Nationalrat - Frühjahrssession 2012 - Sechste Sitzung - 05.03.12-14h30
Conseil national - Session de printemps 2012 - Sixième séance - 05.03.12-14h30

10.512
Parlamentarische Initiative
Glanzmann-Hunkeler Ida.
Symbole
der christlich-abendländischen Kultur
sind im öffentlichen Raum zulässig
Initiative parlementaire
Glanzmann-Hunkeler Ida.
Autoriser dans l'espace public
les symboles de l'Occident chrétien
Vorprüfung - Examen préalable
Informationen CuriaVista
Informations CuriaVista
Informazioni CuriaVista
Nationalrat/Conseil national 05.03.12 (Vorprüfung - Examen préalable)
Ständerat/Conseil des Etats 11.06.12 (Vorprüfung - Examen préalable)

Antrag der Mehrheit
Der Initiative keine Folge geben

Antrag der Minderheit
(Egger, Fehr Hans, Geissbühler, Grin, Joder, Perrin, Rutschmann, Schneider-Schneiter, Zemp)
Der Initiative Folge geben

Proposition de la majorité
Ne pas donner suite à l'initiative

Proposition de la minorité
(Egger, Fehr Hans, Geissbühler, Grin, Joder, Perrin, Rutschmann, Schneider-Schneiter, Zemp)
Donner suite à l'initiative

Glanzmann-Hunkeler Ida (CE, LU): Ich habe meine parlamentarische Initiative nach einer intensiven Diskussion im Kanton Luzern eingereicht, als ein Vater forderte, dass in der Schule zuerst einmal die Kruzifixe und dann auch noch die Kreuze zu entfernen seien. Der ganze Streit eskalierte so weit, dass die Familie dieses Vaters, eine Freidenkerfamilie, Drohbriefe erhielt und als Konsequenz schlussendlich die Ortschaft verliess. Die Medien machten daraus wahrlich einen Glaubenskrieg und unterstellten der Gemeinde, dass sie sehr katholisch und sehr konservativ sei. Dies stimmt aus meiner Sicht nicht, und ich habe sehr grosses Verständnis für die Einwohnerinnen und Einwohner dieser Gemeinde. In den Medien wurde für die Einwohner dieser Gemeinde das Wort "Katholiban" gebraucht, ein Schimpfwort, das ich sehr schlimm finde.

AB 2012 N 214 / BO 2012 N 214

Unsere Kultur, und dazu zähle ich nun einmal auch die Kreuze, muss sich je länger, je mehr rechtfertigen, um in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Das Kreuz ist - zumindest für mich - nicht nur ein Zeichen des katholischen Glaubens. Für mich ist es gelebte Kultur und gehört zu unserer Geschichte. Wir finden überall Kreuze, und diese signalisieren Sicherheit oder stehen als Zeichen für Frieden. Sie stehen manchmal mitten auf einer Wiese oder am Wegrand. Sie laden ein zum Innehalten, zum Nachdenken, und dies ist aus meiner Sicht absolut nicht nur mit dem Glauben verbunden. Sie sind Zeichen einer tiefgründigen Kultur.
Traditionen seien da, um hinterfragt zu werden, war zum gleichen Zeitpunkt auch in der "Zentralschweiz am Sonntag" zu lesen. Die Geschäftsführerin der Freidenker-Vereinigung forderte, dass Kreuze nicht nur aus den Schulzimmern, sondern auch aus den Spitälern entfernt werden sollten; ebenso will sie keine Gipfelkreuze mehr.
Ich will für unsere Traditionen und unsere Kultur einstehen. Ich will, dass wir auch in Zukunft zu unseren Wurzeln stehen dürfen und auch die damit verbundenen Zeichen nicht verstecken müssen, dass diese also in der Öffentlichkeit präsent sein können. Viele Traditionen ändern sich mit der Zeit, aber ich finde es schlimm, wenn Einzelpersonen bei uns in der Schweiz auf ihre Rechte pochen können und wir als Gesellschaft unsere Kultur, die traditionell tief verwurzelt ist, aufgeben müssen.
Bei diesen Diskussionen hatte ich immer wieder den Eindruck, dass wir uns in der Schweiz zwar allen Glaubensrichtungen anpassen und alle anderen dulden sollten, dass wir aber kein Recht mehr haben, unsere Kultur zu leben. Das ist dann auch der Grund dafür, dass ich diese parlamentarische Initiative eingereicht habe und damit eine Verankerung der Symbole der christlich-abendländischen Kultur in der Verfassung anstrebe. Ich habe immer den Eindruck, dass wir in der Schweiz zuerst allem anderen einen Platz einräumen, bevor wir zu unseren Werten stehen.
Wenn wir ins Ausland reisen, erleben wir die Kulturen von fremden Ländern. Die sind sehr oft ebenfalls von Religion geprägt, und dort ist man stolz auf die eigene Kultur. Ich bin wirklich weltoffen und habe keine Mühe damit, dass in der Schweiz fremde Menschen mit unterschiedlicher Herkunft leben. Ich will mich aber dafür einsetzen, dass unsere Kultur respektiert wird, dass wir uns nicht dafür schämen müssen und dass wir sie nicht nur noch im Versteckten pflegen dürfen.
Besten Dank, wenn Sie meine parlamentarische Initiative unterstützen.

