Leuthard Doris, Bundesrätin:
Auch ich möchte mich bedanken für die Diskussion und auch für die vorberatenden Arbeiten in Ihren Fachkommissionen, die speditiv und auch mit Hearings sich einlässlich mit dieser zweiten Stufe befasst haben. Sie wissen, wir haben Ihnen im Dezember die erste Stufe unterbreitet. Sie haben damals 550 Millionen Franken an Arbeitsbeschaffungsreserven ausgelöst und 430 Millionen an zusätzlichen Investitionen über das Budget 2009. Wir kommen bereits heute mit dieser zweiten Stufe, weil sich effektiv im Lauf des Dezembers, im Januar und auch im Februar die Konjunkturprognosen und die harten Fakten nochmals eindeutig verschlechtert haben. Deshalb haben wir bereits im Januar die Arbeiten intensiviert, und im Februar hat deshalb der Bundesrat über diese Massnahmen entschieden.
Es war nicht so, dass wir einfach mal irgendwie aus jedem Departement sammelten, was noch so in der Pipeline war oder was im Rahmen der früheren Budgets nicht bewilligt worden war. Das Ganze hatte also schon ein System. Es hatte denn auch in einer ersten Phase gemäss den Kriterien, die vorgegeben wurden, lediglich für 340 Millionen Franken zusätzliche Projekte. Schlussendlich hatten wir dann für eine Milliarde infragekommende und den Kriterien entsprechende Projekte, und was Sie hier mit diesen 700 Millionen Franken vorfinden, entspricht eben auch den Bedürfnissen und den Vorgaben der beiden Departemente.
Wir haben einen konjunkturellen Einbruch, und wir haben eine Strukturkrise im Bankensystem. Die Frage ist, wie wir richtig darauf reagieren. Nicht "irgendetwas" oder "möglichst viel" ist die Antwort, sondern eben "gezielt", "zeitlich befristet" und "schnell realisierbar". Wir haben hier einen Fokus, und das haben einige von Ihnen gesagt: Mehr als die Hälfte der Beträge in dieser zweiten Phase geht in den Bereich der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen. Das ist ein
|
AB 2009 S 141 / BO 2009 E 141
|
Bereich, wo vieles eben sowieso in der Pipeline war. Es sind vor allem vorgezogene Investitionen, die in einem grossen Umfang von der Planung her bereit und realisierbar sind; ich komme dann noch auf einzelne Elemente zurück. In der Regel sind das gemäss Studien, die etwa die KOF gemacht hat, gerade im Baubereich Investitionen, die einen Multiplikatoreffekt haben. Nach den KOF-Studien wird der Baubereich mit einer Beschäftigungsintensität und mit einem Multiplikatoreffekt von 1,8 gewertet. Das bedeutet: Investitionen sind in diesem Bereich weit ergiebiger, weit beschäftigungs- und konjunkturwirksamer als in anderen Bereichen, etwa im Dienstleistungsbereich. Es ist dem Bundesrat sehr wichtig, dass der Staat unterstützend wirkt, vor allem was die Arbeitsplatzsituation betrifft.
Bei der Konzeption dieser zweiten Phase haben wir den Fokus aber nebst dem Infrastruktursektor auch auf die erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz gelegt. Das ist zwar nicht als Green Deal betitelt, wie das vielleicht populär wäre, aber es ist so. Wir haben in der ersten Phase 100 Millionen Franken für die energetischen Sanierungen im Gebäudebereich und weitere 50 Millionen Franken für den gemeinnützigen Wohnungsbau vorgesehen. Mit dieser zweiten Phase entscheiden Sie über weitere 50 Millionen Franken bei den erneuerbaren Energien - von der Fotovoltaik bis zur Fernwärme -, und Sie entscheiden über 21 Millionen Franken bei der KTI für den Bereich der "clean technologies".
