Nationalrat - Wintersession 2010 - Dritte Sitzung - 01.12.10-08h00
Conseil national - Session d'hiver 2010 - Troisième séance - 01.12.10-08h00

10.048
Amtshilfegesuch
der USA
betreffend UBS AG.
Auferlegung der Kosten
Demande de renseignements
des Etats-Unis d'Amérique
relative à UBS SA.
Mise à la charge des coûts
Zweitrat - Deuxième Conseil
Informationen CuriaVista
Informations CuriaVista
Informazioni CuriaVista
Botschaft des Bundesrates 28.04.10 (BBl 2010 3211)
Message du Conseil fédéral 28.04.10 (FF 2010 2923)
Ständerat/Conseil des Etats 15.09.10 (Erstrat - Premier Conseil)
Nationalrat/Conseil national 01.12.10 (Zweitrat - Deuxième Conseil)
Ständerat/Conseil des Etats 17.12.10 (Schlussabstimmung - Vote final)
Nationalrat/Conseil national 17.12.10 (Schlussabstimmung - Vote final)
Text des Erlasses (AS 2011 1707)
Texte de l'acte législatif (RO 2011 1707)

Carobbio Guscetti Marina (S, TI), für die Kommission: Die Kosten, die dem Bund bei der Behandlung zweier Amtshilfegesuche der Steuerbehörde der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Verhalten der UBS AG in den USA entstanden sind und noch entstehen, sollen der UBS AG in Rechnung gestellt werden. Das ist kurz zusammengefasst der Inhalt der Rechtsgrundlage, die wir heute diskutieren. Die Vorgeschichte ist Ihnen allen bekannt und ist in der Botschaft detailliert dargelegt.
Die Kosten für die Behandlung des ersten Amtshilfegesuches vom 16. Juli 2008 beliefen sich auf 1,5 Millionen Franken. Das zweite Amtshilfegesuch vom 31. August 2009 ist noch nicht erfüllt. Die Kosten für dessen Behandlung könnten jedoch laut Schätzungen 37 Millionen Franken erreichen.
Die Finanzdelegation teilte dem Bundesrat mit Schreiben vom 4. März 2010 mit, sie sei mit einem Verzicht auf eine Kostenüberwälzung nicht einverstanden. Sie lud den Bundesrat ein, eine Regelung auszuarbeiten, die eine Kostenüberwälzung ermöglicht. Entsprechende Aufträge sollen dem Bundesrat auch mit der Motion Fetz 10.3026 und der Motion der FDP-Liberalen Fraktion 10.3033 erteilt werden. Mit der vorliegenden Botschaft erfüllt der Bundesrat diese Aufträge.
In der Tat, infolge der besonderen Umstände im Zusammenhang mit dem Verhalten der UBS AG in den USA, die zur Einreichung der beiden Amtshilfegesuche geführt haben, rechtfertigt es sich, die anfallenden Kosten der UBS AG in Rechnung zu stellen. Für die Auferlegung der Kosten an die Informationsinhaberin, d. h. eine Bank oder einen anderen Finanzintermediär im Rahmen eines Amtshilfeverfahrens, besteht aber heute keine gesetzliche Grundlage. Auf Verordnungsebene liesse sich eine Kostenüberwälzung nicht hinreichend begründen. Nicht infrage kam auch eine freiwillige Leistung der UBS AG, obwohl der Verwaltungsratspräsident eine solche versprochen hatte, weil sich der Bund nicht dem Vorwurf künftiger Befangenheit gegenüber der UBS AG aussetzen durfte. Der Bundesrat legt daher den eidgenössischen Räten einen Entwurf für einen Bundesbeschluss über die Auferlegung der Kosten für die Behandlung beider Amtshilfegesuche an die UBS AG vor. Nicht angezeigt ist demgegenüber eine Auferlegung der Kosten, die beim Bundesverwaltungsgericht anfallen. Die Unabhängigkeit der Gerichte muss auch dadurch gewährleistet werden, dass sie ihre Kosten ausschliesslich über das Staatsbudget und über Gerichtsgebühren finanzieren.
Die nationalrätliche Finanzkommission ist einstimmig auf die Vorlage eingetreten und hat nach intensiver Diskussion dem Bundesbeschluss ebenfalls einstimmig zugestimmt. Der Nationalrat ist Zweitrat. Im September dieses Jahres hat der Ständerat die Vorlage bereits gutgeheissen.
Der Bundesrat schlägt als Lösung einen Bundesbeschluss spezifisch für den vorliegenden Fall vor. Gemäss Bundesrat soll indessen auf die Schaffung einer generell-abstrakten Rechtsgrundlage zur Auferlegung der Kosten in solchen Fällen verzichtet werden, weil der Bundesrat davon ausgeht, dass sich vergleichbare Fälle in absehbarer Zeit nicht ereignen werden. Sollte es dennoch solche Fälle geben, müsste die Frage einer allgemeingültigen Rechtsgrundlage neu geprüft werden.
Für die Finanzkommission ist die Situation seltsam. Via die Kommissionsmotion 10.3883, "Kostenverrechnung für systemrelevante Unternehmungen", will sie den Bundesrat beauftragen, eine Vorlage vorzulegen, welche eine gesetzliche Grundlage schafft, die auch zukünftig die Rechnungsstellung in solchen Fällen ermöglicht.