Schneider-Schneiter Elisabeth (CE, BL): Bei der parlamentarischen Initiative Glanzmann-Hunkeler geht es einfach darum, ob wir zu unserer christlich-abendländischen Kultur stehen oder nicht. Kreuze sind Teil dieser Kultur und Teil unserer Wurzeln. Eine Verfassungsgrundlage ist nötig, um diese Tradition und diese Kultur zu bewahren. Nach den Konflikten rund um das Kreuz in Schulzimmern, wie sie in der jüngeren Vergangenheit in verschiedenen Kantonen ausgetragen wurden, ist eine Verankerung dieser Kultur in der Verfassung gerechtfertigt. Durch einen solchen Verfassungsartikel kann vermieden werden, dass sich gerichtliche Instanzen gegen das Anbringen von christlichen Symbolen aussprechen. Die Religionsfreiheit ist eine Errungenschaft der Schweiz. Sie bedeutet aber nicht, dass wir unsere Wurzeln und Kultur verleugnen oder gar verstecken müssen.
In diesem Sinne bitte ich Sie, der parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Marra Ada (S, VD), pour la commission: La Commission des institutions politiques a décidé de donner suite à l'initiative parlementaire déposée par Madame Glanzmann-Hunkeler, qui demande d'inscrire dans la Constitution que les symboles de l'Occident chrétien soient autorisés dans l'espace public, le 20 mai 2011 par la voix prépondérante de son président d'alors. Sa commission soeur du Conseil des Etats a quant à elle refusé d'y donner suite le 13 octobre 2011; elle est donc retournée à la CIP du Conseil national, qui au vu de la situation a décidé de ne plus donner suite à cette initiative.
Madame Glanzmann-Hunkeler a reporté au niveau suisse une situation qu'elle a vécue au niveau local dans son canton: ainsi, les autorités communales de Triengen ont placé une croix à la place du crucifix sur le mur des classes de l'école, car un libre penseur brandissait un arrêté du Tribunal fédéral datant de 1990 qui estimait que l'exigence de neutralité confessionnelle des écoles publiques avait été violée par la décision d'une commune tessinoise d'imposer un crucifix dans les salles de l'école primaire. Suite à la pose de la croix, le libre penseur a menacé de quitter le pays.
Les arguments de la majorité de la commission pour ne pas donner suite à cette initiative sont de plusieurs natures.
L'auteur de l'initiative parle d'Occident. Mais où s'arrête l'Occident, où est sa délimitation géographique? L'histoire de l'Occident est aussi complexe puisqu'il a été sous l'influence arabe et juive. L'Occident est formé de plusieurs religions.
Certains membres de la commission ont vu dans cette attitude un privilège accordé à une certaine religion et une mise à mal du respect de l'article 8 alinéa 2 de la Constitution qui dit que personne ne doit subir de discrimination du fait de ses convictions religieuses. Les athées de ce pays pourraient ainsi se sentir également mal à l'aise. Mais le principal argument, c'est que la Constitution suisse n'interdit absolument pas les symboles chrétiens occidentaux dans quelque lieu que ce soit. La seule chose qui est interdite, je vous le rappelle, ce sont les minarets.
La Constitution suisse laisse aux cantons le soin de régler ces questions religieuses. Autant il est impensable de vouloir accrocher des crucifix dans des écoles publiques dans le canton de Vaud ou dans le canton de Genève, autant il est impensable de vouloir les arracher dans le canton de Fribourg ou dans le canton du Valais.
Madame Glanzmann-Hunkeler souhaite que la culture de la Suisse soit respectée: c'est en laissant les différentes sensibilités cantonales s'exprimer que l'on y arrivera le mieux. La préoccupation légitime de l'auteur de l'initiative, de ne pas voir s'amoindrir les droits des chrétiens en Suisse, est disproportionnée par rapport à la réalité. Il y a eu bien sûr des arrêts du Tribunal fédéral, lequel a condamné, il y a plus de 20 ans de cela, une commune tessinoise. Entre-temps, depuis les 22 ans qui nous séparent de cet évènement, il ne semble pas que les cantons catholiques aient vu leurs droits baisser.
Il y a eu d'autres arrêtés de tribunaux, dont un tout récent puisqu'il date de l'année dernière. Il a été rendu par la Cour européenne des droits de l'homme qui a donné un avis tout à fait contraire à celui du Tribunal fédéral qui, désormais, doit en tenir compte lorsqu'il rendra ses décisions.
Pour terminer, je répète qu'il semble disproportionné de vouloir légiférer au niveau de la Constitution de questions qui, aujourd'hui, respectent les sensibilités régionales et cantonales.

