Maurer Ueli, Bundesrat:
Ich bitte Sie, diesen Minderheitsantrag abzulehnen.
Sie haben von Zwang gesprochen, vom Zwang zur Weiterausbildung in der Armee. Im Gesetz steht aber nichts von Zwang, sondern da ist die Rede von der "Verpflichtung zum Grad". Das mag ein sprachlicher Unterschied sein, es ist aber auch ein praktischer. Wirklichen Zwang, dass also jemand einen Grad bekleiden muss, habe ich persönlich nie erlebt, und das findet so auch nicht statt. Das Wort "Zwang" suggeriert ja, dass jemand wirklich bis zum Letzten gezwungen wird, etwas zu übernehmen. In Tat und Wahrheit werden Gespräche geführt mit Leuten, die man für fähig erachtet, einen Grad anzunehmen. Man versucht, sie zum Weitermachen zu überzeugen. Aber ein wirklicher Zwang findet so nicht statt. Solche Gespräche mit jungen Leuten sind auch notwendig. Sie sind auch im Berufsleben notwendig. Auch dort spricht man mit jungen Leuten über eine mögliche Weiterbildung, und man berät sie. Das Gleiche findet im Militär statt, denn auch im Militär gibt es verschiedene Möglichkeiten: Unteroffizier, höherer Unteroffizier, Offizier. Diese Gespräche müssen mit jungen Leuten, die seit Kurzem im Militärdienst sind und sich entscheiden müssen, geführt werden. Daher muss dieser Artikel bestehen bleiben.
Wir erleben ja sehr oft, dass junge Leute eigentlich weitermachen möchten, aber nicht angefragt werden, weil sie nicht geeignet sind. Ich habe es selbst schon oftmals erlebt, auch in jüngster Zeit, seit ich dieses Departement führe: Wenn man solchen Aussagen nachgeht, sind das Leute, die dann sagen, man habe sie zwingen wollen, aber sie hätten nicht weitergemacht. Dieser Zwang besteht zwar nirgends, aber er ist die "Erklärung" gegenüber Kollegen, gegenüber der Familie. Man sagt: Ich wollte gar nicht, man wollte mich zwingen. Aber im Hintergrund steht da gar nichts.
Ein wichtiger Aspekt scheint mir noch zu sein: Wir wollen nicht eine Armee, die aus lauter "Fans" besteht, aus Leuten, die das Gefühl haben, sie wollten weitermachen, weil sie Freude am Militär oder am "Militärlen" haben. Wir wollen eine Armee, die ausgeglichen ist. Wir wollen auch kritische Kader, welche die Sinngebung hinterfragen, Kader, welche ihre Tätigkeit hinterfragen, Kader, die fragen: Machen wir das richtig? Läuft das im Bereich der Vorgesetzten richtig? Die Leute, mit denen man spricht, um sie zur Übernahme eines Grades zu verpflichten, müssen auch kritische Leute sein. Sie stellen im Kader einen wichtigen Bestandteil der Armee dar - sie verkörpern eben sozusagen die Milizarmee. Diese Möglichkeit, jemanden zu verpflichten, mit jemandem Gespräche zu führen, ergibt am Schluss ein gut durchmischtes Kader, ein Kader, das einen Querschnitt der Bevölkerung darstellt. Das garantiert uns auch, dass wir nicht einfach - ich sage es etwas böse - "Rambos" haben, die aus lauter Freude am Militär weitermachen, sondern auch kritische Staatsbürger, die einen Grad in der Armee übernehmen, die sich dazu verpflichten. Diese Mischung, die wir mit diesem Artikel garantieren können, ist eine Voraussetzung für ein gutes Kader und für eine Milizarmee.
Ich bitte Sie also, diesem Minderheitsantrag nicht zuzustimmen, sondern ihn abzulehnen, im Interesse der besten Armee der Welt, die aus einem guten, auch kritischen Kader besteht, nicht nur aus Kopfnickern, sondern aus Leuten, die den Mut haben, etwas zu hinterfragen. Das können Sie mit diesem Artikel, der zur Übernahme eines Grades verpflichtet, der zur Übernahme einer Vorgesetztenfunktion verpflichtet. Dazu sind Gespräche mit den Kaderanwärtern zu führen, um eine Auswahl zu treffen, die am Schluss einen Querschnitt der Bevölkerung ergibt.