Nationalrat - Sommersession 2010 - Dreizehnte Sitzung - 16.06.10-15h00
Conseil national - Session d'été 2010 - Treizième séance - 16.06.10-15h00

04.062
Bundesgesetz
über die Krankenversicherung.
Teilrevision. Managed Care
Loi fédérale
sur l'assurance-maladie.
Révision partielle. Managed Care
Fortsetzung - Suite
Botschaft des Bundesrates 15.09.04 (BBl 2004 5599)
Message du Conseil fédéral 15.09.04 (FF 2004 5257)
Ständerat/Conseil des Etats 05.12.06 (Erstrat - Premier Conseil)
Ständerat/Conseil des Etats 13.06.07 (Fortsetzung - Suite)
Nationalrat/Conseil national 04.12.07 (Zweitrat - Deuxième Conseil)
Ständerat/Conseil des Etats 04.03.08 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 04.06.08 (Differenzen - Divergences)
Ständerat/Conseil des Etats 17.09.08 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 18.09.08 (Differenzen - Divergences)
Einigungskonferenz/Conférence de conciliation 24.09.08
Ständerat/Conseil des Etats 01.10.08 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 01.10.08 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 16.06.10 (Fortsetzung - Suite)
Nationalrat/Conseil national 16.06.10 (Fortsetzung - Suite)
Nationalrat/Conseil national 16.06.10 (Fortsetzung - Suite)
Ständerat/Conseil des Etats 15.12.10 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 03.03.11 (Differenzen - Divergences)

1. Bundesgesetz über die Krankenversicherung (Managed Care)
1. Loi fédérale sur l'assurance-maladie (Managed Care)

Ziff. Iter; I Art. 35a - Ch. Iter; I art. 35a

Stahl Jürg (V, ZH): In der Tat müssen wir an unseren Baustellen weiterarbeiten. Ich glaube, diese 20 Minuten Pause haben uns allen gutgetan, und es freut mich, dass ich nach diesem historischen Sieg gegen Spanien - nach 18 erfolglosen Spielen - als Erster sprechen darf; es ist ja eigentlich der wichtigste Sieg in der 105-jährigen Geschichte des Schweizerischen Fussballverbandes. Jetzt höre ich auf mit der Geschichte rund um den Fussball, denn es geht auch bei der Managed-Care-Vorlage wirklich um viel.
Ich empfehle Ihnen im Namen der SVP-Fraktion, hier der Minderheit Bortoluzzi zuzustimmen. Die Krankenkassen werden mit dieser Managed-Care-Vorlage in die Pflicht genommen, und wir sind der Überzeugung, dass wir ein Instrument ins Gesetz einbinden sollten, um den anderen Beteiligten eben auch einen gewissen Druck auferlegen zu können. Ich glaube, dass die Frist von drei Jahren hierbei ein gangbarer Weg ist. Das gibt eine gewisse Herausforderung, und darum sind wir der Meinung, dass diesem Antrag zugestimmt werden sollte.
Es gibt schon heute sehr gut funktionierende Netze, ich habe es in der Eintretensdebatte gesagt. Diese Netze haben auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Krankenversicherern gut funktioniert. Aber wir möchten hier ein Instrument schaffen, das eben auch die Ärzte in die Pflicht nimmt, die a priori nicht bereit sind, sich Veränderungen zu unterwerfen bzw. zu stellen - es ist ja nicht eine Unterwerfung, es ist eine Herausforderung, neue Wege zu beschreiten. Es betrifft die Ärzte, die sich konsequent wehren. Wir haben schon einige Briefe erhalten, in denen uns mitgeteilt wird, warum eine Veränderung nicht möglich sei. Darum möchten wir dieses Druckmittel im Gesetz verankern.
Es ist mir bewusst, dass das ein grosser Schritt ist. Aber ich habe Ihnen vorhin genau zugehört. Ich stelle fest, dass Sie schon gewisse Sympathien dafür haben: Die CVP/EVP/glp-Fraktion hat Sympathien, und die FDP-Liberale Fraktion hat auch gesagt, wir müssten grundsätzlich einmal diesen Weg beschreiten. Das haben Sie schon drei- oder viermal in diesem Saal gesagt. Ich glaube, es wäre jetzt an der Zeit. Wir haben doch einige Veränderungen initiiert; es wäre gut,
AB 2010 N 1051 / BO 2010 N 1051
wenn wir das auch aufseiten der Leistungserbringer tun könnten.
Ich beantrage Ihnen im Namen der SVP-Fraktion, diese Minderheit zu unterstützen.
Ich möchte zum Schluss noch etwas anfügen: Frau Gilli, was ich nicht verstehe, ist Folgendes: Sie haben gesagt, die Leistungserbringer seien so gut, und es gibt in der Tat sehr viele gute Leistungserbringer, sehr viele gute Hausärzte. Dann verstehe ich nicht, warum Sie sich scheuen, sich diesem Wettbewerb zu stellen. Denn die Guten, und das ist wahrscheinlich die Mehrheit Ihrer Berufsgruppe, werden jederzeit einen Vertrag erhalten. Die Krankenversicherer können es sich gar nicht leisten, mit guten Medizinern und Medizinerinnen keinen Vertrag abzuschliessen. Darum verstehe ich diese Angst und diese Zurückhaltung nicht!
In diesem Sinne glaube ich, dass es gut ist, wenn wir diesen Schritt tun. Wenn wir ihn nicht tun, zähle ich auf den Bundesrat, auf Herrn Didier Burkhalter, der wahrscheinlich in den nächsten Jahren von sich aus aktiv werden wird.

