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Curia Vista - Geschäftsdatenbank

07.459 – Parlamentarische Initiative

Obligatorische Weiterbildung

Eingereicht von
Einreichungsdatum
22.06.2007
Eingereicht im
Nationalrat
Stand der Beratung
Erledigt
 

Eingereichter Text

Gestützt auf Artikel 160 Absatz 1 der Bundesverfassung und auf Artikel 107 des Parlamentsgesetzes reiche ich folgende parlamentarische lnitiative ein:

Basierend auf Artikel 64a der Bundesverfassung ist ein Gesetz zu erarbeiten, in welchem festgeschrieben wird, dass jeder Arbeitgeber seinen Angestellten obligatorisch mindestens drei Tage berufliche Weiterbildung pro Jahr gewähren muss. Die damit verbundenen Kosten gehen zulasten der Arbeitgeber.

Begründung

Die Halbwertszeit des Wissens, das sich die Arbeitnehmenden während ihrer Erstausbildung in der Lehre oder auf einer höheren Schule aneignen, reicht nicht aus, um ein Leben lang die eigene Arbeitsmarktfähigkeit zu sichern. Der technische Fortschritt schreitet schnell voran und nagt an der beruflichen Kompetenz des Einzelnen. Aber auch die Sozialkompetenz ist durch die ständig grösser werdende Heterogenität innerhalb von Betrieben und Teams ständig erneuerungsbedürftig.

An der Weiterbildung beteiligen sich heute im Durchschnitt nur rund 40 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz. Besser ausgebildete Personen können mehr von Weiterbildung profitieren als schlechter Ausgebildete; Männer profitieren wesentlich mehr als Frauen und Vollzeitangestellte mehr als Teilzeitangestellte.

Weiterbildung ist für Betriebe und die gesamte Volkswirtschaft eine Investition, die sich lohnt. Die Arbeitnehmenden und ihr berufliches Können sind heute das wichtigste Kapital eines Betriebes. Gut qualifizierte, leistungsfähige und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Anerkennung der Weiterbildung als entscheidender Wettbewerbsfaktor hat - zögerlich - auch in die Sozialpartnerschaft Eingang gefunden. Einerseits halten verschiedene Gesamtarbeitsverträge das Recht auf eine bestimmte Anzahl Weiterbildungstage fest, anderseits haben die Sozialpartner in verschiedenen Wirtschaftssektoren branchenspezifische Weiterbildungszentren eingerichtet (z. B. im Bausektor). Allerdings gibt es in vielen Branchen keine Gesamtarbeitsverträge, und der Zugang zur Weiterbildung als Teil der Arbeit steht nur wenigen Arbeitnehmenden offen.

Das Obligatorium garantiert einerseits Chancengleichheit für alle Arbeitnehmenden. Anderseits bildet die obligatorische Weiterbildung die Basis für eine moderne, konkurrenzfähige Wirtschaft. Obligatorische Weiterbildung gehört zur zeitgemässen Infrastruktur einer Volkswirtschaft.

Weiterbildung, soll sie effizient und von Nutzen sein, muss längerfristig geplant werden können, und es muss eine Mindestdauer festgelegt werden. Eine Mindestdauer von drei Tagen pro Jahr ist notwendig. Dabei sollte die Möglichkeit bestehen, maximal zwei Weiterbildungstage auf ein "Sparkonto" zu legen, damit auch grössere zusammenhängende Weiterbildungsmodule von einer Woche möglich sind.

Die Tatsache, dass Betriebe ihre Mitarbeitenden obligatorisch drei Tage in die Weiterbildung schicken müssen, schafft eine optimale Basis dafür, dass auch branchenspezifische und sozialpartnerschaftlich getragene Ausbildungsstätten als Anbieter von Weiterbildungsmodulen geschaffen werden können. Dies erhöht die Qualität der Weiterbildung, weil die Zahl der Module grösser wird, zielgruppenspezifische Angebote möglich werden sowie kontinuierliche Evaluationen und Verbesserungen vorgenommen werden können.

 
 

Chronologie / Wortprotokolle

DatumRat 
28.02.2012 NR Der Initiative wird keine Folge gegeben.
 
 

Behandlungskategorie NR

IV

 

Erstbehandelnder Rat

Nationalrat

Mitunterzeichnende (3)

 
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