Schiesser Fritz (RL, GL):
Es tut mir Leid, dass ich Sie um 13 Uhr noch mit einem Votum belästigen muss, das ich für den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) halten will. Ich bin als Vertreter des Ständerates Präsident des SNF; damit habe ich auch meine Interessenbindung offen gelegt. Eigentlich hätte ich in der Eingangsdebatte sprechen sollen. Dann hätte ich mehr Zeit zur Verfügung gehabt, und es wäre auch noch möglich gewesen, in einen Dialog mit dem Bundesrat zu treten. Ich will mein Votum wesentlich kürzen.
Für die Jahre 2005-2007 sind beim SNF Kürzungen von 230 Millionen Franken vorgesehen. Diese 230 Millionen sollen durch Rückstellungen kompensiert werden, die der SNF aufgrund seines heutigen Finanzierungssystems für Forschungsprojekte gemacht hat. Das heisst mit anderen Worten: Bei mehrjährigen Forschungsprojekten sind die Gelder entsprechend zurückgestellt worden, aber die Gelder sind verpflichtet. Dieses Vorgehen war - ich muss es sagen - der Bundesverwaltung, namentlich der Finanzverwaltung, schon verschiedentlich ein Dorn im Auge. Jetzt hat man eine Gelegenheit gefunden, dieses System zu beseitigen. Es wird geltend gemacht, dieses System widerspreche dem Subventionsgesetz. Ich frage mich, ob der SNF überhaupt dem Subventionsgesetz untersteht; darüber wäre noch zu diskutieren. Ich muss aber auch feststellen, dass die Eidgenössische Finanzkontrolle dieses System während Jahren kontrolliert und nie Beanstandungen vorgenommen hat. Mit dieser "Gesetzwidrigkeit" kann es also nicht so weit her sein.
Ich muss auch darauf hinweisen, dass die geplante Systemumstellung zu einem wesentlichen Aufwand aufseiten des SNF führen wird. Die grosse Befürchtung ist - das sage |
AB 2004 S 810 / BO 2004 E 810
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ich ganz klar -, dass 2008, wenn diese zweckgebundenen Reserven aufgebraucht sind, die entsprechenden Bundesgelder nicht mehr aufgestockt werden. Damit wäre der Forschungsstandort Schweiz erheblich beeinträchtigt - ganz erheblich beeinträchtigt. Ich habe vorhin den Finanzplan angeschaut. Die Ausführungen auf den Seiten 24ff. des Finanzplans sind nicht so verheissungsvoll, als dass man davon ausgehen könnte, 2008 wäre alles wieder eingerenkt.
Zum Systemwechsel: Wenn dieser Systemwechsel jetzt erfolgt, würde eine Massnahme des Entlastungsprogramms 2004 in der Budgetdebatte vorweggenommen. Beim Entlastungsprogramm 2004 wird der Entscheid über die Position von 230 Millionen Franken dannzumal gefallener Schnee sein, weil der heutige Entscheid gar nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Der SNF musste bereits im Oktober dieses Jahres beginnen, diese Umstellungen vorzunehmen.
Wir präjudizieren mit unserem heutigen Entscheid ganz klar einen Entscheid in Zusammenhang mit dem Entlastungsprogramm 2004. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir uns mindestens einen Moment darüber unterhalten, was das für den Nationalfonds bedeutet.
Ich habe keinen Antrag gestellt, Herr Bundesrat, diese 50 Millionen jetzt aufzustocken; nächstes Jahr wären es 80 Millionen, und im Jahr 2007 wären es 100 Millionen Franken. Es geht also um einen erklecklichen Betrag. Es geht mir aber darum, Ihnen mindestens bewusst zu machen, was das bedeutet: Es bedeutet weniger Sicherheit für die Forschenden. Bis jetzt wurden die Forschungseingaben sehr minuziös geprüft, und es konnte nur ein kleiner Teil der Gesuche überhaupt bewilligt werden. Nachdem nun vonseiten der ETH auch noch Gesuche an den Nationalfonds gestellt werden - weil auch anderenorts die Mittel knapper werden -, wird das für die Universitäten bedeuten, dass sie noch weniger bekommen werden. Der Präsident der Finanzdelegation, Kollege Hans Fünfschilling, hat das gemerkt und hat mich verschiedentlich darauf angesprochen, wahrscheinlich nicht zuletzt aus Sorge um die Universität Basel.
