Schneider-Ammann Johann N., Bundesrat:
Sie haben es eben Ihrerseits gesagt, und ich habe das bei allen Sprechern gehört: Die schweizerische Volkswirtschaft ist grundsätzlich gut unterwegs. Ich gebe gerne meiner Genugtuung darüber auch Ausdruck: Die schweizerische Volkswirtschaft ist nicht deshalb gut unterwegs, weil wir eine falsche Politik gemacht hätten. Die bundesrätliche Politik, die eine zurückhaltende, aber eine gezielte Standortförderungspolitik ist, trägt Früchte.
Wir erwarten immer noch Wachstum. Es wird zwar nicht mehr das Wachstum des Jahres 2010 sein, aber immerhin, es ist Wachstum. Sie haben es auch gesagt: Unsere Schuldensituation ist im internationalen Vergleich vertretbar, unsere Arbeitslosigkeit ist tief. Im Vergleich zum internationalen Umfeld beträgt unsere Arbeitslosigkeit nur ein Drittel. Wir haben vor allem auch eine Jugendarbeitslosigkeit, die sehr bescheiden ist. Das sind alles Errungenschaften, die wir mit der bundesrätlichen Politik in die Zukunft weiterentwickeln sollen, und zwar in diesem positiven Sinne.
Sie haben Ihrerseits jetzt mehrfach den Schweizerfranken angesprochen. Ja, auch mir ist diese Entwicklung eine grosse Sorge. Die Frankenentwicklung wird unser Wachstum auch etwas schwächen, davon gehe ich aus. Aber ich kann Ihnen versichern: Das EVD ist quasi täglich mit der Problematik befasst. Wir verfolgen die Entwicklung sehr genau. Der politischen Möglichkeiten der Intervention sind wenige. Wie Sie wissen, haben wir aber im Februar gezielt interveniert, insbesondere zugunsten des Tourismus und über die KTI auch zugunsten der Innovation; dies gilt auch für das Instrument der Exportrisikoversicherung. Das wird auch weiterhin die Politik sein müssen.
Vor diesem Hintergrund ist die Standortförderung des Bundes von grosser Bedeutung. Die Konkurrenz im internationalen Standortwettbewerb nimmt zu. Unternehmen konkurrieren um Kapital, um qualifizierte Arbeitnehmer und um Wissen, und Staaten konkurrieren mit Förderprogrammen. Die Schweiz - ich habe es gesagt - gibt sich dabei sehr bewusst sehr bescheiden. Sie beschränkt sich auf die gezielten Instrumente der Standortförderung, welche die guten Grundlagen einer guten Wirtschafts-, Geld- und Finanzpolitik ergänzen. Weil es uns gutgeht, werden wir natürlich ständig mit Argusaugen beobachtet, und weil es uns gutgeht, versuchen die anderen Standorte, uns ihrerseits zu konkurrenzieren, uns zu kopieren und unsere guten Ausgangslagen infrage zu stellen.
Die Motivation der Standortförderung ist der wirtschaftliche Strukturwandel, das sei auch ausdrücklich in Erinnerung gerufen. Dieser trägt zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Schweiz bei und erhöht die Wertschöpfung der Schweizer Volkswirtschaft nachhaltig. Der Strukturwandel ist ein Dauerprozess, der für eine gesunde Wirtschaftsentwicklung nötig ist. Also, hören Sie gut hin: Wir machen nicht irgendeine Wachstumspolitik, wir betreiben nicht irgendeine Sektoralpolitik, sondern unsere Standortförderungspolitik ist in erster Linie eine Politik des dauerhaften Strukturwandels, um in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ganz vorne an der Spitze bleiben zu können.
Es ist grundsätzlich Aufgabe der Unternehmen, den wirtschaftlichen Anpassungsprozess erfolgreich zu bewerkstelligen. Die Standortförderung kann im Strukturwandel begleitend tätig sein. Sie kann in jenen Bereichen sinnvoll unterstützend wirken, in denen Unternehmen wegen strukturell bedingter Grössennachteile im Anpassungsprozess benachteiligt sind; Herr Hassler hat das eben auch im Zusammenhang mit dem Tourismus gesagt. Die Standortförderung trägt dazu bei, die Regionen des Wirtschaftsstandortes Schweiz attraktiver zu gestalten und die Wertschöpfung nachhaltig zu steigern.
