Widmer-Schlumpf Eveline, Bundesrätin:
Sie haben mit Ihren Eintretensvoten den Voranschlag bereits ausführlich dargelegt. Ich möchte mich daher auf wenige Punkte beschränken, auf drei: auf eine generelle finanzpolitische Würdigung des Budgets, auf die Entwicklungen seit der Verabschiedung des Voranschlags durch den Bundesrat - also auf die Nachmeldung - und dann noch auf Auswirkungen der aktuellen Konjunkturentwicklung auf das Budget.
Das Budget 2012 ist eine solide Basis für schwierige Zeiten, das wurde von Ihnen ja eigentlich einstimmig bejaht. Wir haben ein ausgeglichenes Budget für das kommende Jahr. Der Entwurf zeigt einen minimen Überschuss von 17 Millionen Franken im ordentlichen Haushalt, bei Einnahmen und Ausgaben von rund 64 Milliarden Franken. Das ist ein erstaunliches Ergebnis, und zwar, weil wir gemäss Voranschlag 2012 infolge von Steuerreformen, die jetzt durchschlagen, die jetzt umgesetzt werden, sowie infolge einer deutlich geringeren Gewinnausschüttung der Nationalbank erhebliche Mindereinnahmen zu verkraften haben.
Welche Steuerreformen mit Wirkung auf das Jahr 2012 haben wir dieses Jahr umgesetzt? Zum einen haben wir die kalte Progression ausgeglichen, zum andern haben wir bei der Familienbesteuerung den dritten Teil, nämlich Abzüge vom Steuerbetrag für Familien mit Kindern, verwirklicht. Dann haben wir auch die Unternehmenssteuerreform II, die uns ja schon verschiedentlich beschäftigt hat, auf den 1. Januar 2011 umgesetzt. Wir sehen dort, dass das Kapitaleinlageprinzip eben auch zu Mindereinnahmen geführt hat und noch führen wird. Wir haben also die Familien und Unternehmen nicht, wie es heute gesagt wurde, steuerlich zusätzlich belastet - was wir hier gemacht haben, wirkt sich ja auch im Jahr 2012 aus -, sondern im Gegenteil: Wir haben sowohl bei den Familien - zu Recht! - als auch bei den Unternehmen Entlastungen vorgenommen. Ich sage das einfach, weil man es immer wieder vergisst und weil man sagt, dass die natürlichen und die juristischen Personen dauernd nur stärker belastet würden. Das stimmt natürlich nicht.
Möglich geworden ist dieses gute Resultat trotz dieser Mindereinnahmen deshalb, weil wir ab 2008/09 einen deutlichen Aufschwung hatten, wobei wir eigentlich ja noch davon ausgegangen waren, dass sich die Einnahmen weniger stark entwickeln würden. Wir haben einen strukturell ausgeglichenen Bundeshaushalt, wir haben glücklicherweise eine Schuldenbremse. Diese Schuldenbremse erlaubt uns in der Situation, in der wir jetzt sind, bei einer leichten Unterauslastung ein konjunkturelles Defizit von 450 Millionen Franken. Es wurde heute gesagt: Über diesen K-Faktor ist das möglich. Wir könnten mit dem Budget 2012 sogar einen strukturellen Überschuss im Umfang von 470 Millionen Franken ausweisen.
Dieses Ergebnis für das Jahr 2012 ist auch deswegen keine Selbstverständlichkeit, weil wir uns ja in einer schwierigen Situation befinden: Rund um uns herum in Europa sind turbulente Zeiten angebrochen. Das wird auch auf die Schweiz durchschlagen, das wird auch für uns Folgen haben. Und trotzdem: Auch wenn wir das berücksichtigen - soweit das berücksichtigt werden kann -, haben wir immer noch ein ausgeglichenes Budget.
Frau Nationalrätin Carobbio Guscetti hat im Zusammenhang mit der Entwicklung in Europa die Frage gestellt, wie es sich mit den Beziehungen zu Italien und konkret mit der Diskussion über eine allfällige Abgeltungssteuer bzw. einen entsprechenden Vertrag verhalte. Es sind hier immer wieder unterschiedliche Meldungen zu vernehmen. Wir haben mit dem damaligen Finanzminister Tremonti einen Dialog über die Möglichkeiten einer Abgeltungssteuer aufgenommen. Jetzt gibt es einen neuen Ministerpräsidenten, Herrn Monti. Herr Monti hat sich am 5. Dezember so geäussert, dass die Regierung ihre Position hier noch nicht festgelegt habe und er sich selbst noch nicht intensiv mit diesem Dossier auseinandergesetzt habe.