Abate Fabio (RL, TI), pour la commission: Le 16 juillet 2008, l'autorité fiscale américaine IRS a déposé une demande d'assistance administrative auprès de l'Administration fédérale des contributions, parce que de nombreux clients américains d'UBS avaient enfreint leurs obligations fiscales.
L'Administration fédérale des contributions a conclu que les conditions d'une assistance administrative au sens de l'article 26 de la Convention de double imposition entre la Suisse et les Etats-Unis étaient réunies. Elle a demandé, puis examiné les documents bancaires concernés. Le 18 février 2009, l'Autorité fédérale de surveillance des marchés financiers (FINMA) a enjoint à UBS de lui fournir les données concernant quelque 250 clients américains, données qu'elle a aussitôt transmises aux autorités américaines. Suite à cela, l'IRS a retiré sa demande d'assistance administrative le 19 mars 2009. Le jour même, l'IRS et le Département américain de la justice ont intenté une action civile, exigeant la transmission de renseignements concernant 52 000 détenteurs de comptes.
Les efforts déployés par la Confédération ont permis d'aboutir, le 19 août 2009, à la conclusion d'un accord sur une demande d'assistance administrative concernant les clients d'UBS. Conformément à l'accord conclu, les Etats-Unis sont tenus de retirer leur action civile. En lieu et place, ils ont déposé le 31 août 2009 une nouvelle demande d'assistance administrative portant sur 4450 comptes. La Suisse s'est engagée à traiter cette demande d'assistance administrative dans le délai d'une année. Pour être en mesure de respecter ce délai, l'Administration fédérale des contributions a mis sur pied une organisation de projet et a fait appel aux services d'une société externe.
Les autorités de notre pays ont considéré qu'il était nécessaire d'intervenir pour négocier avec les Etats-Unis et traiter rapidement les demandes d'assistance administrative, parce qu'une menace réelle et immédiate pesait sur les liquidités d'UBS et, par conséquent, sur les créanciers et les clients d'UBS, ainsi que sur l'ensemble du système économique et financier suisse. Le Conseil fédéral ne souhaitait pas non plus de conflit juridique avec les Etats-Unis.
Le coût de cette intervention - ces négociations menées suite à la procédure civile engagée en 2009 - s'est élevé à 1 million de francs; celui de la première demande d'assistance administrative du 16 juillet 2008 à 1,5 million de francs.
L'examen de la deuxième demande d'assistance administrative du 31 août 2009 n'est pas encore terminé. Cependant, les coûts pour son traitement pourraient, selon les estimations, atteindre 37 millions de francs. Ces prestations ont été fournies dans l'intérêt immédiat d'UBS, ce qui justifie la facturation de ces frais. Mais il n'existe aucune base légale pour mettre à la charge d'UBS des coûts supplémentaires. Il n'est en outre pas question pour la Confédération d'accepter une prestation volontaire d'UBS, sous peine de se voir reprocher la perte de son indépendance vis-à-vis d'UBS.
Le Conseil fédéral propose de créer une base légale permettant de mettre à la charge d'UBS les coûts présents et futurs encourus par l'administration fédérale pour le traitement des demandes d'assistance administrative.
La commission a examiné l'arrêté fédéral dans sa séance d'octobre. L'entrée en matière a été approuvée à l'unanimité. La commission a aussi accepté à l'unanimité l'arrêté dans

