Welch bewegender Zufall: Meine Wahl zur Nationalratspräsidentin in der Wintersession 2021 fiel zusammen mit dem 50-Jahr-Jubiläum des Einzugs der ersten Frauen in die Bundesversammlung. Hedi Lang-Gehri, Martha Ribi-Raschle, Josi Meier, Elisabeth Blunschy-Steiner, Lilian Uchtenhagen, Liselotte Spreng, Hanny Thalmann, Gabrielle Nanchen, Tilo Frey, Nelly Wicky und Hanna Sahlfeld-Singer – alle Schülerinnen und Schüler dieses Landes sollten die Namen dieser Pionierinnen kennen.

Es darf nicht vergessen werden, dass sich Gabrielle Nanchen und Hanna Sahlfeld gezwungen sahen, ihr Amt frühzeitig zu verlassen da die Rahmenbedingungen es ihnen nicht erlaubten, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Ich stand vor demselben Problem, als ich gleichzeitig schwanger war und in den Nationalrat gewählt wurde. Das Aufsehen war gross, als ich mein Neugeborenes ins Parlament mitnahm und in der Wandelhalle stillte, um keine Abstimmungen zu verpassen und mein Amt als Nationalrätin voll wahrzunehmen.

Ich danke Marina Carobbio und Isabelle Moret, den beiden ersten Patinnen der Website «Politfrauen», für ihren Einsatz, der letztlich dazu geführt hat, dass im Parlamentsgebäude ein Still- und Wickelzimmer eingerichtet wurde. Doch es muss noch viel passieren, damit sich junge Eltern – und insbesondere junge Mütter – unter der Bundeshauskuppel wohl fühlen.

Die Website «Politfrauen», die Frauen dazu ermutigen will, politisch aktiv zu werden, wird hoffentlich über neuen Massnahmen berichten können, die dazu führen, dass sich das politische Engagement und die familiären und erzieherischen Pflichten besser vereinbaren lassen.

Ich wünsche uns, dass wir die Pandemie in diesem Jahr überwinden, um den Internationalen Frauentag angemessen begehen und die Rolle der Frau in der Schweizer Demokratie würdigen zu können.

Video der Antrittsrede von Nationalratspräsidentin Irène Kälin

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