Leuenberger Moritz, Bundespräsident:
Herzlichen Dank für diese Debatte. Eine Vorbemerkung: Als ich mir die Voten von Herrn Béguelin und Herrn Leuenberger anhörte, dachte ich: Die Welt ist manchmal ungerecht. Rückmeldungen, die ich von betroffenen Kantonen und Gemeinden, vom Personal und von der Kundschaft habe, sind so viel differenzierter und zum Teil sogar sehr positiv. Da tut es mir irgendwie leid, dass ausgerechnet all die, die überhaupt nicht zufrieden sind, zu Ihnen gehen, sodass Sie ein so negatives Bild von diesen drei Unternehmungen kriegen. Ich selbst habe auch Rückmeldungen, und diese decken sich nicht gerade zu hundert Prozent mit den zum Teil etwas tristen Bildern, die hier gemalt worden sind.
Zunächst eine Bemerkung zu Herrn Bürgi, weil er den Grundsatz der Kontrolle angesprochen hat. Ich bin gerne bereit, diese Frage mit Ihnen vertieft zu prüfen, kann Ihnen aber nicht hundertprozentig folgen. Es ist schon so, dass der Eigner die politische Vorgabe macht, also den Service public definiert. In diesem Sinne umschreibt er die Zielvorstellung und kontrolliert nachher auch selber, ob das Unternehmen dieser Zielvorstellung gerecht geworden ist oder nicht. Ich sehe darin keinen unüberwindbaren Zielkonflikt.
Es gibt solche Zielkonflikte - beispielsweise dann, wenn es um die Sicherheit geht. Dort sehe ich solche Zielkonflikte. Zum Beispiel ist das Bundesamt für Verkehr daran interessiert, dass Infrastrukturen für die Bahn gebaut werden, und zwar günstig - in unserem Interesse, wir bezahlen sie ja. Hier kann es einen Zielkonflikt mit der Sicherheit geben, z. B. bei der Frage, ob ein Tunnel mit einer Röhre oder mit zwei Röhren gebaut wird. Da kann man in einen Zielkonflikt mit der Kostengünstigkeit und der Sicherheit der zukünftigen Bahnbenützer kommen. Deswegen bin ich dafür, dass man da eine Trennung vornimmt.
Es kann auch einen Zielkonflikt geben, wenn der Vertreter einer Region im Verwaltungsrat einer konzessionierten Transportunternehmung sitzt. Er möchte, dass seine Region gut bedient wird, gleichzeitig ist er in einem Verwaltungsrat und hätte dort ja eigentlich die Ziele des Unternehmens zu verfolgen. Weil es diese Zielkonflikte bei ein und derselben Person gab, haben wir bei den konzessionierten Transportunternehmungen eine systematische Entflechtung vorgenommen. Dies gilt auch für die SBB, wo der Verwaltungsrat
|
AB 2001 S 555 / BO 2001 E 555
|
ja vorher - auch politisch abgestützt - viel breiter zusammengesetzt war.
Aber so, wie wir es jetzt ausgestaltet haben, bin ich der Ansicht, dass der Vertreter des Bundes sowohl die Definition des Service public, die Zielvorgabe als auch die Kontrolle, ob das erreicht worden sei, durchaus unter einen Hut bekommen kann.
Es gibt schon Schwierigkeiten; ich skizziere Ihnen jetzt folgendes theoretisches Beispiel: Der Verwaltungsrat wählt einen CEO. Ich sage es extra abstrakt, damit man nicht über Personen redet. Der Bundesrat ist mit diesem CEO nicht einverstanden und sagt: Wir sind nicht dieser Meinung. Aber es ist die Kompetenz des Verwaltungsrates. Der Verwaltungsrat sagt: Ich mache das schon, das ist meine Verantwortung, ich trage sie; die Politik ist nicht zuständig. Er scheitert mit diesem CEO; es kommt nicht gut heraus. Dann kommen natürlich die parlamentarischen Vorstösse, und der Bundesrat muss den Kopf herhalten, er muss auch in den Medien den Kopf herhalten. In der öffentlichen Auffassung ist er schuld, dass es mit dem CEO nicht gegangen ist. Der Verwaltungsrat, der sagte, er trage dann die Verantwortung, ja, der trägt die - aber das sieht man nicht.