AB 2010 N 1779 / BO 2010 N 1779
son ensemble. Elle a également déposé une motion, dans laquelle elle demande au Conseil fédéral de présenter une base légale visant à permettre une facturation des coûts liés au traitement des demandes d'assistance administrative si des cas similaires devaient se reproduire à l'avenir.
Je vous invite, au nom de la commission, à aller dans son sens pour chaque point.

Schwander Pirmin (V, SZ): Hier geht es, wie bereits ausgeführt, um die Kosten für die Behandlung zweier Amtshilfegesuche und deren Überwälzung auf die UBS. Eine solche Überwälzung ist staatspolitisch sowie staats- und verwaltungsrechtlich sehr heikel, denn es geht hier um Amtshilfe, und die ist vom Grundsatz her unbestrittenermassen eine Aufgabe des Staates.
Der Bundesrat sah sich denn auch nicht veranlasst, auf Verordnungsstufe eine Kostenüberwälzung vorzunehmen. Er sah dafür keine hinreichenden gesetzlichen Grundlagen. Die Finanzdelegation teilte dem Bundesrat dann mit, dass sie mit einem Verzicht auf eine Kostenüberwälzung nicht einverstanden sei. Deswegen haben wir hier jetzt eine Vorlage des Bundesrates, eine Art "Lex UBS".
Die SVP-Fraktion unterstützt die Kostenüberwälzung und auch die vorliegende Lösung. Es wäre uns von der SVP aber lieber gewesen, es wäre zuerst eine allgemeine Regelung getroffen, eine allgemeine Grundlage für solche Kostenüberwälzungen geschaffen worden, insbesondere auch für die Zukunft. Deswegen unterstützt die SVP-Fraktion insbesondere die Kommissionsmotion "Kostenverrechnung für systemrelevante Unternehmungen", die der Bundesrat ja zur Ablehnung empfiehlt. Wir beantragen Ihnen, diese Motion anzunehmen, damit wir in Zukunft eben eine solche gesetzliche Grundlage haben, um in ähnlichen Fällen in Zukunft eine solche Kostenüberwälzung vornehmen zu können und nicht wieder ähnlich wie heute eine "Lex UBS" oder eine "Lex X" schaffen zu müssen. Der Bundesrat beantragt die Ablehnung dieser Motion und begründet dies damit, dass er ohnehin daran sei, diese Fragen zu prüfen; er möchte dem Prüfungsergebnis hier nicht vorgreifen.
Selbstverständlich können wir es dem Bundesrat überlassen, wie er das überprüft und zu welchem Ergebnis er kommt. Wir von der SVP-Fraktion sind der Meinung, dass wir hier jetzt entsprechend den notwendigen Druck machen müssen, damit wir für die Zukunft eine allgemeine Regelung haben, um solche Kostenüberwälzungen vorzunehmen, sodass wir nicht irgendeinmal wieder eine Lex specialis schaffen müssen.
Deshalb bitte ich Sie, diesem Bundesbeschluss zuzustimmen, aber auch die Kommissionsmotion anzunehmen.

