Bundesgerichte: Beide Räte haben den Geschäftsbericht des Bundesgerichts genehmigt. Bundesgerichtspräsidentin Martha Niquille forderte, dass die Überarbeitung des Bundesgerichtsgesetzes (BGG) wieder aufgenommen werden solle. Andernfalls werde das Gericht weiterhin überlastet sein. Wenigstens die unbestrittenen Punkte der Revision des BGG sollten wieder aufgenommen werden. Etwa soll es laut Niquille bei Bussen unter 500 Franken nicht mehr möglich sein, beim Bundesgericht Beschwerde einzureichen. Beide Räte waren im vergangenen Jahr nicht auf die Revision eingetreten. Diese hätte es erlaubt, das Gericht von Bagatellfällen zu entlasten.
Parlament: Doppelbürger im National- und Ständerat sowie im Bundesrat sollen ihre Staatsangehörigkeiten offenlegen müssen. Der Nationalrat hat als Erstrat eine parlamentarische Initiative von Marco Chiesa (SVP/TI) mit 115 zu 64 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. SP und der Grüne wollten die entsprechende Anpassung der Verordnung der Bundesversammlung zum Parlamentsgesetz über die Parlamentsverwaltung zurückweisen. Es gehe nur vordergründig um Transparenz, sondern um Diskriminierung, fanden sie. Unterschwellig werde Doppelbürgern unterstellt, sie könnten die Interessen der Schweiz nicht angemessen vertreten.
Parlament: In Krisenlagen soll der Staat handlungsfähig bleiben. Nach dem Ständerat verlangt auch der Nationalrat gesetzliche Grundlagen für die Verschiebung von Wahlen und Abstimmungen. Die Landesregierung soll auch dafür sorgen, dass der Politbetrieb auf digital umgestellt werden kann. Es brauche ein Gesetz, um die Rechte des Parlamentes und des Volkes auch in Krisenzeiten zu gewährleisten, sagte Kommissionssprecherin Marianne Binder-Keller (Mitte/AG). Eine Ausbremsung des demokratischen Systems müsse künftig verhindert werden. Nicht mehr der Bundesrat solle die Spielregeln machen, sondern das Parlament, hatte der Motionär, Ständerat Beat Rieder (Mitte/VS), argumentiert.
Schweiz - Eu: Gibt es doch noch ein Rahmenabkommen mit der EU, sollen der demokratische Prozess für die dynamische Übernahme von EU-Recht und das Mitspracherecht für Parlament, Volk und Kantone gesetzlich gewährleistet werden. Das Parlament hält an dieser Forderung fest. Der Nationalrat überwies dazu eine Motion aus dem Ständerat. Eingereicht hatte diese vor rund zwei Jahren der frühere Tessiner Ständerat Filippo Lombardi (Mitte). Der Ständerat hatte sie im Dezember angenommen. Eine Minderheit und Aussenminister Ignazio Cassis hatten Ablehnung der Motion beantragt. Diese sei nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Brüssel gegenstandslos.
Parlamentsgesetz: Nach dem Ständerat hat auch der Nationalrat hat einer neue Regelung des Differenzbereinigungsverfahren bei Motionen zugestimmt. Bei einigen Geschäften müssen die Räte deshalb künftig eine zusätzliche Runde einlegen. Der Rat, der die Motion als erster behandelt, hat neu die Möglichkeit, in der zweiten Lesung an seinem anfänglichen Beschluss festzuhalten, die Motion also in der ursprünglichen Fassung annehmen, wenn der Zweitrat sie abgeändert hat. Der Zweitrat kann den Vorstoss schliesslich ebenfalls so annehmen oder aber ablehnen. Das Geschäft ist bereit für die Schlussabstimmungen.
Abstimmungen: Der Bundesrat muss dem Parlament darlegen, wie vor Abstimmungen künftig garantiert ist, dass die Stimmenden sich objektiv eine Meinung bilden und Fehlinformationen verhindert werden können. Der Nationalrat hat ein Postulat der Mitte-Fraktion mit 155 zu 25 Stimmen und 2 Enthaltungen angenommen. Eingereicht hatte die Fraktion den Vorstoss im Nachgang zur Abstimmung über die Volksinitiative zur Abschaffung der Heiratsstrafe. Weil der Bund falsche Zahlen zur Ehepaar-Besteuerung vorgelegt hatte, entschied das Bundesgericht, dass die Abstimmung aufzuheben sei. Der Bundesrat lehnte das Postulat ab. Er verwies auf das bisher Unternommene.
