"Sie waren vor allem auch ein Mediator, der den Zusammenhalt im Bundesrat stärkte", sagte Nussbaumer am Mittwoch vor der Vereinigten Bundesversammlung. Mit viel psychologischem Geschick habe Thurnherr die unterschiedlichen Charaktere in der Landesregierung auf einen einigermassen harmonischen Nenner gebracht.
Zudem sei der abtretende Bundeskanzler immer auch der Botschafter des Parlaments im Bundesrat gewesen, so Nussbaumer: "Sie haben die Verwaltung daran erinnert, dass das Parlament in den Beziehungen zwischen den Gewalten immer das letzte Wort hat." Seine Aufgaben habe Thurnherr mit Bravour gemeistert: "Kurz gesagt, Sie waren derjenige, den wir uns alle an unserer Seite gewünscht hätten, in guten wie in schlechten Zeiten."
"Humor war Ihre Methode, um Dinge auf den Punkt zu bringen, um mit Menschen in Kontakt zu treten", sagte der Nationalratspräsident an Thurnherr gerichtet. "Für Sie ist Humor eine zu ernste Angelegenheit, um sie Amateuren zu überlassen."
Auch in seiner Abschiedsrede vor dem Parlament sorgte Thurnherr für Heiterkeit. Mit Reden nach dem Rücktritt müsse man vorsichtig sein, sagte er. "Es ist eine Gnade, wenn man erkannt hat, dass man nichts mehr zu sagen hat - und trotzdem schweigt", zitierte er den früheren Berner FDP-Ständerat Arthur Hänsenberger.
Zugleich mahnte der abtretende Bundeskanzler, die Voraussetzungen dafür, dass das politische System der Schweiz funktioniere, seien anspruchsvoll. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Gesetze und Verordnungen, sondern um Errungenschaften wie den sozialen Ausgleich zwischen Arm und Reich, die Medienvielfalt oder den Respekt vor der Gewaltenteilung.
"Keine Demokratie bleibt eine, nur weil sie schon lange eine war", sagte Thurnherr. Nichts sei selbstverständlich. Dies lehre die internationale Entwicklung. Die Schweiz sei das beste Land, das er kenne, schloss Thurnherr: "Tragen sie Sorge zu ihm."