Nationalrat - Herbstsession 2008 - Erste Sitzung - 15.09.08-14h30
Conseil national - Session d'automne 2008 - Première séance - 15.09.08-14h30

07.072
Forschung am Menschen.
Verfassungsbestimmung
Recherche sur l'être humain.
Article constitutionnel
Erstrat - Premier Conseil
Informationen CuriaVista
Informations CuriaVista
Informazioni CuriaVista
Botschaft des Bundesrates 12.09.07 (BBl 2007 6713)
Message du Conseil fédéral 12.09.07 (FF 2007 6345)
Nationalrat/Conseil national 15.09.08 (Erstrat - Premier Conseil)
Ständerat/Conseil des Etats 11.12.08 (Zweitrat - Deuxième Conseil)
Nationalrat/Conseil national 03.03.09 (Differenzen - Divergences)
Ständerat/Conseil des Etats 04.06.09 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 11.06.09 (Differenzen - Divergences)
Ständerat/Conseil des Etats 17.09.09 (Differenzen - Divergences)
Nationalrat/Conseil national 25.09.09 (Schlussabstimmung - Vote final)
Ständerat/Conseil des Etats 25.09.09 (Schlussabstimmung - Vote final)
Text des Erlasses (AS 2010 1569)
Texte de l'acte législatif (RO 2010 1569)

Le président (Bugnon André, président): Après le débat d'entrée en matière, nous traiterons en deux débats séparés l'article 118a alinéa 1 et l'article 118a alinéas 2 et 3 de la Constitution fédérale.

Bruderer Pascale (S, AG), für die Kommission: Die WBK hat sich an zwei Sitzungen intensiv mit dem Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen befasst, den der Bundesrat im Auftrag beider Kammern ausgearbeitet hat. Wir haben ein Hearing mit sieben Expertinnen und Experten aus ganz unterschiedlichen Gebieten durchgeführt; ich gehe auf dieses Hearing nicht näher ein, da dies in der französischsprachigen Berichterstattung gemacht wird.
Nun zur wahrscheinlich wichtigsten Frage: Warum braucht es überhaupt eine Verfassungsbestimmung zur Forschung am Menschen? Der neue Verfassungsartikel ist nötig, damit der Bund eine umfassende Zuständigkeit zur Regelung der Humanforschung erhält. Das ist nicht einfach die Einschätzung unserer Kommission, sondern die Meinung beider Räte. Wir haben bereits 2003 eine entsprechende Motion der WBK-SR (03.3007) angenommen; sie beauftragte den Bundesrat damit, einen Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen auszuarbeiten. Ausserdem verlangte sie, dass im Verfassungsartikel wesentliche Grundsätze für die Forschung am Menschen verankert werden. Der Ihnen vorliegende Verfassungsartikel bildet also die Grundlage für eine schweizweit einheitliche Regelung der Forschung am Menschen. Entsprechend formuliert der Entwurf die leitenden Prinzipien, denen die Forschung in diesem Bereich Rechnung zu tragen hat und auf denen das künftige Humanforschungsgesetz aufbauen soll.
Noch eine kurze Bemerkung zur aktuellen Gesetzgebung in der Schweiz zur Forschung am Menschen: Sie ist nicht nur lückenhaft, sondern auch uneinheitlich und unübersichtlich. Vorschriften bestehen sowohl auf Bundesebene als auch auf Kantonsebene. Ich könnte Ihnen all diese Vorschriften aufzählen, verschone Sie aber damit; die Liste ist drei A4-Seiten lang. Die heutigen Regelungen erfassen lediglich Teilbereiche der Forschung am Menschen, hauptsächlich die klinischen Versuche; auch sehen sie zum Teil für dieselben Fragen unterschiedliche Lösungen vor.
Diesen unbefriedigenden rechtlichen Zustand wollen und sollen wir also gemäss unserem eigenen Auftrag nun ändern, indem wir eine einheitliche Regelung, eine abschliessende Bundeslösung einführen. Das primäre, das wichtigste Ziel dieses Verfassungsartikels ist der Schutz von Würde und Persönlichkeit des Menschen in der Forschung. Dabei gilt es aber auch die Forschungsfreiheit zu wahren und der Bedeutung der Forschung für Gesundheit und Gesellschaft Rechnung zu tragen.
Diese Ziele sind denn auch gleich in Artikel 118a Absatz 1 so festgehalten. Ebenfalls in Absatz 1 definiert ist die Kompetenzgrundlage des Bundesgesetzgebers, zu regulieren. Wie ich nachher noch eingehender deutlich machen werde, ist dies eine begrenzte Regelungskompetenz: Sie gilt nämlich nur, soweit die Würde und Persönlichkeit des Menschen durch die aktuellen Regelungen nicht genügend sichergestellt werden und somit gefährdet sind. Der Geltungsbereich des Artikels wird also nicht durch bestimmte Fachbereiche wie die Medizin oder die Psychologie umschrieben, sondern durch das Gefährdungspotenzial. Auf den Punkt gebracht heisst das: Mit dem vorliegenden Artikel würde die Verfassung dem Gesetzgeber, dem Parlament, den Entscheid übertragen, welche Forschung aufgrund einer entsprechenden Gefährdungsanalyse geregelt werden soll.
Mit diesem Ansatz soll zum einen einer Überregulierung vorgebeugt werden; wo diese Gefährdung nicht vorliegt, soll also gar nicht erst geregelt werden, egal, um welches Forschungsgebiet es sich dabei handelt. Zum anderen ist dieser Ansatz viel dynamischer und aus unserer Sicht zukunftsgerichteter; heute noch nicht absehbare wissenschaftliche, z. B. technologische Entwicklungen in der Forschung können so aufgefangen werden, ohne dass die Verfassung wieder geändert oder angepasst werden muss. Dieser Ansatz hat unsere Kommission auch deshalb überzeugt, weil der Schutz des Menschen in der Forschung ja unabhängig vom Fachbereich gewährleistet sein soll. Wichtig ist dies nicht zuletzt deshalb, weil die Forschungsvorhaben zunehmend interdisziplinär ausgerichtet sind, und ausserdem ist so auch die Gleichbehandlung der verschiedenen Forschungsgebiete gewährleistet.
In Absatz 2 werden Grundsätze umschrieben, auf die wir nachher noch genauer zu sprechen kommen werden. In Absatz 3 verpflichtet sich der Bund zu Qualität und Transparenz im Rahmen der Forschung am Menschen. Wir haben in der Kommission verschiedene Konzepte geprüft und diskutiert. Die Minderheit II (Füglistaller) bevorzugt eine reine Kompetenznorm, die Mehrheit der Kommission steht hingegen zur vorliegenden Version des Artikels, inklusive Absatz 2 und Absatz 3. In Abweichung vom ursprünglichen bundesrätlichen Entwurf erwähnt die Fassung unserer Kommission explizit die Möglichkeit der stellvertretenden Zustimmung zu einem Forschungsprojekt durch eine gesetzliche Vertretung. Die so modifizierte Version des bundesrätlichen Entwurfes hat die Kommission mit 13 zu 10 Stimmen ohne Enthaltungen gutgeheissen.
Ich danke Ihnen für das Eintreten auf diese Vorlage. Eintreten war in der Kommission nicht bestritten.

Neirynck Jacques (CEg, VD), pour la commission: La législation relative à la recherche sur l'être humain en Suisse est actuellement lacunaire, hétérogène et peu cohérente. Les dispositions existantes au niveau fédéral ou cantonal portent uniquement sur certains aspects de la recherche, principalement les essais cliniques, et elles apportent des solutions différentes à des questions analogues. La Confédération souhaite remplacer cette situation juridique inadéquate par une solution uniforme, cohérente et exhaustive.
Ce projet donne à la Confédération une compétence étendue pour réglementer la recherche sur l'être humain. Son but est double: d'une part, assurer la protection de la dignité et de la personnalité de l'être humain dans la recherche et, d'autre part, garantir la liberté de la recherche, compte tenu de l'importance de celle-ci pour la société et la santé en particulier.
Le législateur fédéral ne peut réglementer la recherche que dans la mesure où la dignité ou la personnalité de l'être humain est menacée. Par conséquent, le domaine d'application de l'article constitutionnel est déterminé par le lieu d'antagonismes entre ces deux biens juridiques. En revanche, il n'est pas restreint à certaines disciplines comme la médecine ou la psychologie. D'une part, cette conception étendue évite les excès de réglementation; d'autre part, les évolutions scientifiques, imprévisibles aujourd'hui, peuvent être prises en compte ultérieurement par la loi sans qu'il faille modifier la Constitution. Le savoir est universel et il est vain de vouloir y repérer des frontières.
Le projet repose donc sur une acception large de la notion de "recherche sur l'être humain". On relèvera la prise de position claire et unanime des académies scientifiques suisses appuyée par le Fonds national suisse de la recherche scientifique et par la Conférence des recteurs des universités suisses, qui approuvent l'article dans son ensemble. Ces institutions insistent pour que la loi, qui se basera sur cet article, fasse bien la distinction entre, d'une part, la protection

AB 2008 N 1044 / BO 2008 N 1044
de la dignité et, d'autre part, celle de la personnalité, qui est régie par des lois existantes. En revanche, une minorité de chercheurs a exprimé la crainte que le concept étendu du domaine d'application rende précaire la recherche dans le domaine des sciences humaines comme la sociologie ou l'histoire. Ces chercheurs ont eu l'occasion d'en faire part à la commission.
L'article constitutionnel 118a formule quatre principes que le législateur doit respecter en la matière:
1. La recherche sur l'être humain ne peut être réalisée que si les personnes concernées ont donné leur consentement éclairé. Une exception à ce principe n'est permise que si la loi le prévoit.
2. Il n'est possible de réaliser des projets de recherche impliquant des personnes que si le rapport entre les risques et les bénéfices est proportionné.
3. La recherche sur des personnes incapables de discernement est autorisée, mais elle doit respecter des conditions plus strictes que la recherche sur des personnes capables de discernement. En particulier, des personnes incapables de discernement ne peuvent être impliquées dans un projet de recherche que si des résultats équivalents ne peuvent pas être obtenus avec des personnes capables de discernement. Lorsque la recherche sur une personne incapable de discernement ne permet pas d'escompter un bénéfice direct pour cette personne, les risques et les contraintes doivent être minimaux.
4. Tout projet de recherche doit être soumis à un examen avant sa réalisation. Cette expertise indépendante doit avoir établi que la protection de la personne participant à un projet est assurée.
Réunie pour sa première séance de la législature, la Commission de la science, de l'éducation et de la culture s'est consacrée une première fois au projet d'article constitutionnel. Après avoir auditionné longuement sept experts issus des domaines de la recherche, du droit et de l'éthique, la commission est entrée en matière sans avis contraire et a confirmé le bien-fondé de l'élaboration d'une disposition constitutionnelle.
Cependant, la question de la différenciation entre les niveaux de réglementation, à savoir le niveau de la Constitution et le niveau de la loi, a été particulièrement discutée et a fait apparaître des avis divergents. Pour cette raison, la commission a décidé de demander à l'administration de proposer des variantes. La commission a débattu de ces variantes lors de sa séance du mois d'avril 2008.
Par 13 voix contre 10 et aucune abstention, la commission a approuvé le projet du Conseil fédéral dans une version légèrement remaniée depuis sa séance précédente.
Par 13 voix contre 10, la commission a rejeté une proposition visant à réduire l'article constitutionnel à une simple norme de compétence qui, comme le prévoit l'alinéa 1 du projet du Conseil fédéral, habilite simplement la Confédération à édicter des dispositions sur la recherche sur l'être humain. Selon cette proposition, la Confédération devrait fixer dans une loi les véritables principes de la recherche sur l'être humain; cette proposition fait l'objet de la proposition de la minorité II (Füglistaller) de biffer l'alinéa 2 du projet. La minorité Graf Maya propose une rédaction légèrement différente de l'alinéa 1.
Par 16 voix contre 7, la commission a également rejeté une proposition visant à interdire la recherche sur les personnes incapables de discernement, tout en laissant à la loi le soin de prévoir des exceptions.
La majorité de la commission a souligné qu'il était impossible de renoncer à la recherche sur les personnes incapables de discernement, notamment des enfants ou des individus atteints de démence, car cela condamnerait ces catégories de personnes - alors même qu'il s'agit de les protéger plus particulièrement - à ne bénéficier des progrès de la médecine que dans une mesure très réduite.
La commission vous propose de rejeter ces propositions de minorité et de vous en tenir au texte du Conseil fédéral tel qu'il fut légèrement amendé par ses soins. Elle estime que les principes fondamentaux ont été de la sorte énoncés sous une forme claire et concise, susceptible de fonder une loi raisonnable.

Fiala Doris (RL, ZH): Die FDP-Fraktion unterstützt eine Regelung der Forschung am Menschen. Es muss darum gehen, einerseits die Würde und die Persönlichkeit des Menschen zu schützen und andererseits die Rahmenbedingungen für die Forschung so zu gestalten, dass sinnvolle und notwendige medizinische Forschung gefördert und sichergestellt werden kann. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Humanforschung müssen dabei klar definiert werden, und Grauzonen in der Praxis müssen vermieden werden. Der Forschungsstandort Schweiz ist durch die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung der biomedizinischen Forschung einer starken Konkurrenz ausgesetzt. Es ist daher von grosser Wichtigkeit, dass die Forschungsfreiheit mit den Verfassungsbestimmungen zur Forschung am Menschen nicht weiter eingeschränkt wird. Die in der Verfassung zu verankernde Handlungskompetenz des Bundes im Bereich der Humanforschung darf daher nicht weiter gehen, als es den in der Biomedizin-Konvention des Europarates festgehaltenen ethischen und moralischen Grundprinzipien entspricht. Zu Ihrer Erinnerung: Die Schweiz hat das Übereinkommen am 7. Mai 1999 unterzeichnet.
Nach Ansicht der freisinnig-liberalen Kommissionsmitglieder geht die Forderung in Absatz 2 Litera c jedoch über die Grundsätze der erwähnten Biomedizin-Konvention hinaus. Die in den Absätzen 2 und 3 stipulierten Grundsätze für eine Regelung der Forschung am Menschen werden seitens der FDP materiell unterstützt. Doch würde es aus juristischen Überlegungen heraus genügen, diese auf Gesetzesstufe festzuhalten. Aus unserer Sicht besteht keine Notwendigkeit, bestimmte Details auf Verfassungsstufe zu regeln. Sinn und Zweck ist es, in der Verfassung den Rahmen, Inhalt und Grundsätze aber im Gesetz festzuschreiben.
Die FDP-Fraktion beantragt Ihnen deshalb, den Antrag der Minderheit I (Graf Maya) zu Artikel 118a Absatz 1 abzulehnen, Absatz 2 Buchstabe a zu streichen, den Antrag der Minderheit Graf Maya zu Absatz 2 Buchstabe c abzulehnen sowie den Antrag der Minderheit II (Füglistaller) betreffend Kompetenznorm anzunehmen.

Perrinjaquet Sylvie (RL, NE): Avec cet article constitutionnel, la Confédération entend obtenir la compétence de régler la recherche sur l'être humain. Le but recherché est double: protéger la dignité humaine et garantir la liberté de la recherche, si importante à la bonne santé de notre société.
Le groupe radical-libéral partage entièrement ces deux objectifs. Oui, nous soutenons pleinement la protection de la dignité humaine, mais également tout autant la liberté de la recherche. Cependant, nous divergeons sur ce qui doit ou ne doit pas figurer dans notre Constitution fédérale par rapport à ce qui peut ou ce qui devrait figurer dans notre législation. A notre avis, l'inscription dans notre Constitution doit se limiter à l'alinéa 1.
Pourquoi? Tout d'abord, pour des raisons de contenu. Par cet alinéa, l'article constitutionnel entend s'appliquer à toute recherche sur l'être humain et ne se réduit pas exclusivement à la recherche biomédicale. Il concerne aussi bien les domaines des sciences humaines tels que l'histoire, la sociologie ou l'ethnologie que la recherche sur les genres, etc. Les alinéas 2 et 3, qui édictent des principes et des limites, des exceptions et des consentements à obtenir des personnes concernées, se réduisent implicitement à la recherche médicale. Il y a là, du point de vue du contenu, une incohérence manifeste avec l'alinéa 1.
Ensuite, pour des raisons juridiques: la construction de cet article est surprenante. L'alinéa 1 énonce effectivement des principes fondamentaux qu'il faut ériger au rang constitutionnel. Par contre, les alinéas 2 et 3 précisent la réglementation de certains points, voire des détails, ce qui à notre avis n'a pas sa place dans la Constitution, mais doit figurer dans la loi.
Ce que nous inscrivons dans notre Constitution n'est que difficilement modifiable. Nous sommes d'avis que c'est

AB 2008 N 1045 / BO 2008 N 1045
précisément pour cette raison que nous devons veiller à y ancrer les principes fondamentaux exclusivement - c'est le fait de l'alinéa 1. Pour conserver une lisibilité maximale des principes absolus qui doivent nous guider, la Constitution ne peut pas tout contenir, ni tout régler. Par principes fondamentaux, il ne faut en aucun cas comprendre qu'il s'agirait de grandes lignes; ce serait faire offense à notre charte fondamentale. Il s'agit bien évidemment de principes essentiels et très clairement contraignants pour le législateur que nous sommes.
Partant de là, nous sommes persuadés que la loi - un projet a déjà été élaboré et il sera retravaillé - qui fera suite à cet article constitutionnel réglera les différents principes ainsi que les limites, dans tous les détails, en respectant fidèlement les principes fondamentaux inscrits dans notre Constitution.
C'est dans le sens de la haute estime portée à notre charte fondamentale que le groupe radical-libéral vous invite à adopter la proposition de la minorité II de ne conserver que l'alinéa 1 qui érige au rang constitutionnel des principes absolus de dignité humaine et de liberté de la recherche.