Das sind zusätzlich zu den eigentlichen Strukturpolitiken des Bundesrates im Energiebereich, die ja schon vor Langem, nämlich im Februar 2008, mit den Aktionsplänen eingeleitet wurden, 220 Millionen Franken an Mitteln. Wenn Sie noch den Wohnbereich dazuzählen, wo wir, sofern investiert wird, auf die Rückzahlung der Darlehen verzichten, sind das noch einmal 100 Millionen Franken zusätzlich.
Das ist ein klarer Fokus des Bundesrates. Das macht Sinn, weil es sowieso gesellschaftspolitisch relevant und energie- und klimapolitisch sinnvoll ist. Unter dem Titel "konjunkturwirksam" sind das allerdings natürlich nicht optimale Massnahmen, das muss man auch klar deklarieren. Aber es ist sinnvoll, es ist richtig, und wir setzen einen Akzent.
Wir in der Schweiz sind durch Entwicklungen ausserhalb unseres Landes in diese Rezession geraten. Ich möchte deshalb nochmals betonen: Es ist für den Bundesrat entscheidend, dass wir unser Augenmerk darauf richten, nach dieser Krise gut aufgestellt zu sein. Das heisst, wir setzen unsere Wachstumspolitik fort; wir haben sie definiert. Sie kennen die Massnahmen: Sie haben diese Session bereits eine entscheidende Massnahme, nämlich das Bundesgesetz über die technischen Handelshemmnisse, beschlossen. Herr Burkhalter hat auf die zweite Vorlage, das Forschungsgesetz, verwiesen: Beide Vorlagen sind Elemente der Wachstumspolitik des Bundesrates. Eine weitere Massnahme ist dann die Mehrwertsteuervorlage des Bundespräsidenten. Das setzen wir konsequent fort, das sichert eben die guten Rahmenbedingungen. Das ist nicht Teil der Konjunkturmassnahmen, aber Teil unserer Wachstums- und Wirtschaftspolitik, die dazu führt, dass die Schweiz nach der Krise mit besseren Bedingungen aufwarten kann. Zu dieser ganzen Politik gehört auch - für die Exportwirtschaft ist das zentral - die weitere Verbesserung des Aussenhandelsnetzes mit weiteren Freihandelsverträgen. Diesbezüglich haben Sie in dieser Session mit dem Aussenhandelsbericht den Vertrag mit Kolumbien bewilligt, und Japan wird dann der nächste Fokus sein.
Zu den guten Voraussetzungen nach der Krise, in einem Aufschwung, gehört eben auch - da bin ich mit Ihrer Finanzkommission natürlich einverstanden - eine massvolle Staatsverschuldung. Wir haben nicht den Weg anderer Staaten gewählt, in dieser jetzigen Phase die Staatsverschuldung aufzublähen, ohne Ihnen auch sagen zu können, wie wir das dann wieder kompensieren. Es ist so, und darauf haben einige hingewiesen, dass dies zweifellos nach Entlastungsprogrammen rufen würde. Das muss gut überlegt, wohldosiert sein. Deshalb haben wir hier, im Rahmen dieser Stabilisierungsmassnahmen, eben den Deckel der Schuldenbremse respektiert. Das ist auch richtig, das ist sinnvoll, und daran hat sich diese Konjunkturpolitik der Phasen 1 und 2 nun orientiert. Wir haben in dieser Botschaft ja nicht nur den Teil der Investitionen mit 700 Millionen und die Gesetzesänderungen im Wohnbaubereich, was zu weiteren 100 Millionen Franken an Investitionen führen kann, sondern als zweites Element die Kurzarbeitsentschädigung, die auf 18 Monate verlängert wurde, und die Reduktion der Zahl der Karenztage auf einen Tag. Letzteres lag in der Kompetenz des Bundesrates, aber gehört natürlich zu dieser zweiten Phase. Das dritte Element ist das Serv-Gesetz, das vor allem Ihre WAK beraten hat.
Ich möchte noch auf Fragen zu einigen Bereichen eingehen, die Sie im Rahmen der Eintretensdebatte aufgeworfen haben.
