Erstmals in der Geschichte der Eidgenossenschaft wählte die Vereinigte Bundesversammlung zwei Frauen auf einmal in den Bundesrat. Die CVP-Nationalrätin Viola Amherd (VS) und die FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter (SG) schafften die Wahl zudem gleich im ersten Wahlgang. Auch die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes, Bundesrätin Simonetta Sommaruga, erzielte bei ihrer Wahl zur Bundesvizepräsidentin ein Glanzresultat.

Karin Keller-Sutter erreichte mit 154 Stimmen auf Anhieb das absolute Mehr, welches bei 119 Stimmen lag. Ihr Mitbewerber Hans Wicky (NW) musste sich mit 56 Stimmen klar geschlagen geben. Viola Amherd erhielt 148 Stimmen, die zweite offizielle Kandidatin der CVP-Fraktion, Heidi Z’graggen (UR), deren 60.

Karin Keller-Sutter, die als erste freisinnige Frau nach Elisabeth Kopp in die Landesregierung einzieht, sagte, sie habe grossen Respekt vor dem Amt. Viola Amherd wiederum betonte, sie werde das Amt mit «Demut und Aufrichtigkeit» ausüben. Beide riefen die Regierungs- und die Ratsmitglieder auf, sich gemeinsam über Parteigrenzen hinweg zu engagieren, um den Herausforderungen, die sich der Schweiz stellen, gewachsen zu sein. Beide erachten die Wahl von zwei Frauen als «Schritt hin zur Normalität».

Bundesrätin Doris Leuthard war 2006 ebenfalls im ersten Wahlgang gewählt worden, allerdings als Kandidatin auf einem Einerticket. In ihrer Abschiedsrede erinnerte sie an die Bedeutung von Konkordanz, Konsens und Kompromiss. Voraussetzung dafür sei, anderen Ansichten mit Respekt zu begegnen.

Die Frauen – die 1971 das Stimm- und Wahlrecht erlangt hatten – mussten sich dreizehn Jahre lang, d. h. bis zum 2. Oktober 1984, gedulden, um mit Elisabeth Kopp erstmals im Bundesrat vertreten zu sein. Im Jahr 2010 gehörten dem Bundesrat ganze vier Frauen an: Bundespräsidentin Doris Leuthard, Micheline Calmy-Rey (2003–2011), Eveline Widmer-Schlumpf (2007–2015) und die damals neu gewählte Simonetta Sommaruga. Micheline Calmy-Rey und Eveline Widmer-Schlumpf wurden nach ihrem Rücktritt jedoch wieder durch Männer ersetzt. Mit Ruth Dreifuss (1993–2002) und Ruth Metzler-Arnold (1999–2003) zählte unser Land bis dato neun Bundesrätinnen.