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Curia Vista - Geschäftsdatenbank

11.3625 – Interpellation

Beschleunigung der Ermittlungen zum Brand im Simplontunnel

Eingereicht von
Einreichungsdatum
16.06.2011
Eingereicht im
Nationalrat
Stand der Beratung
Erledigt
 

Eingereichter Text

Die Ermittlungen zum Brand des Güterzuges im Simplontunnel vom 9. Juni 2011 obliegen den italienischen Behörden, da sich der Unfall auf der italienischen Seite des Tunnels ereignet hat. Mit einem raschen Verfahren ist aufgrund bisheriger Erfahrungen nicht zu rechnen. Damit droht die Blockierung einer Röhre des Simplontunnels auf Monate hinaus. Ich bitte den Bundesrat daher um die Beantwortung folgender Fragen:

- Wann ist aus seiner Sicht mit dem Vorliegen erster gesicherter Resultate der Untersuchung zu rechnen, und wann ist eine Freigabe der gesperrten Röhre voraussichtlich möglich?

- Wie gedenkt er Einfluss auf die Beschleunigung der Unfalluntersuchung durch die italienischen Behörden zu nehmen?

- Sind bei diesen Untersuchungen schweizerische Experten involviert?

- Sieht er eine Möglichkeit, die Unfalluntersuchung allenfalls selber zu übernehmen oder eine eigene Untersuchung durchzuführen?

- Wie beurteilt er die Auswirkungen auf den Gütertransport über die Simplonachse sowie auf Dauer, Umfang und Auswirkungen des Lastwagen-Mehrverkehrs über die Simplonpassstrasse?

Antwort des Bundesrates vom 17.08.2011

1. Gemäss Territorialitätsprinzip wird die Untersuchung von der italienischen Unfalluntersuchungsstelle (UUS IT) geführt. Es ist heute noch keine Aussage möglich, wann gesicherte Resultate der Untersuchung vorliegen werden. Die Veröffentlichung des Untersuchungsberichtes erfolgt durch die italienischen Behörden.

Die aktuelle Planung der Instandsetzungsarbeiten sieht eine volle Wiederinbetriebnahme des Simplontunnels bis zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 vor.

2./3. Die Schweizer Unfalluntersuchungsstelle (UUS CH) war bereits kurz nach dem Unfall, noch vor der italienischen Untersuchungskommission, vor Ort. Gemeinsam wurde vereinbart, dass die UUS CH die UUS IT unterstützen wird. Die UUS CH nahm denn auch die Koordination und Überwachung der sofort nötigen Spurensicherungen vor. Dies trägt dazu bei, dass die Brandabklärungen umgehend vorgenommen werden und die Freigabe des Unfallplatzes so rasch als möglich erfolgen kann. Um die Ursache des Brandes abzuklären, wurde das Forensische Institut Zürich beigezogen.

4. Nein, das Territorialitätsprinzip ist klar, und die notwendigen Untersuchungen der UUS IT laufen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Schweizer Stellen.

Neben der Untersuchung der Unfalluntersuchungsbehörden werden auch die Infrastrukturbetreiberin SBB Infrastruktur sowie das betroffene Eisenbahnverkehrsunternehmen BLS Cargo AG eigene Untersuchungen durchführen. Das Bundesamt für Verkehr als Aufsichtsbehörde ist mit allen Beteiligten in Kontakt und wird bei Vorliegen gesicherter Ergebnisse die von Behördenseite allenfalls notwendigen Schritte einleiten.

5. Die kurzfristigen Auswirkungen auf den Gütertransport über die Simplonachse waren massiv, da die Lötschberg-Simplon-Strecke vom 9. Juni bis 13. Juni 2011 gar nicht zur Verfügung stand. In dieser Zeit sind bei der Rollenden Landstrasse (Rola) von Freiburg i. Br. nach Novara rund 60 Züge ausgefallen, was rund 1000 LKW entspricht, die auf der Strasse die Alpen queren mussten. Züge des Wagenladungsverkehrs (WLV) transportieren klassisch schienengebundene Güter (z. B. Tonerde, Mineralöl, chemische Produkte usw.). Diese Transporte können nicht kurzfristig auf die Strasse verlagert werden. Entsprechend wurden die Züge später geführt oder über die Gotthardachse umgelenkt. Beim unbegleiteten kombinierten Verkehr (UKV) wurden die Züge teilweise in Warteposition angehalten, andere wurden über den Gotthard umgeleitet, nur einzelne Züge gar nicht geführt.

Seit dem 16. Juni 2011 gilt ein Spezialfahrplan für Züge durch den Simplontunnel. Für den Güterverkehr hat sich die Betriebslage bei der Rola normalisiert, es können alle Züge gefahren werden. Beim UKV können praktisch alle alpenquerenden Züge verkehren, teilweise über den Gotthard umgeleitet und mit entsprechenden Verspätungen und Mehrkosten. Gewisse Einschränkungen bestehen beim Verkehr von Sattelaufliegern mit 4 Meter Eckhöhe, die wegen des Profils nicht auf die Gotthardachse ausweichen können.

Die Zunahme des Schwerverkehrs über die Simplonpass-Strasse dürfte sich daher gesamthaft gesehen in engem Rahmen halten.

Die Betriebslage am Simplon wird sich mit der angestrebten vollen Wiederinbetriebnahme des Simplontunnels im Dezember 2011 normalisieren.

 
 

Chronologie / Wortprotokolle

DatumRat 
30.09.2011 NR Erledigt.
 
 
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