Ein gut getarntes, hoch modernes Konferenzzentrum; eine elektronische Abstimmungsanlage im Tintenfass; wachsende Pulte und Vieles mehr…
Die Renovation des Ständeratsaals ist eine zeitgleiche Zeitreise. Wie geht das? Ein historischer Saal, der unter Beachtung strenger Denkmalschutzvorgaben und unter Berücksichtigung der historischen Werte aus dem 18. Jahrhundert mit einer hochentwickelten modernen Technik aus dem 21. Jahrhundert ausgerüstet wurde. Optisch hat auf den ersten Blick nicht viel geändert, doch dieser Einblick hinter die Kulissen soll Ihnen aufzeigen, wie umfassend diese Sanierung war.
Im Sommer und Herbst 2011 wurden der historische Ständeratssaal und seine Vorzimmer saniert. Die Herbstsession 2011 des Ständerates wurde im Sitzungszimmer 301 im dritten Stock des Parlamentsgebäudes durchgeführt. Die Randbedingungen waren eng; die Bauarbeiten haben nach der Sommersession Ende Juni 2011 begonnen und dauerten bis November 2011. Der Saal musste zwingend zu Beginn der neuen Legislatur (Wintersession im Dezember 2011) zur Verfügung stehen.
Im Zuge dieser Renovationsarbeiten wurde das Mobiliar aus dem Ständeratssaal ausgebaut und der gesamte Boden entfernt. In den Hohlräumen der Doppelböden und hinter der Wandtäfelung konnten Leitungen und Installationen Platz finden. Auf dem rohen Boden des Saales wurden die Lüftungskanäle und unzählige blaue Elektroröhren montiert. Eine neue hölzerne Bodenkonstruktion, getreu dem alten Vorbild, wurde angebracht. Darauf liegt, wie vor der Sanierung, einen Teppich, der den Schall absorbiert. Er ist aber nicht mehr hell, sondern dunkel, entsprechend dem alten Linoleumboden, der beim Abbruch zum Vorschein gekommen war.
Im Halbkreis stehen nach wie vor die alten hölzernen Pulte, nun perfekt restauriert und modernisiert. Optisch gleichgeblieben, doch einige Ratsmitglieder bemerkten dies sofort, wurden sie um fünf Zentimeter erhöht. Das Schweizer Volk ist gewachsen in den letzten 100 Jahren! Beim zweiten Blick, bemerken Sie sicherlich auch, dass die "Jurasitze", die bei der Schaffung des Kantons Jura 1978 in der hintersten Reihe separiert in den Raum gestellt wurden, nun im Halbkreis integriert sind. Die Stühle wurden neu gepolstert. Komfort sowie Akustik wurden auch für die Zuschauer auf der Tribüne verbessert und behindertenfreundlicher gestaltet.
Optisch nicht wahrzunehmen ist, dass sämtliche Pulte mit Strom und Internet verkabelt und während der Session mit einem Steckmikrophon ausgerüstet sind. Der Ton aus den Mikrophonen sowie die Bilder aus den neuen fix installierten HD-Kameras können von der Journalistentribüne aus auf einem Schaltpult geregelt werden, sodass Bild und Ton perfekt aufeinander abgestimmt und aufbereitet werden können.
Die Kosten für das Bauprojekt inklusive Sicherheitsmassnahmen und Provisorien für einen funktionierenden Ratsbetrieb während der Bauzeit sowie dem Mobiliar im Saal und in den Vorzimmern betrugen rund 6,4 Mio. Franken.
Zur Veranschaulichung finden Sie unter diesem Link einige eindrucksvolle Fotos.