Aubert Josiane (S, VD): L'article constitutionnel 118a, tel qu'il est proposé aujourd'hui, est déjà passé au crible de l'analyse de nombreux milieux intéressés et experts dans différents domaines. Il a été largement remodelé depuis la première version mise en consultation par le Conseil fédéral. Les associations qui représentent les personnes incapables de discernement, les médecins cliniciens, les chercheurs et autres groupes d'intérêts qui participent au programme de recherche - en milieu hospitalier ou en laboratoire - ont tous apporté leur éclairage. Ainsi, différents points de vue ont pu être pris en compte dans l'article sur lequel nous nous prononçons aujourd'hui.
Actuellement, la Suisse ne dispose pas de la base constitutionnelle nécessaire pour légiférer dans le domaine de la recherche sur l'être humain. Au gré des nécessités, les cantons ont mis en place des réglementations et des commissions éthiques qui permettent de fixer des standards minimaux, mais ces réglementations diffèrent par leur portée, leur contenu et leur niveau de détail.
La Confédération ne dispose pas à ce jour de compétences spécifiques dans le domaine qui nous intéresse, à l'exception de quelques normes disparates dans des domaines particuliers, tels que les essais cliniques, les produits thérapeutiques, l'information et le consentement des sujets de recherche.
Pour les socialistes, cette situation législative fragmentaire est insatisfaisante, car elle est lacunaire et en partie incohérente. Il est nécessaire d'arriver sans tarder à une solution au niveau de la Confédération pour réglementer la recherche sur l'être humain en Suisse de manière uniforme et étendue.
Le but premier de l'article 118a est d'assurer la protection de la dignité et de la personnalité de l'être humain dans la recherche. Dans ce sens, l'article n'est pas limité uniquement aux recherches biomédicales, mais permet d'intervenir dès que la dignité d'une personne ou la protection de sa personnalité peut être compromise par une recherche. Cette formulation permet d'éviter une délimitation peu pertinente et fluctuante des sciences biomédicales ainsi qu'une modification du champ d'application à chaque nouvelle découverte.
Les programmes de recherche qui procèdent à des "anonymisations" des données récoltées ne seront pas pénalisés, et c'est la loi qui réglera avec précision ce qui doit être entendu par "anonymisation". Car lorsque la loi aura traité ces questions au niveau national, la situation sera simplifiée pour les chercheurs, y compris dans les sciences humaines. Ils ne seront plus confrontés à de multiples réglementations et diverses commissions d'éthique au niveau des cantons.
Cette prééminence des droits fondamentaux des personnes sur la liberté de la recherche affirmée à l'alinéa 1 est indispensable pour les socialistes. Cet alinéa souligne aussi l'importance de la recherche pour la santé et la société, élément fondamental à nos yeux. La recherche touche l'individu lorsqu'il doit décider de participer ou non à un programme de recherche, mais elle a aussi une dimension pour l'avenir au service de l'ensemble de la société. C'est dans cet esprit que les socialistes soutiendront la majorité à l'alinéa 1 et rejetteront donc la proposition de la minorité Graf Maya.
L'alinéa 2 de l'article fixe des principes forts qui tiennent compte des valeurs éthiques et d'une hiérarchisation des droits mis en perspective avec la liberté de la recherche. Parmi ces principes fondamentaux figurent le consentement éclairé du sujet de la recherche, la proportionnalité entre les risques et les contraintes prévisibles d'une part et les bénéfices potentiels de l'autre et, enfin, l'évaluation de chaque projet par une commission d'éthique indépendante. Ces principes ont été repris par la Convention de biomédecine du Conseil de l'Europe, que la Suisse a ratifiée récemment. Nous voulons les voir ancrés au niveau de l'article constitutionnel. Nous souhaitons que la population puisse se prononcer en sachant quelles valeurs seront prises en compte et protégées.
Par conséquent, le groupe socialiste rejettera avec vigueur la proposition de la minorité II (Füglistaller) ainsi que la proposition subsidiaire, si la minorité II ne gagne pas, qui vise à biffer les alinéas 2 et 3 ou à les remplacer par une liste dénuée de valeurs éthiques, ce qui est inacceptable de notre point de vue. Un tel article tronqué enlèverait toute chance d'acceptation par la population, car il renverrait à la loi toutes les questions délicates. Les électeurs auraient l'impression justifiée de donner un chèque en blanc au législateur. Une telle version n'aura pas le soutien des socialistes.
Le groupe socialiste entrera donc en matière et combattra la proposition de la minorité II (Füglistaller).

Widmer Hans (S, LU): Das Wichtigste, was die SP-Fraktion zum Eintreten meint, wurde bereits gesagt. Ich möchte mich vor allem zu den Bedenken, welche eine ganze Schar von Geisteswissenschafterinnen und Geisteswissenschaftern in den letzten Tagen aufgebracht hat, äussern. Eine böse Bemerkung kann ich mir hier nicht verklemmen, wie man so schön sagt, nämlich: Haben diese Damen und Herren genau gelesen - wie Geisteswissenschafterinnen und Geisteswissenschafter es tun müssen - und gesehen, was eigentlich gemeint ist? Ich nenne vier Stichworte, um ihre Bedenken zu bekämpfen.
Erstes Stichwort: gefährdungsbezogene Gesetzgebungskompetenz. Wir dürfen nicht übersehen: Absatz 1 redet nur von einer gefährdungsbezogenen und nicht von einer unbegrenzten Gesetzgebungskompetenz. Ein Forschungsgesetz kann deshalb nur dann erlassen werden, wenn der Schutz von Würde und Persönlichkeit des Menschen dies erfordert.
Zweites Stichwort: Gefährdungsanalyse. In einem solchen Fall hat das Parlament erst nach einer Gefährdungsanalyse zu entscheiden, für welche Forschungsbereiche es überhaupt ein Gesetz erlassen will. Weil ein allfälliges Gesetz forschungsbereichsbezogen ist, muss dann nicht jedes Forschungsprojekt zwingend auf das Gefährdungspotenzial hin überprüft werden. Bei einer solchen Analyse ist vor allem Folgendes zu fragen: Gibt es diesen Schutz nicht bereits im Bereich der normalen Rechtsordnung? Da möchte ich den Historikern und Historikerinnen ihre Ängste nehmen: Wir haben schon Schutzbestimmungen im ZGB, im Datenschutzgesetz usw. Übertreiben Sie also nicht, es muss nicht noch mehr geschützt werden. Wenn Sie das Gefühl haben, es sei jetzt schon zu viel geschützt, dann müssen Sie nicht gegen diesen Artikel kämpfen, sondern dann müssen Sie das Datenschutzgesetz, das Archivierungsgesetz usw. verändern. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis.
Drittes Stichwort: Opferschutz. Hinter dem Verfassungsartikel steht als Ziel primär die Idee des Opferschutzes, nicht die Idee des Täterschutzes. Aufgrund dieser Überlegungen bildet der Verfassungsartikel keine Kompetenzgrundlage für anonym erhobene und anonymisierte Daten, für Forschungen mit anonym gewonnenem und anonymisiertem biologischem Material, für Forschungen mit nichtanonymisierten Daten aus nicht besonders sensiblen Lebensbereichen wie Mobilitätsforschungen oder Konsumforschung, also mit Material aus normalen sozialen Settings. Ich weiss nicht,

AB 2008 N 1046 / BO 2008 N 1046
warum diese Damen und Herren jetzt ein solches Gezeter loslassen, nachdem sie heute schon mit den jetzigen Gesetzen konfrontiert sind. Dieser Verfassungsartikel mit seinen Eckwerten will nur die gefährdungsbezogene Kompetenz, er ist nicht grenzenlos.
Viertes Stichwort: Die Forschungsfreiheit steht an zweiter Stelle und muss berücksichtigt werden. Sie kommt unmittelbar nach dem Schutz: Wenn der Schutz nicht gewährt ist, und das muss nachgewiesen werden, dann kommt bei der Stipulierung eines neuen Gesetzes sogleich das Thema der Forschungsfreiheit. Sie steht ganz oben - so hoch oben, dass gewisse Leute hier das Gefühl haben, das sei zu viel. Aber der Verfassungsartikel ist eine fantastisch austarierte Architektur mit drei Hierarchieebenen: Erstens muss es eine neue Gesetzgebung geben, wenn der Schutz gefährdet ist; zweitens Forschungsfreiheit; drittens die gesellschaftliche Relevanz. Ich werde in einem zweiten Votum, bei der Bekämpfung des Antrages der Minderheit II (Füglistaller), noch etwas mehr über die inhaltlichen Eckwerte sagen.

Graf Maya (G, BL): Ein zentrales Anliegen der Grünen ist der Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeit. Dieser Schutz soll auch bei den vielfältigen, noch unbekannten und in Zukunft wohl zunehmenden Forschungen an und mit Menschen im Zentrum stehen und immer Vorrang vor der Forschungsfreiheit haben. Genau dies ist ja die Grundlage des neuen Verfassungsartikels. Die Gesetzgebung der Schweiz dazu ist heute lückenhaft und unübersichtlich. Der medizinische Fortschritt verläuft rasant; neue Forschungsvorhaben stellen die Frage nach den Grenzen des Schutzes der teilnehmenden Personen, aber auch des Schutzes von menschlichem Material und von Daten von Embryonen, wie das Beispiel der umstrittenen und erst kürzlich geregelten Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen zeigt.
Grundlagenforschung dient, anders als die therapeutische Praxis, nicht direkt und ausschliesslich dem Nutzen und Wohl der betroffenen Einzelpersonen; bei Forschung geht es, und das ist auch richtig so, in erster Linie um Erkenntnisgewinn und Wissensvermehrung. Der einzelne Mensch und sein Wohlergehen stehen dabei nicht im Mittelpunkt; die Forschung will Erkenntnisse, die über die Gruppe hinausgehen, um dann eben Lösungen für die Praxis zu erarbeiten. Daher brauchen die an Forschungsvorhaben teilnehmenden Personen, die für wissenschaftliche, also fremde Interessen Risiken auf sich nehmen, Belastungen ertragen oder persönliche Informationen preisgeben, einen ganz besonderen Schutz. Dazu soll eben dieser Verfassungsartikel dienen; unter dieser Prämisse muss er stehen.
Die grüne Fraktion hat eine intensive Diskussion darüber geführt, denn sie befürwortet einheitliche gesetzliche Regelungen. Die Grünen sind die einzige Partei, die sich aus ethischen Überlegungen immer dagegen ausgesprochen hat, dass an Urteilsunfähigen Forschung betrieben werden kann, die ihren Gesundheitszustand nicht verbessert, ihnen aber neue Risiken und Belastungen bringt. Das ist auch der Grund dafür, dass die grüne Fraktion in der Frühjahrssession die Bioethik-Konvention abgelehnt hat.
Für die schwächsten Menschen unserer Gesellschaft muss ein besonderer Schutz gelten. Den haben wir heute in der Bundesverfassung: Artikel 7 mit dem Schutz der Menschenwürde, Artikel 10 mit den Persönlichkeitsrechten und Artikel 11 mit dem besonderen Schutz der Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen. Es gibt also nach Ansicht der Grünen keinen Grund, diese Grundrechte durch einen neuen Verfassungsartikel zugunsten der Forschungsfreiheit aufzuweichen, wie dies mit der Formulierung in Absatz 2 Buchstabe c geschieht. Dort wird die grüne Fraktion der Minderheit I (Graf Maya) deutlich folgen. Gibt es keine Zustimmung zu dieser Minderheit, so sind die Grünen nicht bereit, diese Türe explizit und erstmals zu öffnen. Konsequenterweise müssten wir dann die Streichung des ganzen Absatzes 2 unterstützen.

Vischer Daniel (G, ZH): Zunächst gebe ich meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Mitglied der sogenannt Spezialisierten Unterkommission Psychiatrie, Neurologie, Neurochirurgie der Ethikkommission des Kantons Zürich. Damit habe ich in gewissem Sinn meine erste Bemerkung bereits eingeleitet: Es ist ja nicht so, dass wir nicht in allen Forschungsbereichen schon gesetzliche Grundlagen haben. Bereits heute verfügen wir im Bereich der medizinischen Forschung über hinreichende gesetzliche Grundlagen. Das führt dazu, dass alle medizinischen Forschungsprojekte durch Ethikkommissionen bzw. spezialisierte Ethikkommissionen bewilligt werden müssen. Das ist gut so. Ich muss Ihnen aber auch Folgendes sagen: Da es sich nur um eine Nihil-obstat-Prüfung handelt, muss man sich heute auch fragen, ob genau diese Ethiklabel nicht auch missbraucht werden - nicht zuletzt von grossen Pharmakonzernen. Denn ein Nihil-obstat-Verdikt heisst noch lange nicht, dass die Prüfung eines Humanforschungsvorhabens ergeben hat, dass es ethisch tatsächlich zu bejahen sei; es heisst nur, dass dem Forschungsvorhaben aus ethischer Sicht nichts Grundsätzliches entgegensteht, was ein wesentlicher Unterschied ist.
Zum vorgesehenen Verfassungsartikel: Ich habe mich gefragt, ob es diesen Verfassungsartikel überhaupt braucht, weil wir im zentralen Bereich der medizinischen Forschung die Grundlagen ja schon haben. Warum braucht es diesen Verfassungsartikel? Es ist eine gewisse Krankheit gutmeinender Gesetzgebung, immer zu denken, man müsse alle Widersprüchlichkeiten in der Verfassung auflösen. Bereits heute haben wir zwei Grundsatzbestimmungen in der Verfassung: Wir haben auf der einen Seite den Schutz der Persönlichkeit und der Menschenwürde, und wir haben auf der anderen Seite die Forschungsfreiheit. Dies ergibt einen Widerspruch, und dieser ist im Einzelfall nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit und des Vorrangs des Grundrechtsschutzes - Letzteres sei unterstrichen - aufzulösen.
Offenbar wollte das zuständige Bundesamt hier weiter gehen, es wollte einen neuen Verfassungsartikel für Forschung mit schwerwiegenden Eingriffen am Menschen formulieren, die durch die Bestimmung zur medizinischen Forschung nicht abgedeckt sind. Zum einen wird ein Kompetenzartikel erlassen, zum anderen werden vier Grundsätze verfassungsmässig legiferiert. Dieser Kompetenzartikel hat in den Medien bereits zu Missverständnissen geführt. Es wehrten sich Sozialforscher und Sozialforscherinnen, es wehrten sich Forscher und Forscherinnen aus anderen Bereichen. Die ETH war auch am Ball, man redete da von irgendwelchen Einzelgesetzgebern in irgendeinem Bundesamt, die die Forschungsfreiheit tangieren wollten. Dem ist in diesem Sinne nicht so, weil Artikel 118a Absatz 1 gemäss richtiger Auslegung nur dann zum Zuge kommt, wenn die Forschung am Menschen den weiteren Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte erfordert. Das ist bei einem sozialwissenschaftlichen Forschungsvorhaben dergestalt nicht der Fall, d. h., diesbezüglich kommt dieser Kompetenzartikel nicht zum Zuge, und es wird auch kein entsprechendes Gesetz erlassen. Insofern zielt die Kritik nach meinem Dafürhalten in die Leere.
Kommen wir zu Absatz 2. Absatz 2 hat die wesentliche Bestimmung, dass auch Forschungsvorhaben mit urteilsunfähigen Personen grundsätzlich statuiert und erlaubt werden. Das ist ein gewisser Widerspruch zu Absatz 1. Absatz 1 besagt, nur für schwerwiegende Eingriffe in Bezug auf die Würde und die Persönlichkeit des Menschen brauche es Gesetzesbestimmungen. Gerade für diese Fälle - wir reden nur von diesen Fällen - wird die Erlaubnis, an Urteilsunfähigen Forschung zu betreiben, nun gewissermassen zur Grundmaxime erhoben. Dies erweckt Skepsis und Bedenken. Denn gerade für diese Fälle - es geht nur um schwerwiegende Eingriffe in die Persönlichkeit und die Menschenwürde - sollte die Forschung an Urteilsunfähigen vom Grundsatz her eigentlich ausgeschlossen werden und, über eine restriktive Ausnahmeklausel, nur in Ausnahmen zugelassen werden - im Sinne des Minderheitsantrages I (Graf Maya). Gerade weil das so ist, lehnen wir diesen Absatz 2

AB 2008 N 1047 / BO 2008 N 1047
ab, wenn der Antrag der Minderheit I keine Mehrheit erhält. Wird der Antrag der Minderheit I abgelehnt, dann enthält das Gesetz - mit Verlaub gesagt - nämlich eigentlich nur noch unnötiges Blabla, das aufgrund aller Verfassungsgrundsätze ohnehin gilt. Wir wollen keinen Blabla-Artikel, der gewissermassen als Essenz nur die Forschung an Urteilsunfähigen auf Verfassungsebene vorschreibt. Wenn der Antrag der Minderheit I abgelehnt wird, kann man sich übrigens auch fragen: Brauchen wir dieses Gesetz überhaupt noch, oder ist es nicht einfach nur gut gemeint?

Widmer Hans (S, LU): Herr Kollege Vischer, nur eine ganz kurze Frage: Ist Ihnen bewusst, dass zwar diese dreissig bis vierzig Einzelpersonen diesen Artikel ablehnen, dass aber der Dachverband, die Schweizerische Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften, ganz explizit dahintersteht? Ist Ihnen das bekannt? Sie ziehen in Ihrem Votum einfach Einzelne als Autoritäten heran.

Vischer Daniel (G, ZH): Herr Widmer, sorry, aber Sie haben mir nicht richtig zugehört. Ich habe gesagt, dass ich die Kritik der Sozialwissenschafter nicht für haltbar halte. In diesem Sinne hat die Akademie Recht. Mein Einwand mit Bezug auf die Unzurechnungsfähigkeit usw. als Essenz meiner Ablehnung, wenn der Minderheitsantrag I (Graf Maya) nicht angenommen wird, hat kein "My" mit dem zu tun, was Sie mich jetzt fragen. Sie haben das falsch verstanden. Ich lehne das Gesetz nicht wegen der Sozialwissenschafter ab, weil sie diese Verfassungsbestimmung gar nicht brauchen, weil für sie gar nie ein Spezialgesetz erlassen wird.

