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Curia Vista - Geschäftsdatenbank

08.3651 – Postulat

Osteoporose. Risiko für das Gesundheitswesen

Eingereicht von
Einreichungsdatum
03.10.2008
Eingereicht im
Nationalrat
Stand der Beratung
Erledigt
 

Eingereichter Text

Der Bundesrat wird beauftragt,

- sich zu äussern, welchen Stellenwert er der Osteoporose zusammen mit anderen chronischen Krankheiten wie COPD, Asthma, Diabetes und Bluthochdruck einräumt.

- Bericht zu erstatten, was er seit Erscheinen des BAG-Berichts zur Aufklärung und Steigerung der Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger unternommen hat, um das Risikobewusstsein zu erhöhen und das präventive Verhalten zu verbessern, aber auch um aufzuzeigen, was die Massnahmen bewirkt haben.

- einen Massnahmenkatalog "Osteoporose 2009-2012" zu entwickeln, bis Massnahmen im Rahmen der Umsetzung des Präventionsgesetzes formuliert bzw. umgesetzt werden.

Begründung

Ausgangslage:

- Der BAG-Bericht "Osteoporose und Stürze im Alter" hat bereits im Jahr 2004 aufgezeigt, dass rund jede zweite Frau über 50 Jahre und jeder fünfte Mann über 50 Jahre an Osteoporose leiden.

- Das Bundesamt für Statistik (BFS) kommt in der im September 2008 publizierten Gesundheitsbefragung 2007 zum Schluss, dass gerade Sturzunfälle ein besonderes Problem im Alter seien. Mehr als 10 Prozent der Männer und mehr als 15 Prozent der Frauen zwischen 65 und 74 Jahren gaben an, in den letzten zwölf Monaten einen Sturzunfall erlitten zu haben.

- In der Bevölkerung fehlt das Risiko- und Präventionsbewusstsein, wie der eingangs genannte BAG-Bericht zeigt: Obschon jede zweite Frau ab 50 Jahren davon betroffen ist, stuften gemäss einer Umfrage des Institutes für Sozial- und Präventivmedizin Bern 63 Prozent das persönliche Osteoporoserisiko als eher gering ein.

Gesundheitsausgaben:

- Die Folgen von Osteoporose schränken nicht nur die Lebensqualität und die Bewegungsfreiheit erheblich ein, Osteoporose führt auch bedeutende Kostenfolgen mit sich: So verursachte Osteoporose bei den Frauen alleine im Jahr 2000 rund 300 000 Akutspitaltage (im Vergleich: COPD rund 130 000 Tage, Brustkrebs rund 100 000 Tage, Diabetes rund 50 000 Tage). Die daraus resultierenden direkten Kosten beliefen sich auf rund 710 Millionen Franken. Die indirekten Kosten sind bis heute nicht beziffert.

- Aufgrund der demografischen Veränderung wird der Anteil der Betroffenen weiter zunehmen, weshalb Berechnungen davon ausgehen, dass die Kosten bis 2020 auf rund 950 Millionen Franken pro Jahr ansteigen werden, was knapp 2 Prozent der heutigen Gesundheitsausgaben entspricht.

Gesetzliche Rahmenbedingungen:

Das zu schaffende Präventionsgesetz befasst sich mit den nichtübertragbaren Krankheiten. Gemäss Plan wird es 2011 in Kraft treten. In der Botschaft zum neuen Präventionsgesetz ist Osteoporose nicht unter der Liste der "Burden of Diseases" aufgeführt, obschon man gemäss BAG-Bericht weiss, dass alleine im Jahr 2000 8,5 Prozent aller Todesfälle der Personen ab 50 Franken auf die erhöhte Mortalität nach einer Wirbelkörper- oder Hüftfraktur entfielen.

Stellungnahme des Bundesrates vom 05.12.2008

Der Bundesrat ist sich der gesundheitspolitischen wie auch volkswirtschaftlichen Bedeutung von chronischen muskuloskelettalen Krankheiten wie z. B. der Osteoporose bewusst. Aus diesem Grund hat er bereits im Jahre 2003 (Bundesratsbeschluss vom 22. Januar 2003) das nationale Forschungsprogramm (NFP) 53 zum Thema "Muskuloskelettale Gesundheit - chronische Schmerzen" lanciert. Das NFP 53 wird im Herbst 2009 abgeschlossen werden. Aufgrund der demografischen Alterung der Gesellschaft werden wie bei allen anderen chronischen Krankheiten auch bei den Beschwerden des Bewegungsapparates die absoluten Fallzahlen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter zunehmen.

Massnahmen des Bundes zur Information und Sensibilisierung der Bevölkerung über bestimmte Gesundheitsrisiken oder Krankheiten bedürfen einer expliziten bundesgesetzlichen Grundlage. Zurzeit verfügt der Bund jedoch über keine gesetzlichen Grundlagen für Massnahmen im Bereich der Verhütung oder Früherkennung von nichtübertragbaren chronischen Krankheiten, die es ihm ermöglichen würden, Informations- oder Sensibilisierungsmassnahmen zum Thema "Osteoporoseprävention" durchzuführen. Deshalb war es dem Bund im Anschluss an das Erscheinen des Berichtes "Osteoporose und Stürze im Alter" nicht möglich, weitere spezifische Massnahmen zur Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung zu unternehmen.

Aufgrund der fehlenden bundesgesetzlichen Grundlage fallen auch weitere konkrete Massnahmen zur Verhütung der Osteoporose in den Zuständigkeitsbereich der Kantone. Der Bundesrat erachtet es deshalb als wenig sinnvoll, ohne entsprechenden Handlungsspielraum bei der Umsetzung einen Massnahmenkatalog "Osteoporose 2009-2012" zu entwickeln.

Aufgrund des dargestellten fehlenden Handlungsspielraumes beantragt der Bundesrat die Ablehnung des Postulates.

Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde der Vorentwurf für ein Bundesgesetz über Prävention und Gesundheitsförderung erarbeitet, zu dem zwischen Ende Juni 2008 und Ende Oktober 2008 ein Vernehmlassungsverfahren durchgeführt wurde. Dieses neue Gesetz soll es dem Bund ermöglichen, Massnahmen zur Verhütung und Früherkennung von nichtübertragbaren Krankheiten des Menschen zu ergreifen, die stark verbreitet oder bösartig sind. Im Weiteren werden politische Steuerungsinstrumente festgelegt, mit denen zukünftig die Prioritäten in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung gesetzt werden können. Da den Ergebnissen dieser Steuerungsprozesse nicht vorgegriffen werden soll, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage darüber gemacht werden, welche Präventionsanliegen in Zukunft prioritär behandelt werden sollen.

Antrag des Bundesrates vom 05.12.2008

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

 

Chronologie / Wortprotokolle

DatumRat 
01.10.2010Abgeschrieben, weil seit mehr als zwei Jahren hängig.
 
 
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