Jans Beat (S, BS):
Ich freue mich sehr, in diesem Moment zur Offroader-Initiative sprechen zu dürfen, weil ich den Eindruck habe, dass sich etwas bewegt.
Doch zunächst zur Materie, ich denke, dass diese ausgesprochen wichtig ist: Es ist wichtig, die Klimagasemissionen der Fahrzeuge zu senken. Erstens, weil wir hier in der Schweiz diesbezüglich ein Defizit haben: Sie wissen es, kein Land emittiert dermassen viel Klimagase durch den Privatfahrzeugverkehr wie die Schweiz. Wir haben hier wirklich Handlungsbedarf. Die Tatsache, dass das ständig weiterwächst, können und dürfen wir nicht akzeptieren. Die Schweiz ist zweitens im Hintertreffen. Die europäischen Länder haben uns bei diesem Standard überholt. Das macht keinen Sinn. Das ist nicht der Platz, wo die Schweiz hingehört. Sie gehört vielmehr an die Spitze der Umweltpolitik, das entspricht ihrer Geschichte und nichts anderes. Der dritte Grund ist, dass die Zeit einfach vorbei ist, in der man Energie verschwendete; die Zeit ist vorbei, in der man sich gedanken- und verantwortungslos fortbewegte. Die Zeiten haben sich geändert. Wir müssen und können etwas tun. Es ist also nötig, diese Klimagasemissionen, die aus dem Verkehr stammen, zu senken, und es ist möglich, das zu tun. Die Technik hilft uns dabei, die Politik muss es auch tun.
Persönlich freut es mich allerdings sehr, dass hier dank diesem Antrag der BDP-Fraktion nun Bewegung in die Diskussion gekommen ist. Ich bin zwar noch nicht lange in diesem Rat, aber lange genug in der Politik, dass ich die grossen Momente erkennen kann. Die grossen Momente sind immer die, wenn sich etwas bewegt, wenn sich ein Knoten löst, wenn sich Kompromisse abzeichnen. Ich habe den Eindruck, dass dies mit dem Antrag der BDP-Fraktion möglich ist.
Der Dank geht also einerseits an die BDP-Fraktion und an Herrn Grunder für diesen Antrag, aber andererseits auch an die FDP-Delegierten, die diesen Antrag wahrscheinlich ausgelöst haben. Sie haben gesagt, dass die Schweiz bei diesem umweltpolitischen Standard Europas mithalten soll, dass sie bis 2015 den Grenzwert für Importe auf 130 Gramm CO2 pro Kilometer beschränken soll. Das ist nun wirklich ein Fortschritt, und ich bitte Sie, liebe Damen und Herren von der FDP - ich weiss, Sie hören mir jetzt nicht zu, aber machen Sie es trotzdem -, richten Sie doch Ihren Delegierten einen Gruss von uns aus und dass wir uns sehr über diesen Entscheid gefreut haben. Es kann ja nicht schaden, wenn von der SP ab und zu auch versöhnliche Töne an die FDP gerichtet werden, und das ist sicher ein Grund zur versöhnlichen Zusammenarbeit. Denn die FDP, das möchte ich hier nochmals festhalten, war eigentlich vor zwanzig, dreissig Jahren in der Umweltpolitik der Schweiz führend. Sie hat die Förderabgaben, die Lenkungsabgaben in der Politik quasi erfunden, und dass Sie dank Ihren Delegierten in dieser Diskussion nicht ganz abgehängt werden, ist doch schön festzustellen.
Warum ist es wichtig, dass die Schweiz diese 130 Gramm bis 2015 erreicht, und warum ist es wichtig zu wissen, Herr Leutenegger, dass das für die Schweiz kein Problem ist? Sie bringen da etwas durcheinander, Herr Leutenegger: Wir haben in der Tat höhere Emissionen und grössere Fahrzeuge als Europa, aber auf den Entscheid, welche Fahrzeuge wir einführen, hat das keinen Einfluss. Wir müssen nicht warten wegen Europa, denn es geht nur um die Frage, wie viel die Durchschnittsflotte, die importiert werden darf, emittiert, und nicht darum, wie viel in der Schweiz dann tatsächlich emittiert wird. Das ist ein ganz wichtiger Unterschied. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, dass wir nicht auch - so wie der Rest dieses Kontinents - die Flotte, die importiert wird, auf diesen Standard von 130 Gramm bringen. Deshalb sage ich: Es ist nicht nur wichtig, es ist auch möglich, diese Standards zu senken. Es ist nicht wahr, wenn Sie glauben, wir hätten da ein Problem mit Europa.
Etwas Weiteres, was ich hier auch noch auflösen möchte: Herr Wobmann hat gesagt, es sei ein Nachteil für die Bergkantone, wenn wir das machen. Das ist nun widerlegt, das ist statistisch widerlegt, die Bergkantone haben sogar kleinere Emissionen als städtische Kantone. Es ist nicht wahr,
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AB 2010 N 1591 / BO 2010 N 1591
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dass diese typischen 4x4-Fahrzeuge, die die Bauern in den Alpen brauchen, besonders viel CO2 emittieren. Das ist nicht wahr, es ist ein Gerücht, mit dem die Offroader-Initiative und der Gegenvorschlag zu Unrecht bekämpft werden. Es ist nicht wahr!
Nun bitte ich Sie, zu diesem Gegenvorschlag Hand zu bieten, auch deshalb, weil die Offroader-Initiative, die zwar von der SP begrüsst wird - wir werden sie unterstützen, wenn es dazu keine Alternative gibt -, tatsächlich den Nachteil hat, diese Emissionssenkungen eigentlich viel zu wenig konsequent hinzukriegen. Da bringt sie zu wenig. Ein Gegenvorschlag, der die CO2-Emissionen der Importe auf 130 Gramm senken würde, wie das im Rest Europas der Fall ist, würde deutlich mehr bringen. Das würde wahrscheinlich - deshalb ist es auch wichtig, dass es ein Gegenvorschlag ist - in der politischen Debatte sehr wohl helfen, nun wirklich voranzukommen. Das sind wie gesagt die grossen Momente in der Politik, wenn sich etwas bewegt.
Ich bitte hier nun die Mitglieder der FDP-Fraktion, diesen Schritt doch zu tun. Ihre Delegierten haben sich klar für 130 Gramm bis 2015 ausgesprochen. Tun Sie doch jetzt diesen Schritt. Ermöglichen Sie doch hier diesen Fortschritt, diesen denkwürdigen Moment in der Politik.