Füglistaller Lieni (V, AG): Der Bundesrat betont in seiner Botschaft mehrmals, dass die heutige Gesetzgebung zur Forschung am Menschen lückenhaft, uneinheitlich und unübersichtlich sei und deshalb nun mit einem Verfassungsartikel eine umfassende Zuständigkeit zur Regelung dieser Forschung am Menschen zu schaffen sei. Die SVP lehnte in der Vernehmlassung sowohl den Verfassungsentwurf als auch den Entwurf des Bundesgesetzes in der damals vorgelegten Form ab. Es ist deshalb festzuhalten, dass die jetzt vorliegende Botschaft eine grundlegend neue Ausrichtung gegenüber dem Vernehmlassungsentwurf bringt. Nachdem in der Vernehmlassung eigentlich nur über die Regulierung der Forschung im Gesundheitsbereich diskutiert wurde, werden nun tatsächlich alle Forschungen erfasst, welche irgendwie den Menschen betreffen. Nach dieser erheblichen Ausweitung umfasst der Geltungsbereich neu sämtliche historischen sozial- und geisteswissenschaftlichen Forschungen.
Es ist störend, dass sich zu dieser grundlegenden Änderung des Regelungskonzeptes die breite Öffentlichkeit und die betroffenen Wissenschaften nicht äussern konnten. Einerseits im Sinne eines Entgegenkommens, andererseits in Sorge um den Forschungsplatz Schweiz sind wir bereit, trotzdem auf die Vorlage einzutreten und die entsprechenden Diskussionen zu führen. Forschung ist und bleibt ein zentraler Bestandteil des Menschseins. Forschung am Menschen im Bereich der Gesundheit ist sicherlich eine grundlegende Aufgabe. Ohne diese Forschung, welche eigentlich immer durch drei N geprägt war, nämlich Neugier, Nutzen und Nachhaltigkeit, hätten wir wohl kaum derartige Möglichkeiten zur Behandlung von Krankheiten. Allerdings möchten wir klar und deutlich festhalten, dass in der Schweiz bei dieser Thematik nicht die Situation besteht, dass es rechtliche oder ethische Missstände gibt oder dass die Meinungen über Zulässigkeit und Grenzen der Forschung weit auseinandergehen. Es scheint uns enorm wichtig, diesen Umstand zu betonen. Allein deshalb können wir nicht nachvollziehen, warum das zuständige Departement bereits auf Verfassungsstufe detaillierte Regelungen und Verbote will. Liegt es wohl am zuständigen Bundesamt für Gesundheit, das ja in der Tendenz gerne solche Verbote erlässt?
Die SVP hat bereits in der Vernehmlassung den Antrag gestellt, den Verfassungstext lediglich auf eine Kompetenznorm zu reduzieren. Ebenfalls festgestellt werden kann, dass auch Hearing-Teilnehmer an der Ausdehnung und Festlegung von entsprechenden Grundsätzen in der Verfassung zweifelten. Das BAG lehnte eine solche einfache Kompetenznorm immer ab, mit der Begründung, dass allfällig die Zulässigkeit der Forschung ohne unmittelbaren Nutzen an Urteilsunfähigen als nicht verfassungskonform kritisiert werden könnte. Ebenfalls könnten Aspekte der Forschung am Menschen, welche Verfassungsgehalt aufweisen, lediglich auf Gesetzesstufe festgelegt werden und wären damit vergleichsweise leicht zu ändern. Für andere ähnlich sensible Bereiche, zum Beispiel die Fortpflanzungsmedizin und die Gentechnologie im Humanbereich, die in Artikel 119 der Bundesverfassung geregelt sind, seien solche Grundsätze ebenfalls auf Verfassungsstufe aufgenommen worden.
Diese Auslegeordnung der Verwaltung vermag die SVP-Fraktion nicht zu überzeugen. Die Grundsätze stammen eigentlich ausschliesslich aus der klinischen medizinischen Forschung, was auch aus der Botschaft hervorgeht, wo der Bundesrat bezüglich der Probleme in der Forschung praktisch nur Beispiele aus der Biomedizin und der Psychiatrie aufzeigt, nicht aber aus anderen Wissenschaftsdisziplinen. Diese sogenannten Grundsätze finden sich zudem bereits in anderen Erlassen, Vorschriften oder Richtlinien, welche eben die Biomedizin betreffen. Ebenfalls als wichtige Anliegen in der Bundesverfassung bereits hinreichend geregelt sind sowohl der Schutz der Menschenwürde wie auch die Beachtung der Forschungsfreiheit, sodass für solche Redundanzen im Verfassungstext eigentlich keine Notwendigkeit bestünde.
Die SVP-Fraktion tritt trotzdem auf die Vorlage ein, um eine Grundlage für eine entsprechende Gesetzesregelung zu haben, welche dann den einzelnen Forschungssparten entspricht und den verschiedensten Bedürfnissen naturgemäss besser gerecht werden kann. Wir wollen damit eine Stärkung des Forschungsplatzes Schweiz, eine unserer wichtigsten Ressourcen, keinen einschränkenden unnötigen Ballast in der Verfassung, der niemandem etwas bringt. Ich möchte Sie in diesem Saal diesbezüglich auch daran erinnern: Wir können nicht laufend finanzielle Mittel für die Forschung beschliessen - zum Beispiel für das 7. EU-Rahmenprogramm oder die Beiträge im Rahmen der BFI-Botschaft, das sind Milliardenbeschlüsse -, um dann die gleiche Forschung wieder mit unnötigen Rahmenbedingungen zu behindern. Sollten Sie also diesem Bundesbeschluss in der vom Bundesrat vorgeschlagenen Fassung oder sogar den noch weiter gehenden Anträgen zustimmen, wird die SVP-Fraktion diesen Erlass bekämpfen, und zwar im Interesse unserer Volkswirtschaft und des Forschungsplatzes Schweiz, aber auch im Interesse unserer Bildung und des entsprechenden Umfelds. Wie wollen Sie Begeisterung für Naturwissenschaften, Technikforschung wecken, wenn Sie beispielsweise eben Biotechnologie, Nanotechnologie, Kernkraft, Gentechnologie, Chemie usw. dauernd und ausschliesslich als etwas Negatives darstellen? Deshalb bitten wir Sie dringend, sich bei den entsprechenden Beschlüssen der Problematik für unseren Forschungs- und Wissensplatz Schweiz bewusst zu sein.
Sie wissen, dass mit der Vernehmlassung zur Verfassungsänderung auch bereits ein entsprechender Gesetzentwurf in die Vernehmlassung ging. Da findet sich wieder der gleiche Geist des Überregulierens, mit dem Resultat, dass die entsprechenden Gesetzesvorlagen klar KMU-feindlich sind. Im entsprechenden KMU-Verträglichkeitstest, welcher vom Seco durchgeführt wurde, steht wörtlich: "Drastisch wären die Auswirkungen auf die Investitionen in der Schweiz. Die grosse Mehrzahl der Firmen gab klar zu verstehen, dass sie im Fall einer Annahme des Vorhabens ihre davon betroffenen Aktivitäten ins Ausland verlagern würden." Das wäre kein grosser Schritt, denn Forschung ist heute international. Es ist der SVP durchaus bewusst, dass zwischenzeitlich an der Vorlage Verbesserungen vorgenommen worden sind. Ich möchte Ihnen lediglich die offensichtliche negative Geisteshaltung im BAG darlegen, welches wahrscheinlich dann das Gesetz wiederum ausarbeitet.
Die SVP-Fraktion tritt unter diesen Vorbehalten auf die Vorlage ein und wird das Konzept der Minderheit II (Füglistaller),

AB 2008 N 1048 / BO 2008 N 1048
eine einfache Kompetenznorm in der Verfassung festzuschreiben, unterstützen. Sollte dieses Anliegen keinen Erfolg haben, würden wir die Vorlage als untauglich ablehnen und auch in der Volksabstimmung bekämpfen.
Wir bitten Sie deshalb, unserem Konzept zu folgen, und danken Ihnen für die Unterstützung.

Bruderer Pascale (S, AG): Herr Füglistaller, könnten Sie mir bitte noch ganz genau sagen, worauf sich der KMU-Artikel in der Zeitschrift "Die Volkswirtschaft" bezogen hat? Hat er sich auf diesen Verfassungsartikel bezogen? Hat er sich nicht eher auf das Humanforschungsgesetz bezogen, welches im Entwurf vorliegt? Worauf bezieht sich der Passus, den Sie zitiert haben?

Füglistaller Lieni (V, AG): Die Vernehmlassung bezog sich auf das ganze Gesetz, inklusive Verfassung. Das Seco hat in einem ausführlichen Bericht festgehalten, dass das eben sowohl Gesetz als auch Verfassung betrifft. Ich habe das als Beispiel angeführt, um zu zeigen, wie schwierig es ist, eine solche Gesetzesvorlage so zu machen, dass sie den KMU auch dient.

Aeschbacher Ruedi (CEg, ZH): Die Forschung am Menschen beschlägt ein sehr heikles, ethisch sehr sensibles Gebiet. Daher ist die EVP hier besonders aufmerksam und hat die Vorlage auch engagiert angeschaut. Ich möchte dafür danken, dass wir zum Eintreten ein paar Minuten Zeit haben, unsere Haltung darzulegen, die Fragen aus unserer Sicht zu beleuchten.
Es gibt hier zahlreiche Interessen, die Forschung möglichst frei ablaufen zu lassen. Es ist zum Ersten das ganz klare Interesse aller Menschen, dass die Medizin weitere medizinische Fortschritte erreichen kann, dass die Forschung weitere Medikamente hervorbringen kann, immer in der Hoffnung, dass heute noch schwer heilbare oder unheilbare Krankheiten besser behandelt werden könnten, dass es uns allen in Bezug auf die Gesundheit besser gehen könnte. Zum Zweiten gibt es die Interessen der Forschenden; hier ist es die Neugier, hier sind es aber auch der Ehrgeiz und das Renommee der Forschergruppen. Als Drittes kommen die Forschungsinstitute, die Universitäten. Hier geht es ebenfalls um Anerkennung, hier geht es um Renommee; man will möglichst interessante, gute Forschungsresultate erreichen und einen Platz in der Forschergemeinde haben. Schliesslich, last, but not least, ist da die Wirtschaft, die von der Forschung natürlich entsprechende Resultate erwartet, die aber auch die Forschung finanziert und selbstverständlich dann auch kommerziell entsprechend nutzen will. Das Votum der Sprecherin der FDP-Fraktion hat das deutlich gezeigt. Das Stichwort "Forschungsstandort Schweiz" ist als allererstes gefallen.
Wir von der EVP möchten hier die Gewichte anders setzen. Es kommt nicht zuerst die Forschung, es kommen nicht zuerst die Interessen der Forschenden und ihre Neugier, und es kommen auch nicht zuerst die Interessen der Menschen, die hoffen, irgendwann einmal noch bessere Medikamente zu bekommen. An erster Stelle müssen die Würde des Menschen und der Schutz seiner Persönlichkeit stehen. Hier setzen wir die Gewichte etwas anders, als es der Bundesrat und die Mehrheit der Kommission gemacht haben. Es geht nämlich nicht nur um Menschen, die frei entscheiden können, die entscheidfähig sind; es geht bei diesen Forschungsvorhaben gerade auch um Menschen, die einen Defekt haben, die nicht mehr frei entscheiden können und die einen ganz besonderen Schutz brauchen. Deshalb werden wir bei allen Fragen, bei denen es darum geht, diesen Schutz zu verstärken, auf der Seite jener stehen, die hier entsprechende Anträge gestellt haben. Das ist in erster Linie die Minderheit I (Graf Maya).
Wir sind uns nicht ganz sicher, ob es nur bei diesem Verfassungsartikel bleiben oder ob das entsprechende Gesetz tatsächlich auch kommen wird; das Humanforschungsgesetz ist uns ja versprochen worden. Deshalb habe ich auch Einzelanträge gestellt - wir waren in der Kommission nicht vertreten und mussten diesen Weg wählen -, mit denen ich den Verfassungsartikel noch deutlicher konkretisieren wollte. Ich wollte auch den Schutz dort einbringen, obwohl er allenfalls auch auf der Gesetzesstufe hätte eingebracht werden können. Wir sind aber nicht sicher, ob dieses Gesetz kommt und wie es am Schluss aussieht. Es geht um so wichtige Interessen, dass wir den Schutz hier festnageln wollen.
Ich komme zum Schluss: Es scheint mir nicht hundertprozentig geglückt zu sein, bei diesem Verfassungsartikel die Balance zu halten. Es muss ein stärkeres Gewicht auf die Interessen der Menschenwürde und den Schutz der Persönlichkeit gelegt werden.

Häberli-Koller Brigitte (CEg, TG): Mit diesem Verfassungsartikel soll der Bund verpflichtet werden, bei der Erfüllung seiner Aufgaben, so beim Erlass von Vorschriften zur Forschung am Menschen oder auch bei der Forschungsförderung, für Qualität und für Transparenz bei der Forschung am Menschen zu sorgen. Der Verfassungsartikel weist ja folgenden Aufbau auf: Absatz 1 begründet die Zuständigkeit des Bundes für den Erlass von Vorschriften über die Forschung am Menschen. Er nennt die damit verfolgten Ziele und die relevanten Rechtsgüter. Absatz 2 enthält die Grundsätze, die vom Gesetzgeber zu beachten sind, und Absatz 3 begründet dann einen spezifischen Handlungsauftrag des Bundes bezüglich der Qualität und der Transparenz der Forschung am Menschen.
Primäres Ziel der Vorlage ist der Schutz von Würde und Persönlichkeit des Menschen in der Forschung. Gleichzeitig begrenzen diese beiden Rechtsgüter den Anwendungsbereich des Verfassungsartikels. Dieser soll nur diejenige Forschung am Menschen erfassen, bei der die Gefahr einer Würde- oder Persönlichkeitsverletzung besteht. Von einem Super-GAU für die Forschung kann also keine Rede sein. Bevor der Gesetzgeber aktiv werden kann, bedarf es einer Einschätzung der Gefährdungssituation. Es ist klar, dass bei einer bestehenden, durch die Forschung verursachten Verletzung der Würde oder der Persönlichkeit gehandelt werden muss. Welche konkreten Forschungsbereiche ein Gefährdungspotenzial beinhalten und dann von einer Regelung erfasst werden sollen, wird somit auf der Gesetzesstufe festgelegt.
Unsere Fraktion unterstützt den wichtigen Artikel 118a und wird dem Entwurf des Bundesrates zustimmen. Es ist wichtig, dass der Gesetzgeber regulierend in die Forschung am Menschen eingreifen kann, wenn eine Gefährdung von dessen Würde oder Persönlichkeit dies erfordert. Absatz 2 enthält dann die zentralen Grundsätze, die der Gesetzgeber bei einer Regelung beachten muss. Wir werden den Antrag der Minderheit II (Füglistaller) ablehnen, denn die Grundsätze sind wichtig und gehören in die Verfassung. Sie stellen nämlich die eigentlichen Leitlinien für die darauffolgende Gesetzgebung dar. Diese Grundsätze sind auch Kernforderungen in nationalen und internationalen Regelwerken, so z. B. in der Biomedizin-Konvention des Europarates. Auf Stufe der Gesetzgebung wird es dann vor allem darum gehen, die in der Verfassung enthaltenen Grundsätze zu konkretisieren, so z. B. gewisse Grundsätze zur Forschung mit urteilsunfähigen Personen auf andere besonders verletzbare Personengruppen - etwa auf schwangere Frauen oder auf Personen in Unfreiheit - auszuweiten. Auch sind die Voraussetzungen für die Unabhängigkeit und die Organisation der Gremien, welche die Forschungsvorhaben überprüfen, festzulegen. Wichtig sind auch die Haftung sowie die Sicherstellung und die Registrierung von Forschungsvorhaben. Unsere Fraktion wird auch bei Absatz 2 Buchstabe c der Mehrheit folgen. Der Antrag der Minderheit I (Graf Maya) schliesst nämlich einen Grossteil der Forschung mit Kindern, Dementen usw. aus.
Unsere Fraktion wird auf die Vorlage eintreten - das ist unbestritten - und dann die Mehrheit und damit die Bestimmungen im Entwurf des Bundesrates unterstützen.

