Nationalrat - Sommersession 2011 - Neunte Sitzung - 14.06.11-14h30
Conseil national - Session d'été 2011 - Neuvième séance - 14.06.11-14h30

09.069
Bundesgesetz
gegen den unlauteren Wettbewerb.
Änderung
Loi
contre la concurrence déloyale.
Modification
Differenzen - Divergences
Informationen CuriaVista
Informations CuriaVista
Informazioni CuriaVista
Botschaft des Bundesrates 02.09.09 (BBl 2009 6151)
Message du Conseil fédéral 02.09.09 (FF 2009 5539)
Ständerat/Conseil des Etats 29.09.10 (Erstrat - Premier Conseil)
Nationalrat/Conseil national 08.03.11 (Zweitrat - Deuxième Conseil)
Ständerat/Conseil des Etats 17.03.11 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 31.05.11 (Differenzen - Divergences)
Ständerat/Conseil des Etats 08.06.11 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 14.06.11 (Differenzen - Divergences)
Einigungskonferenz/Conférence de conciliation 15.06.11
Ständerat/Conseil des Etats 16.06.11 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 16.06.11 (Differenzen - Divergences)
Ständerat/Conseil des Etats 17.06.11 (Schlussabstimmung - Vote final)
Nationalrat/Conseil national 17.06.11 (Schlussabstimmung - Vote final)
Text des Erlasses (AS 2011 4909)
Texte de l'acte législatif (RO 2011 4909)

Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
Loi fédérale contre la concurrence déloyale

Art. 8
Antrag der Mehrheit
Unlauter handelt insbesondere, wer in missbräuchlicher Art und Weise allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet; allgemeine Geschäftsbedingungen sind missbräuchlich, wenn sie zusammen mit den übrigen Vertragsbestimmungen in Treu und Glauben verletzender Weise zum Nachteil der Konsumentinnen und Konsumenten ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen Pflichten verursachen.

Antrag der Minderheit
(Leutenegger Oberholzer, Jositsch, Nidegger, Pardini, Sommaruga Carlo, Thanei, von Graffenried, Wyss Brigit)
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Art. 8
Proposition de la majorité
Agit de façon déloyale celui qui, notamment, utilise abusivement des conditions générales; sont abusives les conditions générales qui, associées aux autres dispositions contractuelles et en contradiction avec les règles de la bonne foi, induisent, au détriment du consommateur, une disproportion notable et injustifiée entre les droits et les obligations découlant du contrat.

Proposition de la minorité
(Leutenegger Oberholzer, Jositsch, Nidegger, Pardini, Sommaruga Carlo, Thanei, von Graffenried, Wyss Brigit)
Adhérer à la décision du Conseil des Etats

Schneider-Ammann Johann N., Bundesrat: Der Bundesrat unterstützt weiterhin den Kompromiss des Ständerates und damit den Antrag der Minderheit Ihrer Kommission. Wir sind der Ansicht, dass die Formulierung des Ständerates schlanker und damit auch verständlicher ist. Sie ist deshalb in der Rechtsanwendung und der Rechtsauslegung einfacher und sicherer. Die Rechtssicherheit ist ein entscheidendes Kriterium.
Wenn Sie beim Antrag der Mehrheit bleiben und damit beim Antrag Fluri, ist mir einfach wichtig, dass Sie in der Einigungskonferenz einen der beiden Beschlüsse definitiv durchbringen. Der Antrag der Mehrheit könnte noch um die fünf Wörter "in missbräuchlicher Art und Weise" erleichtert werden, dann käme er der ständerätlichen Version nahe. Beide Versionen sind tragbar; entscheidend ist, dass das Gesetz mit den acht Änderungen, die einen Fortschritt bringen, durch die Schlussabstimmung kommt.
Ich empfehle Ihnen also, dem Kompromiss des Ständerates zuzustimmen.