Zur Frage der Exportwirtschaft: Es ist so - Herr Ständerat Stähelin hat darauf hingewiesen, Herr Burkhalter und Frau Forster auch -; in diesem Bereich sind die möglichen Handlungsoptionen des Bundesrates tatsächlich eingeschränkt. Wir können mit Binnenmarktprogrammen den Bestellungsrückgang bei der Uhren-, Maschinen-, Textilindustrie nicht ersetzen. Das ist eine Gegebenheit. Es ist auch so, dass die Schweiz hier von gewissen Programmen im Ausland profitieren wird, obwohl gerade bezüglich des Automobilsektors in Deutschland noch viele Fragen völlig offen sind. In Schweden wurde dieser Sektor unterstützt, was aber inzwischen durch andere Entscheidungen zunichte gemacht worden ist. Hier ist also die Unterstützung durch andere Staaten bescheiden. Wir selber haben keine Automobilindustrie, und wir haben auch keine Industriepolitik in diesem Sinne. Deshalb macht das für uns keinen Sinn.
Wir haben aber auch im Bereich des Exportes Branchen, die nach wie vor gut laufen. Ich denke etwa an die Pharmaindustrie, die keine Gewinneinbrüche zu verzeichnen hat. Es gibt auch noch Unternehmen in anderen Branchen, die in einer guten Position sind. En total ist es aber so, dass uns in diesem Jahr auch punkto Arbeitslosigkeit diejenigen Personen, die in sehr stark exportabhängigen Branchen arbeiten, am meisten Sorgen bereiten werden. Hier sind staatliche Antworten im Rahmen der Geldpolitik wichtig. Hier hat die SNB richtig und schnell Zinsschnitte entschieden; es wird auch hier noch ein Handlungsspielraum bleiben. Die Verfolgung des Frankenkurses wird dieses Jahr ganz entscheidend sein, Herr Ständerat Brändli, das ist ein richtiger Hinweis. Die SNB ist deshalb auch in dieser Expertengruppe Konjunktur eingebunden, weil natürlich der Austausch im Bereich der Geldpolitik für die Exportindustrie wichtig ist. Ich nehme an, dass Sie auch ein wenig an den Tourismusbereich gedacht haben. Das ist eine Entwicklung, die wir verfolgen. Und wenn jetzt die EZB ihrerseits Zinsschnitte vorgenommen hat, gibt das natürlich gegenüber dem Euro einen zusätzlichen Druck für den Schweizerfranken.
Vielleicht ein paar Bemerkungen zur ALV, die von verschiedenen Mitgliedern Ihres Rates erwähnt wurde: Gott sei Dank verfügen wir über die Arbeitslosenversicherung, die eben hier als automatischer Stabilisator wirkt. Sie wirkt einerseits mit dem Instrument der Kurzarbeit. Sie haben die Entwicklung bezüglich Kurzarbeit sicher mitbekommen: Viele Unternehmen melden sich an; wie viele abrechnen werden, wissen wir in der Regel erst zwei Monate später. Sicher ist das aber ein griffiges Instrument, und der Bundesrat hofft, dass möglichst viele Unternehmen davon Gebrauch machen, um diese Zeit überbrücken zu können.
Wir haben hier nebst der Verlängerung der Kurzarbeit und der Verkürzung der Karenzzeit auch Angebote, wonach ein Unternehmen für die Dauer der Kurzarbeit Weiterbildungsmassnahmen umsetzen kann. Das macht Sinn. Ich habe im Kanton Thurgau vor Kurzem ein Unternehmen besucht, das jetzt ein Weiterbildungskonzept erstellt hat, weil viele Mitarbeiter nicht an jeder Maschine ausgebildet waren. Man erreicht Flexibilität unter den Mitarbeitenden durch Weiterbildung. Das sind sinnvolle Konzepte, und deren Umsetzung ist neu innerhalb der Zeit, in der kurzgearbeitet wird, möglich. Das ist eine Unterstützung, die Sinn macht und die ab April 2009 erlaubt sein wird.