Schelbert Louis (G, LU): Die Fraktion der Grünen ist damit einverstanden, dass der UBS die Kosten für die Behandlung der Amtshilfegesuche auferlegt werden. Manche der Aktivitäten von UBS-Repräsentanten in den USA waren verbrecherisch, und sie erreichten bezüglich sogenannter Steuervermeidung ein Ausmass, das alles bisher Bekannte in den Schatten stellte. Diese Ausserordentlichkeit bedarf auch ausserordentlicher Massnahmen.
Der Bundesrat hat sich in der Sache trotzdem schwergetan, wie er sich in allen Belangen der Finanzkrise schwergetan hat, wenn es um die UBS ging. Ich nenne ein Beispiel: Bei Kantonalbanken ist es üblich, dass sie die Staatsgarantie mit einer Abgabe begleichen müssen. Die Grossbanken geniessen eine faktische Staatsgarantie, von einer Abgabe dafür sind sie aber entbunden.
Für diese Vorlage brauchte es den Anstoss der parlamentarischen Finanzdelegation, damit sich der Bundesrat zum Handeln entschloss. Immerhin, nun liegt eine Botschaft vor, sie bringt eine Abgeltung der Aufwendungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Doch was der Bundesrat hier vorschlägt, ist nur ein Minimum. Die Finanzdelegation hatte den Bundesrat eingeladen, eine Regelung auszuarbeiten, die eine Kostenüberwälzung ermögliche. Das ist eine sehr weit gefasste Formulierung, die es erlauben würde, den Kreis weiter zu fassen und sich nicht nur auf die entstandenen Aufwendungen der Steuerverwaltung zu beschränken. Kosten sind auch in anderen Bereichen des Staates entstanden.
Wie viele Stunden, Tage und Wochen wurden wegen der Machenschaften von UBS-Verantwortlichen in den Gerichten aufgewendet? Durch Gerichtsgebühren werden diese Aufwände nie auch nur annähernd aufgewogen. Ich will damit nicht einer neuen Gerichtspraxis das Wort reden, die es in Zukunft nur noch den Reichsten und Vermögenden erlauben würde, ein Gericht anzurufen. Ich bin ausdrücklich dafür, die heutige Praxis fortzuführen. Der Fall UBS aber ist ein ausserordentlicher, ein Einzelfall. Meine Ausführungen beziehen sich deshalb nur auf diesen Einzelfall und gelten nur für ihn.
Auch die politischen Behörden waren in hohem Masse mit der leidigen Sache befasst: der Bundesrat, der Nationalrat, der Ständerat sowie die sie unterstützenden Gremien der Verwaltung. Es wäre denkbar, auch diese Kosten auf den Verursacher UBS zu überwälzen.
Damit sind erst Kosten angesprochen, die abgegolten werden sollten. Die Machenschaften der UBS-Organe haben enormen volkswirtschaftlichen Schaden mit verursacht, viele Menschen verloren ihre Stelle. Die Auswirkungen sind also noch viel weiter zu spüren. Was ich damit sagen will: Mit der Kostentragung gemäss Vorlage von Bund und Kommission wird die UBS nicht entlastet, es handelt sich quasi nur um eine Anzahlung.
Wir bitten Sie, auf die Vorlage einzutreten.

Bänziger Marlies (G, ZH): Mit dem Bundesbeschluss, den wir grossmehrheitlich verabschieden werden, können wir einmal - einmal! - einen Teil der Kosten der UBS auferlegen. Der Bundesrat ist überzeugt davon, dass es eine einmalige Angelegenheit ist, die Finanzkommission sieht eigentlich die Variante, dass wir wieder vor derselben Situation stehen könnten, als gegeben an und beantragt Ihnen deswegen, die Motion anzunehmen.
Ich spreche zur Motion. Bitte, erinnern Sie sich. Wir haben den "Too big to fail"-Bericht, aber noch nicht die Handlungsmöglichkeiten diskutiert, die sich daraus ergeben. Wir denken daran, das Börsengesetz zu ändern, wir denken daran, allenfalls das Bankengesetz zu ändern. Die Aktienrechtsrevision ist noch nicht abgeschlossen, und über die Abzocker-Initiative haben wir noch nicht abgestimmt.
Wir stellen mit Erstaunen fest: Im Stab Fund der Nationalbank, in dem für rund 38 Milliarden Franken toxische Papiere eingelagert waren, liegen mittlerweile nur noch Papiere für 16 Milliarden. Anders gesagt, unsere Volkswirtschaft wurde von diesem Risiko, allenfalls für 20 Milliarden toxische Aktiva übernehmen zu müssen, entlastet. Was heisst das auf der anderen Seite? Diese toxischen Papiere für rund 20 Milliarden sind gewinnbringend am Markt platziert worden. Toxisch sind sie geblieben. Das heisst, eigentlich stehen wir an derselben Stelle wie vor der Krise. Toxische Papiere werden gewinnbringend am internationalen Markt gehandelt, und wir haben bisher noch keine Regulative, wie wir mit dieser Situation umgehen sollen. Anders gesagt, die nächste globale Finanzkrise steht eigentlich vor der Tür, und noch fehlen uns die Handlungsmöglichkeiten.
Mit der Motion haben wir zumindest die Möglichkeit, dem Bundesrat zu sagen, dass er eine gesetzliche Grundlage schaffen soll, damit wir bei der nächsten Finanzkrise nicht wiederum einen Einzelbeschluss fassen müssen, sondern dann zumindest eine gesetzliche Grundlage haben, um eine entsprechende Überwälzung der Kosten zu vollziehen. Das ist es. Es geht um die unterschiedliche Einschätzung des Bundesrates und des Parlamentes, wo wir eigentlich im Rahmen der Finanzmarktregulierung stehen.

