Pfisterer Thomas (RL, AG):
Darf ich einen Moment Ihre Aufmerksamkeit beanspruchen, um auf die Verhältnisse am Hochrhein hinzuweisen, die der Herr Bundesrat aus seiner früheren Heimat ja bestens kennt? Es ist ein eigenartiges Auf und Ab in der Zeit: In den Neunzigerjahren haben sich die Kantone, als Antwort auf die Internationalisierung und das EWR-Nein, bemüht, der Sache zuliebe die Zusammenarbeit zu intensivieren; es ging nicht ums Geld. Mit der Zeit haben sie dann dankbar zur Kenntnis genommen, dass der Bund Geld gibt, und dabei auch sachliche Probleme in Kauf genommen. So gab es Auseinandersetzungen darüber, inwieweit der Bund Einfluss nehmen soll. Das gehört auch zum Interreg-Projekt und zum Interreg-Problem. Insofern erlaube ich mir die Ausführungen von Herrn Kollege Altherr zu ergänzen.
Mit der Zeit hat die EU ihr Engagement immer weiter ausgedehnt und dabei auch immer mehr Einfluss genommen in der Sache, teilweise ist auch eine erhebliche Bürokratie daraus erwachsen. Das ist jedenfalls der Eindruck von der Aargauer Rheingrenze her. Nun beginnt sich die EU wegen Geldsorgen zurückzuziehen, und von den Grenzregionen her wird protestiert. Ich habe Verständnis dafür, erlaube mir aber, darauf hinzuweisen, dass es eben jetzt wieder deutlicher um die Sache geht und nicht nur ums Geld. Es sind mir Beispiele bekannt, in denen man nur um des Geldes willen Projekte gestartet hat, über deren sachliche Begründung man wirklich diskutieren kann. Wir müssen uns wieder auf die Sache beschränken - das ist mein wichtiges Anliegen - und die gemeinsamen Probleme gemeinsam lösen.
Dabei aber, Herr Bundesrat, bitten wir sehr darum, dass Sie sich auch dort engagieren, wo es kein Geld kostet. Dort, wo die Mittel knapp sind, kann man auch helfen. Ein aktuelles Beispiel ist natürlich die Sicherheitszusammenarbeit über die Grenze hinweg, welche in allererster Linie vom Kanton und vom deutschen Bundesland bewältigt werden muss. Ich denke aber auch an das Problem auch des Gesundheitswesens. Das ist eine Sorge, die uns am Hochrhein sehr bewegt. Es leuchtet nicht ein, warum beispielsweise in Rheinfelden zwei hochdotierte Spitäler betrieben werden, die gut einen Kilometer auseinander liegen. Oder wir haben jetzt Konkurrenzprobleme zwischen den Schwarzwaldkliniken und Zurzach, Rheinfelden, Schinznach und Baden. Die Begründung, warum sich diese Partner am Hochrhein nicht einigen können, lautet immer: Ja, Berlin und Bern schaffen die Voraussetzungen nicht; die Krankenversicherungsordnung verhindert die Zusammenarbeit über die Grenze. Das dürfte nicht sein, das ist ein ineffizienter Einsatz von Mitteln. Da möchte ich Sie sehr bitten zu helfen.
Ein konkreter Anlass ist jetzt das Projekt "Agentur Hochrhein". Der Bund ist grundsätzlich willens mitzuhelfen. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir hoffen auf aargauischer Seite, mit unseren Partnern, mit Schaffhausen und Baden-Württemberg, das auf die Beine zu stellen. Wir hoffen immer noch, dass der ganze Kanton Zürich mitmacht und nicht nur die beiden Planungsverbände. Aber da ist es eben wichtig, Herr Bundesrat, dass der Bund hilft, die Voraussetzungen zu schaffen. Es geht also nicht nur um mehr Geld, sondern um den effizienten Einsatz und um das Ausschöpfen der vorhandenen Potenziale, was teilweise wenig oder nichts kostet.