Wasserfallen Christian (RL, BE):
Sie sehen, das ist eine sehr breit abgestützte Forderung. Drei Personen und verschiedene Interessen sind darunter subsumiert. Nein, es geht nicht darum, Formel-1-Rennen in der Schweiz zu erlauben, es geht lediglich darum, das antiquierte Verbot von Rundstreckenrennen zu eliminieren. Denn eine Rundstrecke ist durchaus wirtschaftlich interessant, und zwar für das ganze Land. Wir haben in der Schweiz zwar direkt keine produzierende Automobilindustrie, aber wir haben in unserem Land rund 310 Zulieferfirmen für die Automobilindustrie, die 34 000 Mitarbeiter beschäftigen und 16 Milliarden Franken Umsatz erwirtschaften. Neue Märkte, auch im Cleantech-Bereich, konkret in der Elektromobilität, sind wahnsinnig dynamisch und kommen immer mehr in Fahrt. Dass dies nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, bestätigt auch die Statistik, die ein ETH-Forschungsinstitut angefertigt hat. Sie ist eindrücklich, ich empfehle Ihnen die Lektüre.
Meine Damen und Herren auch zur Linken, ich weiss, Sie stehen der Eliminierung dieses Verbotes skeptisch gegenüber. Aber es sind just auch Ihre Parteien, die immer wieder fordern, man müsse Cleantech fördern, mit Staatsgeldern. Hier können Sie Cleantech mit der Aufhebung eines Verbotes fördern. Die ETH, die Unis, die Fachhochschulen sind allesamt im Cleantech-Bereich, insbesondere in der Elektromobilität, am Forschen. Doch getestet wird im Ausland. Die Teststrecken sind, wenn es um die Formula Student geht - wo die ETH übrigens gewonnen hat -, dann etwa in Silverstone. Die Berner Fachhochschule muss für ein Elektrotaxi mit einer chinesischen Universität zusammenarbeiten. Der Porsche 911 GT3 Hybrid wurde zwar von einer Schweizer Firma mit einem Hybridantrieb ausgerüstet, kam aber leider nur im Ausland, beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans, zum Einsatz. Diese Technologien erfinden sich nicht von selbst. Es braucht in diesem Land Rahmenbedingungen, die mit kurzen Wegen und günstigen Investitionsbedingungen Firmen in die Schweiz locken können. Auch die Zukunftstechnologien werden nämlich getestet, die werden nicht einfach so am Bildschirm entwickelt. Als Maschinenbauingenieur kann ich Ihnen versichern: Das Vorhandensein von Test- und Prüfinfrastruktur ist entscheidend wichtig dafür, ob sich Firmen der einen oder anderen Sparte in einem Land niederlassen oder dann eben nicht.
Kurz gefasst: Alle, die eine Cleantech-Initiative pushen oder unterschreiben, können diesen Vorstoss gar nicht ablehnen. Man kann nicht auf der einen Seite zu Cleantech Ja sagen und auf der anderen Seite alles dagegen tun, dass man z. B. ja nicht Elektromobilität in einem Land wie der Schweiz testen kann. Hier geht es nicht zuletzt darum, unternehmerische Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich beispielsweise im Elektromobilitätsbereich etwas entwickeln kann - ansonsten findet die Entwicklung im Ausland statt. Wenn ich das sage, ist das nicht einfach eine leere Worthülse: Schauen Sie einmal in all den Programmen der Universitäten, der ETH, der Fachhochschulen und der Unternehmungen in der Schweiz nach, wo diese ihre Produkte dann konkret testen! Schauen Sie sich das einmal an, dann vergeht Ihnen das Lachen.
Kurz: Wir müssen auch für innovative Firmen im Cleantech-Bereich kurze Wege haben, damit sie solche Techniken auf Herz und Nieren prüfen können. Es ist ein grosser, dynamischer Markt. Das Anliegen ist aber auch gepaart mit Sicherheitszwecken und mit der gemeinsamen Nutzung durch den Rennsport, denn nur so wird eine Rennstrecke auch rentabel werden. Es geht hier nur um die Aufhebung eines Verbotes, um nichts anderes. Es geht hier nicht um die konkrete Finanzierung oder um die Einreichung eines konkreten Projekts für eine Rundstrecke.
Seien Sie sich dessen bewusst: Wer zu Cleantech Ja sagt, muss auch Ja sagen zu innovativen Rahmenbedingungen und nicht zu Verboten.