Fetz Anita (S, BS):
Es gibt eine Gruppe von Ländern, welche die Abgeltungssteuer ganz besonders brauchen, und zwar sind das die Entwicklungsländer.
1. Viele dieser Entwicklungsländer haben enormen Kapitalverlust dadurch, dass ihre reiche Schicht am Fiskus vorbei die Gelder ins Ausland bringt, unter anderem auch in die Schweiz, natürlich nicht nur.
2. Es fehlt ihnen die politische Macht, wie andere Länder auf den Finanzplatz Druck ausüben zu können, sodass sie zu ihrem Recht kommen.
3. Das ist für mich auch ein wichtiger Punkt: Sie werden auch nicht von einem automatischen Informationsaustausch profitieren können, wenn er dereinst kommt, weil viele von ihnen gar nicht über die entsprechende Infrastruktur und Datenlage verfügen, die man dafür brauchen würde.
Das war für uns der Grund, Ihnen vorzuschlagen, dass man Entwicklungsländern solche Verhandlungen und Abkommen anbieten sollte. Um die Sache einzuschränken, haben wir formuliert, dass es Länder sein müssen, mit denen die Schweiz Investitionsschutzabkommen abgeschlossen hat. Wir wollen natürlich nicht mit Unrechtsstaaten solche Abgeltungssteuerabkommen machen, sondern es sollen Staaten sein, die auch geprüft sind, um es einmal so auszudrücken.
Mir scheint ein ganz wichtiger Punkt auch folgender zu sein: Denken Sie daran, Steuergerechtigkeit, also die Rückgabe von Steuerfluchtgeldern, ist für Entwicklungsländer eine ganz zentrale Rahmenbedingung, damit Entwicklungshilfe, die wir dann wieder geben, überhaupt auf eine gewisse Resonanz stösst und eine Grundlage hat. Es macht ja keinen Sinn, wenn auf der einen Seite die reichen Schichten Geld am Fiskus vorbei ins Ausland bringen und wir anderseits Entwicklungshilfe leisten müssen, weil die Länder zum Teil viel zu arm sind, um entsprechende Infrastrukturen und anderes aufzubauen.
Mir ist klar, dass die Mehrheit hier drin wahrscheinlich obsiegen wird. Ich möchte dennoch an Sie appellieren: Denken Sie daran, es wäre auch für die Schweiz ein ganz wichtiges internationales Signal für ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie gerade Entwicklungsländern solche Abkommen anbieten würde. Es ist ja nicht so, dass wir dafür berühmt sind, dass wir uns für die Steuergerechtigkeit einsetzen. Wir sind zwar berühmt für die humanitäre Hilfe. Das ist auch schön, das ist auch gut. Aber ein wichtiger, ein substanzieller Schritt wäre
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AB 2012 S 294 / BO 2012 E 294
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eben auch, Entwicklungsländer von diesen Abkommen profitieren zu lassen.
Zum Schluss habe ich eine Frage an die Frau Finanzministerin und Bundespräsidentin: Sie haben ja in der Kommission gesagt, dass Sie für das Anliegen offen sind, dass Sie aber nicht diese Formulierung haben möchten. Deshalb möchte ich fragen: Gibt es bereits Verhandlungen mit Entwicklungsländern, oder sind solche Verhandlungen geplant? Oder teilen Sie die Ansicht, die von einem Vertreter einer Grossbank in der Kommission geäussert worden ist, dass Abgeltungssteuern ausschliesslich für den OECD-Bereich und auf keinen Fall ausserhalb des OECD-Bereiches gelten sollen?