Couchepin Pascal, président de la Confédération: Le Conseil fédéral a la conviction que le texte qui vous est présenté est

AB 2008 N 1049 / BO 2008 N 1049
équilibré et qu'il permet d'offrir à la recherche un cadre légal compatible avec les principes essentiels reconnus à l'échelle internationale.
Il est vrai que ce texte, qui est un projet d'article constitutionnel, a suscité un certain nombre de critiques. Une partie de ces critiques sont caduques dès l'instant où l'on prend acte du fait qu'il s'agit d'un article constitutionnel qui laisse la place à une législation qui doit être naturellement faite dans le cadre fixé par l'article précité, mais une législation qui précise un certain nombre de points.
Nous avons la conviction qu'une bonne partie des critiques, notamment celles issues des milieux des sciences sociales et humaines, ne prennent pas en compte ce fait et imaginent des choses qui dépendent de la loi et qui, certainement, ne seront pas concrétisées dans la Constitution. Dans tous les cas, les craintes émanant de ces milieux ne sont pas justifiées.
La protection de la personne occupe une place centrale dans l'article proposé. Celui-ci ne vise pas la réglementation de domaines particuliers de la recherche, mais il vise, d'une manière générale, à réduire le risque qui pèse sur la dignité et la personnalité des sujets de la recherche. A contrario, il n'y a pas besoin d'une loi sur la recherche, il n'y a pas besoin des normes de cet article lorsque la recherche ne présente aucun risque notable pour l'intégrité physique ou psychique des personnes. Une nouvelle loi ne s'impose pas non plus si le droit en vigueur couvre déjà suffisamment les risques liés à la recherche. La base constitutionnelle ne propose pas des dispositions pour la recherche avec les données anonymes ou anonymisées, car elles ne présentent aucun risque sous cette forme.
Le Conseil fédéral a pris en compte les exigences émises lors de la procédure de consultation par de nombreuses PME.
Une grande partie de la recherche relevant des sciences sociales et humaines n'entre pas non plus dans le champ d'application, puisqu'elles travaillent justement avec des données anonymes ou anonymisées. La compétence législative de la Confédération ne s'étend pas non plus à la recherche portant sur des données dans des domaines peu sensibles comme les comportements de consommation, la mobilité, etc.
Finalement, comme je l'ai dit, l'article constitutionnel laisse au Parlement le soin de déterminer les domaines de la recherche à réglementer.
Il a été avancé que l'article constitutionnel concernait toute recherche faite sur des personnes vivantes. Ce n'est pas le cas: une réglementation n'interviendrait que s'il fallait effectivement protéger la dignité des personnes participant à un projet. D'autres ont manifesté la crainte qu'en raison de l'article 118a alinéa 1, il faudrait examiner, pour chaque projet de recherche, si ce dernier était susceptible de menacer la dignité ou la personnalité. C'est faux: l'alinéa 1 s'adresse uniquement au législateur; c'est ce dernier qui va décider quels domaines de recherche tomberont sous le coup de l'alinéa 1.
Les quatre principes proposés à l'alinéa 2 constituent le cadre indispensable pour une recherche sur l'être humain. Les principes ne s'appliquent que si le législateur estime, à la suite d'une analyse de risques selon l'alinéa 1, qu'une réglementation spécifique s'impose.
Inversement, si le Parlement reconnaît qu'une réglementation s'impose, rien ne justifie une inégalité de traitement des différents domaines de recherche en ce qui concerne la protection des sujets de l'étude. Par exemple, un domaine de recherche en psychologie ou en médecine doit être traité de la même manière pour ce qui est de la protection de la personnalité.
Les principes que l'on propose apportent une clarification indispensable sur le plan constitutionnel. Il s'agit de la possibilité de prévoir des exceptions au consentement éclairé ainsi que la possibilité de faire participer des personnes incapables de discernement à une recherche ne leur apportant pas de bénéfice direct.
Reste finalement l'objection émise par certains intervenants, c'est-à-dire que les principes fixés à l'alinéa 2 figurent déjà dans la Convention de biomédecine du Conseil de l'Europe que la Suisse a ratifiée entre-temps; par conséquent, il serait inutile de les inscrire dans la Constitution. Cette objection ne tient pas compte du fait que la convention ne se limite qu'à des normes minimales. La Constitution pourrait fixer des règles plus strictes. Pour toutes ces raisons, le Conseil fédéral estime qu'il faut impérativement ancrer ces principes dans la Constitution. En plus, la formulation des principes est restée souple pour pouvoir tenir compte des spécificités des différents axes de la recherche.
Quels sont les principes sur lesquels l'article constitutionnel se prononce?
Citons en premier lieu le consentement éclairé des personnes participant au projet, qui constitue l'élément clé pour légitimer la recherche. Personne ne peut être amené à participer à un projet de recherche contre sa volonté. Ce principe ne pose pas de problème pour la recherche en sciences sociales. Prenons à titre d'exemple un sondage téléphonique ou par questionnaire: si quelqu'un ne souhaite pas y participer, il lui suffit de refuser. Contrairement à ce que prétendent les voix critiques, l'article constitutionnel n'exige nullement une autorisation écrite ou d'autres formalités. Les détails seront réglés au niveau de la loi.
De même, l'alinéa 2 lettre a ne s'applique pas à la recherche avec des données déjà disponibles. Ainsi, contrairement à ce qu'affirment certains, cet alinéa n'aurait pas empêché une recherche comme celle menée par la commission Bergier.
Deuxième principe: celui concernant les personnes incapables de discernement. On ne peut pas renoncer à la recherche sur des personnes incapables de discernement. Y renoncer reviendrait à discriminer les personnes concernées: on ne pourrait plus réaliser des études sur des maladies qui leur sont spécifiques; par conséquent, les possibilités de traitement seraient limitées.
L'article constitutionnel définit des conditions spécifiques pour la recherche sur des personnes incapables de discernement. Il impose l'idée d'une autorisation de principe pour la recherche n'offrant pas de bénéfice direct aux personnes concernées. On reprend ainsi l'exigence qui est déjà dans la loi actuelle, à savoir que les risques et contraintes doivent être minimaux. Cela s'applique notamment aux enfants soumis à des recherches sans bénéfice direct.
Troisième principe: l'expertise indépendante. Un projet de recherche sur l'être humain doit être soumis avant sa réalisation à une expertise indépendante qui ne doit pas forcément être faite par une commission d'éthique, mais qui peut être faite par exemple par une université. Il est prévu de confier cet examen à une commission interdisciplinaire comptant des spécialistes ayant eux-mêmes fait de la recherche. Il n'est donc nullement question d'instituer des barrières éthiques ou administratives, comme d'aucuns l'ont affirmé dans les médias.
En conclusion, nous pensons que cet article donnera un cadre clair à la loi relative à la recherche sur l'être humain; nous pensons que, dans l'intérêt des chercheurs, dans l'intérêt de la confiance et de l'acceptation de la recherche, il est nécessaire d'avoir une législation sur ce point-là. Cet article confortera ainsi la place de la Suisse dans la compétition internationale en matière de recherche.
Je vous propose de suivre la majorité de la commission et d'adopter le projet actuel avec ses trois alinéas.

Bruderer Pascale (S, AG), für die Kommission: Eintreten ist ja nicht bestritten, aber ich möchte gerne noch auf drei Aspekte eingehen, die in den Voten vorher erwähnt worden sind:
1. Zum Aufbau des Artikels: Wer sich angesichts des Aufbaus, des Konzepts dieses Artikels überrascht gibt, dem empfehle ich, einen Blick in unsere bestehende Verfassung zu werfen. Denn da gibt es durchaus verschiedene Beispiele für solche Kompetenzen, die gleichzeitig mit den Grundsätzen vorkommen: zum Beispiel in Artikel 113 zur beruflichen

AB 2008 N 1050 / BO 2008 N 1050
Vorsorge, Artikel 114 zur Arbeitslosenversicherung, in den Artikeln 119 und 119a. Dort finden Sie das: Überall dort enthalten die Bestimmungen die Grundsätze und die Regelungsaspekte, die für das Sachgebiet zentral sind und deshalb einer Klärung bedürfen - auf Verfassungsebene. Sie sind, gerade weil sie länger Bestand haben sollen, nicht nur auf Gesetzesebene verankert. In der Vernehmlassung wurde die Festsetzung von solchen Grundsätzen übrigens von einer sehr, sehr grossen Mehrheit begrüsst.
2. Zum Vorwurf, dieser Artikel stelle die Forschung in ein negatives Licht: Diesen Vorwurf muss ich also wirklich ganz vehement zurückweisen. Die Forschungsfreiheit wird bestätigt. Die Bedeutung der Forschung für die Gesellschaft wird erwähnt, explizit erwähnt, und auch in der Kommission kam die Bedeutung der Forschung ganz klar und durchaus positiv zum Ausdruck. Sonst würden die forschenden Unternehmen ja auch nicht hinter diesem Artikel stehen - und das tun sie mit Überzeugung. Es geht also nicht darum, hier irgendein negatives Licht auf die Forschung zu werfen. Aber - auch um das Votum von Herrn Aeschbacher aufzunehmen - das ist ganz wichtig: Es gibt eben verschiedene Grundrechte, denen hier Rechnung getragen werden muss. Es geht um eine Balance, um ein Abwägen.
3. Zum Bezug dieses Verfassungsartikels zur Biomedizin-Konvention: Es stimmt, die Biomedizin-Konvention enthält Vorschriften, die nach innerstaatlichem Massstab Verfassungsgehalt aufweisen und die übrigens mit den hier vorgeschlagenen und nachher zu diskutierenden Grundsätzen übereinstimmen. Dass dadurch inhaltliche Überschneidungen zwischen der Konvention einerseits und der Verfassung andererseits entstehen, ist überhaupt kein Problem. Dafür gibt es durchaus auch andere Beispiele: So stehen die Regelungen bezüglich Fortpflanzungsmedizin und Gentechnologie, also Artikel 119 der Verfassung, auch in einem Bezug und weisen Überschneidungen mit der Konvention auf. Und es gibt noch zahlreiche andere Beispiele.
Für die Aufnahme von Grundsätzen in der Verfassung trotz solchen Überschneidungen sprechen insbesondere folgende Gründe:
1. Aus verfassungsrechtlicher Sicht soll ein in der Verfassung geregeltes Thema sämtliche Aspekte mit Verfassungsgehalt umfassen. Dies wurde in der Bundesverfassung bis jetzt auch immer so gehandhabt.
2. Die Biomedizin-Konvention legt bezüglich der Schutzbestimmungen lediglich - wie von Herrn Bundespräsident Couchepin vorhin präzisiert - Mindeststandards fest und lässt zu, dass innerstaatliches Recht eine restriktivere Regelung vorsieht. Klarheit haben wir nur - das auch als Input an die grüne Fraktion -, wenn wir selber in unserer Verfassung entsprechend regeln.
3. Damit komme ich zum letzten Punkt. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ein Bundesgesetz über die Forschung in der Biomedizin nicht direkt auf die Biomedizin-Konvention abgestützt werden kann. Die Kommission wurde in ihren Beratungen darauf hingewiesen, dass ein Staatsvertrag, in diesem Fall also die Biomedizin-Konvention, an der verfassungsrechtlichen Kompetenzausscheidung zwischen Bund und Kantonen nichts ändert.
Es war mir wichtig, kurz auf diese drei Punkte zu sprechen zu kommen, die ja nachher bei der Diskussion von Absatz 2 zum Tragen kommen werden.

Neirynck Jacques (CEg, VD), pour la commission: Parmi les arguments qui ont été développés par les différents intervenants, celui qui m'a frappé le plus est celui exposé par Madame Aubert.
Il s'agit d'un article constitutionnel, il faudra obtenir l'accord de la population. Si nous ne présentons que l'alinéa 1, effectivement la population peut se dire qu'on lui demande d'acheter un chat dans un sac et l'alinéa 2 est précisément ce qui, lors des débats devant la population, permettra d'expliquer aux gens qu'il y a une protection.
Pour répondre à l'argument selon lequel il existe déjà un article constitutionnel qui protège la recherche et un autre qui protège la dignité humaine, c'est je crois le coeur du problème: nous nous trouvons devant deux biens juridiques garantis chacun par un article mais qui, ici, peuvent entrer en collision. Et de ne garder que l'alinéa 1, c'est effectivement faire doublon avec les deux articles déjà mentionnés. C'est une tautologie, l'article 1 n'a de sens que si l'alinéa 2 est accepté.
Je remarque que ce texte est attaqué aussi bien par certaines personnes qui estiment qu'il y a trop de liberté et par d'autres qui estiment qu'il n'y en a pas assez. Ce genre de débat s'est tenu en commission: nous sommes arrivés lentement et péniblement à un texte nuancé qui tient compte des deux positions, mais il est toujours possible de trouver dans un texte la moitié qui vous dérange et de l'attaquer sur cette base.
Enfin, je voudrais conclure en disant à tous les gens qui prétendent mettre la dignité de la personne avant la recherche que la recherche, dans la mesure où elle permet de soigner certaines personnes, est aussi garante de leur dignité.

Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen
L'entrée en matière est décidée sans opposition


Bundesbeschluss zu einem Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen
Arrêté fédéral relatif à un article constitutionnel concernant la recherche sur l'être humain

Detailberatung - Discussion par article

Titel und Ingress, Ziff. I Einleitung
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates

Titre et préambule, ch. I introduction
Proposition de la commission
Adhérer au projet du Conseil fédéral

Angenommen - Adopté

Art. 118a
Antrag der Mehrheit
Abs. 1, 3
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Abs. 2
...
a. ... betroffenen Personen oder die gemäss Gesetz berechtigte Person nach hinreichender Aufklärung ihre Einwilligung erteilt hat. Das Gesetz kann Ausnahmen vorsehen; eine Ablehnung der betroffenen Person ist in jedem Fall verbindlich.
...

Antrag der Minderheit
(Graf Maya, Genner, Gilli, Simoneschi-Cortesi)
Abs. 1
... Forschung am Menschen. Er sorgt für den Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte und trägt dabei der Forschungsfreiheit Rechnung.

Antrag der Minderheit I
(Graf Maya, Bruderer, Galladé, Genner, Gilli, Widmer)
Abs. 2 Bst. c
c. ... gewonnen werden können. Forschungsvorhaben, die keinen direkten Nutzen für urteilsunfähige Personen erwarten lassen, dürfen nicht durchgeführt werden; das Gesetz kann Ausnahmen vorsehen, wobei die Risiken und Belastungen nur minimal sein dürfen.

Antrag der Minderheit II
(Füglistaller, Freysinger, Glauser, Ineichen, Kunz, Mörgeli, Müri, Pfister Theophil, Schenk Simon, Wasserfallen)
Abs. 2, 3
Streichen

AB 2008 N 1051 / BO 2008 N 1051

Eventualantrag der Minderheit II
(Füglistaller, Freysinger, Glauser, Ineichen, Kunz, Mörgeli, Müri, Pfister Theophil, Schenk Simon, Wasserfallen)
(falls der Antrag der Minderheit II abgelehnt wird)
Abs. 2
Er bestimmt im Gesetz die Anforderungen:
a. an die Einwilligung der betroffenen Personen und den besonderen Schutz von urteilsunfähigen Personen in der Forschung;
b. an die Vermeidung von Risiken und Belastungen aus Forschungen.

Antrag Waber
Abs. 1
Der Bund erlässt im Bereich der medizinischen und wissenschaftlichen Forschung am Menschen gesetzliche Bestimmungen zum Schutz des Menschen in all seinen Lebensphasen, zum Schutz seiner Würde und Selbstbestimmung, unabhängig vom Gesundheitszustand. Dieser Schutz hat Vorrang vor der Forschungsfreiheit.
Abs. 2
Forschung am Menschen ist nur zulässig bei Forschungsprojekten, welche der Erhaltung des menschlichen Lebens, der Erhaltung und Förderung der physischen und psychischen Gesundheit des Menschen dienen. (Rest streichen)

Antrag Aeschbacher
Abs. 2 Bst. a
a. ... nach umfassender Aufklärung ihre Einwilligung erteilt hat. (Rest streichen)
Abs. 2 Bst. e
e. Wird die Einwilligung nach Absatz 2 Buchstabe a zurückgezogen oder verweigert, dürfen die biologischen Materialien und die bis dahin gewonnenen Daten der betroffenen Person für das Forschungsprojekt nicht verwendet werden und sind zu vernichten.
Abs. 2 Bst. f
f. Der menschliche Körper oder Teile davon dürfen zu Forschungszwecken nicht gegen Entgelt veräussert oder erworben werden.

Art. 118a
Proposition de la majorité
Al. 1, 3
Adhérer au projet du Conseil fédéral
Al. 2
...
a. ... concernées ou par la personne désignée par la loi. La loi peut prévoir des exceptions; un refus exprimé par la personne concernée est contraignant dans tous les cas;
...

Proposition de la minorité
(Graf Maya, Genner, Gilli, Simoneschi-Cortesi)
Al. 1
... sur l'être humain. Elle veille à préserver la dignité humaine et les droits de la personnalité, tout en tenant compte de la liberté de la recherche.

Proposition de la minorité I
(Graf Maya, Bruderer, Galladé, Genner, Gilli, Widmer)
Al. 2 let. c
c. ... capables de discernement. Les projets de recherche qui ne permettent pas d'escompter un bénéfice direct pour les personnes incapables de discernement sont interdits; la loi peut prévoir des exceptions, les risques et les contraintes devant alors être minimaux.

Proposition de la minorité II
(Füglistaller, Freysinger, Glauser, Ineichen, Kunz, Mörgeli, Müri, Pfister Theophil, Schenk Simon, Wasserfallen)
Al. 2, 3
Biffer

Proposition subsidiaire de la minorité II
(Füglistaller, Freysinger, Glauser, Ineichen, Kunz, Mörgeli, Müri, Pfister Theophil, Schenk Simon, Wasserfallen)
(au cas où la proposition de la minorité II serait rejetée)
Al. 2
Elle fixe dans la loi les exigences:
a. régissant le consentement des personnes concernées et la protection spéciale des personnes incapables de discernement en matière de recherche;
b. permettant d'éviter les risques et nuisances générés par la recherche.

Proposition Waber
Al. 1
La Confédération édicte en matière de recherche médicale et scientifique sur l'être humain des dispositions légales destinées à protéger ce dernier au cours de toutes les étapes de sa vie, à protéger sa dignité et son libre choix, indépendamment de son état de santé. Cette protection prime la liberté de recherche.
Al. 2
Il ne peut y avoir de recherche sur l'être humain que dans le cadre de projets visant à préserver la vie humaine, à préserver et à promouvoir la santé physique et psychique de l'être humain. (Biffer le reste)

Proposition Aeschbacher
Al. 2 let. a
a. ... consentement éclairé a été donné par les personnes concernées. (Biffer le reste)
Al. 2 let. e
e. Si le consentement au sens de l'alinéa 2 lettre a est retiré ou refusé, le matériel biologique de la personne concernée et les données récoltées jusqu'alors à son sujet pour le projet de recherche ne peuvent être utilisés et sont détruits.
Al. 2 let. f
f. Le corps humain ne peut être, ni en tout, ni en partie, cédé ou acquis contre rémunération à des fins de recherche.

