Vischer Daniel (G, ZH):
Ich ersuche Sie, der Fristerstreckung nicht zuzustimmen und dem direkten Gegenvorschlag zum Durchbruch zu verhelfen.
Wir haben ja in der letzten Session in einer eindrücklichen Debatte schlussendlich einen direkten Gegenvorschlag verabschiedet. Das war ein wichtiger Schritt zu einer Volksabstimmung, bei der die Bevölkerung zwischen einem direkten Gegenvorschlag, der gut ist, und der Initiative wählen kann. Persönlich bin ich der Meinung, dass der direkte Gegenvorschlag vielleicht sogar besser ist als die Initiative, aber da kann man geteilter Meinung sein. Es war eine eindrückliche Koalition, die das letztlich ermöglicht hat; sie bestand aus Freisinnigen, aus Vertretern der CVP, der Grünen und der SP.
Was macht nun der Ständerat? Der Ständerat, der ja schon in der ersten Beratung der Minder-Initiative, in der Aktienrechtsreform, unfähig war, auch nur annähernd etwas zustande zu bringen, und nicht einmal das Niveau des Bundesrates auch nur annähernd erreichen wollte, blockiert nun das Ganze. Er geht nicht materiell auf den direkten Gegenvorschlag ein, sondern will einen indirekten Gegenvorschlag. Niemand weiss so genau, was dann bei diesem indirekten Gegenvorschlag herauskommen kann - ich glaube, der Ständerat weiss es selber nicht. Und nun kommt es darauf an, dass wir, wenn wir als Nationalrat einmal eine Linie eingeschlagen haben, diese weiter verfolgen. Diese Linie lautet: direkter Gegenvorschlag, auch mit der Absicht, dass in absehbarer Zeit eine Volksabstimmung durchgeführt wird, weil es - ich glaube, das ist unbestritten - in dieser Sache brennt. Da sind Themen wie die Abzockerei angeschnitten, die weiterhin virulent sind - es wird ja weiterhin abgezockt - und bei denen die Bevölkerung auf eine Lösung wartet.
Wir haben sinnvolle Wege vorgezeichnet. Wenn wir jetzt der Fristverlängerung zustimmen, dann verzögert sich das Ganze, und wir sagen eigentlich der Öffentlichkeit: "Ja, wir wissen nicht so recht, was wir jetzt machen; wir müssen da auf den Ständerat warten" - und der weiss es ja auch nicht. Bis jetzt hat er jedenfalls gezeigt, dass ihm nicht sehr viel einfällt. Nun wäre es politisch schon ein eindrückliches Zeichen, wenn alle die Kräfte in diesem Saal, die bislang dieser Linie des direkten Gegenvorschlages gefolgt sind, ihr auch weiterhin folgen. Wenn wir weiterhin sagen, dass wir einen guten direkten Gegenvorschlag haben, zeigen wir dem Ständerat, dass das der sinnvolle Weg ist und nicht der, den er jetzt selbst gehen will. Ich bin überzeugt: Wenn die Fristverlängerung in diesem Sinne abgelehnt wird, wächst auch der Druck auf den Ständerat, auf den direkten Gegenvorschlag einzuschwenken, denn auch dort wird sich langsam herumsprechen, dass es allmählich eine Vorlage braucht, die begleitend zur Minder-Initiative vors Volk kommt.
Etwas haben wir auch gesehen. Der grösste Fehler ist zu meinen, man könne mit Herrn Minder irgendeine Abmachung treffen. Herr Minder mag ein guter Unternehmer sein. Er hat eine zum Teil nicht schlechte Initiative formuliert. Aber was er sicher nicht ist, ist auch nur ein einigermassen guter Politiker. Sicher ist er nicht absprachefähig, weil er ja jeden Tag etwas anderes sagt. Ein Parlament, das letztlich auf einen Herrn Minder Rücksicht nimmt, führt sich selbst ad absurdum, denn wir - der Nationalrat und der Ständerat - sind eigentlich die, die politisch entscheiden, wo es langgeht.
Wir wollen den direkten Gegenvorschlag zur Minder-Initiative, das führt zu einer fairen Volksabstimmung, bei der die Problematik dem Volk tatsächlich auf den Tisch gelegt wird.