Worum geht es? Die vom Bundesrat verabschiedete Botschaft über die Standortförderung 2012-2015 gibt erstmals eine lückenlose Gesamtübersicht über alle Instrumente der Standortförderung. Aufgabenbezogen sind dies die Aussenwirtschaftspolitik, die Tourismuspolitik, die KMU-Politik und die Regionalpolitik. Der Vorteil dabei ist: Die Finanzierung der Instrumente wird zeitlich aufeinander abgestimmt, und die Vorlagen können dem Parlament koordiniert unterbreitet werden. Damit schaffen wir auch Transparenz.
Der Bundesrat beantragt für alle Aufgabenbereiche der Standortförderung insgesamt einen Zahlungsrahmen von 315,8 Millionen Schweizerfranken. Davon sind 75 Millionen für die Exportförderung, 20,4 Millionen für die Standortpromotion, 187,3 Millionen für Schweiz Tourismus, 20 Millionen für Innotour und 13,1 Millionen für E-Government-Aktivitäten vorgesehen. Diese Vorlagen ermöglichen dem Bund, die bewährte Aussenwirtschaftspolitik, die Aussenwirtschaftsförderung, fortzuführen, die Tourismuspolitik strategisch neu
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AB 2011 N 810 / BO 2011 N 810
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ausrichten zu helfen und die erfolgreichen Projekte im Bereich des E-Government moderat auszubauen.
Was sind die Ziele der Standortförderung, wenn ich diese auch ganz kurz in Erinnerung rufen darf? Es geht erstens um die Förderung der Standorte in den Regionen und Kantonen. Es geht dann um die Unterstützung der Standortnutzer, zum Beispiel der kleinen und mittleren Unternehmen, und es geht drittens um das Bekanntmachen unserer Standorttrümpfe, zum Beispiel um die Werbung für den Tourismusstandort Schweiz. Schwerpunkte für die kommende Legislaturperiode werden dabei in den Bereichen Aussenwirtschaftsförderung, Tourismuspolitik, KMU-Politik und Regionalpolitik gesetzt.
Aus der umfassenden Botschaft erwähne ich nur einige wenige Kernpunkte etwas ausführlicher. Zuerst zur Exportförderung: Bei der Exportförderung sollen die Schweizer Exporteure bei der Osec diejenige Hilfe und Unterstützung erhalten, welche private Exportberater aus kommerziellen Gründen nicht anbieten. Die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen der Osec wird weiter steigen. Gleichzeitig dürfte auch die Komplexität der einzelnen Kundenanfragen, beispielsweise in Bezug auf Regulierungen in fernen Märkten, weiter zunehmen. Es ist deshalb wichtig, dass die Osec auch in Zukunft mit einer stetigen und vorhersehbaren Unterstützung des Bundes rechnen kann. Ich habe es eben gesagt: Die Osec operiert subsidiär. Die Osec versucht ihrerseits, die Netzwerke der Exportförderer aufeinander abzustimmen, sorgfältig damit umzugehen. Herr Fehr Hans-Jürg hat von der Haltung "Jeder gegen jeden" gesprochen. Ich glaube nicht, dass das, so krass formuliert, korrekt ausgedrückt ist. Es sind immer wieder echte Bemühungen sichtbar, aufeinander zuzugehen, letztlich um für die Volkswirtschaft insgesamt, aber auch für die kantonalen Volkswirtschaften das Optimum zu erreichen. Die Osec leistet diesbezüglich einen koordinierenden, einen subsidiären, einen sehr konstruktiven Beitrag.
Zur Tourismuspolitik: Im Bereich der Tourismuspolitik hat der Bundesrat im Juni 2010 die Wachstumsstrategie für den Tourismusstandort Schweiz gutgeheissen. In diesem Zusammenhang soll nach den positiven Erfahrungen im Vollzug von Innotour unter anderem die Befristung dieses Instruments aufgehoben werden. Ein Verzicht auf Innotour würde das Tourismusland Schweiz um Jahrzehnte zurückwerfen, weil nationale Leitprojekte in Zukunft fehlen würden. Auch wäre zu erwarten, dass im kleingewerblich strukturierten Tourismus die 26 Kantone und die rund 400 Verkehrsvereine in Zukunft auf unkoordinierte und ineffiziente Weise versuchen würden, ihr touristisches Angebot an die steigenden Erwartungen und Anforderungen der Gäste anzupassen. Neben Innotour gehört vor allem auch Schweiz Tourismus zu den bewährten Pfeilern der Tourismuspolitik. Schweiz Tourismus fördert im Auftrag des Bundes die Nachfrage nach der Schweiz als Tourismusland.