|
AB 2009 S 142 / BO 2009 E 142
|
Betreffend die Arbeitslosenversicherung und die entsprechende Gesetzesrevision noch zwei Bemerkungen: Die jetzige Gesetzgebung ist seit 2003 in Kraft. Der Bundesrat setzte 2006, also keine drei Jahre nach Abschluss der Revision, eine Expertengruppe ein, weil man erkannt hatte, dass die Finanzierung nicht solide war. Wir waren damals zu optimistisch. Die Expertengruppe lieferte ihren Bericht im April 2007 ab; der Bundesrat schickte bereits im Herbst 2007 eine Vernehmlassungsvorlage bis Ende März 2008 in die Konsultation. Seit Herbst 2008 ist die Revisionsvorlage im Parlament. Ihre SGK begann im Februar 2009, die Revision mit Hearings an die Hand zu nehmen. Sie ist bitter nötig, weil es sich gezeigt hat, dass die heutige Gesetzgebung nicht solide finanziert ist; wir konnten die Schulden auch in der Hochkonjunktur trotz äusserst niedriger Arbeitslosigkeit nur minim senken. Das ist eine Tatsache, deshalb bin ich dezidiert der Auffassung, die Revision müsse jetzt sein. Sie basiert auf einem Durchschnittswert von 134 000 Arbeitslosen, berechnet für einen Zyklus von zehn Jahren; das ist die Grundlage. Ich hoffe, das Parlament kann diese Revision schnell beraten, sodass wir sie dann, selbstverständlich auch unter Berücksichtigung der Konjunktur, 2011 einführen können. Dann hoffe ich, dass wir einerseits bezüglich der Schulden und andererseits bezüglich des Ausgleichs der Rechnung der Arbeitslosenversicherung eine verbesserte Situation erreichen.
Es gab ja einige, die im Rahmen der Vernehmlassung diese Revision nicht wollten. Ich bin also sehr erfreut, heute feststellen zu können, dass sich hier wenigstens die Meinung doch geändert hat.
Frau Sommaruga hat den Automatismus gemäss heutigem Gesetz angesprochen, der ausgelöst wird, wenn die Schuldsumme der Arbeitslosenversicherung 2,5 Prozent der Lohnsumme erreicht. Wir werden diese Schuldsumme Ende Jahr oder Anfang des nächsten Jahres erreichen. Das wird somit diesen Automatismus auslösen. Selbstverständlich wird der Bundesrat dann geeignete Vorschläge präsentieren. Auch hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass eine Erhöhung der Lohnnebenkosten sich natürlich nicht positiv auf die Aussichten und die Kompetitivität der Unternehmen auswirkt. Auch hier geht es darum, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Dosierung zu finden. Aber der Automatismus ist eine Vorgabe des Gesetzgebers, die natürlich zu beachten ist.
Zu den Bemerkungen von Ständerat Schwaller zur neuen Regionalpolitik kann ich folgende Informationen geben: Zunächst einmal wollen wir ja nicht ins alte Regime zurückfallen; da sind wir uns einig. Es war Sinn und Zweck der Revision, dass wir nicht Basisinfrastrukturen der Vergangenheit finanzieren, sondern vor allem wertschöpfungs- und arbeitsorientierte Projekte. Wir haben im Rahmen der Mehrjahresprogramme mit den Kantonen, die im letzten Jahr abgeschlossen wurden, diverse Projekte, die nicht berücksichtigt werden konnten, weil ja auch nur ein gewisses Volumen zur Verfügung stand. Es wird deshalb in erster Linie darum gehen, diese 100 Millionen Franken an rückzahlbaren Darlehen im Rahmen dieser - ich sage jetzt: - Überbleibsel einmal zu konzipieren. Wir haben mit dem IHG auch eine differenzierte Erfahrung und wissen, dass viele Projekte zwar die einheimische Bevölkerung versorgen und somit Basisinfrastruktur sind, aber auch regionale Wertschöpfungsaspekte beinhalten. Das Seco wird im Laufe des April mit den Vertretern eines jeden Kantons Sitzungen durchführen, damit man das konkretisiert. Es wird technisch dann so ablaufen, dass die neuen Projekte als Zusatzvereinbarungen zu den Mehrjahresprogrammen formuliert werden und somit auch transparent sind und wieder evaluiert werden können. Es ist wirklich eine zeitliche und betragsmässige Befristung, die wir hier anstreben. Aber es wirkt flächendeckend, und wir haben den Verteilschlüssel; wir meinen, dass hier doch einiges getan werden kann, das beschäftigungswirksam ist.