Burkhalter Didier, conseiller fédéral: J'ai l'impression qu'on est actif avant d'attendre plusieurs années. Sur ce sujet, il faut faire attention à l'équilibre. Toute la journée, nous avons compris à quel point ce projet était un exercice d'équilibre, un exercice très intéressant - certes pas aussi intéressant qu'un match de football. Il n'en reste pas moins qu'il s'agit d'un exercice d'équilibre. Le Conseil fédéral estime à ce stade que la majorité de la commission a raison. Par ailleurs, elle a aussi adopté une disposition transitoire qui prévoit très clairement que, si dans les trois ans le développement des réseaux de soins intégrés ne se fait pas comme on le souhaite - c'est-à-dire s'il y a encore trop peu de réseaux dans les faits -, le Conseil fédéral devra proposer de nouvelles mesures plus contraignantes. Ce sera dans ce cadre, le cas échéant, qu'il faudra revoir la situation.
Nous estimons - et Monsieur Bortoluzzi l'a dit - que les fournisseurs de prestations doivent également faire des efforts, et c'est juste. Nous sommes convaincus que nous pouvons donner aux fournisseurs de prestations de manière générale, dans le cadre fixé aux réseaux de soins intégrés, la chance de réussir dans ce cadre et de montrer dans les prochaines années, lorsque nous aurons pu faire entrer en vigueur cette modification de loi et que nous serons dans les premières années d'expérience, que ce cadre permet aux fournisseurs de prestations de créer des réseaux de soins intégrés. Nous souhaitons voir se réaliser sur le terrain - c'est le cas de le dire aujourd'hui - les espoirs placés en eux.
La proposition de la minorité Bortoluzzi, à ce stade du débat, nous paraît inutile, et il nous semble qu'elle déséquilibre le projet. Dans l'intérêt du projet, le Conseil fédéral vous demande de vous en tenir à la proposition de la majorité.