Abs. 1 - Al. 1

Graf Maya (G, BL): Sie fragen sich, was denn die Minderheit hier bei Absatz 1 genau ausdrücken oder anders ausdrücken will. Die Minderheit will der Menschenwürde und dem Schutz der Persönlichkeit als oberstem Konstitutionsprinzip durch eine klarere Formulierung in der Hierarchie ihrer Nennung einen Platz geben und den Auftrag des Bundes nicht in der Gefährdungslogik, sondern als klaren Auftrag an den Gesetzgeber definieren. Daher lautet der Antrag der Minderheit auch folgendermassen: "Der Bund erlässt Vorschriften über die Forschung am Menschen. Er sorgt für den Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte und trägt dabei der Forschungsfreiheit Rechnung."
Dieser Verfassungsartikel, den wir heute beraten, dient klar dem Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte und soll an Forschung Teilnehmende vor Missbrauch schützen. Es ist explizit kein Forschungsartikel, obwohl die Forschungsfreiheit hier erwähnt wird und nicht bestritten wird. Der Antrag der Minderheit enthält jedoch eine klare Abstufung: Hier "trägt" der Bund der Forschungsfreiheit "Rechnung", während er sie gemäss Antrag der Mehrheit "wahrt". Dass der Bundesrat wie auch die Mehrheit dabei die Bedeutung der Forschung für Gesundheit und Gesellschaft betonen, ist aus unserer Sicht unnötig. Bis heute konnte uns niemand erklären, warum diese Formulierung gerade hier, in diesem Artikel, in der Bundesverfassung Eingang gefunden hat und nicht auch in diversen anderen Bundesverfassungsartikeln stehen soll. Die Minderheit will also die Begriffe "Menschenwürde", "Persönlichkeitsrechte" und "Forschungsfreiheit" in eine klare Hierarchie bringen, wie sie einem Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen gut anstehen würde.
Wir beantragen Ihnen deshalb, bei Absatz 1 der Minderheit zu folgen.

AB 2008 N 1052 / BO 2008 N 1052

Waber Christian (-, BE): Die EDU begrüsst grundsätzlich eine klare gesetzliche Regelung des Bereiches "Forschung am Menschen" auf gesamtschweizerischer Ebene. Wir sind deshalb der Ansicht, dass es zwingend gesetzliche Regelungen braucht und nicht nur Vorschriften, wie sie die bundesrätliche Vorlage vorschlägt. Ein Blick auf die Tendenz der Wissenschaft, nach Belieben über das menschliche Leben zu verfügen und es nach irgendwelchen Wünschen zu manipulieren, zeigt, dass hier Schranken nötig sind. Nicht alles, was in diesem Bereich machbar ist, dient uns Menschen. Deshalb hat aus unserer Sicht das Rechtsgut des Schutzes des Menschen, seiner Würde und seiner Selbstbestimmung klar Vorrang gegenüber dem Rechtsgut der Forschungsfreiheit. Dies soll im Verfassungsartikel ebenfalls sichtbar werden. Forschungsfreiheit darf nicht mit Narrenfreiheit in weissen Kitteln gleichgesetzt werden. Die Freiheit der Wissenschaft muss dem Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeit stets untergeordnet sein. Genau diesen Satz hat auch der Regierungsrat des Kantons Bern dem Bundesrat in der Vernehmlassung unterbreitet.
Für uns von der EDU stehen die Achtung und der Schutz des menschlichen Lebens und der Gesundheit sowie die Respektierung der Selbstbestimmung der involvierten Menschen im Zentrum. Die EDU ist der Ansicht, dass nur Projekte der Forschung am Menschen zugelassen werden dürfen, welche die Erhaltung und die Verbesserung von Gesundheit und Leben des Menschen zum Ziel haben. Forschungsprojekte, welche z. B. die Entwicklung neuer Abtreibungsmethoden oder neuer Methoden der Suizidhilfe oder der Euthanasie zum Thema haben, dürfen nach unserer Ansicht aus ethischen und verfassungsmässigen Gründen nicht bewilligt werden. Die Bundesverfassung schützt das Recht auf Leben in Artikel 10 explizit, ebenso speziell den Schutz der Unversehrtheit von Kindern in Artikel 11.
Der Verfassungsartikel hat nur eine Chance, wenn die Anliegen der Menschen und nicht jene der Wissenschaft im Vordergrund stehen. Ich bin dankbar dafür, dass schlussendlich das Volk und die Stände darüber entscheiden werden, wie das Parlament hier legiferiert haben wird. Ich bitte Sie, meinen Antrag zu unterstützen, auch wenn er sich auf diese zwei Absätze konzentriert und alles andere eigentlich in das Gesetz einpacken möchte. Nach unserer Meinung ist das ehrlicher und auch verfassungswürdiger. Ich bin aber einverstanden, dass die Kommissionssprecher in dieser Hinsicht sehr gut argumentiert haben. Wir werden in der Diskussion noch darauf zurückkommen.
Ich danke Ihnen dafür, wenn Sie hier auch einen Antrag eines Fraktionslosen unterstützen.

Wasserfallen Christian (RL, BE): Die FDP-Fraktion wird den Minderheitsantrag Graf Maya ablehnen. Der Minderheitsantrag will einen ganz klaren Auftrag hinsichtlich des Handelns des Gesetzgebers festhalten. Ebenfalls will er, dass die Bedeutung der Forschung für die Gesundheit der Gesellschaft gestrichen wird; das ging in der Diskussion bisher leider unter. Es muss der Grundsatz gelten, dass die Forschenden nicht unter Generalverdacht gestellt werden. Denn es geht primär um einen Verfassungsartikel für die Forschung und nicht gegen die Forschung, und daher sind wir der Meinung, dass wir hier ganz klar das Feld öffnen müssen.
Die Frage, die sich bei diesem Antrag stellt: Wird der Gesetzgeber, also wir, verpflichtet, im Humanforschungsgesetz in all diesen Punkten zu legiferieren, oder wollen wir uns diese Kompetenz selber geben? Das ist der kleine Unterschied, den Maya Graf mit ihrem Antrag bewirken will. Wir sind ganz klar der Meinung, dass wir das Handeln selber bestimmen wollen und dass das im Humanforschungsgesetz in diesem Rahmen auch sicher möglich ist. Darum ist die FDP-Fraktion klar für eine Kompetenznorm. Da es in erster Linie eine Kompetenznorm sein muss, müssen Limiten eingeführt werden, was den Verfassungsauftrag auf Legiferierung anbetrifft. Denn es gibt keine Kompetenznormen, die schon alles regeln, was dann schlussendlich im Gesetz zu stehen hat und was nicht. Darum ist das Korsett bei dem Antrag der Grünen leider viel zu eng geschnürt.
In Absatz 1, wie ihn der Bundesrat vorschlägt, wird genau die Nuancierung gemacht, die von Ihrer Seite immer gefordert wird. Es geht in erster Linie um den Schutz der Würde und der Persönlichkeit als oberstes Ziel, verbunden mit einem klaren Auftrag, dort tätig zu werden. Auf einer zweiten Stufe, auf einer zweiten Ebene kommt die Wahrung der Forschungsfreiheit; die Wahrung - ich sage es ja - ist viel offener. Die dritte Stufe ist das Kollektivinteresse an der Gesundheit der Gesellschaft. Darum geht es bei der Forschung: die Gesundheit der Gesellschaft zu verbessern. Absatz 1 dieses Artikels gemäss Entwurf des Bundesrates ist so ausgewogen, dass wir ihn darum unterstützen und den Minderheitsantrag der Grünen ablehnen. Diese Abstufung ist genau der Weg, den wir hier beschreiten müssen. Alles andere müssen wir uns im Humanforschungsgesetz selber überlassen.
Den Antrag Waber lehnen wir ebenfalls aus diesen Gründen ab. Die Abstufung, wie sie jetzt vom Bundesrat her vorgesehen ist, ist so zentral und so gut gelungen, dass wir sie unterstützen und den Antrag Waber ablehnen.

Moser Tiana Angelina (CEg, ZH): Der Regelungsbereich Forschung am Menschen ist in einem äusserst delikaten Spannungsfeld angesiedelt. Auf der einen Seite steht die Forschungsfreiheit, auf der anderen Seite dieses Spannungsfelds steht der Schutz der Würde und der Persönlichkeit. Es geht um den Schutz des Menschseins in seiner Vielschichtigkeit. Diese ist wertvoll, sie müssen wir schützen.
Aber, und dafür stehen gerade wir Grünliberalen ein, wir dürfen nicht dem einen oder dem anderen Extrem verhaftet sein. Die einen konzentrieren sich auf die Menschenwürde und verteufeln die Forschung, die anderen verherrlichen die Forschung und vernachlässigen die Menschenwürde. Das bringt uns nicht weiter, wir müssen diese wichtige Frage umfassend angehen. Beide Ziele lassen sich nur begrenzt einzeln verfolgen, das heisst, man kann nicht die absolute Forschungsfreiheit anstreben und den absoluten Schutz der Würde sicherstellen. Werden beide Ziele absolut verfolgt, sehen wir uns mit einem Nullsummenspiel konfrontiert. Ein Ja zu beiden Anliegen ist zwar möglich, jedoch nur unter klaren Voraussetzungen, und zwar mit Regelungen, die auf beide Anliegen Rücksicht nehmen. Dann schaffen wir es auch, das Nullsummenspiel zu überwinden, das heisst, wir erreichen eine Verbesserung für die ganze Gesellschaft, und das ist das Ziel.
Regelungen zur Sicherstellung dieses Gleichgewichts zwischen Forschungsfreiheit und Menschenwürde existieren heute nicht. Genau deshalb ist es so wichtig, diese Rechtslücke ausgewogen zu schliessen. Die Forschung entwickelt sich in zahlreichen verschiedenen Spezialgebieten konstant und rasant weiter. Viele Fachbereiche haben heute einen Komplexitätsgrad erreicht, der nicht nur die forschungsfremde Gesellschaft, sondern sogar die fachfremden Wissenschafter vor Verständnisschwierigkeiten stellt. Wir benötigen deshalb einen Rahmen, der den Schutz von Würde und Persönlichkeit auch dann sicherstellt, wenn es schwierig wird, ein Forschungsvorhaben in seiner Komplexität zu erfassen. Die Forschung am Menschen ist aber - das dürfen wir nicht vergessen - nicht Forschung zum Selbstzweck. Forschung am Menschen verfolgt das Ziel, Einzelnen von uns und der Gesellschaft als Ganzes zu nützen. Forschung am Menschen darf deshalb auf keinen Fall verteufelt werden. Wir dürfen nicht aufgrund der zunehmenden Komplexität oder aufgrund eines mangelnden Verständnisses einschränkend reagieren und die Forschung als etwas Bedrohliches wahrnehmen, denn die Wissenschaft bringt uns auch grosse Chancen; Beispiele hierfür gibt es ausreichend.
Eine differenzierte Regelung zu schaffen bedeutet aber auch, dass nicht alles geregelt werden muss. Es gibt auch Forschungsvorhaben, die die Würde des Menschen nicht beeinträchtigen, und es gibt Forschungsvorhaben, bei denen wir uns auf die Mündigkeit der involvierten Personen verlassen dürfen. Nicht jedes Forschungsvorhaben erfordert eine staatliche Regelung. Die limitierte Kompetenznorm in Absatz 1 ist deshalb absolut wichtig und richtig. Forschung

AB 2008 N 1053 / BO 2008 N 1053
am Menschen verlangt nicht in jedem Fall zwingend eine Regelung zum Schutz der Würde und der Persönlichkeit.
Die CVP/EVP/glp-Fraktion bittet Sie deshalb, bei Absatz 1 von Artikel 118a der Mehrheit zuzustimmen und den Minderheitsantrag Graf Maya sowie den Antrag Waber abzulehnen.

Aubert Josiane (S, VD): Le groupe socialiste ne suit pas la minorité Graf Maya à l'alinéa 1. La formulation proposée par la minorité est à notre sens moins explicite que la version du Conseil fédéral soutenue par la majorité. La minorité réintroduit une confusion en plaçant la dignité humaine, les droits de la personnalité et la liberté de la recherche dans une relation peu satisfaisante: la Confédération "veille à préserver", "tout en tenant compte". Ces expressions sont peu claires et laissent une large place à l'interprétation. La grande force de l'article tel que la majorité le propose est de ne légiférer que lorsque la protection de la dignité humaine et de la personnalité l'exige, mais aussi de placer cette protection en position prééminente face à la liberté de la recherche. Cette dernière est préservée au maximum, seule la protection des valeurs des droits fondamentaux justifie l'intervention du législateur.
La version proposée par la minorité passe aussi complètement sous silence les apports de la recherche à la société et à la santé de la population. Cette version n'est pas celle des socialistes. Pour nous la recherche fait partie intégrante de nos activités humaines et de la compréhension du monde que nous souhaitons approfondir. L'article constitutionnel doit donc à notre avis souligner clairement cette dimension indissociable de la recherche sur l'être humain: les progrès que la science peut apporter à la population.
Pour ces deux raisons, nous rejetterons donc la minorité Graf Maya à l'alinéa 1.
La proposition Waber est une réécriture complète de l'article, en partant d'un point de vue très restrictif qui n'a pas été discuté par tous les milieux concernés de la recherche. L'article qui vous est proposé par la commission établit un équilibre subtil entre les opinions de tous les milieux concernés. Je vous invite vivement à rejeter la version proposée par Monsieur Waber, pour permettre de poursuivre une recherche de haut niveau, avec des garanties de premier ordre que la dignité humaine et la personnalité seront protégées, et naturellement cette protection est valable pour toutes les étapes de la vie.
Au nom du groupe socialiste, je vous invite à rejeter la proposition Waber, tant à l'alinéa 1 qu'à l'alinéa 2.

Couchepin Pascal, président de la Confédération: La proposition Waber est relativement explicite. A l'article 118a alinéa 1, elle voudrait rouvrir le débat de l'extension de la protection de l'être humain au début de son existence, pratiquement dès sa conception - ce problème a souvent été discuté; il n'y a pas lieu de revenir sur cet aspect des choses dans cette disposition légale. A l'alinéa 2, elle voudrait fixer un but à la recherche. Ce n'est pas notre volonté. La recherche doit avoir un but plus large qu'un but purement utilitaire: il y a aussi la volonté de comprendre les mécanismes qui existent dans la nature et chez les êtres humains.
Concernant la proposition de la minorité Graf Maya, sa volonté explicite est de renforcer la protection de la dignité humaine et la protection de la personnalité. Elle donne la priorité à la dignité humaine et à la protection de la personnalité sur la liberté de la recherche. Sur ce point-là, je crois qu'il n'y a pas de différence fondamentale avec le projet du Conseil fédéral. En revanche, cette proposition n'est pas souhaitable, pour la bonne raison qu'elle exigerait une réglementation sur toute recherche sur l'être humain, même si celle-ci ne présente aucun danger. Ce serait introduire des dispositions inutiles qui vont au-delà de ce qui est souhaitable pour atteindre l'objectif que le Conseil fédéral partage avec la proposition de la minorité Graf Maya.
Nous vous demandons de soutenir le projet du Conseil fédéral aux deux alinéas.

Neirynck Jacques (CEg, VD), pour la commission: Les deux propositions qui visent à modifier l'alinéa 1 sont inspirées par une volonté d'établir une hiérarchie entre les deux biens juridiques en cause: d'une part la dignité humaine, d'autre part la liberté de la recherche. Il est implicitement supposé que ces deux valeurs sont contradictoires, que tout ce qui est donné à la recherche ne l'est qu'au détriment de la dignité humaine. C'est une vision pessimiste de la tension qui existe, en vérité, entre ces deux pôles. Or, c'est par un dialogue, et non par une controverse entre ces deux valeurs, que l'on peut définir des projets de recherche utiles et efficaces qui ne violent pas la dignité humaine. Ce qui est donné à l'un n'est pas enlevé à l'autre.
Le malade, le handicapé mental, le marginal de la société, qui sont restaurés dans leur pleine dignité humaine par des actions concrètes fondées sur la recherche, vous remercieront d'adopter ce point de vue constructif, dynamique et optimiste. Les chercheurs ne sont pas dénués de morale.

Bruderer Pascale (S, AG), für die Kommission: Erlauben Sie mir bitte noch ein paar Bemerkungen allgemeiner Natur zu diesem Absatz 1, bevor ich auf den Antrag der Minderheit und den Einzelantrag zu sprechen komme.
Nebst den Zielen ist in Absatz 1 die Kompetenz enthalten, welche durch den Gefährdungsansatz begrenzt wird. Das heisst, der Bund soll und kann nur dann Vorschriften über die Forschung am Menschen erlassen, wenn dies zum Schutz von Würde und Persönlichkeit erforderlich ist. Damit die Gefährdung Anlass zu einer möglichen Gesetzesregelung gibt, muss sie verschiedene Kriterien erfüllen. Die Gefährdung muss relevant sein - relevant sowohl vom Ausmass als auch von der Wahrscheinlichkeit her, mit welcher sie eintrifft. Weiter muss sie von der bisherigen Rechtsordnung, das heisst insbesondere vom Datenschutzgesetz, nicht gedeckt oder nicht genügend gedeckt sein. Nur dann macht sie weiter gehende Vorschriften erforderlich. Ganz wichtig: Der Entscheid, ob diese Kriterien erfüllt sind und demzufolge eine Gesetzesregelung notwendig ist, liegt bei Ihnen, respektive er liegt bei uns, beim Parlament. Es ist deshalb falsch, zu behaupten, aufgrund dieses Verfassungsartikels sei eine Forschung wie jene der Bergier-Kommission künftig nicht mehr möglich, wie es gestern in den Sonntagsmedien zu lesen war.
Ausserdem wiederhole und bestätige ich, was Herr Widmer in seinem Eintretensvotum gesagt hat: Es ist nicht so, dass bei jedem Forschungsvorhaben einzeln geprüft werden muss, ob Würde oder Persönlichkeit verletzt werden könnten, sondern der Bundesgesetzgeber als Adressat in diesem Absatz 1 entscheidet, welche Forschung aufgrund ihres Gefährdungspotenzials geregelt werden soll. Entscheiden wir also, bestimmte Bereiche wie beispielsweise die soziologische Forschung nicht mit einem Forschungsgesetz zu regeln, so ist eine mögliche Gefährdung durch ein Forschungsvorhaben nach Absatz 1 auch nicht mehr zu prüfen; dann gilt schlicht und einfach das, was die bisherigen Regelungen enthalten. Die Verfassung ist hier also nicht direkt anwendbar, sondern sie richtet sich an das Parlament in seiner gesetzgebenden Funktion. Es ist auch die volle Absicht dieses Verfassungsartikels, dass das Parlament über diesen Ermessensspielraum verfügt. Im Gegenzug sind jedoch die Grundsätze ganz entscheidend wichtig, auf die wir nachher bei Absatz 2 zu sprechen kommen.
Weil ich soeben die soziologische Forschung namentlich erwähnt habe, möchte ich hinsichtlich der Sozialwissenschaften überhaupt noch folgende Präzisierung machen: Forschung mit anonymen oder anonymisierten Daten wird vom Verfassungsartikel nicht erfasst, denn aufgrund der Anonymität besteht eben kein Gefährdungspotenzial. Sozialwissenschaftliche Forschungen zu nichtsensiblen Themen wie Konsumverhalten oder Mobilität, Linguistik, Studien in normalen Settings wie Schule, Arbeitsplatz usw. werden von Artikel 118a wohl ebenfalls nicht erfasst, weil eben auch hier kein relevantes Gefährdungspotenzial erkennbar ist, das nicht bereits durch bestehende Regelungen abgedeckt wäre.