Zum Bereich des Strassenbaus auf der A1 wird der Herr Bundespräsident Stellung nehmen.
Noch zur Frage von Frau Forster betreffend Serv: Wir haben der Serv ein breites Mandat für die Prüfung gegeben, was auf der Stufe Verordnung und was auf der Stufe Gesetz bezüglich der Produkteangebote verbessert werden kann. Ich denke, was wir Ihnen hier heute vorschlagen, macht Sinn, respektiert aber auch, dass die Serv natürlich ein subsidiäres Instrument ist. Primär ist auch die Exportkreditfinanzierung Sache des Privatsektors, der Banken. Und die Exportrisikoversicherung wirkt subsidiär. Wir haben die Produkte, die jetzt neu im Angebot sein werden, auch die Ausdehnung auf die OECD-Staaten, die Sie angesprochen haben, im Lichte dieser Vorgaben entwickelt und auch nach einer Überprüfung durch die SNB. Wir sind der Meinung, dass damit - vor allem im Vergleich zu anderen Exportrisikoversicherungen, etwa von Deutschland, Frankreich und Italien - die Schweiz die KMU kompetitiv unterstützen kann und hier sicher schnell und auch im richtigen Ausmass gehandelt wird. Ich erinnere daran, dass auch diese Gesetzgebung noch jungen Alters ist und die Ausdehnung damals auf das private Käuferrisiko auch im Parlament nicht ganz unbestritten war.
Zur KTI: Hier danke ich, dass Sie diese Ausdehnung begrüssen. Wir haben bei der KTI auch noch eine kleine KMU-freundliche Neuerung für diese zwei Jahre eingeführt, indem bei der Finanzierung der Cash-Anteil von 50 Prozent der KMU auch durch Anrechnung von Personalressourcen geleistet werden kann. Und das dürfte, Frau Forster, genau Ihrem Anliegen entgegenkommen, weil es den Forschungspartnern ermöglicht, Leute anzustellen und das effektiv eins zu eins anrechnen zu lassen. Ich bin der Meinung, dass aus dem Finanzsektor wahrscheinlich diverse Forscherinnen und Forscher, Akademikerinnen und Akademiker auf dem Markt erhältlich sind. Hier weiss ich etwa von den ETH, dass sie sogar der Meinung sind, sie stellten jetzt möglichst gute Leute an, weil das auch wieder eine bessere Positionierung nach der Krise bedeutet.
Zu Herrn Ständerat Niederberger: Es fanden mit den Kantonsvertretern diverse Sitzungen statt. Wir haben im Oktober 2008 und im Januar 2009 mit den Volkswirtschaftsdirektoren Sitzungen abgehalten, auch um sie in Bezug auf kantonale Programme und vorgezogene Infrastrukturprojekte auf den Weg zu schicken. Wir haben sie mitgenommen, weil es sehr oft Kofinanzierungen braucht, etwa bei den Strukturmassnahmen in der Landwirtschaft oder bei Massnahmen zur Regionalpolitik usw. Das Finanzdepartement hat in engem Kontakt mit den Kantonen gestanden. Sie sind informiert, aber natürlich ist es dann in der Kompetenz der jeweiligen Kantone, zu entscheiden, was sie hier zusätzlich tun. Sie finden in der Botschaft eine Auflistung, dass im Moment rund 1,8 Milliarden Franken vorgesehen sind. Darüber, was wie schnell realisiert wird, werden wir sicher wieder Bericht erstatten, wenn es um die Evaluation all dieser Massnahmen geht.