(Heiterkeit)
Ich sehe ein: Da ist eine Schwierigkeit, wo unser theoretisches Konstrukt mit der politischen Realität einfach nicht übereinstimmt. Dass wir deswegen eine Änderung machen und dann sagen, der Bundesrat müsse trotzdem das Okay zur Wahl eines CEO geben, diesen Schritt wage ich nicht. Das sind ja die Diskussionen, die in der GPK geführt werden. Zum Teil wird auch noch die FK in Seminarien beigezogen. Ich finde, dass wir die ersten Schritte, die dort gemacht werden, evaluieren sollten. Teilweise werden wir da vielleicht Korrekturen vornehmen.
Zu den einzelnen Betrieben, zunächst zur Post: Ich will betonen, dass die Post die Grundversorgungs-Dienstleistungen im letzten Jahr in guter Qualität und flächendeckend erbracht hat. Das mache ich deswegen, weil Sie sich so ausführlich kritisch mit der Post auseinander gesetzt haben. Die Kosten des Universaldienstes im Umfang von 4,5 Milliarden Franken konnten von der Post ohne staatliche Subventionen gedeckt werden. Die Post bietet auch weiterhin hohe Qualität an. Die Laufzeit der A-Post konnte verbessert werden. Die Paketzentren haben ihre Kapazitäten gesteigert. Die Laufzeiten konnten in 95 Prozent eingehalten werden. Auch gehören die Preise der schweizerischen Briefpost zu den tiefsten in Europa. Ihre Qualität steht ebenfalls im internationalen Vergleich an der Spitze. Die Kundenzufriedenheit - da kommen wir jetzt zu einer Differenz - konnte insgesamt gehalten und zum Teil verbessert werden. Aber Sie haben Recht: Die Post muss die Zufriedenheit der für sie wichtigen Geschäftskunden - Sie haben einen namentlich erwähnt - verbessern.
Die Post hat auch im letzten Jahr - das möchte ich hier jetzt auch sagen, weil praktisch der Eindruck entstanden ist, es gehe da nur um einen Abbau - neue Dienstleistungen und neue Produkte angeboten. Im laufenden Jahr hat die Paketpost ein neues Produkteangebot lanciert, PostPac Priority und PostPac Economy. Das ist jetzt alles Englisch - "das isch au e so öppis" -, aber wenn es Deutsch wäre, wären es wieder die Romands, und wenn es Französisch wäre, dann wären es die Deutschschweizer, die es nicht verstünden. Früher machte man das auf Lateinisch, und jetzt ist halt Englisch - aber auch das ist so ein operativer Entscheid, in den der Bundesrat sich jetzt nicht einmischt, sondern seine Englischkenntnisse übt, wenn er diese neuen Dienstleistungen staunend zur Kenntnis nimmt. PostPac Priority und PostPac Economy sind als neue "services" eingeführt worden. Und schliesslich hat Postfinance erfolgreich bewiesen, dass sie für Privatkunden neue Produkte lancieren kann, die Gelben Fonds, die Gelbe Lebensversicherung und das Gelbe Depositokonto.
Die Angestellten der Post sind mit ihrem Arbeitgeber mehrheitlich zufrieden. Es konnte ein Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt werden; hier stehen noch die Urabstimmungen in den Gewerkschaften aus.
