Leuthard Doris, Bundesrätin:
Wir wollen ja nicht wieder eine grundsätzliche Debatte über den Ausstieg aus der Kernenergie führen, das haben wir stundenlang betrieben. Es wurde in beiden Räten entschieden, die Motionen, die erwähnt wurden, anzunehmen, und der Bundesrat hat in Berücksichtigung vieler angenommener Vorstösse die Strategie entsprechend bereits konkretisiert.
Der Ständerat hat sich sehr sorgfältig mit diesen Motionen auseinandergesetzt und noch etwas Wichtiges in den Motionstext hineingepackt. Es wurde ja immer kolportiert, dass der Entscheid des Bundesrates, keine neuen Rahmenbewilligungen zum Bau neuer Kernkraftwerke zu erteilen, ein Technologieverbot sei. Dieses Wort haben wir nie gebraucht, aber es wurde von den Gegnern immer so verwendet. Der Ständerat hat nun, um die Gemüter zu beruhigen, in dem von ihm geänderten Motionstext in Ziffer 1bis klargestellt, dass das Kernenergiegesetz zu ändern ist, dass damit aber sicher kein Technologieverbot erlassen wird. Die Forschung soll weitergehen, denn niemand von uns weiss, was die Forschung, was Technologien in zwanzig, dreissig, vierzig Jahren bringen werden. Vielleicht ist es tatsächlich die Geothermie, Herr Killer, dann wären sehr viele unserer Probleme gelöst - wir wissen es nicht. Es soll also auch in diesem Bereich hier geforscht werden dürfen, und die besten, die optimalen Resultate sollen auf den Markt kommen. Das hat der Ständerat bei der Annahme der drei geänderten Motionen noch eingebaut.
Der Ständerat hat dort ebenso eingebaut, dass er im Bereich der Forschungsaktivitäten, auch im Rahmen der Kernenergieforschung, weiterhin das Engagement des Bundes wünscht. Das ist eine Selbstverständlichkeit. So ist etwa die EPFL im Bereich der Kernfusion sehr engagiert, und die Schweiz nimmt im Rahmen von Iter an einem EU-Programm zum selben Bereich teil. Es ist selbstverständlich, dass unsere Hochschulen, die ihre Budgets und die Verwendung derselben ja selber bestimmen, auch hier engagiert bleiben dürfen - gerade weil wir ja nicht wissen, was es in den nächsten zwanzig Jahren für Forschungsresultate geben wird.
Was ich aber nicht begreife, Herr Killer, ist, dass Sie immer wieder mit dem Argument kommen, die finanzielle Belastung betreffend CO2 für die Bevölkerung werde massiv zunehmen. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass der Nationalrat die CO2-Abgabe auf den Fahrzeugen abgelehnt hat. Er hat sie abgelehnt, zweimal abgelehnt! Und der Ständerat wird diese Session auch auf diese Linie einschwenken. Ich möchte es deshalb also nicht mehr hören, dass Sie trotzdem
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AB 2011 N 1905 / BO 2011 N 1905
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immer wieder sagen und behaupten, die finanzielle Belastung für Fahrzeuge wegen CO2 werde massiv zunehmen. Sonst lesen Sie den Gesetzentwurf einfach nicht. Es ist eine Realität, und ich bitte Sie, diese Behauptung jetzt sein zu lassen.
Sie sagen, die Strategie fehle im Detail. Wir haben auch letzte Woche noch sehr vieles plausibilisiert, aber nicht der Bund bestimmt, was wann wie wo gebaut wird. Wir zeigen Szenarien auf, definieren Ziele, und wir werden die Instrumente zur Zielerreichung zur Verfügung stellen. Es liegt an den Investoren, was wann wie gebaut wird, und nicht am Gesetzgeber. Das ist heute so, und das ist morgen so. Wenn Sie die ersten Kernkraftwerke in wahrscheinlich etwa zehn Jahren vom Netz nehmen müssen, dann hätte auch die Kernenergiewirtschaft ein Problem. Denn bis dahin wäre kein neues KKW gebaut und am Netz, geschweige denn drei, die Sie bräuchten, um diese 38 Prozent alleine mit Kernenergie zu ersetzen. Auch das bitte ich Sie jetzt einfach so stehenzulassen und den demokratischen Entscheid und den Volkswillen zu akzeptieren. Ich bitte Sie, sich mit Blick auf die nächsten zwanzig Jahre auf den Weg zu machen - hier kennen wir die Entwicklung einigermassen - und sich auch hier mit den Fragen zu beschäftigen, wo es Effizienzmöglichkeiten gibt und was wir möglichst schnell an erneuerbarer Energie zubauen können. Das sind die Themen, und den Rest werden wir im nächsten Jahr mit der Vernehmlassung dann vorlegen.
Ich bitte Sie deshalb, den abgeänderten Motionen des Ständerates zuzustimmen.