Fässler-Osterwalder Hildegard (S, SG):
Vor uns liegt also der Antrag der Einigungskonferenz, und wir können ein Resümee zu dieser Legislaturplanung ziehen. Was vorliegt, ist in erster Linie ein Programm des Bundesrates, das vom Parlament etwas verändert wurde. Auf keinen Fall ist es eine gemeinsame Absichtserklärung von Bundesrat und Parlament, die sagt, wohin die Reise gehen soll. Es ist vielmehr ein Kompromisspapier; Punkt für Punkt sind Kompromisse geschmiedet worden. Es ist selbstverständlich, dass in einem solchen Papier diverse Punkte sind, die zum Beispiel von meiner Fraktion nicht unterstützt werden und bei denen wir nicht einmal das Ziel teilen. Dasselbe gilt aber sicher auch für die anderen Fraktionen, insbesondere natürlich für die SVP, die am anderen Rand politisiert. Die Fraktionen der Mitte werden mit diesem Papier etwas zufriedener sein. Ich sage das nur, damit wir wissen, wo wir stehen.
Wir haben nicht zu allen Zielen, die wir nicht teilen, Minderheitsanträge gestellt. Wir haben drei Minderheitsanträge gestellt, um ein Zeichen zu setzen, dort, wo wir die Prioritäten als ganz falsch ansehen und wo wir Sie einfach darauf aufmerksam machen, dass wir, wenn dann die entsprechenden Vorlagen kommen, sicher nicht mitmachen werden. Zusätzlich ist zu sagen, dass wir hier zwar schön planen können, aber die Stimmberechtigten können jederzeit Änderungen an der Reiserichtung vornehmen, indem sie über ein Referendum Nein zu dem sagen, was wir ihnen vorschlagen.
Für uns ist eine der Fragen, bei der wir garantiert nicht mitmachen wollen, die Verschärfung der Schuldenbremse. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass wir als Parlament auch bei der Finanzierung von Projekten selber Prioritäten setzen müssen und uns nicht ständig noch mehr Fesseln anlegen sollten.
Bei Ziffer 46 zum Beispiel sind wir zu ehrgeizig. Es ist kaum möglich, dass wir in dieser Zeit zwei IV-Revisionen durchbringen, die eine beraten und die andere auch noch umsetzen. Aber man kann ja auch einmal etwas weiter schauen und hoffen, dass man so weit kommt, wie man es gerne hätte.
Erfreut bin ich über die Ziffern 53 und 57ter. Dass wir die Energiestrategie des Bundesrates umsetzen wollen, unterstützen wir selbstverständlich, und dass neu eine Strategie zur Erhöhung der Biodiversität ausgearbeitet werden muss, unterstützen wir sehr.
Womit ich allerdings überhaupt nicht einverstanden bin, ist der ganze Abschnitt 2; da geht es eigentlich um die Frage, wie wir über die Arbeitswelt Wohlstand schaffen wollen. Mir fehlen Ansätze zu einer echten Wirtschaftsförderung. Wenn Sie die Ziffern in Abschnitt 2 durchsehen, wird Ihnen auffallen, dass die Gewichte völlig unausgewogen verteilt sind, dass wir überhaupt keine Symmetrie in den Forderungen haben und dass z. B. das Wort "Werkplatz" und die Förderung des Werkplatzes überhaupt nicht vorkommen. Wir haben diverse Einzelheiten im Abschnitt 2, die wir unterstützen - technische Handelshemmnisse verbessern usw. -, aber was mich wirklich stört, ist, dass bei den verbesserten Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft nur der Finanzsektor vorkommt. Es kommt kein Wort über den zweiten Sektor vor, und ich bin erstaunt, dass hier weder vom Gewerbe noch von der produzierenden Industrie Hand geboten wurde, um die Gewichte etwas zu verschieben.
Ich darf dazu aus dem gestrigen "Blick" noch Franz Steinegger zitieren: "Stellen wir uns einmal vor, Airbus und Boeing sowie die Zulassungsbehörden für Medikamente würden Flops produzieren wie die Finanzindustrie. Wir würden wahrscheinlich nicht mehr fliegen und nur noch Krautwickel verwenden." Das ist sicher ein unverdächtiger Zeuge, der das Gewicht auch anders legen würde.
Jetzt aber noch zu meinen beiden Minderheitsanträgen. Zu Ziffer 7: Die SP-Fraktion ist selbstverständlich einverstanden, dass man Unternehmen, wo immer es geht, auch administrativ entlastet.
Dass wir aber nach der nur ganz knapp gewonnenen Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform II die Unternehmen schon wieder auch steuerlich entlasten wollen, finde ich eine Ungehörigkeit. Es ist auch ein
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AB 2008 N 1157 / BO 2008 N 1157
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Vertrauensbruch, denn nach jener Abstimmung wurde gesagt, jetzt seien die Familien dran. Dieser Legislaturplan enthält Prioritäten, nicht einfach Wünsche; und wenn da drin steht, man wolle auch die Unternehmen noch weiter steuerlich entlasten, ist das eine Priorität, mit der ich gar nichts anfangen kann, weil das einfach nicht gerechtfertigt ist.
Dann ist da noch mein zweiter Minderheitsantrag zu Ziffer 19ter in Artikel 4, wo verlangt wird, dass die einfachstmögliche Besteuerung von Bürgerinnen und Bürgern eingeführt werden soll. Das ist reine Augenwischerei; weiter hinten kommt dann noch die steuerliche Entlastung. Ich habe gesagt: Wenn wir schon steuerliche Entlastungen für alle machen und das einfachstmögliche System wollen, dann können wir einfach die Steuern aufheben. Das ist mit Abstand das Einfachste, und es entlastet alle. Aber wenn wir solche Dinge fordern, dann ist das wirklich Augenwischerei gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Ein Steuersystem muss in erster Linie gerecht und erst in zweiter Linie einfach sein.
Deshalb möchte ich Sie bitten, bei dieser Ziffer, genauso wie bei der vorhergenannten, den Antrag der Einigungskonferenz abzulehnen.