Was das Poststellennetz angeht: Jeder Geschäftsbereich der Post führt eine eigene Rechnung; die zwischen den verschiedenen Bereichen bezogenen Dienstleistungen werden zu kostenbasierten Preisen abgerechnet. Auch die Kosten für die Benützung des Poststellennetzes werden nach diesem System den verschiedenen Bereichen der Post in Rechnung gestellt. Die Kosten des Poststellennetzes im Umfang von etwa 2 Milliarden Franken werden also nicht etwa nur von der Briefpost oder nur von der Paketpost getragen; auch die Wettbewerbsdienste tragen ihren Anteil an diesen Kosten - das sind aber marktgerechte Preise für die effektive Benützung des Netzes. Da die Kosten des Poststellennetzes so nicht vollumfänglich durch die verschiedenen Bereiche der Post finanziert werden können, bleiben ungedeckte Kosten von 500 Millionen Franken übrig, über die wir hier ja immer und immer wieder gesprochen haben. Sie werden vom Monopolbereich getragen; im Postgesetz ist das so vorgesehen.
Hier möchte ich es nur kurz nochmals sagen, weil wir ja schon mehrmals darüber gesprochen haben: Es geht bei der Veränderung des Poststellennetzes nicht um einen Abbau, es geht um einen Umbau. Ich habe hier über die Art und Weise, wie die Post das durchführt, differenziertere Rückmeldungen, als Sie sie offenbar haben. Natürlich habe auch ich gehört, dass das vielleicht etwas vom Kanton oder der Region abhängt, dass die Vertreter der Post das vielleicht nicht immer mit dem gleichen Geschick machen. Ich wurde von einer Nationalrätin auf einzelne Fälle aufmerksam gemacht, die mich etwas erschreckt haben; denen werde ich nachgehen. Auf der anderen Seite aber muss ich sagen: Ich habe einzelne Kantone - ich will sie, weil sie mit dem, was die Post macht, einverstanden sind, jetzt nicht an den Pranger stellen -, die zu mir kommen und ausdrücklich sagen: Bei uns ist das kein Problem, es ist sehr gut gegangen, diesen Umbau konnten wir gut machen. Manche Gegenden und Gemeinden fühlen sich jetzt besser versorgt als vorher. Das möchte ich einfach auch gesagt haben.
Der grösste Kommunikations- oder Vorgehensfehler in diesem Bereich durch die Post war vielleicht der, dass das als ein ganzes Paket - Paket im übertragenen Sinn - verkauft und beschlossen wurde, statt dass man überall sukzessive vorgegangen wäre. Dann hätte es wahrscheinlich gar nicht diese beängstigende Dimension angenommen. Das kann durchaus in diesem Sinn beobachtet werden.
Yellowworld haben Sie auch genannt. Da hat die Post mittlerweile ihre Geschäftsstrategie gewechselt und angepasst. Die neue Strategie ist jetzt etwas vorsichtiger. Yellowworld - auch ein englischer Begriff - wird zum zentralen Portal der Post. Es sollen primär Postdienste und nichts anderes angeboten werden. Allerdings können auch bei dieser redimensionierten Strategie keine absolut sicheren Aussagen über die weitere Entwicklung gemacht werden. Die Post ist sich bewusst, dass sie hier baldmöglichst die Ergebnisse verbessern muss. Wenn ihr das nicht gelingt - Sie haben gesagt: Flop; das ist auch ein englisches Wort -, dann müsste sie sich die Sache nochmals überlegen, würde ich mal auf Deutsch sagen.
Was die Auslandengagements der Post angeht, so verfolgt sie eine extrem vorsichtige Strategie. Die Post sichert sich so im Interesse der Kunden den Zugang zu weltweiten Netzwerken. Sie investiert nicht in eigene Infrastrukturen im Ausland. Stattdessen geht sie Kooperationen ein, zum Beispiel mit General Parcel im Paketbereich oder mit TNT im Expressbereich. So sichert sie sich natürlich Grosskunden; es ist sehr wichtig, dass sie das macht. Sie agiert erfolgreich als Dienstanbieterin im Ausland, um den Import und Export von Briefen und Paketen in der Schweiz sicherzustellen. Dieses Auslandengagement ist sicher notwendig. Da, finde ich, wurde durch die Post ein vorsichtiger, kluger Weg gewählt.
