Leuthard Doris, Bundespräsidentin:
Das Postulat Schenker verlangte ja nur einen Bericht, nicht den Rückzug aus dem Projekt. Wir haben von uns aus reagiert, aber nicht, weil es seinerzeit falsch war, die Unternehmen in diesem Projekt mit einer Exportrisikogarantie zu unterstützen, sondern weil die Türkei die Auflagen nicht erfüllt hat. Es ist üblich, dass es bei solchen Grossprojekten viel Zeit braucht; es waren ja weit über hundert Auflagen, die von den drei Ländern gemacht wurden. Die Türkei hat sich im Laufe der Jahre auch stark |
AB 2010 N 317 / BO 2010 N 317
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verbessert, aber wir sind Ende 2008, Anfang 2009 an einem Punkt angelangt, wo wir effektiv entschieden haben, dass es nicht mehr weitergeht.
Wir mussten uns fragen: Verlängern wir all die Fristen, die nicht eingehalten wurden, nochmals? Wir mussten sagen: Dann verlieren wir die Glaubwürdigkeit. Ich glaube, dass die Exportrisikoagenturen dieser drei Staaten sehr viel Geduld gehabt und diese Schritte vertragskonform überwacht haben. Deshalb haben wir in der Überprüfung dieses Verfahrens eben auch nicht festgestellt, dass auf unserer Seite irgendwelche Verfahrensfehler passiert sind. Die Einhaltung der Bedingungen wurde konsequent überwacht, man ist Schritt für Schritt vorgegangen. Am Schluss haben wir, so glaube ich, richtig gehandelt und gesagt: Irgendwann geht es halt um das Prinzip.
Einfach nur als Nebeninformation: Das Projekt wird von der Türkei natürlich gleichwohl gebaut. Das war ja auch immer eines unserer Argumente. Man muss sich nicht der Illusion hingeben, dass die Türkei jetzt auf den Ilisu-Staudamm verzichten wird. Eben war der türkische Finanzminister in der Schweiz und hat das bestätigt. Die Arbeiten gehen selbstverständlich weiter, jetzt halt einfach ohne Konditionalitäten, ohne all diese Standards. Ob das dann schlussendlich eben zu einem besseren Resultat führt als mit den drei Staaten, die doch relativ harte Bedingungen gestellt hatten, wird die Geschichte zeigen. Insofern ist das eben auch ein Fall, bei dem wir gespannt sind auf die Analyse nach der Errichtung des Baus: Was passiert jetzt mit den Kulturgütern, den Menschen, dem Land? Ist es besser oder schlimmer als über unseren Weg? Da werden wir dann die Diskussion sicher weiterführen.