Mit der Botschaft über die Standortförderung wird ein Zahlungsrahmen von 187,3 Millionen Franken für Schweiz Tourismus beantragt. Es besteht kein Widerspruch zwischen der Forderung nach einer Wachstumspolitik und dem Antrag auf gleich viele Mittel, wie bisher in der Finanzplanung vorgesehen waren. Innotour plus Schweiz Tourismus verfügen in der Periode 2012-2015 über so viele Mittel, wie bisher in der Finanzplanung vorgesehen waren. Die Innotour-Mittel werden im Schweiz-Tourismus-Bereich kompensiert. Mir ist es lieber, auch in der nächsten Periode bei einer Politik mitzugehen, die heissen könnte: Wenn Not am Mann ist, wenn es gezielte Interventionen braucht, dann machen wir sie zum entsprechenden Zeitpunkt, mit einer ganz spezifischen Begründung. Schweiz Tourismus ist gefordert, wenn Wachstum resultieren soll - ich weiss das -, und es soll auch Wachstum resultieren; das ist erwünscht. Gefordert ist Schweiz Tourismus in erster Linie in Bezug auf das Setzen von Schwerpunkten und Prioritäten und natürlich auch in Bezug auf eine Effizienzsteigerung.
Wir könnten uns jetzt fragen, welche Auswirkungen konkret zu befürchten wären, wenn einfach die gesamte Standortförderung des Bundes mit einem Federstrich abgeschafft würde. Die Frage ist selbstverständlich hypothetisch, aber ich will trotzdem ein paar Aspekte aufzählen.
Ohne Standortförderung erhielten Tausende von KMU bei ihren Auslandkontakten keine Unterstützung durch die Osec - durch die Exportförderung werden jährlich rund 1800 Kundenmeetings für Basisinformationen sowie 900 verschiedene Projekte und Mandate abgewickelt und gemeinsame Messeauftritte an über zwanzig wichtigen internationalen Messen ermöglicht. Den Exportunternehmen fehlte ohne Standortförderung auch der leistungsfähige Zugang zum Aussennetz mit den Swiss Business Hubs in 18 Schwerpunktländern rund um den Globus.
Ohne Standortförderung könnte die Exportrisikoversicherung den Unternehmen bei grossen Auslandgeschäften keine Rückendeckung mehr geben - dank der Serv werden in der Schweiz pro Jahr rund 2,5 Milliarden Franken an Bruttowertschöpfung erzielt und, inklusive indirekter Effekte, rund 16 000 Arbeitsplätze geschaffen.
Ohne Standortförderung gäbe es keine Werbung von Schweiz Tourismus, ohne Schweiz Tourismus gäbe es keine globale Vermarktung des Schweizer Tourismus und keine zielgerichtete Bearbeitung der dreissig wichtigsten ausländischen Herkunftsmärkte mehr; Schweiz Tourismus beeinflusst rund 12 Millionen Übernachtungen pro Jahr und löst damit einen Umsatz von gut 2 Milliarden Franken aus.
Ohne Standortförderung gäbe es kein gewerbliches Bürgschaftswesen, und den rund 1700 gewerblichen KMU fehlte damit in der Unternehmensfinanzierung die Unterstützung durch die vier gewerblichen Bürgschaftsgenossenschaften.
Ohne Standortförderung wäre der Bund nicht bei der Entwicklung von E-Government-Lösungen zur administrativen Entlastung der KMU engagiert - das E-Government des Bundes befreit die KMU in ihrer täglichen Arbeit von unnötiger administrativer Last.
Ohne Standortförderung gäbe es bei der Auslandvermarktung des Wirtschaftsstandortes Schweiz noch weniger Koordination zwischen den Kantonen. Dank der Standortförderung des Bundes werden in jährlich rund 1,5 Millionen Internetanwendersitzungen generelle Informationen über den Wirtschaftsstandort Schweiz konsultiert, pro Jahr werden 40 000 Broschüren und Dokumente an Interessenten versandt.