Vischer Daniel (G, ZH): Es hat lange gedauert, bis sich der Bundesrat auf Druck des Parlamentes zu dieser Lösung durchgerungen hat; es wurde ja bestritten, dass eine Abgeltung überhaupt nötig sei. Es ist richtig, dass sie nun über ein ordentliches Verfahren der Gesetzgebung, über diesen Bundesbeschluss, zustande kommt und nicht über eine

AB 2010 N 1780 / BO 2010 N 1780
Freiwilligkeit der UBS, denn es ist schliesslich nicht in deren Ermessen, ob das gemacht wird oder nicht.
Ein Fehlschluss könnte indessen gezogen werden: Es gibt ja die "Too big to fail"-Problematik. Der Staat ist erpressbar, er muss oft handeln, wo er vielleicht gar nicht handeln möchte. Aber nicht jede Machenschaft eines "Too big to fail"-Betriebs zwingt den Staat tatsächlich zu handeln bzw. berechtigt ihn dazu! Das Vorgehen der UBS in den USA war verbrecherisch, das ist heute unbestritten, auch wenn die Hintergründe vielleicht noch nicht wirklich aufgearbeitet sind. Die Diskussion um eine PUK lässt grüssen.
Ich stelle nach wie vor infrage, dass der Bund immer klug und richtig gehandelt habe, als er sich in dieses Verfahren einmischte und die Interessen der UBS gewissermassen zu Interessen des Schweizer Staates machte. Das ist ja das, worum es bei der Abgeltung jetzt geht. Ich glaube, wir dürfen nicht falsch verstanden werden und den Eindruck erwecken, mit dieser Abgeltung sei auch die Koinzidenz zwischen dem Handeln des Schweizer Staates, des Bundes, und dem Handeln der UBS gewissermassen abgesegnet. Es ist eine Aufwandentschädigung, mehr aber nicht. Die UBS muss wissen, dass ihr Handeln nicht automatisch staatliches Handeln nach sich zieht; das wäre ein Fehlschluss für die Zukunft. Wir können ja nur hoffen, dass es sich nie rächt, dass diese ganze Geschichte nie wirklich aufgearbeitet worden ist.
Auch hier noch einmal: Die Frage nach einer PUK stellt sich heute nicht mehr, aber die Frage nach der Aufarbeitung. Was war im Einzelnen? War jeder Schritt des Bundesrates im Zusammenhang mit den Verfahren in den USA sinnvoll und richtig? Diese Fragen bleiben offen - unabhängig von der heutigen Beschlussfassung.

