Prelicz-Huber Katharina (G, ZH):
Im Namen der starken Minderheit bitte ich Sie, die parlamentarische Initiative Goll zu unterstützen.
Auch in der Schweiz sind heute bereits drei von vier Frauen berufstätig, aber noch immer sind die beruflichen Aussichten für Frauen schlechter. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist deshalb zentral, im Sinne der Gleichstellung, im Sinne einer zeitgemässen Familienpolitik, aber auch im Sinne der Wirtschaft, das hat sie eigentlich anerkannt. Denn die Wirtschaft braucht die Frauen, weil ohnehin schon ein Mangel an qualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen da ist, und Sie wissen, die Frauen sind heute top. Aber leider sind die Bedingungen, Familie und Beruf zu vereinbaren, nicht sehr gut. Die Schweiz hat in vielen Bereichen einen gewaltigen Nachholbedarf.
Selbstverständlich sind für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verschiedene Massnahmen nötig, unter anderem die familienergänzende Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitszeiten, aber eben auch eine gute Mutterschaftsversicherung bzw. ein Mutterschaftsurlaub. Dieser soll einerseits dem Gesundheitsschutz dienen, der Erholung für die Frauen, er ist aber auch ganz im Sinne des Kindeswohls. Etwas mehr Zeit, um sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen, braucht es dringend. Auch 18 Wochen sind dafür nicht viel. Sie haben es vorhin gehört: Nur gerade Deutschland und Malta haben mit der Schweiz zusammen noch die 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, dreizehn andere Länder sind bereits bei 18 Wochen. Verschiedene Unternehmungen haben nachgezogen. Die Mehrzahl der GAV hat nachgezogen, sie sind alle bei 16 Wochen und mehr.
Es ist also deutlich: Die heutige gesetzliche Regelung hinkt der Realität deutlich hinterher. Es kann ja wohl auch nicht sein, dass ein Teil der Menschen von 18 Wochen Mutterschaftsurlaub profitieren kann, ein anderer Teil aber weiterhin nur von 14 Wochen. Das ist ungerecht. Die Grundlage der gesetzlichen Regelung für die Mutterschaftsversicherung war ja unter anderem auch, neben der Grundversicherung endlich bei Schwangerschaft und Geburt mehr Gerechtigkeit und mehr Gleichheit zu schaffen. Das ist heute aber leider bereits längst wieder überholt. Es ist also dringend, dass wir hier mit der gesetzlichen Regelung nachziehen, entsprechend dem Antrag, der in der EU vorliegt, die 18 Wochen, lieber natürlich dann sogar die 20 Wochen, wie sie die EU-Frauenkommission fordert.
Die Schweiz soll bitte wieder dazugehören und nicht am Schwanz tanzen. Sagen Sie in dem Sinne Ja zu einem zeitgemässen, einem familienfreundlichen Mutterschaftsurlaub, der auch wirtschaftsfreundlich ist. Das ist ja das, was wir nicht zuletzt auch heute immer wieder gehört haben: Es sei zentral, im Sinne der Wirtschaft zu denken. Ich bitte Sie also, das auch hier zu tun. Denn, Sie wissen es, je besser die Situation zu Hause ist, desto produktiver sind die Arbeitnehmenden am Arbeitsplatz, und man hat dann mehr weibliche Arbeitskräfte. Zudem ist der Vorstoss ja mehr als moderat. Es geht um eine stufenweise Erhöhung; Frau Goll hat es ausgeführt. Es liegt dann an uns, diese Erhöhung zu formulieren. Das heisst also, dass sie für alle machbar wird.
Ich bitte Sie im Namen der Minderheit, der parlamentarischen Initiative Goll Folge zu geben.