Piero Giarda, der für die Parlamentsbeziehungen zuständige Minister, hat am 7. Dezember gesagt, dass das Abkommen, wie wir es mit Deutschland und England abgeschlossen haben, für Italien nicht tel quel übernommen werden könne. Das ist aber selbstverständlich. Auch bei den Abkommen mit Deutschland und England haben wir gewisse Unterschiede; das ergibt sich aus der Situation. Er hat auch darauf hingewiesen, dass sich die EU damit beschäftige und der Frage nachgehe, ob diese beiden Abkommen in Übereinstimmung mit dem EU-Recht und mit den Regelungen der OECD seien. Insofern steht das Thema also immer unter dem Vorbehalt, was diese Abklärungen dann ergeben würden.
Tatsache ist, dass im Moment sowohl Deutschland als auch das Vereinigte Königreich in Diskussionen mit der EU stehen. Beide sind der Auffassung, dass die Abgeltungssteuer EU-konform sei. Wir warten jetzt ab, was das definitive Resultat sein wird. Davon wird auch abhängen, wie wir in diesen Gesprächen - auch mit anderen Ländern - fortfahren können. Das muss, meine ich, in den nächsten Tagen vonseiten der EU mit Deutschland und England geklärt werden.
Herr Schelbert hat in diesem Zusammenhang die Frage aufgeworfen, wie es sich mit der Informatik und mit den Betriebsaufwendungen verhalte, in welchem Verhältnis diese stünden und was Kürzungen bedeuten würden. Er hat auch darauf hingewiesen, dass wir gesagt haben, wir würden uns dazu äussern, und zwar vor allem zur Informatik, wo wir eine neue Strategie mit Standarddienstleistungen fahren und Massnahmen im Bereich der Telekommunikation vorsehen. Wir werden Ihnen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Strategie, die wir festgelegt haben und jetzt fahren, sagen können, wie sich das in verschiedenen Bereichen auswirkt; ich komme bei den entsprechenden Anträgen gerne darauf zurück.
Herr Schwander und Herr Kaufmann haben festgehalten, bei den Sozialversicherungen sei eine Fehlentwicklung festzustellen. Im gleichen Atemzug haben sie von der Demografie gesprochen. Es scheint mir etwas schwierig, die demografische Entwicklung als Fehlentwicklung zu bezeichnen. Wenn
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AB 2011 N 1967 / BO 2011 N 1967
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Sie die Sozialversicherungen anschauen, sehen Sie natürlich, dass die Belastung der Sozialversicherungen nicht zuletzt mit der demografischen Entwicklung zusammenhängt; das gilt für den Bereich der Pflegekosten und für den Bereich der Sozialversicherungen im engeren Sinn. Wir sind ja daran, einen Perspektivbericht der öffentlichen Hand zu erstellen, um zu schauen, wie die Entwicklung weitergeht, wie es in zehn, fünfzehn Jahren aussieht und wie man diesen Bereich dann finanzieren kann, ob es weiterhin in der heutigen Form sein kann oder ob man neue Instrumente haben muss.
Wer in zehn, fünfzehn Jahren achtzig sein wird, kann man heute prognostizieren. Weniger gut prognostizieren kann man, wie viele in zehn, fünfzehn Jahren in der zweiten Primarklasse sein werden. Aber wir haben Anhaltspunkte, um die demografische Entwicklung hochzurechnen und zu prognostizieren.
Im Übrigen diskutiert man ja auch im Bereich der Sozialversicherungen eine Schuldenbremse. Wir haben eine Schuldenbremse bei der Arbeitslosenversicherung, und wir sind dabei, eine Schuldenbremse bei der Invalidenversicherung zu diskutieren. Das ist also nichts Neues.