Leutenegger Oberholzer Susanne (S, BL): Ich bitte Sie, dem Ständerat zu folgen. Was die Mehrheit hier macht, ist eine reine Zwängerei, das muss man sagen. Das stellen Sie auch fest, wenn Sie den Kompromissvorschlag des Ständerates lesen - den er im Übrigen einstimmig beschlossen hat - und ihn mit dem Antrag der Mehrheit vergleichen. Es kommt dazu, dass in der Kommission nicht einmal eine korrekte französische Übersetzung vorlag. Was jetzt auf der Fahne steht, ist ein anderer Text als derjenige, den wir in der Kommission zu hören bekamen. Es ist wichtig zu sehen, dass der Kompromissvorschlag des Ständerates den Anwendungsbereich auf die Verträge mit Konsumentinnen und Konsumenten einschränkt. Wir brauchen im UWG eine wirksame Regelung für die Überprüfung der allgemeinen Geschäftsbedingungen; das ist ein wesentliches Element im Kampf gegen den unlauteren Wettbewerb.
In diesem Sinn bitte ich Sie: Zwingen Sie uns nicht zur Einberufung einer Einigungskonferenz - das hiesse wirklich, die Ineffizienz des Rates auf die Spitze zu treiben. Bitte folgen Sie dem Ständerat, er hat wie gesagt einstimmig beschlossen. Diese Einigungskonferenz können wir uns sparen.

Le président (Germanier Jean-René, président): J'ai fait une entorse au règlement. Madame Leutenegger Oberholzer a défendu la proposition de la minorité dans le cadre d'une déclaration personnelle. Maintenant, ce sont les représentants des groupes qui s'expriment.

Fluri Kurt (RL, SO): Ich danke dem Ratspräsidenten für die grosszügige Auslegung des Begriffs der persönlichen Erklärung, die er schon vorhin angewendet hat. Nun hält er gewissermassen Gegenrecht.
Ich möchte es ganz kurz machen. Das Problem besteht darin, dass die eine Seite einen optimalen Konsumentenschutz möchte, die andere Seite keine abstrakte Normenkontrolle. Wir sind der Meinung, dass ein optimaler Konsumentenschutz gewährleistet ist, ohne dass diese abstrakte Normenkontrolle eingeführt wird, denn der Text, den wir jetzt vor uns haben, definiert, was rechtsmissbräuchlich ist. Er sagt am Schluss, dass ein Missverhältnis nicht nur vorgesehen, sondern verursacht worden sein muss. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Ich bitte Sie, die Kommissionsmehrheit zu unterstützen.

Sommaruga Carlo (S, GE), pour la commission: Avant d'en venir au problème qui nous occupe à l'article 8, permettez-moi, comme rapporteur représentant non seulement la majorité de la commission, mais aussi la minorité de langue française, d'émettre quelques critiques sur le fonctionnement de la commission au sujet de cette discussion.
En effet, nous nous trouvions, à 7 heures 30 le matin, face à une proposition qui venait d'être traduite, certes avec beaucoup de célérité, mais difficilement, sur un concept très technique; nous avons ensuite eu, au cours de la discussion, des modifications de la version allemande de la part de l'auteur de la proposition qui est désormais défendue par la majorité, avec toute la difficulté que cela représente d'avoir un texte français de bonne qualité, et ceci malgré la disponibilité du secrétariat de la commission.
Je pense que si l'on veut faire un travail sérieux et qu'on le fasse dans les deux langues, c'est-à-dire en français et en allemand, le minimum, c'est d'abord de nous donner les moyens de le faire et donc également de demander à nos collègues alémaniques de déposer peut-être leurs textes un peu plus tôt, pour nous permettre ensuite d'avoir des traductions de qualité.

AB 2011 N 1082 / BO 2011 N 1082

En ce qui concerne le fond, je dirai que nous avons donc d'un côté la position du Conseil des Etats, qui a été maintenue, et qui d'ailleurs est soutenue par les tenants de la défense des consommateurs et des consommatrices; de l'autre côté, nous avons une nouvelle proposition qui est soutenue par la majorité de la commission. Cette proposition se distingue de la version du Conseil des Etats en ce sens qu'elle ne prévoit pas un examen abstrait des conditions générales annexées à un contrat.
Il s'agit ici pour la majorité certes de modifier le texte actuel, mais de rester sur le principe clair d'un examen au cas par cas. C'est donc là un point de vue totalement différent de celui du Conseil des Etats.
Je vous demande ainsi d'adopter la proposition de la majorité de la commission.

Le président (Germanier Jean-René, président): Je me permets de nouveau une entorse au règlement, car Monsieur Jositsch a demandé la parole pour s'exprimer au nom du groupe socialiste.

