Nationalrat - Frühjahrssession 1996 - Fünfte Sitzung - 07.03.96-08h00
Conseil national - Session de printemps 1996 - Cinquième séance - 07.03.96-08h00

95.3611
Motion Zwygart
Abtreibungspille RU 486
Motion Zwygart
Pilule abortive RU 486
Informationen CuriaVista
Informations CuriaVista
Informazioni CuriaVista

Wortlaut der Motion vom 20. Dezember 1995
Der Bundesrat wird eingeladen, durch geeignete Massnahmen dafür zu sorgen, dass die Abtreibungspille RU 486 in der Schweiz nicht zugelassen wird.

Texte de la motion du 20 décembre 1995
Le Conseil fédéral est chargé de prendre les mesures voulues pour que la commercialisation du RU 486 (pilule abortive) ne soit pas autorisée en Suisse.

Mitunterzeichner - Cosignataires: Baumberger, Bircher, Bonny, Borer Roland, Ducrot, Dünki, Fehr Hans, Giezendanner, Gusset, Hasler Ernst, Keller, Kunz, Loretan Otto, Maurer, Moser, Ruckstuhl, Ruf, Scherrer Werner, Schlüer, Schmid Odilo, Schmied Walter, Speck, Steffen, Steinemann, Widrig .... (25)

Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Am 23. November 1995 hat die Schweizerische Sanitätsdirektorenkonferenz beschlossen, die Herstellerfirma aufzufordern, ein Registrierungsgesuch für Mifepriston (RU 486) an die Interkantonale Kontrollstelle für Medikamente (IKS) einzugeben.
Aus folgenden Gründen ist eine Einführung dieser Abtreibungspille in der Schweiz nicht zuzulassen:
a. Psychologisch. Der Druck zur Abtreibung von Partner und Gesellschaft auf die betroffene Frau wird wachsen, wenn der technische Teil mittels Abtreibungspille auf den ersten Blick so einfach erscheint.
b. Juristisch. Nach geltendem Gesetz darf eine Schwangerschaft nur abgebrochen werden, wenn das Austragen des Kindes die Gesundheit der Frau gefährdet (medizinische Indikation). Mit RU 486 ist eine Ausweitung der - entgegen dem Gesetz - ohnehin bereits viel zu liberalen Abtreibungspraxis zu erwarten.
c. Medizinisch. Für den Arzt ist die Verabreichung von Pillen sicher einfacher als eine Operation. Dennoch ist bei RU 486 mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen (z. B. starke Schmerzen, Erbrechen, Schock und Kreislaufkollaps).
d. Ethisch. Je mehr diese Abtreibungspille ins Zentrum der Überlegungen gelangt, desto eher wird der Kern vergessen und verdrängt: Tod oder Leben eines ungeborenen Kindes. Es ist davon auszugehen, dass nach einer allfälligen Zulassung die Abtreibungspille RU 486 mit der Zeit zur "Pille danach" arrivieren wird; eine verhängnisvolle Entwicklung gegen den Menschen und seine Würde.

Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 31. Januar 1996
Rapport écrit du Conseil fédéral
du 31 janvier 1996
RU 486 ist ein Arzneimittel, für dessen Zulassung die Kantone zuständig sind. Diese haben mit der IKS eine gemeinsame Prüf- und Registrierstelle geschaffen, die über die Zulassung von Arzneimitteln in der Schweiz entscheidet. Die Zulassung eines Arzneimittels durch die IKS ist Voraussetzung für dessen Einfuhr und Anwendung in der Schweiz. Es liegt nicht in der Kompetenz des Bundesrates, auf die Zulassung von RU 486 in der Schweiz durch die IKS Einfluss zu nehmen.
In rechtlicher Hinsicht würde die Zulassung von RU 486 nichts daran ändern, dass auch in Zukunft die Voraussetzungen von Artikel 120 des Strafgesetzbuches für eine straflose Unterbrechung der Schwangerschaft eingehalten werden müssen.

AB 1996 N 181 / BO 1996 N 181


Schriftliche Erklärung des Bundesrates
Déclaration écrite du Conseil fédéral
Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.

