Müller Geri (G, AG):
Gleich vorweg, es geht um einen Ordnungsantrag der Grünen, den ich jetzt hier vertreten werde. Er stammt also von der grünen Fraktion. Wir beantragen Ihnen, die Behandlung des Geschäftes 10.089, "Armeebericht 2010", auszusetzen und frühestens in der Wintersession 2011 wieder aufzunehmen. Warum? Das hat nichts mit dem momentanen Resultat zu tun, aufgrund dessen man uns sagen könnte: Na ja, jetzt habt ihr eine Niederlage erfahren, darum geht es euch. Das ist nicht die Idee.
Ich möchte Ihnen kurz erzählen, wie diese Kampffliegergeschichte wieder hier ins Parlament gekommen ist: Noch im Sommer 2010 hat der Bundesrat gesagt, es gebe keine neuen Kampfflieger. Die Parteien, vor allem auch die auf der rechten Seite, haben das aufgenommen und bestätigt. Man hat sich auf ein Militärbudget von rund 4 Milliarden Franken pro Jahr konzentriert. Die Kampfjets waren eigentlich aus den Augen. In der SiK-NR haben wir im Juni 2011 noch in diesem Sinne diskutiert, dann kam in der SiK-SR plötzlich der Antrag, Kampfjets anzuschaffen. Dies wurde dann an den folgenden Kommissionssitzungen der SiK-NR weiterverfolgt und bestätigt. Man hat zwar die Frage gestellt, wie man das denn finanzieren will, plötzlich hat dann aber auch der zuständige Bundesrat gesagt, das sei kein Problem. Obwohl das Budget bereits gemacht war, sollte man plötzlich von 4 auf 5 Milliarden Franken wechseln. Das sind 20 Prozent mehr, kein Schleck bei der momentanen Situation unserer Bundeskasse.
Wir haben jetzt drei Wochen lang eine Debatte geführt. Im Hin und Her zwischen Ständerat und Nationalrat sind wir jetzt zu einer Fassung gekommen, die nach diesem Ordnungsantrag noch ein bisschen zu diskutieren geben wird. Was wir aber vor allem haben, ist ein Zeitungsbericht, der Licht in diese seltsame Sache bringt. Nachdem man noch nach den Sommerferien gesagt hat, man müsse auf dieses Geschäft zurückkommen, weil ja jetzt diese Kampfjets dank dem Eurokurs billiger seien - dieses Argument klang gut -, hat man plötzlich festgestellt, dass da noch ganz andere Kräfte am Wirken sind. Ich finde es enorm wichtig, dass das Parlament Kenntnis nimmt von diesen Kräften, dass die Bevölkerung Kenntnis nimmt von diesen Kräften, dass man weiss, wer hier eigentlich ausserhalb des Parlamentes die Militärpolitik mitbestimmt.
Hier hören wir tagtäglich: Das Parlament ist verantwortlich für die
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AB 2011 N 1784 / BO 2011 N 1784
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Armee, die Regierung ist verantwortlich für die Armee, und am Schluss ist es das Volk. Hier stellt man plötzlich fest, dass Interessenvertreter eben auch eine Meinung einbringen. Sie haben es gestern im "Tages-Anzeiger" lesen können, dass der 17-köpfige Armeebeirat mit zwei Beiratsvertretern besetzt ist, die im Verdacht stehen, mit mindestens einer französischen Firma, die das Produkt Rafale verkauft, in Verbindung zu sein. Jetzt geht es wirklich darum herauszufinden: Was haben die genau für einen Einfluss gehabt, sei es auf die ständerätliche Kommission, sei es auf die nationalrätliche Kommission?
Die grüne Fraktion hat auch von der Geschäftsprüfungskommission verlangt, dass man Einblick in die Akten bekommt, um zu sehen, wie dieser Meinungsumschwung im Sommer 2011 zustande gekommen ist. Ich empfehle Ihnen sehr, auch im Interesse des Renommees des Parlamentes, die Behandlung dieses Geschäftes auszusetzen. Es wäre tragisch, wenn wir heute früh einen Beschluss fassen und dann später feststellen müssten, dass hier etwas passiert ist, was in Richtung Korruption gehen könnte.
Ich spreche nicht von ungefähr: Auch ich wurde als Mitglied der Aussenpolitischen Kommission in die französische Botschaft eingeladen, um Differenzen zwischen der Schweiz und der Republik Frankreich zu diskutieren. Das ging genau fünf Minuten. Dann stand ich vor Verkäufern dieses Rafale. Man versucht mit allen Mitteln, jetzt einen Flugzeugtyp zu verkaufen. Ich hätte sogar eine Woche hingehen und mir diesen Kampfjet genau anschauen können; dies einfach, damit man das weiss.
Es geht hier um sehr, sehr viel Geld. Es geht hier aber auch um das Renommee des Parlamentes. Es geht hier auch um einen Kampfflieger, der nicht den Schweizer Interessen entspricht, der auch etwas zu tun hat mit der Nato-Verbindlichkeit. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SVP, ich weiss nicht, ob es Ihnen wirklich recht ist, wenn wir uns in dieser Dimension bewegen.
In dem Sinne bitte ich Sie, diesen Ordnungsantrag der grünen Fraktion anzunehmen.