Nun zu den SBB: Insgesamt, muss ich auch hier sagen, sind die Zielvorgaben des Bundesrates im Jahr 2000 erreicht, zum Teil auch übertroffen worden. Eine Ausnahme ist die Mitarbeiterzufriedenheit, das haben Sie erwähnt; da gebe ich Ihnen Recht. Das ist der grosse Mangel, und da müssen sich die SBB verbessern. Es wurde von Herrn Leuenberger gesagt, diese Unzufriedenheit konzentriere sich auf den
|
AB 2001 S 556 / BO 2001 E 556
|
Verwaltungsrat, sie richte sich nicht gegen die Generaldirektion. Das ist eine etwas kühne Interpretation. Ich selbst teile sie nicht. Ich möchte hier sagen: Die SBB haben schwierige Zeiten hinter sich, schwierige Zeiten vor sich. Aber der Verwaltungsrat der SBB und der Verwaltungsratspräsident der SBB geniessen mein Vertrauen.
Ich möchte das hier auch deswegen gesagt haben, weil es sowohl den Verwaltungsrat als auch den Kadern einfach möglich sein muss, zu arbeiten und zu wissen, wo der Bundesrat steht. Ich setze diese Einschätzung neben die Ihrige. Wir haben mit dem Verwaltungsrat und den Kadern ständig Rapporte. Sie dürfen nicht meinen, wir würden nur einmal im Jahr miteinander über die Zielvorgaben sprechen; wir tun das regelmässig. Mit dem Departement wird es auf jeden Fall jeden Monat getan, mit mir sicher alle zwei Monate. Dieses Vertrauen, das ich durch diese Zusammenarbeit gewinne, möchte ich hier erwähnt haben.
Insgesamt zeigten sich fast 85 Prozent der Kunden und Kundinnen mit den Leistungen der SBB zufrieden. Ich nehme zur Kenntnis, dass die anderen 15 Prozent geradewegs und geschlossen zu Ihnen gegangen sind. Ich möchte aber der Gerechtigkeit halber die ganzen 100 Prozent beurteilen: Die Kundenzufriedenheit im Personenverkehr konnte gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden; im Güterverkehr ist sie konstant geblieben, aber wir erwarten hier eine Steigerung. Diese Frage gehört auch zu unseren ständigen Themata mit dem Verwaltungsrat.
Sie haben noch über das Engagement der SBB in England gesprochen. Auch hier wurde vorsichtig vorgegangen. Ich muss sagen, nachdem die Spielregeln in England mitten im Prozess geändert worden sind, haben die SBB zu Recht gesagt: Wir lassen nicht so mit uns umgehen, unser Engagement wird sich entsprechend anpassen. Aber dass die SBB einen Versuch unternommen und sich an diesem Wettbewerb beteiligt haben, ist gerade für die weitere Forderung, die Herr Leuenberger vorher gestellt hat, nämlich bezüglich der Kooperation mit Italien und Deutschland, absolut notwendig. Solche Aufgaben werden auf die Eisenbahnen zukommen: Wie verhält es sich international mit der Wettbewerbsfähigkeit? Wie kann die Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften durchgeführt werden? Um dies beantworten zu können, ist es wichtig, dass dieser Versuch - der Erfahrungen gebracht hat - gewagt worden ist. Aber eben, die Spielregeln wurden geändert, und die SBB wollen sich hier nicht in ein Abenteuer stürzen.
Zur Swisscom: Auch hier haben wir die Unzufriedenheit des Personals nicht verdrängt, sondern festgestellt, dass sie mit der grossen Umstrukturierung zusammenhängt. Besorgnis erregend würde es dann, wenn die Unzufriedenheit nicht beseitigt werden könnte. Im Jahr 2000 betrug die Personalfluktuation 18 Prozent und war bei den bis und mit 40-Jährigen und bei den über 40-Jährigen genau gleich hoch.