Ich danke Herrn Ständerat Schweiger für den Hinweis auf das Gesamtvolumen dessen, was die Schweiz punkto Konjunktur tut. Ich stimme ihm natürlich völlig zu. Vielfach wird nur auf die 700 Millionen Franken geschaut und nicht beachtet, was viele Staaten effektiv tun. Es gibt sogar einige, die ihre Finanzspritzen in den Bankensektor aufrechnen und dann als Konjunkturpaket verkaufen, in anderen Staaten, etwa in Deutschland, geht es bei der Hälfte um Steuererleichterungen, und die USA - Entschuldigung! - haben einen extremen Nachholbedarf im ganzen Baubereich: Strassen, Brücken und Schulhäuser sind sehr oft in einem miserablen Zustand. Das haben wir zum Glück in der Schweiz nicht, bei uns gibt es eine permanente Unterhaltsleistung von Bund und Kantonen und Gemeinden, das muss auch gesagt sein. Zusätzlich bitte ich Sie, Folgendes zu sehen: Viele Staaten investieren jetzt in Arbeitslosenprogramme, weil sie keine oder eine schlecht ausstaffierte Versicherung haben, oder sie investieren in soziale Strukturen, weil die nicht existierten oder nur mit sehr schlecht ausgestatteten automatischen Instrumentarien. Deshalb braucht sich die Schweiz tatsächlich nicht zu verstecken. Wir leisten unseren Beitrag, und davon können auch andere Staaten profitieren.
Zu Herrn Ständerat Stadler: Prognosen sind tatsächlich äusserst schwierig zu machen. Sie haben zu Recht darauf
|
AB 2009 S 143 / BO 2009 E 143
|
hingewiesen, dass die Mehrheit der Auguren und Prognostiker bis in den September 2008 hinein von einem Wachstum ausgegangen ist. Auch wir haben das getan: Wir haben immer von einem abgeschwächten Wachstum gesprochen, von einem Rückgang der Wirtschaftsleistungen. Der Einbruch kam Ende September, nicht vorher. Sie kennen die Aussenhandelszahlen des ganzen Jahres: Rekord, nicht Einbruch. Letzteres ist effektiv erst seit Oktober der Fall, und das in einem äusserst dramatischen Ausmass und für alle Sektoren weltweit. Das ist so.
Ich kann nicht sagen, ob die Prognosen, die wir im März für 2010 abgeben, klar sind oder noch korrigiert werden müssen. Das ist effektiv keine exakte Wissenschaft. Sehr viel hängt von Psychologie und Vertrauen ab, und das Vertrauen in die Finanzsektoren ist noch nicht wiederhergestellt. Die Immobilienpreise in den USA etwa haben noch keinen Boden. Deshalb sind alle Prognosen nach wie vor mit Unsicherheit behaftet. Das ist leider so.
Ich mische mich als Departementsvorsteherin nicht in die Expertengespräche ein. Dafür sind wir nicht da. Wir müssen auf die Arbeit der Experten vertrauen. Ich habe wöchentliche Updates zur Konjunktur- und Finanzmarktlage. Aber auch diese Updates zeigen die Volatilität. Es gibt in den USA in Bezug auf das Geschäftsklima in der Industrie im Februar zwar leicht verbesserte Indikatoren, aber die harten Fakten sind nach wie vor derart ungewiss, dass nicht auf eine rasche Erholung der Nachfrage geschlossen werden kann. Deshalb hat der Bundesrat gesagt: Wahrscheinlich wird die Juni-Prognose über die Tiefe und Dauer dieser Rezession für die Schweiz Klarheit schaffen. Deshalb werden wir im Juni die Haushaltvorgaben 2010, den Legislaturfinanzplan, überarbeiten, die Aufgabenüberprüfung diskutieren und entscheiden, was punkto einer allfälligen dritten Phase zu sagen ist. Das ist unser Fahrplan. Ich glaube, gerade wegen dieser Volatilität macht es Sinn, die Monate März bis Juni genau zu beobachten: Was bewirken die Milliardenpakete weltweit? Nimmt die Volatilität an den Börsen in den nächsten Wochen ab? Beruhigen sich die Börsen?