Humbel Ruth (CEg, AG), für die Kommission: Zuerst noch eine grundsätzliche Bemerkung zur Übergangsregelung: Gemäss Absatz 1 müssen die Versicherer innert drei Jahren in ihrem gesamten örtlichen Tätigkeitsgebiet integrierte Versorgungsmodelle anbieten. Nach Absatz 2 gilt die differenzierte Kostenbeteiligung von 10 und 20 Prozent für Versicherte erst dann, wenn die Versicherten die Wahl haben, sich in ein Netz zu begeben. Sollte innerhalb dieser dreijährigen Übergangsfrist keine flächendeckende Versorgung eintreten, schlägt der Bundesrat gemäss Absatz 3 der Übergangsbestimmung Massnahmen vor.
Wie könnten nun diese Massnahmen aussehen? In der Kommission haben wir sie diskutiert. Sie könnten letztlich nur die Aufhebung des Vertragszwanges im Sinne des Minderheitsantrages Bortoluzzi betreffen, nämlich den Vertragszwang in Netzwerken und die Vertragsfreiheit ausserhalb von Netzwerken. Die zweite Möglichkeit wäre, auch im ambulanten Bereich eine staatliche Versorgungsplanung einzuführen. Die Kommissionsmehrheit beantragt, im Moment keine konkreten Massnahmen vorzusehen. Der Antrag, der von der Minderheit Bortoluzzi aufgenommen wurde, wurde mit 15 zu 10 Stimmen bei 1 Enthaltung abgelehnt.
Vertragsfreiheit scheint eine Provokation zu sein, welche die Gesetzesrevision ernsthaft gefährdet. Für Ärzte ist die Vertragsfreiheit im Moment undenkbar, und wir wissen seit der Abstimmung über den Gesundheitsverfassungsartikel vor zwei Jahren, dass gegen die Ärzteschaft keine Abstimmung zu gewinnen ist. Die Kommissionsmehrheit ist daher der Meinung, dass die Ärzte ohne diesen Druck die Chance zur integrierten Versorgung haben sollten. Falls nach einer Einführungsphase von drei Jahren keine flächendeckende Versorgung mit integrierten Netzwerken besteht, muss der Bundesrat Massnahmen vorschlagen. Es ist unschwer vorstellbar, dass dann eine Massnahme die Vertragsfreiheit betreffen wird.
Im Namen der Kommissionsmehrheit bitte ich Sie, den Minderheitsantrag Bortoluzzi abzulehnen.

Cassis Ignazio (RL, TI), pour la commission: La liberté de contracter est un thème chaud; elle a déjà fait l'objet d'une votation populaire le 1er juin 2008. La liberté de contracter réveille des animosités, des irritations, des prurits, des rejets; elle est sûrement un poids qui tue cette loi. J'ai personnellement de la sympathie pour la proposition de la minorité Bortoluzzi. Je crois qu'elle est correcte, qu'elle est orientée vers l'avenir, mais j'aimerais bien essayer d'aller vers un avenir sans avoir besoin d'appliquer cette disposition. Or, comme vous le voyez, la liberté de contracter selon la minorité Bortoluzzi n'entrerait pas tout de suite en vigueur, mais seulement trois ans plus tard. Dans les dispositions transitoires, la minorité prévoit que les dispositions relatives au contrat d'admission pour les fournisseurs de prestations entrent en vigueur trois ans après l'entrée en vigueur du projet concernant les réseaux de soins intégrés. Dès lors, je me fais la réflexion suivante: si vous décidez d'introduire cette norme maintenant déjà dans la loi, vous allez provoquer une guerre sainte, une guerre qui tuera probablement toute la loi, une guerre contre une norme qui est bel et bien inapplicable jusqu'en 2016, si la révision de la LAMal entre en vigueur au 1er janvier 2012.
Je me pose la question suivante et elle s'adresse aussi à Monsieur Bortoluzzi: pourquoi mettre en danger la loi en y introduisant une norme légitime, intelligente même, mais qui n'est pas nécessaire actuellement? Donc il n'y a vraiment aucune nécessité d'inscrire cette norme dans la loi maintenant. C'est bien ce raisonnement qui a conduit la majorité de la commission à décider de ne pas soutenir la proposition défendue par la minorité.
Le Conseil fédéral, dans les dispositions transitoires, est chargé de surveiller l'évolution de la mise en place des réseaux de soins intégrés. Nous attendons du Conseil fédéral qu'il puisse nous dire en 2013, 2014, une fois cette loi entrée en vigueur au 1er janvier 2012: "Voilà, 40 pour cent, 50 pour cent, 60 pour cent des assurés sont dans les réseaux de soins intégrés." Si, à fin 2014, un nombre insuffisant d'assurés est dans les réseaux de soins intégrés, le Conseil fédéral sera libre de nous présenter un projet qui reprend la teneur de la proposition de la minorité Bortoluzzi s'il estime que cette norme légale est la solution au problème. Donc, le fait que la commission ait rejeté la proposition de la minorité Bortoluzzi et qu'elle vous invite à en faire de même ne signifie pas qu'elle est conceptuellement contre cette norme, mais qu'elle estime tout simplement que cette norme déclare actuellement la guerre qui tuera la révision de la loi, sans être vraiment nécessaire.
Je vous invite donc à adopter les dispositions transitoires selon la majorité de la commission. Il s'agit de trois alinéas qui sont simples, clairs et qui donnent aux acteurs un délai de trois ans pour mettre en place les réseaux. Si cela ne se passe pas sur la base des incitations inscrites dans la loi, à ce moment-là le Conseil fédéral nous proposera les corrections nécessaires - parmi lesquelles, peut-être, aussi la norme prévue par la minorité Bortoluzzi.
Veuillez donc, aujourd'hui, pour cette loi, adopter la proposition de la majorité de la commission et rejeter la proposition de la minorité Bortoluzzi.
AB 2010 N 1052 / BO 2010 N 1052