Es ist die Frage gestellt worden, warum wir im Verwaltungsrat nur einen Staatsvertreter haben. Uns genügt einer. Es ist in Tat und Wahrheit übrigens oft so, dass er zum Teil zusammen mit dem Verwaltungsratspräsidenten zu uns kommt. Der Verwaltungsrat ist klein, und der Staatsvertreter - es ist Herr Felix Rosenberg, Sie kennen ihn alle - macht diese Arbeit absolut gut. Im Verwaltungsrat ist es nicht so, dass er überstimmt würde. Wir brauchen nicht eine Quote - zwei oder drei, die sich besser durchsetzen könnten. Die wirkliche Arbeit besteht nicht darin, dass wir nur diesen einen Staatsvertreter überzeugen und mit ihm eine Diskussion führen müssen, sondern der Verwaltungsratspräsident selbst ist - wie gesagt - regelmässig bei den Besprechungen dabei, die wir für unsere Einflussnahme auf die Swisscom durchführen.
Von Herrn Stadler und Herrn Wicki ist die Frage aufgeworfen worden, ob die strategischen Ziele während der laufenden Geltungsdauer nicht häufiger angepasst werden müssten, beispielsweise was die Broadcasting Services angeht. Eine Anpassung der strategischen Ziele in diesem Bereich war nicht nötig, weil die Swisscom von sich aus auf den Verkauf verzichtet hat. Wenn ich sage "von sich aus", ist das natürlich auch so ein Fall: Da gab es auch Diskussionen, und Sie haben sich im Ständerat sehr klar geäussert. Aber es gehört schliesslich auch dazu, dass ein Unternehmen wie die Swisscom nicht nur Antennen für die Mobiltelefonie hat, sondern auch politische Antennen bis hinein in den Ständerat, und dann entsprechend reagiert. Andererseits, wenn das nötig gewesen wäre, hätten wir ja die Möglichkeit gehabt, den Staatsvertreter im Verwaltungsrat der Swisscom zu instruieren. Von daher ist es nicht nötig, dass man den Umweg macht, die strategischen Ziele neu zu formulieren. Eine solche formelle Instruktion haben wir übrigens damals ins Auge gefasst, und wir hätten so die Interessen des Bundes sichern können.
Die Vorarbeiten und die Gespräche mit den Unternehmen für die Revision der strategischen Ziele von Post und Swisscom sind bereits angelaufen. Die Revision der Eignerstrategie für die SBB ist für das nächste Jahr vorgesehen. Es ist geplant, den Entwurf der strategischen Ziele im Spätherbst den Gewerkschaften zur Stellungnahme zukommen zu lassen.
Der Bundesrat wird voraussichtlich im Dezember über die Ziele befinden. Zum einen werden die Vorgaben für die verschiedenen Geschäftsfelder der Unternehmen angepasst. Hier stehen Anpassungen an neue Marktverhältnisse, an neue Organisationsstrukturen im Vordergrund. Zum anderen wollen wir die Unternehmen auf nachhaltige und auch auf ethische Grundsätze verpflichten. Es bestehen in einzelnen Punkten noch Differenzen, über die ich an dieser Stelle jetzt nicht berichte, aber die Gespräche laufen. Zu diesen Grundsätzen gehören natürlich auch die Kaderlöhne, die jetzt wieder erwähnt worden sind. Ich habe es schon einmal gesagt: Wir wollen die Eckwerte für die Kaderlöhne in den strategischen Zielen berücksichtigen. Allerdings werden die Eckwerte nur in einer generell-abstrakten Weise festgelegt und nicht in absoluten Zahlen, wie das zum Teil gewünscht worden ist.