Zu Ihrer zweiten Frage zum Thema Jugendarbeitslosigkeit: Das ist ein berechtigtes Thema. Sie haben zu Recht darauf hingewiesen, dass seit Dezember die 20- bis 25-jährigen Jugendlichen überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen sind, und das wird sich wahrscheinlich noch akzentuieren. Das wird eines der Themen sein, welches ich für unser Treffen mit den Sozialpartnern vom 12. März 2009 auf der Agenda habe. Was können wir hier verstärkt tun? Wir haben heute die Motivationssemester über die ALV, wir haben die Berufspraktika. Wir haben Angebote, aber es wird darum gehen, darüber nachzudenken, ob wir diesen jungen Leuten eine zusätzliche Perspektive bieten können, etwa mit Einarbeitungszuschüssen oder mit weiteren Beschäftigungsprogrammen. Wenn sie arbeitslos sind, keine Beschäftigung haben, dann ist das für ihre Perspektive extrem niederschmetternd - sie sollten ja eigentlich unsere Hoffnungsträger sein. Wir sind also daran, dem ein Gewicht zu geben. Ich glaube, damit habe ich das Wesentliche, was mich betrifft, gesagt.
Zum Schluss noch zu einer allfälligen dritten Phase: Wenn das nötig wäre, wären wir effektiv in der Situation, dass die Schuldenbremse ausgehebelt würde. Das möchten wir eigentlich nicht, und deshalb müssen wir auch darüber nachdenken, was wir sonst tun können. Ich sage Ihnen schon etwas, das auch in Ihrer Macht steht: Ich bin daran, eine Liste aufzustellen mit allem, was an Ausgaben und Gebühren auf uns zukommt. Das sind nicht nur die Krankenkassenprämien, die Wassertarife, die erhöht werden sollen, die Strompreise; es wird BVG-Prämienerhöhungen geben, die Mehrwertsteuererhöhung steht ins Haus - es gibt eine ganze Reihe, und fast alles wirkt 2010. Diese Liste ergibt mehr als 4 Milliarden Franken, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen. Darüber werden wir uns im Bundesrat unterhalten, wahrscheinlich auch im Rahmen des Berichtes, den wir kommenden Juni in Erfüllung einer Motion der WAK des Nationalrates über die möglichen Massnahmen für 2010 vorlegen werden; dort werden Sie diese Liste finden. Das beschäftigt mich sehr: Einerseits werden die Forderungen an die Politik, an uns alle, wird der Druck höher werden, dass wir zusätzliche Investitionen und Verschuldungen auslösen. Auf der anderen Seite entnehmen wir dem Konsum etliche Milliarden. Das ist schon ein Widerspruch, den wir noch aufzulösen haben. Somit wird man sich auch in der dritten Phase diesen Problemen widmen und versuchen, Ideen aufzuzeigen, wie wir die Belastung des jetzt noch stabilen Trägers des Binnenkonsums möglichst umgehen oder mildern können.
Eine weitere Idee, die ich Ihnen für die dritte Phase heute darlege: Der Finanzsektor wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht mehr 12 bis 13 Prozent an unser BIP beitragen. Wir müssen uns also überlegen, welche anderen Stärken der Schweiz, neuen Pfeiler der Volkswirtschaft es gibt - Energie und Umwelt ist sicher einer -, die wir vielleicht weiterentwickeln, die wir unterstützen können, damit wir für die Zukunft besser positioniert sind. Das ist eine der Ideen, die wir mit Experten am Andenken sind und die wir dann dem Bundesrat unterbreiten, wenn es so weit ist.