AB 2008 N 1054 / BO 2008 N 1054

Nun zur Minderheit Graf Maya: Absatz 1 gibt die Zielsetzungen vor und gewichtet diese Zielsetzungen ja auch, sozusagen hierarchisch. Zuoberst steht die Würde des Menschen, ihr Schutz ist der eigentliche Grund für diese Regelung und ihr primäres Ziel. Gleich anschliessend folgt die Wahrung der Forschungsfreiheit. Als Drittes folgen die Kollektivinteressen, denn mit der Formulierung "Bedeutung der Forschung für Gesundheit und Gesellschaft" ist eigentlich dieser Aspekt gemeint: dass die Forschung eben nicht nur aus individueller Sicht, sondern auch für das Kollektiv unserer Gesellschaft bedeutend ist. Der Minderheitsantrag will es aber bei den Individualrechtspositionen bleiben lassen und auf die Erwähnung der Bedeutung für das Kollektiv verzichten. Unsere Kommission hat diesen Antrag mit 16 zu 7 Stimmen abgelehnt.
Nun noch zum Einzelantrag Waber, den wir in der Kommission natürlich nicht prüfen und diskutieren konnten, denn er lag uns nicht vor. Deshalb kann ich mich nicht differenziert dazu äussern. Wir haben in der Kommission aber durchaus verschiedene Konzepte geprüft, und wir sind mehrheitlich zum Schluss gekommen, dass das vorliegende Konzept das richtige ist, das der Sache am besten gerecht wird. Aus diesem Grund empfehlen wir die Ablehnung des Antrages Waber.

Erste Abstimmung - Premier vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/948)
Für den Antrag Waber ... 81 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit ... 73 Stimmen

Zweite Abstimmung - Deuxième vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/942)
Für den Antrag der Mehrheit ... 174 Stimmen
Für den Antrag Waber ... 8 Stimmen

Abs. 2, 3 - Al. 2, 3

Graf Maya (G, BL): Der hier vorliegende Antrag der Minderheit I betrifft Absatz 2 Buchstabe c. Buchstabe c gilt einem der heikelsten Forschungs- und hier in diesem Rat sicher auch Diskussionsbereiche. Hier geht es um die Forschung an nichturteilsfähigen Personen, nämlich an Personen, die nicht selbst in eine Teilnahme an einem Forschungsprojekt einwilligen können. Wenn aber andere Personen für die Einwilligung zuständig sind, ist die Schutzwürdigkeit der Betroffenen eine ganz besondere.
Aus welchen Gründen kann denn jemand überhaupt urteilsunfähig sein oder werden? Hier handelt es sich, wenn wir jetzt von Urteilsunfähigen oder Nichteinwilligungsfähigen sprechen, um minderjährige Kinder, urteilsunfähige Erwachsene - sei es aufgrund einer Behinderung oder einer Erkrankung, zum Beispiel Demenzkranke, Alzheimer-Patienten -, aber auch um Personen, die im Koma oder im Sterben liegen. Solche Personen, da gehen Sie sicher mit mir einig, sind die Schwächsten in unserer Gesellschaft und haben einen ganz, ganz besonderen Schutz nötig. Sie können nicht mehr frei über sich selbst entscheiden, gerade auch in ganz speziellen Situationen wie jener eines Forschungsvorhabens. Deswegen ist es angebracht, die Schutzwürdigkeit hoch anzusetzen und die Risiken für Missbrauch, aber auch für Belastungen auf ein Minimum zu reduzieren.
Genau das möchten wir mit dem Minderheitsantrag zu Buchstabe c erreichen. Die Minderheit I will keine Tür in unserer Bundesverfassung öffnen, um erstmals überhaupt fremdnützige Forschung an diesen Nichteinwilligungsfähigen auf Verfassungsstufe zu heben. Die Minderheit I will aber die heute bestehende wichtige Forschung mit Kindern, die krank sind und damit unmittelbar auch einen Nutzen aus der Forschung ziehen und von diesem Wissen profitieren können, explizit nicht einschränken. Darum ist der erste Satz von Buchstabe c gemäss der Minderheit I genau derselbe wie jener der Mehrheit: "Mit urteilsunfähigen Personen darf ein Forschungsvorhaben nur durchgeführt werden, wenn gleichwertige Erkenntnisse nicht mit urteilsfähigen Personen gewonnen werden können."
Obwohl die Schweiz die Bioethik-Konvention unterzeichnet hat, darf sie strengere Bestimmungen erlassen. Dies sei hier gesagt. Und es ist wichtig zu wissen, dass beispielsweise in Deutschland und Österreich auch minderjährige Personen einen direkten Nutzen aus einem Forschungsvorhaben erwarten können müssen, damit an ihnen überhaupt geforscht werden darf. In Deutschland ist die Forschung an Nichteinwilligungsfähigen erst seit 2004 überhaupt gestattet, vorher war sie an Minderjährigen verboten.
Diese 12. Novelle sieht nun vor, dass kranke Kinder unter strengen Voraussetzungen an klinischen Therapiestudien teilnehmen können. Dabei muss die Behandlung geeignet sein, das Leben des Kindes zu retten, seine Gesundheit wiederherzustellen oder seine Leiden zu vermindern. Das ist das, was wir heute haben. Neu ist - und ich erwähne dies, weil das eine Ausnahme wäre, die wir mit unserem Buchstaben c machen möchten -, dass die Teilnahme an einer Studie nicht mehr zwingend mit dem alleinigen direkten Nutzen für das betroffene Kind begründet werden muss, sondern auch erlaubt ist, wenn die gesamte Gruppe der Kinder, die an der gleichen Krankheit leiden, einen direkten Nutzen von der Prüfung hat. Dies erlaubt dann auch die vergleichenden Studien.
Gesunde Kinder dürfen in Deutschland, und das soll selbstverständlich auch in der Schweiz erlaubt sein, an Untersuchungen zu Prävention und Diagnostik teilnehmen. Wichtig zu wissen ist: In Deutschland ist die Forschung an nichteinwilligungsfähigen Erwachsenen weiterhin ausgeschlossen. Sie sehen damit: Es ist nichts Extremes, was wir verlangen. Wir verlangen eine ähnliche Regelung wie in Deutschland; denn der Schutz der Nichteinwilligungsfähigen muss hoch sein, und es darf nicht sein, dass wir die fremdnützige Forschung, also die Forschung, die dem Forschungsteilnehmenden keinen direkten Nutzen zusagt, heute erstmals überhaupt auf Verfassungsstufe heben.
Wir bitten Sie und beantragen Ihnen, dass Sie bei Buchstabe c der Minderheit I zustimmen.

Füglistaller Lieni (V, AG): Wie schon beim Eintreten festgehalten, bitten wir Sie, dem Konzept der Minderheit II zuzustimmen und in der Verfassung lediglich eine Kompetenznorm, d. h. also lediglich Artikel 118a Absatz 1, wie eben beschlossen, festzulegen. Auf Absatz 2 Buchstaben a bis d sowie auf Absatz 3 kann verzichtet werden; diese werden darum zur Streichung vorgeschlagen. Wir sind der Ansicht, dass diese Grundsätze so nicht in die Verfassung gehören, da sie aus der Biomedizin stammen und in diesem Fachbereich in mehreren Erlassen etabliert, anerkannt und richtig sind. Wir erinnern an die ethischen Grundsätze für die Forschung und die Forschenden im Rahmen der Helsinki-Deklaration. Wesentliche Elemente, die dieses Parlament auch akzeptiert hat, finden sich ebenfalls im Übereinkommen über Menschenrechte und Biomedizin, und Sie finden diese Elemente im Heilmittelgesetz, im Fortpflanzungsgesetz oder im Stammzellenforschungsgesetz. Da sind diese Grundsätze durchaus richtig. Im vorliegenden Fall bringen sie aber weder Neues noch eine substanzielle Verbesserung, im Gegenteil: Für die Sozial- und Geisteswissenschaften eben, also für Forschungen zur Zeitgeschichte, Forschungen der Soziologie, der Ethnologie, der Linguistik usw. werden Hindernisse geschaffen, die unnötig und nicht zweckdienlich sind.
In Absatz 1 sind eigentlich die vier wesentlichsten Elemente, die zu schützen sind, klar geregelt: Es sind die Menschenwürde, die Persönlichkeitsrechte, die Forschungsfreiheit und die Bedeutung der Forschung für Gesundheit und Gesellschaft. Es ist doch eine etwas weithergeholte Annahme, dass man betroffene Personen zwingen kann, an einem Forschungsprojekt teilzunehmen, ausser vielleicht im Epidemie- oder Pandemiefall. Zudem ist es etwas ganz anderes, wenn im Labor geforscht wird, also eine anonymisierte Forschung in vitro stattfindet. Da müssen wir eben den Fächer hinsichtlich der Möglichkeiten weit öffnen. Bei der In-vivo-Forschung ist, wie bereits ausgeführt, eigentlich schon alles geregelt.

AB 2008 N 1055 / BO 2008 N 1055

Wie unsinnig die Formulierungen in der vom Bundesrat vorgeschlagenen Fassung sind, beweist auch der zweite Satz von Absatz 2 Buchstabe c: "Lässt das Forschungsvorhaben keinen unmittelbaren Nutzen für die urteilsunfähigen Personen erwarten, so dürfen die Risiken und Belastungen nur minimal sein." Ja, wann kann man denn bei einem Forschungsvorhaben schlüssig sagen, dass es keinen unmittelbaren Nutzen bringt? Wüsste man dies bereits vorher, wäre keine Forschung mehr nötig. Oder können Sie mir sagen, was im Bereich der human-, sozialwissenschaftlichen oder geschichtlichen Forschungen minimale Risiken und Belastungen für die betroffenen Personen sind? Diese Problematiken können, sofern überhaupt nötig, nur auf Gesetzesstufe gelöst werden.
Die Verfasser des Entwurfes sind sich ja selber auch bewusst, dass diese Grenzen sehr unscharf sind. Wer soll dann im Zweifelsfall wie Klarheit schaffen? Muss der Autor einer Studie selbst entscheiden, ob er, wie es Buchstabe d verlangt, erst einen aufwendigen Gesuchprozess durchführen will, welcher sich vielleicht am Ende als unnötig erweist, oder ob er riskieren soll, dass ein offensichtlich unbedenkliches Projekt kurz vor der Fertigstellung wegen solcher Verfassungsgrundlagen blockiert wird? Diese Verunsicherungen würden dazu führen, dass Forschungsprojekte, die auf den ersten Blick unbedenklich wären, nicht oder eben nicht in der Schweiz durchgeführt würden.
In diesem Konzept ist ebenfalls Absatz 3 zu streichen. Diese Kompetenz wurde bereits mit der Revision des Forschungsgesetzes in Artikel 11a beschlossen, in welchem für die vom Bund geförderte Forschung die Einhaltung von Integritätsstandards verlangt wird. Zudem wird diese Aufgabe bereits durch die bestehenden Institutionen der Forschungslandschaft ausreichend wahrgenommen. Es dürfte für den Bund ziemlich problematisch werden, Projekte in einzelnen Sparten zu beurteilen, da ihm schlicht die Kompetenz dazu fehlt.
Zusammenfassend bitte ich Sie, dem Konzeptvorschlag der Minderheit II zuzustimmen, eine einfache, griffige und verständliche Verfassungskompetenz festzulegen und die Details gezielt und sauber im Gesetz festzuschreiben. Treten Sie mit Ihrem zustimmenden Entscheid für unser Konzept auch für unseren Forschungsstandort Schweiz ein, und verhindern Sie damit eine unüberlegte und falsche Bürokratisierung der Forschung.

Aeschbacher Ruedi (CEg, ZH): Bereits in der Eintretensdebatte habe ich die verschiedenen Interessenlagen rund um dieses Gesetz dargestellt. Es sind sehr starke Interessen, die von verschiedenen Seiten, aber konzertiert auf die Forschungsfreiheit hinwirken; im Gegenzug kommt das Interesse der betroffenen Menschen stark unter Druck. Ich habe gesagt, dass wir den Schutz der Menschenwürde höher gewichten würden als die Forschungsfreiheit. Das muss sich nun natürlich auch im Konkreten niederschlagen und zeigen, nicht nur im Zweckartikel, sondern auch dann, wenn es darum geht, die Leitplanken noch enger zu stecken und ausführlicher zu gestalten. Vor diesem Hintergrund ist auch mein dreiteiliger Antrag zu verstehen:
1. Bei Artikel 118a Absatz 2 Buchstabe a geht es um die Einwilligung der Probanden und Probandinnen. Wir wollen zum einen, dass die von einem Forschungsvorhaben betroffenen Personen nicht nur "hinreichend", sondern "umfassend" aufgeklärt werden - es geht um den Austausch dieser Wörter -, und zwar eben, bevor sie ihre Einwilligung zum Mittun geben. Eine nur hinreichende Aufklärung lässt zu viel Spielraum und Interpretationsmöglichkeiten für diejenigen, die diese Aufklärung machen sollen. Wenn am Menschen geforscht wird, dann kann die Aufklärung nur genügen, wenn die betroffene Person umfassend über das Vorhaben informiert wird.
Zum anderen soll das Gesetz keine Ausnahmen von diesem Grundsatz vorsehen können. Die Einwilligung der betroffenen Personen muss in jedem Fall eingeholt werden. Deshalb wollen wir, wie Sie aus dem Antrag ersehen, den Rest der Bestimmung streichen und keine Ausnahmen zulassen.
2. In Artikel 118a Absatz 2 der Bundesverfassung möchten wir einen neuen Buchstaben e einführen, der ganz klar festhält, dass die bereits gewonnenen biologischen Materialien und Daten für das Forschungsvorhaben nicht verwertet werden dürfen und zu vernichten sind, wenn die betroffene Person ihre Einwilligung zum Forschungsvorhaben zurückzieht oder verweigert. Wie sich bei Forschungsvorhaben in der Vergangenheit gezeigt hat, ist diese an sich logische Forderung keine Selbstverständlichkeit. Deshalb ist es wichtig, dass wir sie hier eindeutig festschreiben, damit alles wirklich klar und unmissverständlich ist.
3. Der letzte Teil meines Antrages schliesslich, ein neuer Buchstabe f, bringt das Kommerzialisierungsverbot wieder auf den Tisch. Es ist in der Vernehmlassung vorgeschlagen worden. Der menschliche Körper oder Teile davon sollen zu Forschungszwecken nicht gekauft und auch nicht verkauft werden können. Zwar meint der Bundesrat, dass im Bereich der Forschung einem solchen Verbot nicht dieselbe Bedeutung zukäme wie bei der Transplantationsmedizin und dass es ja dann gegebenenfalls auf Gesetzesstufe aufgenommen werden könnte. Das mag stimmen. Die EVP vertritt aber die Ansicht, dass auch in dieser Beziehung bereits in der Bundesverfassung eine klare Leitplanke zu setzen sei, und will sich nicht auf eine allfällige Regelung auf Gesetzesstufe vertrösten lassen. Wer weiss, ob diese Regelung kommt und wie sie kommt?
Ich mache Ihnen beliebt, meinem dreiteiligen Antrag zuzustimmen.

Waber Christian (-, BE): Hier wurde vor wenigen Minuten behauptet, dass Wissenschaft und Forschung immer das Wohl des Menschen im Auge hätten. Ich bin natürlich viel misstrauischer. Ich möchte niemandem etwas unterschieben, aber ich bin der Überzeugung, dass gerade die Forschung am Menschen nur zulässig sein kann, wenn sie "der Erhaltung des menschlichen Lebens, der Erhaltung und Förderung der physischen und psychischen Gesundheit des Menschen" dient. Aus diesem Grund habe ich bei Absatz 2 meinen Antrag so formuliert. Nicht, dass ich die Wissenschaft und die Forschung in Bausch und Bogen verurteile, aber ich denke doch, dass die Forschung heute sehr stark vom Geld bestimmt wird. Wo Gewinn erzielt werden kann, da wird auch geforscht.
Ich bin mir aber nach der ersten Abstimmung zu Absatz 1 bewusst, dass dieser Antrag hier keine Chance hat, und ziehe ihn aus Gründen des Zeitgewinns zurück.

Le président (Bugnon André, président): La proposition Waber à l'alinéa 2 est retirée.