Jositsch Daniel (S, ZH): Es geht nur noch um Artikel 8. Unser Rat hat bisher an der Regelung festgehalten, wie sie das geltende Recht vorsieht. Nun liegt eine neue Version, die im letzten Moment eingebracht worden ist, als Mehrheitsantrag vor. Die Minderheit beantragt Ihnen erneut die Version des Ständerates, beantragt Ihnen also, dem Kompromiss zwischen dem Entwurf des Bundesrates bzw. dem Beschluss des Ständerates und dem Beschluss des Nationalrates zuzustimmen.
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden Versionen, die nun vorliegen, rein verbal. Es gilt aber zu berücksichtigen, dass es hier auf jedes Wort ankommt. Artikel 8 ist eine zentrale Bestimmung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Es geht um die allgemeinen Geschäftsbedingungen, und diese enthalten ein erhebliches Missbrauchspotenzial. Für den Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten ist Artikel 8 daher eine zentrale Bestimmung. Das geltende Recht ist bisher toter Buchstabe geblieben, und deshalb muss etwas geändert werden.
Der Bundesrat hat zunächst eine sehr gute Version vorgeschlagen; diese wurde abgelehnt. Es liegt nun ein Kompromissvorschlag des Ständerates vor, der sich auf das Geschäftsverhältnis zu Konsumenten beschränkt. Die Bestimmung ist insofern eingeschränkt worden, als die allgemeinen Geschäftsbedingungen ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen vertraglichen Rechten und vertraglichen Pflichten schaffen müssen, und dies in Treu und Glauben verletzender Art und Weise, um als unlauter zu gelten. Das heisst, die Kompromissversion des Ständerates ist sehr eingeschränkt.
Die Version, die von der Mehrheit vorgeschlagen wird, ist überhastet eingebracht worden. Sie ist ausserdem sehr kompliziert, wie auch der Bundesrat ausgeführt hat. Sie ist repetitiv, sie wiederholt sich also gewissermassen. Damit entstehen Unsicherheiten. Die Version der Mehrheit ist insgesamt keine Verbesserung gegenüber dem geltenden Recht, sondern bringt zusätzliche Unsicherheiten mit sich.
Ich bitte Sie daher im Namen der SP-Fraktion, dem Antrag der Minderheit Leutenegger Oberholzer und damit der Kompromissversion des Ständerates zuzustimmen.

Markwalder Christa (RL, BE), für die Kommission: Die einzige Differenz, die bei der Änderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs verbleibt, ist die bei Artikel 8 zur Verwendung missbräuchlicher Geschäftsbedingungen.
Ich möchte nochmals wiederholen, dass allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) im heutigen Wirtschaftsleben und angesichts der steigenden Anzahl von Innominatkontrakten eine sehr wichtige Rolle spielen. Die standardisierten Vertragsbedingungen erlauben nämlich eine Rationalisierung von gleichartigen Vertragsabwicklungen. Das spart Kosten und Bürokratie auf beiden Seiten, sowohl aufseiten der Unternehmung als auch aufseiten des Kunden. Zudem schaffen die AGB Rechtssicherheit, indem die für die jeweilige Vertragsform relevanten Fragen umfassend geregelt werden.
Der Nationalrat hat sowohl in der Frühjahrssession als auch zu Beginn der Sommersession den Entscheid gefällt, an der bisherigen Bestimmung festzuhalten. Der Ständerat hat daraufhin einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet, der das Schutzbedürfnis von Konsumentinnen und Konsumenten höher gewichtet als jenes beim Geschäftsverkehr unter Firmen. In der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates wurde nun eine Modifizierung der ständerätlichen Fassung von Artikel 8 vorgeschlagen, die wie folgt lautet: "Unlauter handelt insbesondere, wer in missbräuchlicher Art und Weise allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet; allgemeine Geschäftsbedingungen sind missbräuchlich, wenn sie zusammen mit den übrigen Vertragsbestimmungen in Treu und Glauben verletzender Weise zum Nachteil der Konsumentinnen und Konsumenten ein erhebliches und ungerechtfertigtes Missverhältnis zwischen den vertraglichen Rechten und den vertraglichen Pflichten verursachen."
Die Kommission für Rechtsfragen Ihres Rates hat mit 15 zu 8 Stimmen beschlossen, diesem Kompromissvorschlag gegenüber der ständerätlichen Fassung - er ist also sozusagen der Kompromiss zum Kompromiss - den Vorzug zu geben.
Ich bitte Sie, der deutlichen Mehrheit Ihrer Kommission für Rechtsfragen zu folgen und diesem Vorschlag zuzustimmen.

Abstimmung - Vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 09.069/5810)
Für den Antrag der Mehrheit ... 84 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit ... 65 Stimmen

Le président (Germanier Jean-René, président): L'objet va en Conférence de conciliation.

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