Müller Geri (G, AG):
Sie müssen wissen, dass wir gestern zu einer ausserordentlichen APK-Sitzung am Nachmittag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr eingeladen worden sind. Wir haben uns in dieser Zeit ausführlich darüber unterhalten, was an diesen beiden Geschäften dringlich sein soll oder nicht. Die APK hat diese Diskussion geführt, hat Fragen gestellt, hat Antworten darauf bekommen und ist zum Schluss gekommen, dass es reicht, wenn wir uns am 11./12. Januar 2011 zuerst über die erweiterte Entwicklungszusammenarbeit unterhalten - das ist eine Bedingung, die Sie als Parlament gestellt haben, mitgetragen haben - und uns danach darüber unterhalten, was wir beim IWF machen wollen. Der Entscheid war klar, das hat die Kommissionspräsidentin gesagt: Mit 16 zu 9 Stimmen haben wir die Geschichte auf den Januar vertagt.
Jetzt findet heute früh eine Bürositzung statt, die eigentlich nur angekündigt war für den Fall, dass wir gestern anders entschieden hätten. Man drückt in Anwesenheit der zuständigen Bundesrätin, des Botschafters und der Kommissionspräsidentin diese Sitzung trotzdem durch und möchte das noch einmal kippen. Die Frage ist wirklich: Wie gehen wir mit unseren eigenen Institutionen um, und wie versuchen wir, Dinge auf die Traktandenliste zu setzen, die eben nicht so gewünscht sind?
Das hat einen Grund. Der Brief, den Sie heute Morgen im Büro gesehen haben, den haben wir gestern auch gesehen. Wir kennen die Inhalte und die Argumente. Die Dringlichkeit ist nicht gegeben. Es stehen bei vier Staaten die Ratifizierungen aus. Die Frage ist wirklich, ob alle diese vier Staaten bis am 31. Dezember dazu Ja sagen werden. Belgien zum Beispiel steht noch aus, Luxemburg steht aus, Italien steht aus, und die Schweiz steht auch aus. Wenn Sie heute in den Medien anschauen, wie über diesen IWF-Kredit in der EU gesprochen wird - ich möchte mich nicht inhaltlich äussern -, dann sehen Sie, dass es dort auch sehr viele Fragen gibt. Wir tun gut daran, darüber im Detail zu diskutieren, ganz genau anzuschauen, was die Rolle und Funktion der Schweiz ist.
In dem Sinne bitte ich Sie, auch in Respekt gegenüber dem, was gestern in diesen anderthalb Stunden vorgeleistet worden ist, jetzt nicht eine Hauruck-Übung zu machen, die Kommission zu zwingen, jetzt, in den letzten Tagen, noch schnell im Austausch mit dem Ständerat x Sitzungen zu machen und diesen Kredit durchzuwinken. Der Bundesrat hat zwei Jahre Zeit gehabt, die Sache aufzugleisen - zwei Jahre! Also hallo! Das ist nicht unser Problem! Wenn man jetzt nach der Verantwortung fragt, dann muss ich auch sagen: Da gibt es noch eine andere Verantwortung. Aber ich bin bereit zu sagen: Ich kann diese Verantwortung tragen, zumal ich auch weiss, dass diese IWF-Kredite sehr stark umstritten sind, nicht nur in der Schweiz. Vielleicht nimmt die Schweiz hier eine Vorreiterrolle auch für die anderen Länder ein.
Ich bitte Sie also, den Ordnungsantrag nicht anzunehmen.