten wollen, müssen wir auch den Bundesrat reformieren und ein bisschen zeitgemässer machen.