Bäumle Martin (GL, ZH):
Es herrscht grosse Einigkeit darüber, dass sich in diesem Land einige Manager über Jahre mit unanständigen, überhöhten Salären selbst bedient haben und leider immer noch bedienen. Dieses Problem werden wir weder mit der Minder-Initiative noch mit dem indirektem Gegenvorschlag, noch mit dem direktem
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AB 2012 N 1236 / BO 2012 N 1236
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Gegenvorschlag lösen können, weil es auch ein internationales Problem ist. Wir werden aber weiterhin dieses Thema im Auge behalten müssen, und es wird in Zukunft ebenfalls an den Aktionären sein, diese Unanständigkeit immer wieder anzuprangern, eine andere Ethik zu entwickeln, sodass irgendwann automatisch kein Unternehmer mehr bereit ist, solche überhöhte Saläre zu bezahlen, weil es sich nicht schickt. Es wird unmöglich sein, dies gesetzlich zu regeln, es wird international, aber auch national immer Ausweichmöglichkeiten geben.
Die Grünliberalen haben sich seit Einreichung der Minder-Initiative immer einen griffigen indirektem Gegenvorschlag gewünscht, um der Minder-Initiative, die einige Probleme in sich hat, einen starken Gegenvorschlag gegenüberzustellen mit dem klaren Ziel, die Aktionärsrechte zu stärken, die Corporate Governance zu verbessern und den Aktionären auch bezüglich Vergütungen klare Richtlinien in die Hand zu geben.
Leider hat es dieses Parlament - beide Räte - mit seinem Gezerre über lange Jahre fast fertiggebracht, ein solches Gegenprojekt zu Fall zu bringen: Soll man einen direkten oder einen indirektem Gegenvorschlag erstellen? Soll eine Boni-Steuer im direkten, im indirektem Gegenvorschlag oder in beiden enthalten sein?
Im März 2012 ist dann endlich ein Durchbruch gelungen, indem man klar gesagt hat: Der indirekte Gegenvorschlag und die strittige Frage der Boni-Steuer werden entflochten. Mit einem Kompromiss konnten wir Grünliberalen dafür sorgen, dass dieser indirekte Gegenvorschlag endlich in beiden Räten mehrheitsfähig wurde.
Im März haben wir im Sinne eines Pfandes in der Hand ebenso klar gesagt: Wir werden vorläufig einen direkten Gegenvorschlag mit einer reinen Boni-Steuer ohne den ganzen aktienrechtlichen Teil, der drin war, auf die Schiene stellen und werden am Ende der Debatte dann beurteilen, ob dieser Gegenvorschlag bestehen soll oder nicht. Das Ziel war immer klar: Mit diesem direkten Gegenvorschlag wollten wir erreichen, dass Herr Minder seine Initiative zurückzieht, und hätten, wenn er sie zurückgezogen hätte, entsprechend die Boni-Steuer heute auch abgelehnt.
Unterdessen hat sich die Ausgangslage verändert. Aber zuerst noch zum Materiellen: Gegenüber der Boni-Steuer war die GLP immer skeptisch. Die Boni-Steuer ist ein Etikettenschwindel, weil sie letztlich nicht die Boni besteuert, sondern die Unternehmen, und dort sogar zu einer Doppelbesteuerung führt. Es würde mit diesem direkten Gegenvorschlag also kein einziger Manager weniger Geld verdienen. Im Gegenteil: Die Unternehmen würden das letztlich zahlen. Wie hoch diese Steuer dann ausfiele, würde dieser Rat in einigen Jahren hier definieren. Ob sie dann griffig wäre, wissen wir heute noch nicht, wenn wir uns da auch die Mehrheitsverhältnisse anschauen.
Jetzt ist es aber so: Wenn heute die Boni-Steuer stehengelassen würde und Herr Minder bereit wäre, seine Initiative zurückzuziehen, weil 80 Prozent dessen, was er will, mit dem indirekten Gegenvorschlag erfüllt ist, würde am Ende nur die Boni-Steuer vors Volk kommen, die Herr Minder auf keinen Fall will. Das Stehenlassen der Boni-Steuer würde ihn also dazu zwingen, seine Initiative aufrechtzuerhalten.
Wenn wir heute hingegen die Boni-Steuer beerdigen, bauen wir den Initianten eine breite Brücke, ohne eine klare Zusage zu haben. Die Boni-Steuer, die Herr Minder nie gewollt hat, würde versenkt. Ein indirekter Gegenvorschlag, der 80 Prozent der Forderungen erfüllt, liegt bereit und kann sofort umgesetzt werden, wenn die Initianten die Initiative zurückziehen. Diese breite Brücke bauen wir heute, d. h., die Taktik, auf die wir gesetzt haben, ist nicht ganz aufgegangen, weil Herr Minder die Initiative noch nicht zurückgezogen hat und jetzt diese Verknüpfung nicht da ist. Aber wenn wir heute die Boni-Steuer versenken, die inhaltlich nicht hält, was sie verspricht, und Herr Minder die Initiative zurückzieht, haben wir ab nächstem Jahr einen griffigen indirekten Gegenvorschlag.
Zum Schluss jetzt noch einmal materiell: Der indirekte Gegenvorschlag hat es auf die Genehmigung der Vergütungsreglemte angelegt. Das heisst, dass die Aktionäre mit dem indirekten Gegenvorschlag die Möglichkeit haben, Vergütungsobergrenzen oder einen Spread zwischen Minimum und Maximum festzulegen. Das heisst, dass die Aktionäre es in der Hand haben, in ihren Firmen Abzockerei zu bremsen - wenn Sie dies wollen. Wenn eine Mehrheit der Eigentümer dies will, kann sie es machen.
In diesem Sinne ist der indirekte Gegenvorschlag in dieser Frage griffiger als diese Fata-Morgana-Boni-Steuer, die zwar gut tönt, letztlich aber eine neue Unternehmenssteuer ist. In diesem Sinne werden wir heute den Bundesbeschluss und damit die Boni-Steuer ablehnen.