Der Besucherdienst startet mit diesem Beitrag eine Serie zu Figuren, Inschriften und baulichen Besonderheiten im Parlamentsgebäude.


Das Kernstück der Kuppelhalle bildet eine imposante 24 Tonnen schwere Skulptur, welche die drei Eidgenossen beim Rütlischwur zeigt. Von links nach rechts: Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchthal. Erschaffen hat die Skulptur James André Vibert aus Genf. Obwohl der Architekt Hans Wilhelm Auer forderte, ausschliesslich einheimische Materialen aus allen Kantonen für den Bau des Parlamentsgebäudes zu verwenden, hat Vibert ausgerechnet bei der Wahl des Materials für die drei Eidgenossen mit dieser Regel gebrochen. Er wählte hellgelben Botticino-Kalk aus dem italienischen Brescia, wo sich auch sein Atelier befand. 
Die Anforderungen an das Kunstwerk waren enorm hoch und die Realisation des Projekts stellte sich als äusserst schwierig heraus. Von der Idee bis zur Aufstellung der heutigen Skulptur dauerte es ganze 16 Jahre. Bei der Einweihung des Parlamentsgebäudes am 1. April 1902 stand ein feierlich singender Knabenchor mit Kantonsfahnen dort wo heute die drei Eidgenossen stehen. Die fertige Skulptur konnte erst zwölf Jahre später, am 11. Mai 1914, an ihrem vorgesehenen Platz enthüllt werden.
Die Schwurszene wirkt ein wenig befremdlich. Die drei Eidgenossen schwören nicht, wie eigentlich üblich, mit erhobener Hand, sondern mit gesenktem Arm auf den Bundesbrief mit den drei Siegeln. Diese ungewohnte Darstellung kam nicht gut an und Kritik wurde laut. James André Vibert verteidigte sich, indem er erklärte: «Das Schwören mit erhobener Hand ist eine theatralische Geste und entspricht ganz und gar nicht dem helvetischen Temperament. Es ist zudem wichtig, dass keine der drei Figuren, je nach Blickwinkel, die andere verdeckt. Dank den gesenkten Armen, kann immer das Ganze gesehen werden«.
In loser Folge veröffentlicht der Besucherdienst Geschichten zu Figuren, Inschriften und baulichen Besonderheiten im Parlamentsgebäude.


  Die drei Eidgenossen in der Kuppelhalle


Von links nach rechts: Werner Stauffacher, Walter Fürst und Arnold von Melchthal