Autonome Waffen: Für den militärischen Einsatz von autonomen Waffensystemen und künstlicher Intelligenz gibt es heute keine völkerrechtlichen Regelwerke. Der Nationalrat will deshalb vom Bundesrat Aufschluss darüber erhalten, wie eine Einsatzdoktrin für dieses Systeme mit Rücksicht auf internationale ethische Standards ausgestaltet werden könnte. Er hat dazu ein Postulat seiner Sicherheitspolitischen Kommission überwiesen, mit dem der Bundesrat einverstanden war. Den geforderten Bericht will er im Rahmen der Strategie "Rüstungskontrolle und Abrüstung 2022 - 2025" vorlegen. Sie sei zurzeit in Arbeit, sagte Aussenminister Ignazio Cassis.
Aussenpolitik: Schweizer Nichtregierungsorganisationen (NGO) erhalten bei ausreichender Erfahrung und Kompetenz weiterhin keinen Vorrang bei der Vergabe von Mandaten in der internationalen Zusammenarbeit (IZA). Der Nationalrat hat als Zweitrat eine entsprechende Motion abgelehnt. Im Gegensatz zum Ständerat verwarf die grosse Kammer den Vorstoss der Aussenpolitischen Kommission des Ständerates (APK-S) mit 100 zu 82 Stimmen bei 2 Enthaltungen. Das Geschäft ist damit erledigt. Laut Aussenminister Ignazio Cassis wäre ein Inländervorrang nicht vereinbar mit dem Bundesgesetz. Schon heute würden 70 Prozent der Aufträge an inländische Anbieter gehen.
Bundesverfassung: Wie der Ständerat wünscht auch der Nationalrat im Jahr 2023 Feierlichkeiten zum 175-Jahr-Jubiläum der Bundesverfassung von 1848. Richten soll sich das Fest an die Bevölkerung. Namentlich jüngere Menschen sollen angesprochen werden. So steht es in der Motion von Beat Flach (GLP/AG), die der Nationalrat mit 128 zu 54 Stimmen angenommen hat. Einen gleich lautenden Vorstoss von Hans Stöckli (SP/BE) hatte schon am Dienstag der Ständerat gutgeheissen. Das Grobkonzept der Parlamentsdienste schlägt unter anderem vor, das Parlamentsgebäude, die angrenzenden Bundeshäuser und weitere Gebäude des Bundes an einem Wochenende im Juni für die Bevölkerung zu öffnen.
Berichte: Der Nationalrat hat mehrere Berichte von Delegationen stillschweigend zur Kenntnis genommen. Es sind die Delegation bei Efta und Europäischem Parlament, die Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, der Parlamentarierdelegation beim Europarat, der Delegation bei der Interparlamentarischen Union, der Delegation bei der Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie und bei der Parlamentarischen Versammlung der Nato. Ihren Jahresbericht vorgelegt haben schliesslich auch die Delegationen für die Beziehungen zu den Nachbarstaaten.
Kundgebungen: Der Nationalrat will am Kundgebungsverbot auf dem Bundesplatz während der Sessionen festhalten. Er hat eine Motion von Aline Trede (Grüne/BE) mit 117 zu 67 Stimmen abgelehnt, die forderte, dass der Bund sich bei der Stadt Bern für eine Aufhebung des Verbots einsetzen müsse. Das Verbot sei demokratiepolitisch nicht haltbar, begründete Trede ihren neusten Anlauf für eine Aufhebung. Die Bevölkerung müsse Anliegen an die Ratsmitglieder herantragen können. Das Büro des Nationalrates lehnte den Vorstoss ab und verwies auf die bewährte Regelung. Die Räte sollten ihre Aufgaben ohne Störungen wahrnehmen können.
Die Traktanden des Nationalrates für Montag, 14. Juni (14:30 bis 19:00):
| Bern |
Fragestunde (bis 15:30 Uhr) |
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Coronavirus - Änderungen im Covid-19-Gesetz, Differenzen (21.033 |
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Steuerliche Entlastung für familienexterne Kinderbetreuung (20.455) |
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Anpassungen im Bundesgerichtsgesetz - Revision von Urteilen nach Verletzungen der Menschenrechtskonvention (EMRK) (16.461) |
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Motion für Landesverweisungen per Strafbefehl (21.3009) |
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Parlamentarische Initiativen 1. Phase (gebündelte Abstimmungen ca. 18:45 Uhr) |