Kiener Nellen Margret (S, BE): Im Namen der SP-Fraktion bitte ich Sie, den "Bundesbeschluss über die Auferlegung der Kosten für die Behandlung zweier Amtshilfegesuche des Internal Revenue Service der Vereinigten Staaten von Amerika auf die UBS AG" sowie auch die Motion der Finanzkommission des Nationalrates "Kostenverrechnung für systemrelevante Unternehmungen" anzunehmen.
Die SP-Fraktion hat mit Genugtuung festgestellt, dass es der Finanzkommission des Nationalrates gelungen ist, mit der zur Diskussion stehenden Motion den Bundesrat zu beauftragen, eine allgemeine Rechtsgrundlage zu schaffen, welche es in Zukunft bei ähnlichen ausserordentlichen Ereignissen erlauben wird, systemrelevanten Unternehmen solche aus dem Rahmen fallende Kosten in Rechnung zu stellen, wenn sie sich unmittelbar aus der Verteidigung von deren Interessen ergeben. Herr Kollege Vischer hat soeben die relevanten Fragen zur Vergangenheit des UBS-Geschäftes aufgeworfen. Ich werde mich daher etwas mehr auf die Zukunftsfragen ausrichten. Die SP-Fraktion teilt aber weitgehend die Einschätzungen und die Fragen, welche Herr Kollege Vischer zum Ausdruck gebracht hat.
Wieso unterstützt die SP-Fraktion die Kostenüberwälzung von 40 Millionen Franken? Wieso sollen es nicht mehr Millionen für die Abgeltung der staatlichen Kosten sein, die aus der Abwicklung der ganzen Verfahren für die UBS entstanden sind? Es ist uns klar, dass die Verwaltungskosten für die Abwicklung der Amtshilfeverfahren innerhalb der Eidgenössischen Steuerverwaltung mit Sukkurs von externen Diensten und Büros nur einen Teil der Kosten darstellen. In diesem Zusammenhang möchten wir es nicht unterlassen, der Leitung und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Eidgenössischen Steuerverwaltung zu danken, die diese Arbeit rasch, speditiv und unter hohem Zeitdruck geleistet haben. Das war effizient und transparent, wie es eben Staatsdienstleistungen sein können, währenddem es die Schweiz in den letzten Jahren bei Privaten, insbesondere bezüglich der Dienstleistungen von Grossbanken, anders erlebt hat. Es ist ja nicht das erste Mal: In den Neunzigerjahren hatten wir auch in der Schweiz Bankkrisen und Bankpleiten. Daraus wurde nichts gelernt, dieselben auf Immobilienanlagen basierten strukturellen Bankkrisen wiederholen sich mit einiger Regelmässigkeit.
Die Überwälzung der Kosten von 40 Millionen Franken ist auch ein Signal an die Bevölkerung: Wer masslos übertreibt, wer bis zu kriminellen Handlungen geht, wie das in der UBS in den Vorjahren der Fall war, wird auch zur Kasse gebeten. Immerhin bringt dieser Bundesbeschluss dem Bund Einnahmen von 40 Millionen Franken - wenigstens für die Kostendeckung bezüglich der Arbeiten für die Amtshilfeverfahren.
Die Kostendeckung für die Gerichte war seit Langem ein Thema in der Finanzkommission. Aus Gründen der gerichtlichen Unabhängigkeit muss das abgelehnt werden. In der Kommission lag auch ein Antrag vor auf Übernahme der Kosten für die ganzen Arbeiten der Bundesversammlung, der eidgenössischen Räte. Davon haben wir ebenfalls Abstand genommen. Die Quantifizierung ist da keine einfache Sache. Die ganze Arbeit, welche der Bundesrat mit guten oder weniger guten Beschlüssen, mit Erstreckungen oder Nichtbeschlüssen geleistet hat, wäre auch noch zu beziffern. Wenn wir die ganze Arbeit im Rahmen einer Vollkostenrechnung über alle staatlichen Dienstleistungen - Exekutive, Parlament, Gerichte und Verwaltung - aufsummieren würden, dann würden wir in eine noch ganz andere Grössenordnung hineinkommen.