Fluri Kurt (RL, SO), für die Kommission: Die Initiative verlangt die Ergänzung der Bundesverfassung mit dem Satz: "Symbole der christlich-abendländischen Kultur sind im öffentlichen Raum zugelassen." In einer ersten Diskussion hat unsere Kommission mit Stimmengleichheit und dem Stichentscheid des Präsidenten der Initiative Folge gegeben. Die ständerätliche SPK hat dann aber mit 8 zu 3 Stimmen entschieden, ihr keine Folge zu geben. Im zweiten Umgang empfiehlt Ihnen nun unsere Kommission mit 13 zu 9 Stimmen, der ständerätlichen Kommission zu folgen.
Die Begründung dieser Initiative haben Sie von der Initiantin und von der Sprecherin der Minderheit gehört. Es geht ihnen darum, dass die Symbole, die mit unserer Geschichte verbunden und auch sehr oft als Zeichen des Glaubens in der Öffentlichkeit ersichtlich sind, in der Verfassung als öffentlich zugelassen zu erklären. Speziell das Kreuz stehe nicht nur für den Glauben, sondern für den Schutz des Landes, es sei Symbol des Friedens, des sozialen Gedankens, der Bergpredigt, des abendländischen Grundrechtsverständnisses und Zeuge der schweizerischen Kultur.

AB 2012 N 215 / BO 2012 N 215

Die Mehrheit Ihrer Kommission erachtet eine derartige Verfassungsbestimmung als unverhältnismässig, weil sie die Toleranz gegenüber christlichen Symbolen im öffentlichen Raum nicht bedroht sieht. Sie lehnt die Initiative auch aus Gründen der religiösen Neutralität des Staates ab. Zudem fragt sie sich, was mit der Initiative gemeint ist. Geht es um die Kultur? Dafür haben wir bereits Artikel 69 der Bundesverfassung. Geht es um die Glaubens- und Gewissensfreiheit? Dafür haben wir bereits Artikel 15 der Bundesverfassung. Geht es um das Verhältnis zwischen Staat und Religion? Dafür haben wir Artikel 72 der Bundesverfassung, der die Kompetenz für diese Frage den Kantonen gibt.
Mit anderen Worten: Die Mehrheit ist der Auffassung, dass es in allen drei Fällen diese Initiative nicht braucht, während es die Minderheit als notwendig erachtet, eine Verfassungsgrundlage für die Symbole der christlich-abendländischen Kultur zu erlassen, um die Tradition und die Symbole dieser Kultur zu bewahren.
Mit 13 zu 9 Stimmen empfiehlt Ihnen Ihre SPK, dieser Initiative keine Folge zu geben.

Abstimmung - Vote
(namentlich - nominatif; Beilage - Annexe 10.512/6993)
Für Folgegeben ... 87 Stimmen
Dagegen ... 75 Stimmen



Schluss der Sitzung um 22.00 Uhr
La séance est levée à 22 h 00

AB 2012 N 216 / BO 2012 N 216





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