Pfister Gerhard (CE, ZG), für die Kommission:
Der Sprecher der Minderheit hat die Möglichkeit genutzt, seine Argumente, die für die Initiative sprechen, vorzulegen. Deshalb erlaube ich mir, nur noch die Gründe aufzuführen, die die Kommissionsmehrheit zum Entscheid brachten, dieser Initiative keine Folge zu geben.
Grundsätzlich sieht die Mehrheit keinen Handlungsbedarf. Sie findet zwar, das Milizparlament und seine Aufgaben und Anforderungen hätten sich verändert, die Anforderungen seien durchaus gestiegen, der Grundsatz sei aber nach wie vor richtig und ein Systemwechsel nicht angezeigt. Natürlich ist die Beanspruchung von Milizparlamentariern hoch, natürlich haben manche Parlamentarierinnen und Parlamentarier das Gefühl, für diese hohe Beanspruchung erhielten sie zu wenig Lohn. Es wäre dann aber noch zu fragen, wie viel es sein müsste, damit niemand mehr das Gefühl hätte, es sei zu wenig.
Grundsätzlich hat die Initiative einen Mangel. Sie äussert sich nicht klar zur Frage, ob es eigentlich tatsächlich um den grossen Systemwechsel von Miliz- zu Berufsparlament oder ob es primär um eine Erhöhung der Taggelder gehen soll, welche eine zusätzliche Beschäftigung im realen Leben draussen, wenn ich das so salopp sagen darf, überflüssig machen würde. Die Diskussion in der Kommission hat diese wesentliche Frage nicht geklärt.
Im Übrigen ist die Mehrheit der Kommission der Überzeugung, dass die Vorteile des Milizparlamentes dessen Nachteile klar überwiegen. Die Nachteile liegen - zumindest haben sich die Initianten so geäussert - vor allem in der grossen zeitlichen Beanspruchung der Parlamentarier. Aber Politik, besonders Politik auf Bundesebene, ist vermutlich eine der ganz wenigen Tätigkeiten im Leben, die man absolut freiwillig tun oder eben auch lassen kann. Gerade in Wahlkampfzeiten sieht man ja, dass die Zahl derer, die gerne einen dieser Sitze hier erreichen möchten, wesentlich grösser ist als die Zahl derer, die dann hier sitzen - offensichtlich ist das Amt attraktiv genug. Wer also das Gefühl hat, er oder sie könne dieses Amt aus zeitlichen Gründen nicht mit dem Berufs- oder Privatleben vereinbaren, kann problemlos aufhören.
Gerade das ist ein elementarer Vorteil des Milizparlamentes. Auch ein unfreiwilliges Ende der politischen Tätigkeit ist keine politische Katastrophe und keine persönliche Katastrophe, sondern man hat dann einfach wieder mehr Zeit für den Beruf, den man ausübt. Wenn Sie Berufsparlamente wie z. B. jenes in Deutschland ansehen, dann erkennen Sie, dass die Tendenz dort grösser ist, alles zu tun, um möglichst lange im Amt zu bleiben, dass man dann grosse Stäbe aufbaut, dass ein Zwang zu einem grossen Aktivismus besteht.
Letztendlich gibt es auch keine erkennbaren bzw. nachweisbaren qualitativen Differenzen zwischen Miliz- und Berufsparlament. Was Qualität bedeutet, ist in der Politik zudem eine normative Frage. Die Entscheide des schweizerischen Milizparlamentes sind aber vermutlich nicht massiv schlechter als die des Deutschen Bundestags. Im Gegenteil, dadurch, dass alle Parlamentarierinnen und Parlamentarier ihre konkrete Berufserfahrung in die politische Diskussion und Entscheidung einbringen, wird die Qualität durchaus erhöht. Weniger Professionalität bedeutet nicht zwangsläufig weniger Qualität. Zudem würde ein Berufsparlament und somit Politik als Beruf Probleme schaffen, wenn man einmal nicht mehr Parlamentarier ist. Karrieremöglichkeiten in der ausserpolitischen Berufswelt wären stark eingeschränkt, wenn man einmal zwölf Jahre weg vom Beruf wäre. Das würde aus Sicht der Mehrheit tendenziell zu Sesselkleberei führen, die noch stärker wäre als diejenige, die man einigen wenigen Parlamentariern jetzt schon vorwerfen könnte. Das Milizparlament ist aus Sicht der Mehrheit kein Mythos, wie der Initiant behauptet, sondern gelebte und bewährte Realität. Es ist im Gegenteil ein Mythos zu glauben, ein vollständig vom Staat finanzierter Parlamentarier habe mehr das Gemeinwohl im Auge als jemand, der mit einem beruflichen Hintergrund politisiert.
Zum Schluss erlaube ich mir eine persönliche Bemerkung: Die Vorstellung, das, was wir hier tun, als Beruf zu tun, täglich und ausschliesslich, hat für mich persönlich jetzt wirklich keinen solchen Reiz, dass ich mir das wirklich wünschen würde. So spannend ist das jetzt auch nicht, was wir hier tun.
Aus diesen Gründen, ausgenommen den letzten, beantragt Ihnen die Kommission mit 17 zu 9 Stimmen, der Initiative keine Folge zu geben.