Insgesamt generiert die Osec jährlich Kontakte zu rund 6400 an einer Ansiedlung in der Schweiz interessierten Personen. Ohne Regionalpolitik wären in den vergangenen drei Jahren die durch die neue Regionalpolitik aufgegleisten rund 600 Projekte nicht initiiert worden. Wenn ich hier bei der Regionalpolitik bin, Herr Hassler: Es geht um die Entwicklung des ländlichen Raums, und der Einbezug der Grossagglomerationen ist gesetzlich nicht möglich. Mit anderen Worten: Die zwei zusätzlichen Stellen, die wir beantragen, sind nur für die Weiterentwicklung der vor vier Jahren beschlossenen Entwicklung des ländlichen Raums gedacht.
Lassen Sie mich noch ganz kurz auf das Kommissionspostulat 11.3466, "Nachhaltige Entwicklung und Standortförderung", eingehen. Vor zehn Jahren hat der Bundesrat seine strategischen Absichten und konkreten Handlungsanweisungen zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in der Schweiz in eine nationale Strategie zusammengefasst. Diese wird zurzeit für die Periode 2012-2015 erneuert. Sie ist auf Bundesebene, bei Kantonen und Gemeinden sowie bei privaten und institutionellen Akteuren gut platziert. Der Bundesrat versteht nachhaltige Entwicklung nicht als Sektoralpolitik, sondern als regulative Idee, die in alle Sektoralpolitiken einzubeziehen ist. Dabei vertritt er das Konzept "Schwache Nachhaltigkeit plus". Das heisst, eine Einbusse bei einer der drei Nachhaltigkeitsdimensionen wird bis zu einem gewissen Grad toleriert, solange bei den anderen zwei Nachhaltigkeitsdimensionen ein entsprechender Mehrwert geschaffen wird und die Einbusse nicht immer zulasten der gleichen Dimension, zum Beispiel der Umwelt, geht. Die Standortförderung hat zum Ziel, die Standortattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft zu erhöhen. Sie ist damit auf die Nachhaltigkeitsdimension der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ausgerichtet. Gleichzeitig
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AB 2011 N 811 / BO 2011 N 811
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muss sie die Kohärenz mit der Strategie der nachhaltigen Entwicklung anstreben und negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft möglichst vermeiden.
In allen Handlungsfeldern der Standortförderung sind Nachhaltigkeitsüberlegungen in der einen oder anderen Form relevant. Sie kommen aber nicht überall gleich stark zum Ausdruck. Besonders gut verankert sind die Grundsätze der Nachhaltigkeit in der Tourismus- und der Regionalpolitik. Lassen Sie mich das anhand des Beispiels Regionalpolitik erläutern: Als einer der Grundsätze ist im Bundesgesetz über Regionalpolitik festgehalten, dass die Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung berücksichtigt werden müssen. Die Programmvereinbarungen zwischen Bund und Kantonen halten fest, dass die Kantone den Nachweis einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen ihrer Umsetzung erbringen müssen. Die Kantone müssen deshalb ihre vierjährigen Umsetzungsprogramme sowohl im Voraus als auch im Nachhinein einer Nachhaltigkeitsbeurteilung unterziehen. Und schliesslich müssen die Kantone sicherstellen, dass die Grundsätze der Nachhaltigkeit bei der Beurteilung und Auswahl der Projekte berücksichtigt werden.
Sowohl in der Regionalpolitik als auch in der Tourismuspolitik dienen die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung als wertvolle Leitlinien und Orientierungshilfen für den Einsatz der Fördermassnahmen. Der Bundesrat ist deshalb bereit, im Hinblick auf die Botschaft zur Standortförderung 2016-2019 eine stärkere Integration der Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in die Gesamtstrategie zur Standortförderung zu prüfen. Er empfiehlt Ihnen die Annahme des Postulates.
Damit komme ich zum Schluss meiner Ausführungen. Lassen Sie mich noch einmal zusammenfassen: Die Botschaft legt langfristig eine Basis, damit die KMU den Strukturwandel möglichst gut bewältigen können. Es geht also um den dauerhaften Strukturwandel, der nötig ist, damit Einzelunternehmungen, Branchen und somit die Volkswirtschaft wettbewerbsmässig ganz an der Spitze bleiben. Die Botschaft stärkt unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb und leistet damit einen Beitrag zum Wohlstand dieses Landes, und sie schafft mehr Transparenz durch einen Gesamtüberblick über alle Instrumente der Standortförderung.