Warum habe ich auf einen Antrag verzichtet? Weil die Aussichten gering wären, hier damit durchzukommen. Die Finanzkommission hat auf ein entsprechendes Schreiben unserer WBK negativ reagiert, hat also den Bundesrat unterstützt. Gegen die Finanzkommission und den Bundesrat dürfte es schwierig sein, einen solchen Entscheid herbeizuführen, der auch für die Jahre 2006 und 2007 präjudizierlich wäre. Zudem wäre das Entlastungsprogramm 2004 damit praktisch Makulatur, weil dann entweder 230 Millionen Franken abgestrichen werden müssten oder eine Kompensation zu erfolgen hätte. Darüber sind wir uns eigentlich im Klaren.
Ich habe auch deshalb darauf verzichtet, einen Antrag zu stellen, um zu zeigen, dass auch vonseiten des Nationalfonds der gute Wille vorhanden ist und die Notwendigkeit erkannt wird, dass der Bundeshaushalt in Ordnung gebracht werden muss. Ich glaube, darüber müssen wir uns nicht lange unterhalten; wenn wir den Bundeshaushalt nicht ausgleichen können, sind auch die Gelder für die Forschung langfristig gefährdet. Aber für mich ist es ausserordentlich wichtig, dass vonseiten des Bundesrates eine deutliche Erklärung abgegeben wird, wonach im Jahre 2008 die Mittel des Nationalfonds wieder auf die Höhe aufgestockt werden, die dannzumal erforderlich ist. Wenn dann noch beschlossen wird, dass dannzumal Infrastrukturbeiträge gewährt werden sollen, sogenannte Overheads, wird das für den Nationalfonds im Jahre 2008 eine Erhöhung um etwa 120 Millionen Franken zur Folge haben.
Ich habe den Finanzplan bereits angesprochen. Ich habe gesehen, dass die Mittel für die Technologieförderung aufgestockt werden sollen, dass die Mittel für die Fachhochschulen aufgestockt werden sollen, dass für die Hochschulen aufgestockt werden soll. Ich habe gewisse Zweifel, ob diese Vorgaben wirklich eingehalten werden können. Ich wäre Herrn Bundesrat Merz dankbar, wenn er ein klares Bekenntnis zum Forschungsplatz und zum Wissenschaftsplatz Schweiz abgeben könnte. Denn wenn wir diese Aufstockung im Jahre 2008 nicht haben werden, dann wird der Nationalfonds Schaden nehmen - und mit ihm der schweizerische Forschungs- und Wissenschaftsplatz. Es wird insbesondere die Grundlagenforschung in der Schweiz erhebliche Beeinträchtigungen erleiden. Das wäre fatal für unser Land.
Ich erinnere Sie nur daran, dass wir am vorletzten Wochenende vonseiten des Souveräns ein ganz klares Verdikt erhalten haben, dass die Schweiz in Sachen Forschung und Wissenschaft an vorderster Stelle mithalten können soll. Heute sind wir dazu noch fähig. Ob wir das auch nach dem Jahre 2007 noch sein werden, ist eine andere Frage.
Herr Kollege Lauri als Präsident der Finanzkommission hat den Appell an die Politiker am Ende seines Eingangsvotums in seiner Wirkung sehr relativiert. Ich hoffe nicht, dass diese Relativierung auch diesen neuen Appell an den Bundesrat treffen wird: Herr Bundesrat Merz, geben Sie ein Zeichen für diesen Forschungs- und Wissenschaftsplatz Schweiz. Es ist ausserordentlich wichtig, dass wir junge, gescheite Köpfe in unserem Land behalten oder aus dem Ausland zurückholen können, damit sie hier forschen und hier ihre Leistungen erbringen. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir in einigen Jahren sehen, dass der Forschungsplatz Schweiz niedergeht, und das wäre fatal für den Wohlstand unseres Landes.