Wir sind über unsere Exportindustrie sehr stark mit der übrigen Welt verbunden, vor allem natürlich mit dem übrigen Europa. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Schweizerfranken, das ist bekannt. Der Schweizerfranken ist sehr stark, wir werden das weiterhin spüren. Wir führen in diesem Zusammenhang ja auch eine Diskussion über die Ausschüttungen der Nationalbank. Ich möchte Sie bitten, dort dann dem Entwurf des Bundesrates zu folgen, denn die neue Vereinbarung, die wir mit der Nationalbank abgeschlossen haben, sieht eine künftige Ausschüttung von durchschnittlich einer Milliarde Franken vor. Es scheint uns - dem Eidgenössischen Finanzdepartement und der Nationalbank - wahrscheinlicher, dass es zu einer Ausschüttung in diesem eingeschränkten Rahmen kommen wird als zu keiner Ausschüttung.
Zur Entwicklung seit Verabschiedung des Budgets durch den Bundesrat: Wir haben eine Nachmeldung gemacht. Diese Nachmeldung betrifft Massnahmen zur Erhöhung der Transparenz bei der Weitergabe von Wechselkursvorteilen zur Stärkung des Wettbewerbs. Der Bundesrat hat hier mit Blick auf die Frankenstärke als Ergänzung zum Nachtrag II befristete Erhöhungen gewisser Personalkategorien und des Beratungsaufwands im Gesamtumfang von 1,85 Millionen Franken beschlossen - zum einen bei der Preisüberwachung, zum andern bei den Konsumenteninformationen, beim Büro für Konsumentenfragen, bei der Weko.
Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang noch, darauf hinzuweisen, wie es sich mit der Entwicklung im Personalbereich verhält. Wir haben in den Jahren 2010/11 im Personalbereich ungefähr 300 Stellen abgebaut. Wir haben aber auf der anderen Seite unter dem Titel "Leistungen Dritter" etwas mehr Mittel gebraucht. Bei diesem Zuwachs 2012 um 300 Stellen handelt es sich beispielsweise nur schon bei 70 Stellen um solche, die einfach umgewandelt werden. Heute sind es noch Drittaufträge, diese werden in ordentliche Stellen umgewandelt; effektiv schlagen sie bei der Finanzierung gar nicht als Mehraufwand durch. Wir haben verschiedene andere Stellen, die auch nicht finanzierungswirksam sind. Ich möchte Sie bitten, das dann zu berücksichtigen, und ich möchte Sie auch bitten, diese Kürzung von 150 Millionen Franken nicht vorzunehmen. Ich werde bei der entsprechenden Stelle noch darauf zurückkommen.
Sie haben im Zusammenhang mit der Diskussion der Botschaft über die Standortförderung 2012-2015 in der Herbstsession die Aufstockung der Exportförderung um 2,25 Millionen Franken beschlossen. Wir werden auch darüber bei der entsprechenden Position im Voranschlag noch diskutieren.
Zur Konjunkturentwicklung und zu den Perspektiven: Wir haben unsere Aussichten anpassen müssen. Unsere Expertengruppe Konjunkturprognosen hat wie andere Institute auch die Prognosen zurücknehmen müssen. Wir gehen für 2012 von einem Wachstum von 0,9 statt 1,5 Prozent aus und für 2011 von 1,9 statt 2,1 Prozent. Wir haben die Auswirkungen eines allfälligen schlechteren Wirtschaftsgangs als desjenigen, den wir jetzt voraussehen oder budgetieren, in einem Haushaltsszenario untersucht; wir haben ein Bad-Case-Szenario gemacht. Dieses zeigt, dass selbst eine konjunkturelle Verschlechterung im Voranschlag 2012 nur einen geringen Einfluss auf den Saldo des Bundeshaushalts haben würde, und zwar dank der konjunkturgerechten Ausgestaltung der Schuldenbremse; darauf wurde heute hingewiesen. Es macht durchaus Sinn, Herr Nationalrat Schwander, dass wir eben diesen Konjunkturfaktor haben. Es ist richtig, dass man sich in schwierigen Zeiten antizyklisch verhält, und gerade das lässt unsere Schuldenbremse zu.
Gesunde öffentliche Finanzen sind nicht nur ein wichtiger Faktor im internationalen Standortwettbewerb, sie sind auch eine sehr wichtige Rahmenbedingung für eine gesunde Wirtschaft in unserem Land. Wir haben mit dem Voranschlag 2012 einen ausgeglichenen Haushalt. Wir schaffen damit eine gute Grundlage für ein gedeihliches Wirken unserer Wirtschaft und für eine gute Politik im nächsten Jahr.
Ich möchte Sie bitten, jeweils dem Entwurf des Bundesrates zuzustimmen.