Zwygart Otto (E, BE): In seiner kurzen Begründung stellt der Bundesrat fest, dass er nicht zuständig ist für die Anerkennung von Heilmitteln. Das trifft durchaus zu. Nun ist aber letztlich ein Grundproblem unserer Demokratie angesprochen. Wenn jemand zuständig ist, dann ist er auch rechenschaftspflichtig. Die Institution für die Anerkennung von Heilmitteln ist die IKS respektive die Sanitätsdirektorenkonferenz dahinter. Wem sind nun diese Institutionen rechenschaftspflichtig? Weil diese Institutionen, diese Gremien nirgends eingebunden sind, bin ich der Meinung, dass wir als Parlament durchaus die Möglichkeit haben, Weisungen zu geben.
Das Grundproblem, das ich angesprochen habe, betrifft natürlich auch andere Bereiche. Es geht um die Abtreibungspille RU 486. Der Bundesrat hält in seiner Antwort fest, dass sich bei einer allfälligen Zulassung in rechtlicher Hinsicht nichts verändern würde. Artikel 120 des Strafgesetzbuches für einen straflosen Abbruch der Schwangerschaft müsste eingehalten werden. Das ist einerseits selbstverständlich, anderseits finde ich es gut und bin ich dem Bundesrat dankbar, dass dies hier einmal mehr festgehalten wird.
Aber weniger schön ist die in der Antwort festgehaltene, mehr als höchst unehrliche Formulierung, nämlich die Verwendung des Ausdrucks "Unterbrechung der Schwangerschaft", denn etwas, das unterbrochen ist, kann eventuell später fortgesetzt werden. Bei einem getöteten Embryo ist das nicht der Fall. Wenn ein werdender Mensch getötet ist, bleibt er tot. Die Behörden, die das ermöglichen, tragen auch einen Teil der Verantwortung. Darum ist es fahrlässig, ja verwerflich, mit solch fragwürdigen Formulierungen falsche Illusionen zu wecken.
Es ist unbestreitbar, dass letztlich die werdende Mutter, die abtreibt, allein bleibt mit dem Bewusstsein: Ich habe einen Menschen getötet. Hier setzt auch die Frage ein, ob der Staat mit der scheinbar leichteren Tötung durch Medikamente nicht eine weitere Schleuse öffnet. RU 486 gaukelt das nämlich vor. Es wird nur eine Scheinerleichterung, eine verhängnisvolle Scheinerleichterung. Dazu möchte ich nicht Hand bieten. Es ist nicht von ungefähr, dass sich in der Schweiz niemand findet, der RU 486 anerkennen will, trotz den massiven Anstrengungen der Abtreibungsbefürworter.
Eine geöffnete Tür führt zu mehr Druck, zu mehr Druck auf allen Ebenen, vorab auf betroffene werdende Mütter, aber auch bei der betroffenen Ärzteschaft. Lange nicht alle Mediziner, lange nicht alle Gynäkologen befürworten diese Form des Eingriffes. Es geht aber auch um die andere Pflegeebene, um die Krankenschwestern und die Hebammen.
Die werdende Mutter, die einen Abbruch vorgenommen hat, bleibt allein mit dem Bewusstsein, dass sie etwas Unrechtes getan hat. Die Folgen des schlechten Gewissens werden erst später sichtbar. Darum sind es kurzsichtige Überlegungen, die die Krankenkassen zum Teil machen, wenn sie sagen, medikamentöse Abtreibung sei billiger. Sie machen keine Gesamtrechnung und stellen keine Überlegungen darüber an, welches die Spätfolgen sind. Ich habe das seinerzeit in einem Postulat zu den Spätfolgen der Abtreibung angezogen. Der Bundesrat war damals nicht gewillt, darauf einzutreten.
Vor diesen Hintergründen bitte ich Sie, meiner Motion zuzustimmen.

Sandoz Suzette (L, VD): M. Zwygart a soulevé un point qui mérite incontestablement notre réflexion. La question de la pilule abortive RU 486 est en effet préoccupante.
Cependant, si vous regardez la réponse du Conseil fédéral, vous verrez que celui-ci attire l'attention sur le fait que recourir à cette pilule exige le même respect des conditions légales que recourir à un avortement selon des méthodes traditionnelles.
Je suis personnellement tout à fait opposée à une libéralisation de l'avortement, mais en revanche, je considère que si l'on respecte les exigences légales, il n'y a pas plus de raisons de s'opposer de recourir à un moyen médical qu'à un autre. Le canton de Vaud a pris le même genre de disposition en ce qui concerne cette pilule, disant qu'elle ne pouvait être utilisée qu'en respectant les conditions légales relatives à l'avortement.
C'est dans cet état d'esprit, et parce que le Conseil fédéral y fait aussi allusion que, personnellement, je pourrai refuser la motion Zwygart.

Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Le Conseil fédéral vous invite également à rejeter cette motion, de façon évidente, parce qu'il a rempli sa fonction en donnant les règles selon lesquelles des avortements peuvent être réalisés dans ce pays; il a assumé sa fonction, qui est une fonction dans le cadre du Code pénal, et qui fixe très clairement les conditions qui doivent être remplies.
Il ne lui appartient, par contre, pas de juger des méthodes, d'autant plus qu'il ne s'agit pas dans ce cas d'un médicament et que la compétence pour enregistrer ou non des médicaments n'est pas entre les mains du Conseil fédéral. Donc, la seule réponse possible est de rejeter cette motion.
Mais il est clair que le problème demeure: le problème des attitudes des uns et des autres, des citoyennes et des citoyens de ce pays face à l'avortement n'est pas réglé; il n'est même pas touché, d'ailleurs, par l'introduction de ce nouveau moyen. Ce débat, qui a donné lieu à des votations populaires, à une claire réglementation également au niveau fédéral, est peut-être un débat qui peut reprendre; qui, de toute façon, dans l'âme et la conscience de nombreuses personnes, est permanent et jamais terminé.
De ce fait, je vous prie vraiment de considérer, en rejetant cette motion, qu'il n'y a là aucune modification de l'attitude du Conseil fédéral face à la réglementation en matière d'avortement.

Abstimmung - Vote
Für Überweisung der Motion .... 24 Stimmen
Dagegen .... 65 Stimmen

Rückkehr zum SeitenbeginnRemonter

Home