Moser Tiana Angelina (CEg, ZH): Die CVP/EVP/glp-Fraktion unterstützt die Verankerung der Grundsätze in diesem Artikel. Der Grat der optimalen Regelungsdichte zwischen Forschungsfreiheit und Schutz der Würde und der Persönlichkeit ist äusserst schmal, denn es geht um viel. Es geht um die Bedeutung und Respektierung des Menschseins einerseits und um die Weiterentwicklung des Wissens für unsere Gesellschaft und für die Menschheit als solche andererseits. Wenn wir diesen schmalen Grat sichern wollen, müssen wir in der Verfassung Eckwerte verankern. Die Forschung entwickelt sich rasant weiter. Es ist deshalb absolut zentral, dass diese Eckwerte auch auf Verfassungsstufe festgehalten werden und somit von gewisser Dauer sind.
In Absatz 1 stellt die limitierte Kompetenznorm einen solchen wichtigen Eckwert zugunsten der Forschungsfreiheit dar. Es müssen nun aber auch die Eckwerte zur Sicherstellung der menschlichen Würde und Persönlichkeit Eingang in den Verfassungsartikel finden. Diese Eckwerte sollen aber nicht Anlass zur Schwarzmalerei geben, das wäre übertrieben. Es besteht keine Bedrohung für die Forschung als solche, wenn wir Grundsätze auf Verfassungsstufe regeln. Die Anträge der Mehrheit unserer WBK lassen sowohl bei Absatz 1 wie auch bei den einzelnen Grundsätzen von Absatz 2 Ausnahmen zu. Dieser Verfassungsartikel hat also nicht zwangsläufig ein Gesetz zur Folge, das die Forschung

AB 2008 N 1056 / BO 2008 N 1056
blockieren und verschiedene Studientypen total verunmöglichen würde.
Die CVP/EVP/glp-Fraktion lehnt deshalb den Streichungsantrag der Minderheit II (Füglistaller) sowie den Eventualantrag entschieden ab. Des Weiteren steht die Fraktion klar hinter den einzelnen Grundsätzen. Der Grundsatz der Zustimmung nach hinreichender Aufklärung, der sogenannte "informed consent", ist ein zentraler Grundsatz. Allerdings ist die Zulassung von Ausnahmen auch hier absolut wichtig. Gerade im Bereich der empirischen Sozialwissenschaften kann im Falle eines Zwangs zur Aufklärung wissenschaftliches Arbeiten in bestimmten Bereichen stark eingeschränkt oder sogar verhindert werden. So können beispielsweise beobachtende Forschungen von Gruppenprozessen kaum mehr durchgeführt werden, wenn zuvor eine Aufklärung mit Einwilligung erfolgen muss. Dies würde die Untersuchung bis zur Unbrauchbarkeit verzerren. Gleichzeitig muss aber auch erneut gesagt werden, dass nicht jede Studie die Würde des Menschen so beeinträchtigt, dass sie überhaupt unter diesen Rechtsgrundsatz fallen würde.
Klar steht die CVP/EVP/glp-Fraktion auch hinter dem Antrag der Mehrheit zum Grundsatz der Subsidiarität in Bezug auf Untersuchungen mit urteilsunfähigen Personen. Es liegt aber auf der Hand, dass diese Grundsätze insgesamt - und dieser Grundsatz im Besonderen - mit Bedacht angewendet werden müssen, sonst würde das Anliegen der Sicherstellung der Forschungsfreiheit schlicht und einfach zur Farce werden. Den Grünliberalen ist die Forschung und somit auch die Forschungsfreiheit ein zentrales Anliegen. Wir anerkennen deshalb die Eigenheiten der Forschung. Gerade die Grundlagenforschung ist ein suchender Prozess, dessen Ziel nicht immer von Anfang an klar ist. Forschung ist oft eine Entdeckungsreise, bei der man ein konkretes Ziel zwar anstrebt und vielleicht in ein Proposal integrieren kann, bei der aber unterwegs dann etwas ganz anderes gefunden wird. Es gibt hier ganz viele Beispiele. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Entdeckung des Penizillins. Es ist absolut zentral, dass wir uns nicht die Chance verbauen, wichtige Erkenntnisse z. B. für Demenzkranke, für Kinder oder für Behinderte zu erlangen; dies tun wir aber, wenn wir die Natur der Forschung einfach nicht anerkennen. Unsere Fraktion unterstützt auch den Grundsatz der Verhältnismässigkeit sowie den Grundsatz der unabhängigen Überprüfung.
Wir bitten Sie deshalb, den Antrag der Mehrheit mit den Grundsätzen zu unterstützen und den Antrag der Minderheit I (Graf Maya) sowie die Einzelanträge abzulehnen.

Wasserfallen Christian (RL, BE): Ich habe es schon zu Beginn gesagt: Wir von der FDP wollen unter Berücksichtigung der Menschenwürde einen Verfassungsartikel für die Forschung und nicht gegen die Forschung. Forschung mit urteilsunfähigen Personen ist heikel, und es bedarf hier grosser Abklärungen, viel fundierterer Abklärungen, als sie bereits unternommen wurden.
Wir dürfen aber nicht der Versuchung erliegen, urteilsunfähige Personen durch einen falsch verstandenen Schutz zu Opfern werden zu lassen. Die urteilsunfähigen Personen dürfen dann nicht einfach durch übermässigen Schutz vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen werden. Das ist der falsche Weg. Der medizinische Fortschritt ist gerade für diese Personen sehr wichtig, und er darf nicht zusätzlich erschwert werden. Zwei Beispiele: An einer fünfundsiebzigjährigen demenzkranken Person wird geforscht. Sie ist urteilsunfähig und wird, Maya Graf, niemals von diesen Ergebnissen profitieren können; das ist schlicht unmöglich. Auch ein achtjähriges Kind, an dem geforscht wird, ist eine urteilsunfähige Person. Dieses Kind wird ebenfalls nicht a priori einen direkten Nutzen aus dieser Forschung ziehen, da es bis dahin schon erwachsen ist. Die Forschung in diesen Bereichen wollen Sie mit diesem Minderheitsantrag einfach verbieten. Das kann nicht das Wesen dieses Artikels sein. Wir haben einen Nachholbedarf, insbesondere bei den kindgerechten Medikamenten. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist dieser Minderheitsantrag ganz klar nicht zu berücksichtigen.
Ich habe erstens gesagt: Die Grundlagenforschung dauert sehr lange. Zweitens ist die Forschung ja eine methodische und systematische Suche nach neuen Erkenntnissen. Der Prozess soll langsam vor sich gehen. Ich kann ja nicht zu Beginn eines Forschungsprojektes sagen: Dieses Forschungsprojekt wird diesen und jenen Nutzen haben. Das ist unseriös, und das kann kein Forscher mit seinem Forschergewissen vereinbaren. Darum lehnen wir den Antrag der Minderheit I (Graf Maya) klar ab.
Zu den Streichungsanträgen: Die FDP-Fraktion unterstützt die Streichungsanträge der Minderheit II (Füglistaller) und auch den Eventualantrag. Denn die Absätze 2 und 3, wie sie jetzt vorliegen, gehen weiter als die Bioethik-Konvention, und es muss nicht im Interesse der Schweiz liegen, hier noch weiter zu gehen. Insbesondere die Diskussion um den Nutzen eines Forschungsvorhabens ist hier wenig befriedigend gelöst. Wir wollen zudem keine Konzentration rein auf die biomedizinische Forschung, sondern wir wollen das Feld öffnen, indem wir auch die Sozialwissenschaften, die Geschichte, die Ethnologie usw., hineinnehmen. Kurz gesagt: Die FDP will hier eine Universalnorm für die Forschung am Menschen und keine spezielle Norm - darum eine Kompetenznorm. Wir wollen, dass der Ständerat schlussendlich eine Chance hat, sich auf der Basis einer offenen Grundlage zu unterhalten, und sich des Themas noch vertiefter annimmt.
Nous voulons donner au Conseil des Etats la possibilité d'approfondir la discussion sur ce sujet qui n'a pas été traité entièrement en commission.
Ich bitte Sie wirklich, diese Grundsätze zu beachten. Wir verschliessen uns viel zu viele Türen, wenn wir die Absätze 2 und 3 so einfügen. Wir verschliessen uns noch viel mehr Türen, wenn wir hier den Minderheitsantrag I (Graf Maya) unterstützen. Es muss um einen Verfassungsartikel für und nicht gegen die Forschung gehen - unter Berücksichtigung der Menschenwürde, das ist selbstverständlich.

Widmer Hans (S, LU): Ich spreche nur zur Minderheit II (Füglistaller). Sie will den ganzen Absatz 2 streichen. Sie will auf Verfassungsstufe gar keine materiellen Grundsätze formuliert haben. Und dann stellt sie noch einen Eventualantrag. Der ist natürlich schlau, aber rein formal: Er gibt nur Anweisungen bezüglich der "sujets", der Themen, für die im Gesetz Anforderungen zu formulieren seien. Das ist zwar immerhin eine formale Ergänzung, aber es bringt letztlich gar nichts. Deswegen: Hauptantrag und Eventualantrag der Minderheit II ablehnen!
Für uns ist die Formulierung der Grundsätze deswegen wichtig, weil nur so bei allen möglichen Gesetzgebungen die gleichen minimalen, inhaltlich umschriebenen Massstäbe angelegt werden. Diese Massstäbe setzenden Grundsätze, welche im Übrigen nur dann zur Anwendung kommen, wenn das Parlament - das haben wir gesehen - gestützt auf Absatz 1 ein Gesetz erlässt, sind so konzipiert, dass auf spezielle Gegebenheiten der verschiedenen Forschungsbereiche eingegangen werden kann. So impliziert zum Beispiel die Einwilligung "nach hinreichender Aufklärung", der sogenannte "informed consent", in Absatz 2 Buchstabe a kein Erfordernis etwa dahingehend, dass die Einwilligung mündlich oder schriftlich zu erfolgen hätte. Auch Ausnahmen bleiben möglich, zum Beispiel die Notfallforschung.
Die Verbindlichkeit einer Ablehnung verbietet zu Recht die Zwangsforschung - das wollen wir drinhaben -, zu Recht deswegen, weil die bewusste und ausdrückliche Willensbekundung einer Person höher zu bewerten ist als ein bestimmtes Forschungsinteresse. Der Grundsatz, dass kein Missverhältnis zwischen Risiken und Belastungen einerseits und dem Nutzen des Forschungsvorhabens andererseits bestehen darf, dieser Grundsatz setzt der Forschungsdynamik ebenfalls zu Recht gewisse Grenzen - die aber nicht absolut sind. Befragungen sind möglich, genauso wie die Entnahme von Körperflüssigkeiten ohne zusätzliche Intervention. Auch sind die Grundsätze bezüglich der Forschung mit Urteilsunfähigen deshalb sehr wichtig, weil die Urteilsunfähigen der Gefahr, durch die Forschung instrumentalisiert zu werden,

AB 2008 N 1057 / BO 2008 N 1057
ganz besonders ausgesetzt sind. Trotzdem bleibt Grundlagenforschung an Kindern möglich, weil gleichwertige Erkenntnisse nicht mit urteilsfähigen Personen gewonnen werden können - Erkenntnisse übrigens, die allenfalls ausschliesslich für Kinder nutzbringend sein können.
Ich kürze ab, damit meine Kollegin noch zu Wort kommt. Ich bitte Sie, denken Sie einmal daran: Wer kann schon dagegen sein, dass sich der Bund für die Qualität und die Transzendenz der Forschung am Menschen einsetzt? Wohl nur jene, die den Diskurs über die Ethik nicht führen wollen. Denken Sie daran, dass eine gut eingegrenzte Forschung dem Forschungsplatz hilft, weil sie qualitativ hochstehend ist.
Ich bitte Sie, den Antrag und den Eventualantrag der Minderheit II abzulehnen.

Aubert Josiane (S, VD): Les propositions Aeschbacher sont certainement dignes d'intérêt, mais elles doivent être prises en compte au niveau de la loi et non pas de l'article constitutionnel. La deuxième phrase de la lettre a de la proposition de la majorité précise que la loi peut prévoir des exceptions et que le refus de la personne est contraignant. Il est donc justement inadéquat de proposer la suppression de cette phrase.
Dès que les commissions d'éthique seront actives et oeuvreront en suivant les règles fixées au niveau fédéral, la Confédération s'engagera simultanément en faveur de la qualité et de la transparence de la recherche sur l'être humain, comme le prévoit l'alinéa 3 de l'article constitutionnel. Les questions soulevées par Monsieur Aeschbacher seront donc prises en compte et traitées dans la loi.

Vischer Daniel (G, ZH): Ich beantrage Ihnen, den Antrag der Minderheit II (Füglistaller) abzulehnen und jenen der Minderheit I (Graf Maya) gutzuheissen. Ebenso nehmen wir befürwortend von den Anträgen Aeschbacher Kenntnis.
Zur Minderheit II: Die SVP-Fraktion geht von einer irrigen Ansicht aus. Sie meint nämlich, wenn ihr Minderheitsantrag angenommen würde, würde das die Forschungsfreiheit stärken. Das Gegenteil ist wahr. Wenn Ihr Antrag angenommen wird, haben Sie nach geltender Verfassungsauslegung keine Möglichkeit, um an Urteilsunfähigen zu forschen. Die anderen Bestimmungen gelten ebenfalls schon von der Verfassung her mehr oder weniger als Grundprinzipien. Das heisst, Sie intendieren etwas Falsches.
Nun zum Antrag der Minderheit I: Im Grunde genommen ist ja nur Buchstabe c dieses Absatzes 2 essenziell. Die anderen Buchstaben - a, b und d - sind Grundsätze, die immer gelten, die auch sonst Verwirklichung finden müssten. In diesem Absatz 2 geht es aber darum, dass bei der Forschung mit Urteilsunfähigen gewissermassen eine Beweislastumkehr zuungunsten der Urteilsunfähigen herbeigeführt wird. Das heisst, bei gleichwertigen Erkenntnissen, also im Zweifel, ist diese Forschung zulässig. Frau Graf will das Verhältnismässigkeitsprinzip umkehren. Das heisst, sie will die Forschung an Urteilsunfähigen erschweren, als Ausnahme statuieren und nicht als Grundregel, wie das hier von der Mehrheit in Buchstabe c vorgesehen wird.
Sie müssen sich klar darüber sein, was Sie verabschieden, wenn Sie der Fassung der Mehrheit zustimmen. Dann sagen Sie nämlich: Wenn ein Nutzen besteht, dürfen auch Risiken und Belastungen, die über das Minimale hinausgehen, bei Urteilsunfähigen in Kauf genommen werden. Dies halte ich für eine krasse Überstrapazierung des Verhältnismässigkeitsprinzips zugunsten der Forschungsfreiheit und zuungunsten des Persönlichkeitsschutzes und des Schutzes der Würde des Menschen. Und es ist Ihnen natürlich klar: Wenn Sie nicht so wie die Mehrheit formulieren würden, hätten Sie die Möglichkeit für diese Forschung gar nicht. Deswegen brauchen Sie ja diese ganze Verfassungsübung. Aber wir wollen das nicht, weil wir die Menschenwürde und den Persönlichkeitsschutz von Urteilsunfähigen höher gewichten.
Nun sehen wir ein, dass in bestimmten Fällen tatsächlich auch Forschung an Urteilsunfähigen betrieben werden muss. Aber dazu bedarf es klarer Schranken, bedarf es einer Einengung, bedarf es eines qualifizierteren Zustimmungserfordernisses. Dem will der Antrag der Minderheit I Rechnung tragen. Ich denke, wer wirklich dem Forschungsstandort Sorge tragen will, der oder die will eine qualitativ hochstehende Forschung. Und qualitativ hochstehende Forschung ist Forschung, für die die elementaren Prinzipien der Achtung der Menschenwürde zuoberst stehen. Das haben übrigens einige Firmen begriffen. Sie benützen ja gerade diese ethischen Grundsätze gewissermassen als Label für einwandfreie Forschung. Wir wollen aber nicht schon durch einen Verfassungsartikel dieses Prinzip unterlaufen und die Forschungsfreiheit so öffnen, dass schon unter relativ nichtrestriktiven Bedingungen Forschung an Nichtzurechnungsfähigen betrieben werden kann.
Es geht hier übrigens nicht in erster Linie um Kinder; unter bestimmten Voraussetzungen sind Kinder durchaus als urteilsfähig anzusehen. Das ist je nach Alter und Situation anders zu gewichten. Es geht um geistig Schwache, um Menschen, die keine Möglichkeit haben, das, was mit ihnen geschieht, zu durchschauen, die keine Möglichkeit haben, in Mündigkeit über die Forschung an ihnen selbst bestimmen zu können. Es ist etwas Unwürdiges, wenn es gewissermassen zum Courant normal wird, dass unter uneingeschränkten Bedingungen solche Forschung möglich wird.
Stimmen Sie dem Antrag der Minderheit I (Graf Maya) zu. Wenn Sie das nicht tun, werden wir Absatz 2 ablehnen.

Wasserfallen Christian (RL, BE): Herr Vischer, sind es denn aber nicht gerade die urteilsunfähigen Personen, die vor allem vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen werden, wenn mit ihnen nicht geforscht werden darf? Was gewichten Sie denn höher: dass man diesen Leuten dann einmal helfen kann oder ihren absoluten Schutz? Was ist Ihre Gewichtung?

Vischer Daniel (G, ZH): Also erstens einmal, lieber Kollege Wasserfallen, heisst es im letzten Satz, dass auch Forschung an Urteilsunfähigen zulässig sein soll, die nicht einmal einen Nutzen für diese hat - es ist also das Gegenteil von dem, was Sie insinuieren -; da dürfen die Eingriffe allerdings nur minimal sein. Wieso wollen Sie mir jetzt im Ernst sagen, es sei für den medizinischen Fortschritt unumgänglich, dass wir Forschungsvorhaben mit Urteilsunfähigen propagieren, die nicht einmal einen Nutzen davon haben?
Zweitens ist auch nicht klar, was mit dem Begriff der "gleichwertigen Erkenntnisse" tatsächlich gemeint ist und wie diese Abwägung dann im Einzelfall vorgenommen wird. Sie tun so, als ob wir den medizinischen Fortschritt gewissermassen bekämpfen. Ich sage aber: Mit der Fassung, wie sie die Minderheit I (Graf Maya) vorschlägt, ist diesem Gedanken vollauf Rechnung getragen.