Für die SP-Fraktion ist die Zukunft wichtig. Die Systemkrise mit den Grossbanken ist in der Schweiz alles andere als bewältigt. Gesetzgeberisch haben wir seit der Krise der UBS im Oktober 2008 einen einzigen Artikel geändert. Wir haben damals den Einlegerschutz rasch auf 100 000 Franken erhöht; das war richtig. Ich erinnere Sie aber daran, dass das Bankengesetz noch überhaupt keine Verschärfung erfahren hat. Daher, geschätzte Frau Bundesrätin, warten wir mit grosser Ungeduld insbesondere auf die Botschaft des Bundesrates für die Regelung der Zukunft der Schweizer Grossbanken; wir warten auf die Botschaft zum Schlussbericht der Expertenkommission zur Limitierung von volkswirtschaftlichen Risiken durch Grossunternehmen. Wir erwarten, wie es auch die Finanzkommission des Nationalrates wiederholt kommuniziert hat, dass der Bundesrat diese Botschaft in den nächsten Wochen, Anfang Jahr, dem Parlament unterbreitet.
Die SP-Fraktion wird sich bei der Beratung dieser Botschaft sehr stark engagieren. Die SP-Fraktion hat den Bericht dieser Expertenkommission mit etwas gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Einerseits sind wir zufrieden, dass durch die Expertenkommission so viel Arbeit in relativ kurzer Zeit geleistet wurde. Das ist eine Grundlage für die Gesetzgebung. Anderseits verlangen wir, dass verschiedene Massnahmen zur Problemlösung vertiefter geprüft werden und in die Gesetze einfliessen. Ich erinnere Sie daran, dass beispielsweise der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank erstens wiederholt darauf hingewiesen hat, dass der Gesetzgeber handeln soll, bevor die nächste Krise kommt. Und sie kann kommen! Sie kann kommen, wir wissen das aus der Erfahrung. Das Zeitelement ist also wichtig. Zweitens appelliert der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank inhaltlich daran, dass die Schweiz gut daran täte, ein konservativerer Finanzplatz zu werden, zum Beispiel mit sehr viel weniger Investmentbanking und Eigenhandel. Genau in diesen risikoträchtigen Bereichen hat der Schlussbericht der Expertenkommission aber keine Lösungen unterbreitet. Die SP-Fraktion wird sich also sehr engagieren, Frau Bundesrätin, und erwartet auch von Ihnen, dass Sie gemäss dem Schlussbericht der Expertenkommission die wichtigen und richtigen Zähne noch vorsehen.
Wir sehen mit Befremden, dass die UBS unter der operativen Leitung von Herrn Grübel in diesem Herbst wieder grossmundig grosse Gewinne als Zielsetzung in Aussicht gestellt hat, grosse Gewinne, die selbstverständlich mit ebenso grossen Risiken verbunden sind. Wir sehen dort keine Lernbereitschaft. Es wird gehandelt wie vor der Krise: Investmentbanking, spekulative Geschäfte - die Lektion wurde nicht gelernt.
Die Schweizer Volkswirtschaft und die Schweizer Steuerpflichtigen bleiben in Abhängigkeit von zwei Grossbanken, die ähnlich wie in Island eine übergrosse Proportion haben.

