Maissen Theo (CEg, GR):
Das Ziel meiner Motion ist, dass die SRG dem gesetzlichen Auftrag besser nachkommen kann. Der gesetzliche Auftrag lautet, das Verständnis, der Zusammenhalt und der Austausch unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen seien zu fördern; das ist in Artikel 24 Absatz 1 Buchstabe b des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) festgelegt. Heute muss man aber feststellen, dass die Angebote der SRG SSR idée suisse zu sehr auf die Sprachregionen fokussiert sind.
Der Vorschlag meiner Motion geht nun dahin, dass die mit einem nicht unbedeutenden finanziellen Aufwand in den vier Sprachregionen erarbeiteten Beiträge auch den jeweils anderen Sprachregionen zugänglich gemacht werden. Dazu ist deutlich festzuhalten, Herr Bundesrat, dass es sich nicht um dasselbe Konzept eines Kulturkanals handelt, wie Sie das in Ihrer Antwort erwähnen. Sie sind da auf dem Irrweg, wenn Sie das glauben. Sie vergleichen das mit den Erfahrungen, die man mit dem dreisprachigen Programm "Schweiz 4" gesammelt hat; das war ein Kulturkanal. Meine Motion will aber etwas völlig anderes. Sie will, dass Beiträge durch Synchronisation oder Untertitelung generell zwischen den Landesteilen ausgetauscht werden können. Das können Beiträge über die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Politik oder die Kultur sein.
Wir müssen doch sehen: Wenn zum Beispiel in Deutschland ein Sender einen eigenen Beitrag erstellt, dann hat ein solcher Beitrag das Potenzial, von über 80 Millionen Menschen gesehen zu werden, wenn man die Schweiz und Österreich dazuzählt. Die Schweiz leistet es sich und muss es sich leisten, auch für wenige Millionen Einwohner, ja für einige Hunderttausend oder gar weniger Einwohner Beiträge zu erarbeiten. Mein Vorschlag geht nun dahin, dass man diese Beiträge in den verschiedenen Sprachregionen besser verwertet, was mit wenig zusätzlichem finanziellem Aufwand verbunden wäre. Das würde bedeuten, dass das bereits ausgegebene Geld zusätzlich nützen würde, indem die Beiträge einem breiteren Publikum zugänglich gemacht würden. Das würde der Verständigung unter den Landesteilen dienen - was ja im Radio- und Fernsehgesetz festgeschrieben ist -, wobei die bereits ausgegebenen Mittel mehr Wirkung und Effektivität erhalten würden. Wenn solche Beiträge dann gar den Weg in das ordentliche Programm eines der Sender fänden, hätte man sogar einen Spareffekt.
Ich komme nicht umhin, Herr Bundesrat, zu sagen, dass Sie das Argumentarium des Bakom einfach durchgewinkt haben. Ich sage es noch einmal: Es handelt sich eben gerade nicht um einen neuen Kanal mit mehrsprachigen kulturellen Angeboten, der, wie Sie schreiben, "eine hohe Hürde für die Akzeptanz des Publikums darstellen" würde und der es nicht vermöchte, die "gewünschte Breitenwirkung im Sinne des Service public ... zu erzielen". Mit dem geforderten neuen Kanal sollen die attraktivsten und interessantesten Sendungen aller Themenbereiche, nicht nur solche |
AB 2010 S 446 / BO 2010 E 446
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kulturellen Inhaltes, wie der Bundesrat ausführt, in den vier Landesteilen für alle zugänglich gemacht werden. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass dies von einem grossen Teil der Bevölkerung gewünscht wird.
Zum Schluss, Herr Bundesrat, darf ich aus einem Interview zitieren, das Sie "L'Hebdo" gegeben haben und das am 19. März 2009 veröffentlicht wurde. Damit Sie nachvollziehen und nachkontrollieren können, ob es jetzt stimmt, was ich sage: Das Interview finden Sie dort auf Seite 24. Da hat Sie der Journalist gefragt: Was halten Sie von der Kreation einer TV-Kette, welche vermehrt übersetzte Sendungen jeder Region zugänglich machen würde? Das war die Frage des Journalisten. Da sagten Sie: Das ist eine auf den ersten Blick verführerische Idee, aber man muss das im Detail studieren. Und dann sagt der Journalist: Das Ganze kostet nicht einmal so viel wie die Formel 1. Ihre Antwort darauf ist dann: Ist das wahr? Ist die Formel 1 nicht bereits gestrichen? Dann sagt der Journalist: Ja, der Direktor der SRG hat vorgesehen gehabt, die Formel 1 aus dem Programm zu streichen, aber er hat es dann nicht gemacht. Dann haben Sie gesagt: Das ist insgesamt eine gute Idee. Und dann fragt der Journalist: Die Formel 1? Und dann sagen Sie: Nein, nein, dieser zusätzliche Kanal.
Es ist also offensichtlich Ihre Idee, Herr Bundesrat, dass man so etwas im Detail studieren sollte. Sie haben das im Interview so gesagt. Deshalb, denke ich, möchten wir Ihnen mit dieser Motion die Gelegenheit geben, dass Sie die Frage eben wirklich studieren können, wie Sie das in diesem Interview angekündigt haben.
Deshalb bitte ich Sie, meine Motion anzunehmen.