Couchepin Pascal, président de la Confédération: Par sa proposition de minorité I, Madame Graf Maya vise l'interdiction des projets de recherche sans bénéfices immédiats pour les participants, avec cependant une petite ouverture au niveau de la loi. Cette proposition est plus restrictive que celle du Conseil fédéral. Elle est également plus restrictive que les dispositions similaires de la loi sur les produits thérapeutiques. La proposition de la minorité I (Graf Maya) est donc difficilement réalisable en raison de la diversité des cas qui peuvent se présenter.
Personne ne conteste la nécessité d'imposer des restrictions particulières aux projets de recherche sur des personnes incapables de discernement, et la lettre c impose suffisamment de conditions, notamment le principe de subsidiarité et l'exigence que les risques et les contraintes soient minimaux lorsqu'il s'agit de projets controversés sans bénéfices immédiats pour les participants.
Nous vous invitons à rejeter la proposition de la minorité I (Graf Maya), qui est trop restrictive.
En ce qui concerne la proposition de la minorité II (Füglistaller), je dois dire qu'elle m'a étonné en commission, comme elle m'étonne aujourd'hui. Finalement, j'ai cru comprendre que le camp auquel appartient Monsieur Füglistaller était

AB 2008 N 1058 / BO 2008 N 1058
plutôt assez restrictif, plutôt partisan de prévoir des restrictions assez fortes pour garantir la dignité et le respect de la personne. Or, en biffant l'alinéa 2, on supprime un certain nombre de conditions qui influencent la liberté de la recherche mais qui nous paraissent importantes. Monsieur Füglistaller nous dit bien sûr qu'il s'agit de détails. Nous ne le pensons pas. Il ne s'agit ni de nuances ni de détails, mais bel et bien d'éléments essentiels qui doivent être fixés au niveau de la Constitution, de telle sorte que la loi, ensuite, puisse, elle, régler les détails, les points essentiels ayant été débattus et décidés dans le cadre de la discussion constitutionnelle que nous menons actuellement.
La proposition de la minorité II (Füglistaller) va selon moi dans le sens contraire de ce que, en principe, son camp souhaite. Mais, même si je me trompe dans mon interprétation, cette proposition, soutenue par d'autres groupes - dont le groupe radical-libéral, à ma connaissance -, n'est pas bonne parce qu'elle suscitera une grande méfiance dans certains milieux, qui penseront qu'on laisse trop de libertés au législateur.
Notre projet n'est pas paralysant, mais il établit des garde-fous qui sont assez clairs et qui permettent d'avoir d'abord un débat sur l'article constitutionnel qui soit un débat sur les questions de fond, et non pas un débat sur la loi qui doit suivre; ensuite, il facilitera le travail du législateur.
Nous vous invitons à rejeter la proposition de la minorité II (Füglistaller).
Nous invitons en particulier ceux qui pensent que notre projet va trop loin dans le détail à réfléchir aux conséquences de la suppression de ces fameuses quatre conditions et aux risques qu'ils font courir à l'article constitutionnel en voulant réduire au niveau législatif la discussion sur des points essentiels.
Quant à la proposition Aeschbacher, je crois qu'il n'y a pas lieu de prolonger longtemps le débat sur le sujet. Si les lettres a et c étaient supprimées, il n'y aurait plus d'exception possible, même lorsqu'il y a une situation d'urgence. On ne pourrait plus faire de recherche sans le consentement des personnes, même dans des cas où, de toute évidence, il n'y a pas de problème moral qui se pose. Si la lettre e était adoptée, on ne pourrait plus anonymiser le matériel biologique et les données déjà disponibles. D'autre part, la destruction des données en cas de consentement retiré est en contradiction avec les exigences internationales sur les essais cliniques avec des médicaments.
Finalement, on ne voit pas très bien quel est l'objectif éthique que poursuit Monsieur Aeschbacher. Je crois que sa vision de l'article constitutionnel et les propositions qu'il fait n'apportent pas de précision et de clarté dans le débat. Au contraire, elles le rendent plus difficile.

Bruderer Pascale (S, AG), für die Kommission: Vorneweg zum Einzelantrag Aeschbacher, den wir in der Kommission nicht vorliegen hatten - ähnliche Fragen wurden aber diskutiert -: Wir sind der Meinung, dass diese Fragen im Gesetz zu regeln sind.
Zur Minderheit II (Füglistaller): Mit seinem Minderheitsantrag auf Streichung der Absätze 2 und 3 will Herr Füglistaller eine reine Kompetenznorm in die Verfassung einfügen, die sowohl auf die Erwähnung von Grundsätzen verzichtet als auch auf einen Handlungsauftrag in Bezug auf die Qualität und die Transparenz. Das würde aus der Sicht der Kommissionsmehrheit zu verschiedenen Problemen führen.
1. Ein erstes Problem liegt darin, dass dann zentrale Aspekte der Forschung, die eben durchaus Verfassungsgehalt aufweisen, nicht in der Verfassung festgeschrieben wären. Wir alle wissen, dass die Gesetze leichter zugänglich sind als die Verfassung, und vergleichen wir mit anderen Verfassungsregelungen, z. B. mit Artikel 119 der Bundesverfassung, so wird deutlich, dass die in Absatz 2 in unserer Vorlage vorgeschlagenen Grundsätze durchaus Verfassungsgehalt aufweisen.
2. Der Verzicht auf die Grundsätze ist auch aus Sicht der Forschung problematisch, er birgt die Gefahr, dass gewissen im Gesetzentwurf vorgesehenen Regelungen die Verfassungsgrundlage fehlen könnte. Es bestünde also unter Umständen die Gefahr, dass nach Inkrafttreten des Gesetzes eben die Verfassungsmässigkeit der Regelungen infrage gestellt würde.
3. Die Variante der Minderheit II würde dazu führen, dass der Gesetzgeber aus der Verfassung selber gar keine forschungsspezifischen Leitplanken entnehmen könnte. Es würde also in keiner Art und Weise signalisiert, in welche Richtung die gesetzliche Regelung gehen soll - dies in einem so weitgehenden und, so darf ich auch sagen, in einem doch sehr heiklen Bereich wie der Humanforschung. Ich erinnere dabei an die Tatsache, dass das Volk ja über diesen Verfassungsartikel zu befinden haben wird. Eine Abstimmung ohne gleichzeitige Information über die wesentlichsten Grundsätze ihrer Folgen ist für die Bevölkerung vermutlich doch nicht sehr befriedigend. Auch aus demokratischer Sicht wäre es also gemäss Meinung der Kommissionsmehrheit zu begrüssen, in Bezug auf die Gesetzgebung mit der Vorlage ein Richtungssignal auszusenden. Bildlich gesprochen, können wir von der Bevölkerung ja nicht verlangen, dass sie grünes Licht gibt, ohne zu wissen, in welche Richtung es bei der nächsten Kreuzung geht.
Zu den verschiedenen Buchstaben von Absatz 2: In Buchstabe a haben wir seitens der Kommission den bundesrätlichen Entwurf mit der Möglichkeit der stellvertretenden Zustimmung ergänzt. Diese Ergänzung macht Sinn, sie war in unserer Kommission auch nicht bestritten. Einen wichtigen Satz finden Sie ganz am Ende des Buchstabens: Wie in der Vernehmlassung sehr breit gefordert wurde, wird es keine Zwangsforschung geben. Eine Ablehnung der betroffenen Person, zum Beispiel eine aus einer Patientenverfügung bekannte Ablehnung, ist immer zu beachten.
Zum sogenannten "informed consent": Es sind ja Ausnahmen vom "informed consent" ausdrücklich vorgesehen. Diese möglichen Ausnahmen haben in unserer Kommission denn auch einiges zu reden gegeben. Man kann bereits jetzt ungefähr skizzieren, welche Ausnahmen denkbar sind; dies, weil solche Ausnahmen im Entwurf des Humanforschungsgesetzes schon einmal vorgesehen sind:
1. Die bereits im geltenden Recht verankerte Ausnahme für die Datenforschung wird beibehalten. Artikel 321bis des Strafgesetzbuches ermöglicht ja schon heute - und eben auch künftig - Ausnahmebewilligungen, wenn beispielsweise bei einem Forschungsprojekt mit Patientendossiers vergangener Jahrzehnte die betreffenden Personen nicht mehr auffindbar oder vielleicht auch verstorben sind und deshalb keine explizite Einwilligung einholbar ist. Wichtig ist natürlich, dass nicht das Gegenteil der Fall ist, dass also keine explizite Ablehnung vorliegt; denn diese wäre, wie gesagt, verbindlich. Diese Ausnahmemöglichkeiten bleiben also bestehen, übrigens nicht nur für die Datenforschung, sondern auch für die Materialforschung.
2. Wenn es aus methodischen Gründen erforderlich ist, nicht ganz vollständig zu informieren, ist auch eine Ausnahme vorzusehen, gemäss Vorschlag im Humanforschungsgesetz. Die sogenannte unvollständige oder irreführende vorgängige Aufklärung, zum Beispiel bei Projekten der Psychologie, muss zulässig sein, damit die Probanden auch wirklich ihr natürliches Verhalten zeigen. Auch hier wird aber eine Schranke eingeführt: Es dürfen nur minimale Risiken und Belastungen mit der Forschung einhergehen.
3. In der Notfallforschung, die bereits erwähnt wurde, bleibt aufgrund der Dringlichkeit ja gar keine Zeit, bei sämtlichen Angehörigen nachzufragen, ob sich der Einbezug in ein Forschungsprogramm rechtfertigen würde. Deshalb ist das ebenfalls eine mögliche Ausnahme.
Es gibt natürlich weitere mögliche Ausnahmen, über die dann eben das Parlament zu diskutieren haben würde.
Zu Buchstabe c: Dieser Buchstabe betrifft Forschungsvorhaben mit urteilsunfähigen Personen, also einen ganz besonders heiklen Bereich, den wir sehr intensiv diskutiert haben. Es ist eigentlich unbestritten - es war auch in unserer Kommission unbestritten -, dass hier ein besonderer Schutz wichtig ist. Unterschiedlicher Meinung waren wir betreffend die Frage, wo und wie der Schutz zu verankern ist.

AB 2008 N 1059 / BO 2008 N 1059

Zum Antrag der Minderheit I (Graf Maya): Sie verlangt, dass Forschungsvorhaben ohne direkten Nutzen nicht durchgeführt werden dürfen, wenn dies mit urteilsunfähigen Personen geschieht, wobei das Gesetz Ausnahmen vorsehen kann. In diesem Fall wäre es aus unserer Sicht sehr schwierig, diese Ausnahmen präzise genug zu regeln, weil die Möglichkeiten der Forschungsvorhaben sehr, sehr zahlreich sind. Die Kommissionsmehrheit hat sich im Falle der Forschung mit Urteilsunfähigen deshalb für eine generelle Schranke entschieden, gemäss welcher Risiken und Belastungen nur minimal sein dürfen. Die Kommission hat sich mit 15 zu 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen gegen den Antrag Graf Maya ausgesprochen.
Ich komme zum Schluss nochmals auf die Streichungsanträge zurück. Das Spektrum der Organisationen, welche die Grundsätze in Absatz 2 unterstützen, ist sehr breit. Ich kann Ihnen dafür ein paar Beispiele geben, damit Sie sehen, dass es nicht nur ein Anliegen aus einer Richtung ist. Diese Grundsätze werden unter anderem unterstützt von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, von der Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz; andere Beispiele aus der Forschungsgemeinschaft sind der Schweizerische Nationalfonds, die Akademien der Wissenschaften Schweiz, und zwar inklusive der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften, die ja uns allen ein Schreiben hat zukommen lassen, welches eine sehr klare Sprache zugunsten dieses Entwurfes spricht, inklusive Absatz 2. Weiter kommen die Behindertenorganisationen dazu, die ebenfalls ein Schreiben verfasst haben und aufzeigen, dass für sie die Verankerung dieser Grundsätze eine eigentliche Bedingung für diesen Verfassungsartikel ist. In der Kommission wurde der Antrag Füglistaller mit 13 zu 10 Stimmen abgelehnt.
Etwas klarer sieht es aus, wenn man einen Blick auf den Vernehmlassungsbericht wirft. Ich muss aber sagen: In der Vernehmlassung wurde zwar noch von einem anderen Konzept ausgegangen, aber die Frage der Grundsätze wurde schon damals diskutiert. Von den etwa 130 Vernehmlassungsteilnehmerinnen und -teilnehmern haben nur gerade 18 für eine reine Kompetenznorm, also für eine Streichung der Absätze 2 und 3, votiert, wie sie von Herrn Füglistaller vorgeschlagen wird.
Zu Absatz 3: Mit Absatz 3 stellen wir sicher, dass sich der Bund für die Qualität und die Transparenz der Forschung am Menschen einsetzt.
Für die Kommissionsmehrheit sind die Absätze 2 und 3 sehr wichtig. Ich bitte Sie, der Kommissionsmehrheit zuzustimmen.

Füglistaller Lieni (V, AG): Liebe Frau Kollegin, wir haben bisher weder einen Verfassungsartikel noch ein entsprechendes Gesetz. Können Sie mir irgendwelche tatsächlichen Missstände aufzeigen, die es wirklich nötig machten, diese Grundsätze festzuhalten?

Bruderer Pascale (S, AG): Wenn man die Grundsätze liest - und es geht dabei wirklich um Grundsätze mit Verfassungsgehalt, nämlich zum Beispiel um einen besonderen Schutz bei der Forschung an urteilsunfähigen Personen oder darum, dass eine unabhängige Überprüfung der Forschungsvorhaben installiert werden soll -, dann ist klar, dass es durchaus wichtig ist, diese in der Verfassung festzuhalten. Wichtig ist dies vor allem deshalb, Herr Füglistaller, weil wir gemäss einer Motion (03.3007), die auch hier angenommen wurde, den Auftrag haben, die Forschung am Menschen auf Bundesebene abschliessend zu regeln und die Grundsätze - das können Sie in der entsprechenden Motion nachlesen - eben auch zu verankern.

Neirynck Jacques (CEg, VD), pour la commission: La minorité I (Graf Maya) apporte une nuance par rapport à la proposition de la majorité. En principe, elle tend à interdire et à ne prévoir que de rares exceptions. De cette façon, on défend l'intérêt de la personne opposé à l'intérêt de la communauté, de la société. On se trouve dans une problématique analogue à celle des vaccinations. Pendant longtemps, on a rendu les vaccinations obligatoires, sachant qu'il y avait des effets secondaires, parfois très dangereux. En matière de vaccination contre la variole, il y avait un cas de méningite sur 5000 ou même de mort. Si on ne vaccinait pas, le tiers des enfants seraient morts. Il y a donc un conflit entre intérêts personnels et intérêt de la société. Et la commission penche plutôt vers l'intérêt de la société que vers les intérêts individualistes.
En ce qui concerne la minorité II (Füglistaller), les arguments ont déjà été développés. On peut difficilement soutenir qu'un principe comme celui qui dit qu'un projet de recherche ne peut être réalisé que si le consentement éclairé a été donné par les personnes concernées, soit un détail. C'est vraiment un principe fondamental qui doit être inscrit dans la Constitution. De toute façon, l'argument développé par Madame Aubert vaut toujours. Si nous n'avons pas d'alinéa 2, nous aurons beaucoup de peine à faire passer cet article constitutionnel devant la population, qui exercera à son égard une méfiance tout à fait justifiée.
Enfin, si l'on prend la proposition Aeschbacher, j'attire l'attention de mes collègues francophones sur le fait que la traduction n'est pas tout à fait exacte. On parle de "consentement éclairé", tandis que Monsieur Aeschbacher souhaite un "consentement exhaustif". Alors, j'ai de la peine à voir ce qu'est un "consentement exhaustif" en matière de recherche. De toute façon, les propositions qu'il a présentées n'ont pas été discutées en commission, mais elles visent, elles aussi, à établir des barrières supplémentaires à l'égard de la recherche.
Je vous suggère donc de voter systématiquement les propositions de majorité.

Erste Abstimmung - Premier vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/943)
Für den Antrag der Mehrheit ... 154 Stimmen
Für den Antrag Aeschbacher (Abs. 2 Bst. a) ... 19 Stimmen

Zweite Abstimmung - Deuxième vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/944)
Für den Antrag der Mehrheit ... 121 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit I ... 52 Stimmen

Dritte Abstimmung - Troisième vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/945)
Für den Antrag Aeschbacher (Abs. 2 Bst. e) ... 18 Stimmen
Dagegen ... 163 Stimmen

Vierte Abstimmung - Quatrième vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/962)
Für den Antrag Aeschbacher (Abs. 2 Bst. f) ... 31 Stimmen
Dagegen ... 145 Stimmen

Fünfte Abstimmung - Cinquième vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/947)
Für den Antrag der Minderheit II ... 105 Stimmen
Für den Antrag der Mehrheit ... 73 Stimmen

Le président (Bugnon André, président): La proposition subsidiaire de la minorité II est ainsi caduque.

Ziff. II
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates

Ch. II
Proposition de la commission
Adhérer au projet du Conseil fédéral

Angenommen - Adopté

AB 2008 N 1060 / BO 2008 N 1060

Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 07.072/946)
Für Annahme des Entwurfes ... 114 Stimmen
Dagegen ... 45 Stimmen

Le président (Bugnon André, président): Monsieur Widmer souhaite faire une brève déclaration au nom du groupe socialiste.

Widmer Hans (S, LU): Die SP-Fraktion wird dieses Projekt, wenn es so durchgeht, nicht mittragen, weil die rein formale Erklärung in Absatz 1 alles völlig offenlässt und weil das Ganze für uns ein Konzept ist. Wir werden einen derart geschwächten Artikel mit Blick auf eine Volksabstimmung niemals mittragen.

Abschreibung - Classement

Antrag des Bundesrates
Abschreiben der parlamentarischen Vorstösse
gemäss Brief an die eidgenössischen Räte
Proposition du Conseil fédéral
Classer les interventions parlementaires
selon lettre aux Chambres fédérales

Angenommen - Adopté

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