von Siebenthal Erich (V, BE):
Die Motion "Wiederherstellung und Erhaltung von verbuschten und verwaldeten landwirtschaftlichen Nutzflächen" verlangt, dass wir das Problem der Verbuschung in unserem Lande angehen. Das dritte Landesforstinventar zeigt klar, wo wir mit der Verbuschung und Verwaldung in unserem Lande stehen. In der Stellungnahme des Bundesrates steht, dass die Verbuschung zwischen den Perioden 1983-1985 und 1993-1995 um 34 000 Hektaren zugenommen hat. In den Perioden zwischen 1993 und 1995 sowie 2004 und 2006 war eine Zunahme von 58 000 Hektaren zu verzeichnen. Das ist die Realität in unserem Lande. Das heisst, unser Land wächst langsam, aber sicher zu. Das ist ein schleichender Prozess. Wenn wir noch die Flächen dazunehmen würden, die wir jeden Tag verbauen, müsste uns das nachdenklich stimmen.
Zur Attraktivität und Vielfalt, die unser Land als Wohn- und Erholungsort so beliebt machen, trägt die wunderbare Natur einen grossen Teil bei. Dazu müssen wir Sorge tragen. Das ist unser Kapital. Es darf nicht sein, dass unser kleines Land immer mehr einwächst und die begrünten Flächen immer mehr abnehmen. Die Vielfalt ist die Schönheit unseres Landes.
Ich bin froh, dass der Bundesrat das Problem erkannt hat und handeln will. Die Motion geht ihm jedoch zu weit. Seine Argumentation, dass gerade eingewachsene Flächen eine hohe Biodiversität aufweisen, mag für die ersten Jahre zutreffen. Aber sobald nach einigen Jahren das Sonnenlicht nicht mehr bis auf den Boden kommt, nimmt die Biodiversität ab. Im Gegensatz dazu haben wir, wenn wir diese Flächen weiden oder einmal mähen, immer eine hohe Biodiversität.
Es kommt hinzu, dass jede offene Fläche, die wir unseren Nachkommen erhalten können, zur Nahrungsmittelversorgung beiträgt. Denn es könnten wieder einmal Zeiten kommen, in denen ein Überangebot von Nahrungsmitteln, wie es heute besteht, Geschichte ist.
Es ist mit viel Arbeit verbunden, Flächen, die eingewachsen sind, wiederherzustellen. Insofern habe ich Verständnis für die Antwort des Bundesrates. Er argumentiert, dass die Flexibilisierung der Waldflächenpolitik, das heisst keine zwingenden Aufforstungen mehr bei Rodungen in Gebieten, in denen wir einen Waldzuwachs haben, der Verbuschung entgegenwirke. Im kleinen Massstab mag das zutreffen, aber gegenüber den Flächen, die jeden Tag einwachsen, genügt diese Massnahme nicht. In der Agrarpolitik 2014-2017 gibt es auch einige Massnahmen, die eine gewisse Wirkung haben werden. Ich bin der Meinung, dass wir das Problem im Auge behalten müssen, denn bis heute hat diese Entwicklung immer nur zu einer Zunahme der Waldfläche geführt.
Darum bitte ich Sie, die Motion anzunehmen. Die UREK des Ständerates hat dann die Möglichkeit, sie noch zu ergänzen.