Genner Ruth (G, ZH):
Jede Art von Tabakkonsum verursacht Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder andere Erkrankungen. Jährlich sterben in der Schweiz 8000 Personen wegen des Tabakkonsums. Diese traurige Bilanz verlangt nach Massnahmen. Diese Massnahmen werden in einer Tabakpräventionspolitik formuliert, und die Tabaksteuern bilden einen Teil dieser Massnahmen.
Hohe Tabaksteuern retten Menschenleben. In diesem Kontext ist die vorliegende Motion der WAK zu sehen. Wir sind damit einverstanden, dass diese Motion in ein Postulat umgewandelt wird, wie das der Bundesrat vorgeschlagen hat.
Tabaksteuern sind primär als gesundheitspolitische und nicht als fiskalpolitische Massnahmen zu sehen. In diesem Sinne müsste eigentlich viel eher der Gesundheitsminister als der Finanzminister dasitzen. Aber wir wissen, dass Herr Bundesrat Merz auch ein bisschen Freude hat, dass über die Tabaksteuern noch etwas Geld in seine Kasse fliesst.
Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass der Bundesrat eine erfolgreichere Tabakpräventionspolitik macht als auch schon. Aber es ist immer noch - und das möchte ich doch unterstreichen - eine Politik der kleinen Schritte; und angesichts des Schadenvolumens, angesichts der gesundheitlichen Schäden durch Tabak wären eigentlich grössere Schritte gefragt. Wir sehen - vielleicht haben das einige von Ihnen in den Ferien auch selber bemerkt -, dass im EU-Raum in der Tabakprävention viel grössere und offensivere Schritte gemacht werden. Sie haben vielleicht festgestellt, dass viele öffentliche Gebäude und Plätze rauchfrei sind, dass Restaurants und Bars in Italien plötzlich mit Rauchverboten belegt sind. Das sind klare Signale, die in der EU jetzt beschlossen sind.
Es gilt, Todesfälle zu vermeiden. Es gilt auch, Passivraucherinnen und -raucher zu schützen. Zum Glück ist das nun auch im Bundeshaus passiert. Wir sind jetzt als Passivraucher viel besser geschützt als auch schon.
Die EU richtet die Tabaksteuer an der Konvention der Weltgesundheitsorganisation aus. Die Schweiz sollte folgen und die Konvention schnell ratifizieren. Der Bundesrat hat die Konvention im Juni 2004 unterschrieben. Ich hoffe, dass der Rat diese Konvention bald ratifiziert und vorwärts macht mit der Tabakprävention.
Nun wird immer wieder gesagt, dass hohe Tabaksteuern zu Schmuggel führen. So argumentierte auch der Bundesrat hier in der Antwort auf die Motion: Das Aufkommen von Schwarzmärkten und Schmuggel würde zu einem ernsthaften Risiko führen. Diese Behauptung wird vor allem von der Zigarettenindustrie aufgestellt; wir können feststellen: Preisunterschiede allein lösen kaum Schmuggel in grösserem Stil aus. Das organisierte Schmuggelgeschäft ist dort ein wirkliches Geschäft, wo Schlupflöcher bestehen. Es gilt deshalb, Schlupflöcher zu stopfen. Entsprechende Stichworte sind Scannen von Lastwagen, Einsatz von auf Tabak abgerichteten Spürhunden, Einführung von Steuermarken für Zigarettenpäckchen. Das sind Massnahmen, um Schmuggel verhindern zu können.
Hingegen schliesst das Festhalten an niedrigen Tabaksteuern kein Schlupfloch. Deshalb können wir die Politik der höheren Tabaksteuern wirklich fortsetzen, zumal wir auch sehen, wenn wir nach Deutschland und nach Frankreich schauen, dass die Zigaretten dort massiv teurer sind als bei uns. Da sind wir mit unseren gegenwärtigen 6 Franken noch gut dran.
Ich bin froh, wenn der Bundesrat die Präventionspolitik weiterführt und sich dem EU-Rahmen angleicht und eben auch eine Präventionspolitik verfolgt, die nicht primär dazu da ist, Steuern zu generieren, sondern ganz klar dazu da ist, Menschenleben zu retten.