Leutenegger Filippo (RL, ZH):
Hier geht es bei dieser Vorlage nun wirklich um die Wurst. Ich möchte zu den beiden Minderheitsanträgen sprechen.
Die kostendeckende Einspeisevergütung wurde ja vom Parlament als Anschubfinanzierung für erneuerbare Energien beschlossen, die bei den gegenwärtigen Strompreisen noch nicht kostendeckend produziert werden können - mit Betonung auf "noch nicht"; das wird nicht immer so sein. Später, sobald die Preise dafür gesunken sind und die Netzparität in Reichweite ist, soll die Subvention für erneuerbare Energien, insbesondere für die Fotovoltaik, auslaufen. Den Deckel braucht es, weil die Kosten sonst ins Unermessliche steigen könnten. Wir hätten das ja nicht unter Kontrolle. Man muss sich zudem bewusst sein, dass es sich hier nicht einfach um Jahresausgaben handelt, die man dann irgendwann wieder zurückfahren kann; mit diesem Instrument werden die Stromkonsumenten ganz direkt für die nächsten Jahrzehnte belastet. Erst wenn einmal alle Anlagen installiert sind, werden wir den vollen Preis dafür bezahlen, also nicht jetzt, sondern in zehn Jahren. Jede Erhöhung des Deckels bedeutet also eine massiv höhere längerfristige Belastung der Stromkonsumenten.
Nun ist es tatsächlich so, dass vor allem bei der Fotovoltaik Tausende von Anmeldungen eingegangen sind und viele davon auf der Warteliste sind. Aber mit der Verdoppelung der KEV, die jetzt von der Mehrheit gefordert wird, haben wir das Problem der Fotovoltaik, also die zahlreichen Anmeldungen, ja nicht gelöst. Die Unterdeckelung soll bei der Fotovoltaik ja gerade bleiben, weil sie die bezüglich Kosten-Nutzen-Verhältnis unrentabelste Form der Energieerzeugung ist, auch wenn sie erwünscht ist. Die Fotovoltaik hat eine grosse Beliebtheit, aber ein tiefes Rendement. Von den 2892 positiven Bescheiden betreffen 1600 die Fotovoltaik, aber bezüglich Produktionsleistung ist die Rangfolge genau umgekehrt. Die Biomasse steht an erster Stelle, die Kleinwasserkraft an zweiter, die Windenergie an dritter, und ganz zuletzt kommt die Produktionsleistung der Fotovoltaik.
Es wurde gesagt, wir müssten das erhöhen, weil es sonst eine Stop-and-go-Politik gebe. Das stimmt einfach nicht; es gibt keine Stop-and-go-Politik. Auch wenn wir das verdoppeln, bleibt die Fotovoltaik in der Pipeline, weil sie ja beschränkt bleiben soll und weil die Anmeldeliste trotzdem gilt. Eine Erhöhung der KEV um 100 Prozent hat nur 50 Prozent mehr Stromproduktion zur Folge. Bis heute gab es 2892 positive Bescheide. Die erwartete Produktion ist 4648 Gigawattstunden, also fast 90 Prozent des im Gesetz festgelegten Ziels von 5400 Gigawattstunden. Das kostet die Stromkonsumenten pro Jahr 407 Millionen Franken. Bei 1,2 Rappen oder ohne Deckel - es wurde ja ausgerechnet, man könne auch ohne Deckel fahren - gibt es doppelte Kosten, aber nur etwa 50 Prozent mehr Strom, nämlich 7900 Gigawattstunden. Das sagt die Studie, die zugrunde liegt, weil natürlich auch die weniger rentablen Projekte einbezogen wurden.
Wir haben ja in den letzten Tagen mehr Flexibilität beschlossen, indem wir z. B. gerade vorhin die Unterdeckelung aufgehoben haben. Das führt dazu, dass auch Geld aus den unteren Schubladen für Geothermie bezogen werden kann, weil ja die Unterdeckelung weg ist; man kann es besser managen. Wir haben degressive Preise bei der Fotovoltaik; die Preise sind um über 20 Prozent gesunken. Das heisst, dass wir das jetzt nutzen müssen und nicht noch teuere Anlagen finanzieren sollten. Und dann haben wir noch mittel- und langfristig steigende Strompreise, unter anderem dank der KEV. Das heisst, es sind alles Faktoren, die mehr Geld für die Kasse übrig lassen.
Deshalb muss ich Ihnen sagen: Wir haben das Instrument erst gerade eingeführt; es ist in diesem Bereich mit den Überverpflichtungen, mit den fehlerhaften Projekten und mit den unrealistischen Projekten vor allem auch eine Managementfrage. Das heisst, wir müssen dafür sorgen, dass die Managementfrage besser gelöst wird. Deshalb ist eine Verdoppelung der KEV nicht nötig und - das betone ich - vor allem eine Erhöhung auf Vorrat. Die Spezialisten vom BFE sagen sogar, dass die 1,2 Rappen vermutlich gar nie gebraucht werden. Warum machen wir das also?
Diese Erhöhung - das ist auch noch wichtig, bisher hat man nicht davon gesprochen - würde die Stromkonsumenten in den nächsten Jahrzehnten jährlich fast eine Milliarde Franken kosten.
Ich bitte Sie deshalb, den erst 2009 eingeführten Deckel zu belassen und den Antrag der Minderheit I (Killer) zu unterstützen. Sollten Sie den Antrag der Minderheit I ablehnen, bitte ich Sie, den Antrag der Minderheit II anzunehmen und den Deckel um nur 50 Prozent auf 0,9 Rappen zu erhöhen. Damit lässt sich das ursprüngliche Ziel von 5400 Gigawattstunden bei Weitem erreichen und sogar übertreffen, und es lassen sich alle zusätzlichen Wünsche realisieren. Die Warteliste bei der Fotovoltaik - das muss hier betont werden - bleibt sowieso bestehen. Da können wir alles öffnen, das nützt nichts. Auch wenn Sie den Deckel ganz entfernten, würde das so bleiben. Die Warteliste würde vielleicht etwas gekürzt, aber wir hätten das Problem trotzdem.