AB 2010 N 1781 / BO 2010 N 1781
Der grosse Teil der Boni, welche unsere beiden Grossbanken auszahlen, geht an Angestellte im Ausland. Die Schweizer Volkswirtschaft hängt einfach dann am Band, wenn wieder eine Risikosituation eintritt. Das müssen wir durch ein klares, scharfes Bankengesetz in den Griff bekommen. Die SP-Fraktion wird sich dafür engagieren.
Heute sagen wir Ja zu diesen beiden Geschäften, die dem Nationalrat unterbreitet werden. Wir danken Ihnen, wenn Sie dem folgen.

Widmer-Schlumpf Eveline, Bundesrätin: Zuerst zum Amtshilfegesuch betreffend die UBS, also zur Auferlegung der Kosten: Der IRS hat, das wurde gesagt, die Eidgenössische Steuerverwaltung im Juli 2008 und im August 2009 um Amtshilfe ersucht. Er hat zahlreichen amerikanischen Kunden der UBS zu Recht vorgeworfen, Einkünfte und Erträge aus Vermögensverwaltungsgesellschaften ausserhalb der USA nicht offengelegt zu haben. Infolge der besonderen Umstände im Zusammenhang mit dem Verhalten der UBS, die zur Einreichung der beiden Amtshilfegesuche geführt haben, rechtfertigt es sich, die angefallenen Kosten der UBS in Rechnung zu stellen. Wir haben dafür keine rechtliche Grundlage, das ist Ihnen bekannt, und wir wollen keine freiwillige Geldleistung der UBS annehmen, um uns nicht dem Vorwurf auszusetzen, wir seien gegenüber der UBS befangen. Wir schlagen Ihnen daher diesen Bundesbeschluss vor, der diesen Einzelfall jetzt regeln kann.
Zur Motion 10.3883 der Finanzkommission, "Kostenverrechnung für systemrelevante Unternehmungen", eine Vorbemerkung: Es wurde heute verschiedentlich die Frage gestellt, was der Bundesrat alles falsch gemacht habe, welche Schritte im Zusammenhang mit dieser ganzen UBS-Angelegenheit falsche gewesen seien. Ich denke, wenn man das Resultat anschaut, kann man sagen, dass es nicht schlecht ist. Wenn man den Weg anschaut, wie wir zu diesem Resultat gekommen sind, dann kann man immer im Nachhinein sagen, man hätte auch noch andere Schritte machen können. Aber ich meine, es ist nicht verboten - auch politisch nicht verboten - zuzugestehen, dass das Resultat im Vergleich zu dem, was in anderen Ländern abgelaufen ist, auf jeden Fall nicht schlecht ist.
Die Finanzkommission beantragt mit ihrer Motion, einen Gesetzentwurf zu präsentieren, der es erlauben soll, systemrelevanten Unternehmen die aus dem normalen Rahmen fallenden Kosten, welche sich aus der unmittelbaren Verteidigung ihrer Interessen ergeben, in Rechnung zu stellen. Wir gehen davon aus, dass die Kosten, die aus dem normalen Rahmen fallen, solche Kosten sind, die nicht durch die ordentliche Gebühr für eine Verfügung abgedeckt sind. Im Fall der UBS gibt es zwei Arten solcher Kosten: Zum Ersten sind es die Kosten, welche der Eidgenossenschaft für die Unterstützung der UBS im Zivilverfahren entstanden sind. Die Kosten dieser Dienstleistungen werden durch die Gebührenverordnung in Rechnung gestellt, also auch entsprechend der Gebührenverordnung abgegolten. Wir werden nun dem Parlament eine Botschaft zur "Too big to fail"-Problematik unterbreiten - wir werden das spätestens Anfang Jahr machen - und werden dort Massnahmen vorschlagen, die aus unserer Sicht künftig solche Dienstleistungen für grosse Finanzdienstleister unnötig machen sollen. Wir erwarten hier eine spannende Diskussion, und ich gehe auch davon aus, dass Sie das, was in den letzten Monaten von Ihrer Seite bereits gesagt wurde, wiederholen und uns helfen werden, eine gute und vernünftige "Too big to fail"-Regelung zu schaffen.
Der zweite Bereich sind die Kosten für die Erbringung von Amtshilfe in Steuersachen. Für die Überwälzung dieser Kosten besteht keine Rechtsgrundlage. Wir schlagen Ihnen vor, im Falle der UBS die Kostenüberwälzung durch einen Bundesbeschluss zu ermöglichen, und wir werden jetzt auch im Steueramtshilfegesetz eine Rechtsgrundlage für zukünftige Fälle schaffen, um dann allenfalls den betreffenden Personen, den Informationsinhabern, die Kosten aufzuerlegen. Amtshilfeverfahren an sich müssen ja kostenlos sein, aber wir werden Ihnen Vorschläge machen, wie wir die Informationsinhaber und allenfalls betroffene Personen hier ins Recht fassen können.
Weil wir bereits an der Arbeit sind, möchten wir Ihnen die Ablehnung dieser Motion empfehlen.

Eintreten wird ohne Gegenantrag beschlossen
L'entrée en matière est décidée sans opposition


Bundesbeschluss über die Auferlegung der Kosten für die Behandlung zweier Amtshilfegesuche des Internal Revenue Service der Vereinigten Staaten von Amerika auf die UBS AG
Arrêté fédéral relatif à la mise à la charge d'UBS des coûts liés au traitement de deux demandes d'assistance administrative déposées par l'Internal Revenue Service des Etats-Unis d'Amérique

Detailberatung - Discussion par article

Titel und Ingress, Art. 1, 2
Antrag der Kommission
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Titre et préambule, art. 1, 2
Proposition de la commission
Adhérer à la décision du Conseil des Etats

Angenommen - Adopté

Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 10.048/4726)
Für Annahme des Entwurfes ... 147 Stimmen
(Einstimmigkeit)

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