Bortoluzzi Toni (V, ZH): Eine kurze Frage: Ich bin natürlich überzeugt, dass dieses Konzept nur funktioniert, wenn die Ärzte in die Pflicht genommen werden. Das tun Sie nicht. Sind Sie bereit, in drei Jahren die Vertragsfreiheit für die Ärzte aufzuheben, wenn sich meine Befürchtung bestätigt, dass sich das Konzept nicht umsetzen lässt?

Cassis Ignazio (RL, TI), für die Kommission: Soll ich auf Deutsch antworten? Ich bin überzeugt, dass die finanziellen Anreize, die wir in diesem Gesetz beschlossen haben, gross genug sind, um die Ärzte "in die Pflicht" zu nehmen, wie Sie das sagen, Herr Bortoluzzi. Sie genügen aber auch, um die Patienten dafür zu interessieren und dazu zu bewegen, integriert versorgt zu werden, weil die Qualität besser ist, weil sie eine tiefere Kostenbeteiligung haben, weil sie tiefere Prämien zahlen. Wenn sich die Patienten so verhalten werden, dann werden die Ärzte selbstverständlich nachfolgen. Die Patienten sind doch ihre Kunden; die Ärzte pflegen und betreuen nicht Marsmenschen, sondern unsere Bürgerinnen und Bürger, die Versicherten. Ich bin persönlich zutiefst überzeugt, dass wir, wenn das passiert, mit diesem sehr ausgewogenen Kompromiss auf dem richtigen Weg sind und dass wir solche "Atombomben" als Drohung nicht benötigen, nicht heute auf jeden Fall. Falls ich mich täusche und immer noch in diesem Parlament bin, werde ich in zwei bis drei Jahren gerne bereit sein, den anderen Weg zu beschreiten.
Ich sage es noch einmal: Unser Gesundheitswesen ist gut, aber seine Entwicklung ist mit zusätzlichen 2 Milliarden Franken Kosten pro Jahr nicht nachhaltig, das müssen wir klar sehen.

Abstimmung - Vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 04.062/4219)
Für den Antrag der Mehrheit ... 108 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit ... 51 Stimmen

Ziff. II
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Ch. II
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil des Etats

Angenommen - Adopté

Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 04.062/4220)
Für Annahme des Entwurfes ... 101 Stimmen
Dagegen ... 43 Stimmen

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