Das Folgende betrifft auch wieder die Frage von Herrn Stadler, ob die Leistungsaufträge angepasst werden sollen oder nicht: Die Unternehmen haben die Ziele, wie ich vorher bereits gesagt habe, insgesamt erreicht; allerdings hat z. B. die Post die finanziellen Vorgaben verfehlt, namentlich im Paketbereich und bei verschiedenen Wettbewerbsdiensten. Da sind Verbesserungen nötig. Die Zielerreichung und die Einhaltung der Leistungsaufträge werden im Rahmen von periodischen Aussprachen mit den Unternehmen laufend geprüft. Einmal jährlich - im Frühling - erstatten die Unternehmen umfassend Bericht. Der Bundesrat prüft dann, ob die Ziele erreicht worden sind. Dabei kontrollieren auch einzelne Ämter, wie das Bundesamt für Verkehr oder das Bundesamt für Kommunikation, die Einhaltung der gesetzlichen Leistungsaufträge und evaluieren die Reformen. Die Post muss ihrerseits die Qualität der Grundversorgung durch eine unabhängige Stelle überprüfen lassen.
Der Bundesrat wird in der nächsten Woche die neue Fernmeldeverordnung verabschieden. Dabei werden wir Anpassungen an die technische Entwicklung vornehmen, z. B. den ISDN-Anschluss als Teil der Grundversorgung definieren. Das heisst, ich werde es beantragen, aber ich nehme an, dass der Bundesrat damit einverstanden ist.
Bei der Post werden wir dem Parlament im kommenden Frühjahr eine Gesamtschau unterbreiten. Wir möchten alle hängigen Forderungen, die im Raum stehen - Erweiterung des Leistungsauftrages, Poststellendichte, progressive Marktöffnung und Finanzierung der Grundversorgung -, eingehend prüfen und mit Ihnen diskutieren. Bei den SBB werden wir im kommenden Frühjahr die neue Leistungsvereinbarung behandeln und dannzumal über neue Leistungsaufträge diskutieren.
Sie haben am Schluss noch gefragt, ob es politisch gesehen nicht einen Stimmungsumschwung bezüglich Liberalisierung und Privatisierung gebe, und was der Bundesrat daraus für Konsequenzen ziehe. Der Bundesrat hat all die Revisionen, die wir hier durchgeführt haben - Swisscom, Post, SBB -, nie mit dem Ziel der Liberalisierung oder der Privatisierung gemacht; nicht weil das ordnungspolitisch etwas Heiliges und Gutes sei, wollte er das durchziehen, sondern das Ziel
|
AB 2001 S 557 / BO 2001 E 557
|
war immer, den Service public, also die gleichmässige Bedienung zu kostengünstigen Preisen im ganzen Land, sicherzustellen. Die Mittel müssen jeweils angepasst werden.
Ein Kriterium, um diese Mittel anzupassen, ist durchaus das Vorgehen unserer Nachbarländer in der Europäischen Union. Wir hätten die Strommarktliberalisierung ja kaum in beiden Parlamenten beschlossen, wenn nicht die Entwicklung tatsächlich um unser Land herum so wäre und der Markt nicht tatsächlich die Grenzen überschreiten würde. Nie aber haben wir gesagt, wir glaubten an die Liberalisierung, wir glaubten an die Privatisierung, deswegen würden wir diese Revision machen. Gerade bei der Strommarktliberalisierung haben wir dieses Gesetz miteinander erarbeitet, damit die Sicherheit und Kostengünstigkeit bei den Konsumenten im gleichen Umfang garantiert sind, wie das vorher der Fall war. Das ist eigentlich die Triebfeder unseres politischen Handelns.
Dass wir z. B. die Vernehmlassungen für das weitere Vorgehen bei der Swisscom, das weitere Vorgehen auch bei der Post - Stichwort Postbank - als echte Vernehmlassungen ansehen, bei der solche Ängste zum Teil auch genannt werden, und dass wir das weitere Vorgehen in diesem Sinne anpassen und die ursprünglichen Ideen wieder verändern, gehört zur direkten Demokratie. Insofern nehmen wir auch auf die Stimmung und auf die Möglichkeit einer späteren Volksabstimmung und auf die Akzeptanz hier im Parlament Rücksicht. Da müssen wir flexibel sein.